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Über den Autor

Thorsten Walter

Thorsten Walter ... ist seit dem Erstkontakt mit einem väterlichen Casio CZ-1 und dem guten alten C-64 samt MIDI-Interface im Jahre 1987 nahezu ständig mit professionellem Audio, Synthesizern und deren Planung/Entwicklung beschäftigt. Aufnahmen, Produktionen und Abmischen gehören genauso zu seinen Spezialitäten wie der Hang zu Hallgeräten, guten Studiomonitoren und Raumakustik.

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Test: TC Electronics Voice Modeler für Powercore

09.12.2003
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Der digitale Fortschritt macht nicht halt. Nun bietet TC Electronic sogar ein PlugIn an, dass die menschliche Stimme in ihrem Charakter verändern kann. Dies soll sich laut der Werbung auch äußerst natürlich anhören. Lesen Sie in diesem Test, ob dem wirklich so ist.

 

Gesang oder Stimmhafte Laute werden vom menschlichen Ohr besonders kritisch bewertet, da unser Gehirn hier eine besonders hohe Differenzierungsfähigkeit entwickelt hat, um verschiedene Mitmenschen ausschließlich anhand ihrer Laute auseinanderhalten zu können. Kleinste elektronische Manipulationen fallen sofort auf, und klingen normalerweise unnatürlich. Im Gegensatz dazu verhält sich dies bei Instrumenten nicht ganz so extrem, hier lässt das Ohr einiges mehr durchgehen.

Der Voice-Modeler bietet die Möglichkeit per sogenanntem „Voice Modeling“ den Charakter einer Stimme zu verändern. TC beschreibt in der Anleitung, nach welchen Kriterien hier vorgegangen wird. Anhand einer bestimmten Anzahl von Sängern und Sängerinnen wurde ein Katalog mit Attributen angelegt und die resultierenden Informationen sind direkt in die Entwicklung des PlugIns eingeflossen. Die gleichen Algorithmen gibt es auch in den Hardware-Geräten VoicePrism+ und VoiceOne von TC Helicon.

Die Entwickler konnten sechs verschiedene Parameter extrahieren, um bei deren Veränderung die typischen stimmlichen Variationen herbeizurufen:

INFLECTION
Die mit Inflection erzeugbaren Effekte sind vor allem für Dopplungen von Stimmen gut zu gebrauchen. Die Einstellbaren Parameter sorgen für zufällige Veränderungen in Tonhöhe und sogar der Zeit. Mit TC´s FlexTime-Algorithmus variiert der Einsatz der zweiten Stimme in einem definierbaren Rahmen, was besonders für Dopplungen geeignet ist. Leider finden sich hier nicht alle Parameter der Harware-Geräte wieder, sodass der Nutzen hier eingeschränkt ist. Die Scoop-Effekte simulieren das bewusste „hinziehen“ von Tönen. Die Inflection Abteilung ist recht gut gelungen.

SPECTRAL
Spectral ist ein speziell für Stimmen entwickelter Equalizer, der die natürlichen Klangformungsmöglichkeiten des Mundes bzw. des Kehlkopfes nachahmt. Diese Einstellungen lassen sich zwar auch mit einem Vollparametrischen EQ erzeugen, aber hier hat man schon vorgefertigte Presets, die weitaus schneller zum gewünschten Ergebnis führen können.

 

GROWL
Growl soll das typische reiben des Kehlkopfes am Epiglottis simulieren, das vor allem gerne im Soul oder Blues angewandt wird und sich anhört als würde die Sängerin mit Ihren Stimmbändern „gurgeln“ ?. Diese Effekt ist aber weniger gut gelungen. Per MIDI lässt er sich sporadisch aktivieren aber man sollte diesen Effekt sehr vorsichtig nutzten.

VIBRATO
Hiermit können die typischen periodischen Lautstärke- bzw. Tonhöhenänderungen simuliert werden. Auch hier kann der gezielte Einsatz per MIDI Wunder vollbringen.

BREATH
Breath erzeugt einen Hauchigen Anteil in der Stimme. Dezent dosiert kann er allzu luftlosen Stimmen ein wenig mehr Charakter verleihen. Nach wohl bedachtem Einsatz erzielt man auch hier recht gute Ergebnisse.

RESONANCE
Dieser Effekt soll es ermöglichen den gesamten stimmlichen Charakter durch Formatverschiebung zu verändern. Die natürlichen Resonanzen des Rachenraumes und des Kehlkopfes werden hierbei im Spektrum verschoben und erzeugen eine meisten recht künstlich klingende Veränderung der Stimme. Hier würde ich auch Vorsicht walten lassen.

Alle Modeling-Effekte lassen sich per MIDI fernsteuern um z.B. eine Harddisk-Spur nachträglich zu bearbeiten. Mit Cubase SX oder Logic kann man die hervorragende visuelle Automation mit Gummibändern dazu nutzen, mehrere Controller-Spuren unterhalb der Gesangsspur zu öffnen, diese mit eben den Parametern für die Stimmmodellierung zu belegen, und anschließend nach Herzenslust die Stimme verbiegen. Wie schon oben beschrieben, würde ich die Effekte Growl und Resonance - wenn überhaupt - nur kurzzeitig anwenden. Die übrigen Resultate der Effekte lassen sich aber durchaus positiv bewerten. Besonders der Inflection Effekt kann durch mehrmaliges Anwenden auf der gleichen Audiospur einen kompletten Chor erzeugen.


Fazit
Der TC Voice-Modeler ist ein weiteres hochwertiges Powercore-PlugIn mit dem Schwerpunkt Stimmbearbeitung und reiht sich daher gut in die anderen hochqualitativen PlugIns für die Powercore ein. Die Qualität ist für Studioanwendungen ausreichend hoch und stellt den derzeitigen Stand der Technik dar, was ziemlich gute Ergebnisse liefert. Bei zu extensivem Gebrauch können die Algorithmen aber auch unnatürlich klingen, wenn man nicht aufpasst. Dennoch wird auch mit dem Voice Modeler aus einem gecasteten Pop- oder Superstar noch lange kein Seehund ? . Aber wenn das Eingangsmaterial gut ist, kann man das ein oder andere Detail herausarbeiten oder sogar neu erzeugen. Dies ist allerdings mit viel Zeit und Aufwand verbunden, so dass man je nach Möglichkeit doch in eine bessere Sängerin investiert. Ist die Sängerin aber nicht ‚griffbereit’, macht der Voice Modeler eine hervorragende Figur um die Stimme nach eigenen Wünschen zu verbiegen.

PLUS
++++ einzigartige Algorithmen
+++ guter Klang
++ zahlreiche Presets

MINUS
- nicht alle Algorithmen überzeugen
- Parameter gegennüber der Hardware eingeschränkt

Preis
Online-Preis: 215 Euro
Straßenpreis: 230 Euro

 

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