AMAZONA.de - Test: Mackie Tracktion 3 (Ultimate Bundle)

von am 07.09.2007

Wer sich im Reich der Musiksoftware ein wenig auskennt, der kennt die goldene Regel des Sequenzer-Updates: Alles wird größer. Da macht auch Tracktion, der Software-Sequenzer aus dem Hause Mackie, keine Ausnahme. Das Programm liegt nun in Version 3 vor und hat mächtig was auf die Hüften bekommen. Vor allem das zum Test vorliegende „Ultimate Bundle“ macht beim Thema Software-Beigaben eine vollschlanke Figur. Mackie bietet neben dem Ultimate Bundle auch noch ein normales Upgrade für das eigentliche Sequenzerprogramm, so wie das Project Bundle mit einer reduzierten Beigaben-Liste an.

 

 


Die Edit-Page von Tracktion 3

Laut Angaben des Herstellers wurden bei den Sequenzer-Funktionen, im Vergleich zur Version 2, über 150 neue Funktionen installiert, die die Arbeit des Computermusikanten erleichtern und seinen Kreativitätsfluss steigern sollen.

Ein Paket für Sie – The Ultimate Bundle
Schon bei meinem ersten Tracktion-Test im Jahre 2005 betätigte ich mich als Seher und prophezeite für weitere Updates von Tracktion üppige Software-Beigaben – Mackie hat mich nicht enttäuscht. Eigentlich kann man nicht mehr von „Beigaben“ sprechen, denn das Softwarepaket, das dem Ultimate Bundle beiliegt, ist eine Vollausstattung für das virtuelle Studio. Neben dem eigentlichen Sequenzer-Programm werden beim Tracktionist folgende Programme mitgeliefert :

SampleTank 2 SE - Software-Sampler mit 100 Sounds

Amplitube - Amp- und Effektmodulator für (E-) Gitarre und Bass

R.A.W. Loops - 2000 Apple/Rex Loops inkl. 1 GB Audio-Loops

DrumCore TK - Drumloop-Player im Groove Agent-Style inkl. 2 GB Loop-Material

Personal Orchestra - 800 MB Orchester-Sample (verpackt in einem Kontakt2-Player)

Alpha 3 - Software-Synthesizer

Cronox3 - Software/Sample-Synthesizer

RM IV - virtuelle Drummachine

 

 

 


Überblick Add-On Software

 

 

 

Hinzu kommen Tracktion-eigene Effekte und einige Masteringtools, im professionellen Design, aus dem Hause Mackie. Hier schon mal ein Hinweis an alle Praktischdenker: Die o.g. Pug-Ins laufen nur unter Tracktion 3 - die Samples hingegen können auch von anderen Softwaresamplern verarbeitet werden. Wenn man sich nicht aus selbst verschuldeten Gründen eine Schlankheitskur verordnete, schaufelt die Installationsroutine einiges an Bits und Bytes auf die Festplatte des Studiorechners. Wenn ich recht beobachtet habe, dauerte die Installation auf meinem recht aktuellen Dual Core 2 – Knecht lockere 40 Minuten. Respekt – aber gut Ding will halt Weile haben!

 

 

 

Drei Seiten für ein Halleluja

 

Seit der Ursprungsversion ist Mackie dem Single-Page-Design seines Sequenzer-Boliden nun treu geblieben. Will sagen, alles was sich um das eigentliche Musik produzieren dreht, findet auf einer einzigen Oberfläche statt. Die beiden anderen Ebenen dienen der Verwaltung des musikalischen Datenmaterials (Projekte) bzw. der Einrichtung und Einstellung des Programms. Werfen wir einen kurzen Blick auf die Seite „Einstellungen“. Ja, richtig gelesen. Tracktion 3 kann auf deutsche Menüsprache eingestellt werden. Unter Einstellungen finden wir, wie erwartet, Menüpunkte zum Einrichten der Audio- und der MIDI-Hardware. Alles sehr übersichtlich und großzügig gestaltet. No Problemo bei der Bedienung. Weitere Menüpunkte unter „Einstellungen“ erlauben detaillierte Voreinstellungen des User-Interfaces - bis hin zu Details wie Farbgebung, Benutzernamen - sowie diverse Dateipfad- Programmierungen für Speicherungen von Songdateien, Loops und Samples. Ebenso findet man hier die Plug-In-Verwaltung und eine äußerst umfangreiche Liste von Tastaturbefehlen – alle selbstverständlich individuell programmierbar. Last but not least unterstützt Tracktion 3 von Hause aus auch die folgende Controller Hardware: Mackie Control Universal und C4 , Frontier Tranzport und Novation Remote SL. Andere können vom User angepasst werden. In der Tracktion-Landessprache heißt ein Song „Projekt“. Hat man ein Neues Projekt angelegt, erwacht auch die „Projekte“-Seite zum Leben. Kurz gesagt hier findet man alle Informationen zu den im Projekt verwendeten Elemente (Samples, Loops, MIDI-Files , Filme etc.). Das Ganze übersichtlich sortiert nach Quellen, Speicherdaten- und orten (wichtig !) und wenn man doch mal den Überblick verloren hat, dann hilft eine Suchfunktion. Alle Loops und Samples lassen sich bereits hier bequem vorhören und auch mit einfachen Funktionen editieren (Normalisieren, Monosummierung und Umkehrung). Wer detailliertere Eingriffe am Audiomaterial vornehmen möchte, kann hier direkt über einen Menupunkt in Tracktion seinen Audio-Editor der Wahl aktivieren und dann die Bearbeitung dort durchführen. Das Single-Page-Konzept von Tracktion findet seine Verwirklichung schließlich in der Edit-Page die wir nun aufrufen.

 

 

 

One Song – One Page

 

Die Edit-Seite von Tracktion gliedert sich in sechs große Bereiche. Das eigentliche Edit-Fenster mit der Time- oder Taktline visualisiert quasi den Signalweg durch die Software. Auf der linken Seite findet man die MIDI- oder Audio-Signal-Eingänge und rechts des Bereichs mit den Eventdarstellungen findet man die Ausgangsseite. Hierzu später mehr. Zuvor schauen wir uns noch eine Neuheit der Tracktion Version 3 genauer an. Den Loop-Browser. Links des Arrangement-Fensters befindet sich ein Loop-Browser zur Verwaltung der für Tracktion zur Verfügung stehenden Loops. Der Loop-Browser ist thematisch gegliedert nach musikalischen Stilen, Instrumenten oder auch Klang- Kategorien. Das wirkt zunächst sehr einladend und funktioniert mit den mitgeliefertem Samplematerial auch tadellos. Wer hier jedoch seine eigene / vorhandene Samplelibrary der Tracktion-Verwaltung unterwerfen will, auf den lauert wohl eine größere Aufgabe. Da greift man wohl schnell wieder zum herkömmlichen Dateibrowser. Positiv aufgefallen beim Loop-Browser ist mir die regelbare Lautstärke der Auto-Wiedergabe. Ein Feature, das man beim Durchhören verschiedener Loops bei gleichzeitig laufendem Song sehr zu schätzen lernt. Dominiert wird der zentrale Edit-Bereich wie erwartet vom Track-Edit-Fenster - hier in der klassischen Timeline-Darstellung. Wie bei den vorherigen Tracktion-Versionen auch hat Mackie die Verwaltung des Eingangsrouting clever gelöst. Ein rechter Mausklick auf die Trackinput-Pfeile und schon zeigt ein Fenster alle zur Verfügung stehenden Inputs. Über die Auswahl des Inputs entscheidet sich, ob die betreffende Spur eine MIDI - oder eine Audio-Spur sein soll. Für Einsteiger einfach zu durchschauen - für Profis einfach zu überblicken. Klickt man ein Spur-Inputsymbol an, können im unteren Bereich des Edit-Fensters die detaillierten Einstellungen für diese Spur vorgenommen werden. Im übrigen hat Tracktion natürlich auch sämtliche Darstellungsoptionen wie z.B. Track- und Timeline- Zoom im Programm. Die Tempo-Masterspur wird als eigener Track geführt, wobei das Tempo mittels einer Kurve graphisch und auf Wunsch auch stufenlos, editiert werden kann.

 

Kommen wir nun zu den Filtern. Unter diesem Begriff versteht man (nur) in der Tracktionwelt virtuelle Instrumente und Effekte. Ein Begriff, den ich nach wie vor für verwirrend halte. Sei`s drum, Mackie bleibt dabei und hat sich ebenfalls entschlossen, die einfache Handhabung der Filter beizubehalten. Einfach den Button "neues Filter..." per drag and drop auf die gewünschte Position in der Signalausgangs-Kette rechts des Track-Fensters bugsieren - gewünschte virtuelle Kiste auswählen - fertig.

 

 

 


Einfügen eines neuen Filters

 

Alle verfügbaren Filter lassen sich, natürlich bestimmt nach ihrer Funktion (Instrument oder Effekt), sowohl in jeder MIDI/Audio-Spur als auch im Masterbereich zur Summenbearbeitung verwenden. Die Editierung von „externen“ Instrumenten/Effekten und den Tracktion eigenen Filtern unterscheidt sich. Logischerweise erscheinen VST-Instrumente in ihrem normalen Design. Tracktion–Filter werden, über Schalter und Schieberegler im Tracktion eigenen Look in einem unter dem Edit-Fenster platzierten Bereich editiert.

Besonders ansprechen muss man auch die neue Freeze-Funktion von Tracktion 3. Dieses Tool hilft bei schwachbrüstigen Rechnern - oft ein Einsteigerproblem - aber auch bei aufwändigen Arrangements mit reichlich Plug-Ins, die gelegentlich auch aktuelle Rechner an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Mit der Freeze-Funktion erstellt Tracktion aus einer MIDI-Spur, die ein Instrumenten und/oder Effekt-Plug-In ansteuert, eine 1:1 Audiokopie. Die Spur wird quasi aufgenommen und als Audiodatei abgelegt. Vorteil: Man spart die Rechenleistung zur Echtzeitberechnung des Plug-Ins, die somit wieder für andere Aufgaben zu Verfügung steht. Nachteil : Das "eingefrorene" Material ist nicht mehr unmittelbar editierbar. Für evt. Änderungen muss die Spur wieder "aufgetaut" werden. Die Freeze bzw. De-Freeze-Prozesse können, abhängig von der Spurlänge und der Computerleistung recht lange dauern. Kurz: Man gewinnt an Systemleistung auf Kosten der musikalischen Flexibilität.

Racks for Tracks

Irgendwo habe ich mal den Begriff des „Killer-Feature“ gelesen. Wenn damit ein herausragendes Merkmal oder eine besonders gelungene Funktion einer Software gemeint ist, dann muss man den Racks in Tracktion diesen Orden anhängen. Racks - es gibt sie im übrigen schon seit der Version 1 des Mackie-Haussequenzers - erlauben die Verknüpfungen von Filtern, also verschiedenster Virtueller Software-Instrumente und / oder Effekte, zu einem "Multi-Filter". Gewissermaßen ist ein Rack der Combinator innerhalb von Tracktion 3 - wer Reason 3.0 kennt, weiß, wovon ich spreche. Dabei stellt Tracktion eine virtuelle Verkabelung der RACK-Elemente, sowohl für MIDI- als auch für Audiosignale, bereit.

 

 


Beispiel für ein Creative-Rack

 

 

Besonders gut haben mir die werksseitig vorgegeben Racks gefallen. Nicht nur weil man sie als Presets im eigentlichen Sinne benutzen kann - noch interssanter ist es, diese als Ideengeber für eigene Kreationen und Verknüpfungen zu benutzen. Ein Beispiel ist die Verwendung von Multi-Output VSTi`s als Signalsplitter. So können z.B. den verschiedenen Ausgängen eines Kontakt-Samplers verschiedene Effekte nachgeschaltet werden. Auf die gleiche Weise können die einzelnen Instrumentenausgänge einer virtuellen Drummachine individuell mit Effekten belegt werden. Man sieht: Ein weites Feld für Experimente. Einzelne Rack-Kreationen können individuell gespeichert werden. Der von Mackie initierte Austausch von Racks zwischen Tracktion-Usern wird sich wohl auf Racks begrenzen, die auf die serienmäßige Filter-Ausstattung von Tracktion3 zurückgreifen. Darüber hinaus gehende Kreationen funktionieren nur dann, wenn die beteiligten User die jeweils verwendeten externen Plug-Ins zur Verfügung haben. Dennoch eine interessante Initiative des Herstellers für engagierte Tracktion3 - Anwender.

Praxis

Während des gesamten Testbetriebs lief Tracktion 3 auf einem Dual Core 2 - Rechner unter XP SP 2 problemlos und absturzfrei. Alle bereits installierten Plug-Ins wurden ohne Probleme erkannt und konnten genutzt werden. Auch die Einbindung der vorhandenen Audio-Hardware erfolgte ohne Komplikationen.

Sicherlich bietet Tracktion nicht den vollen Funktionsumfang wie es z.B. die Platzhirsche Cubase , Logic oder gar Pro Tolls bieten. Ich möchte Tracktion als Kreativ-Sequenzer bezeichnen, während die o.g. sicherlich unter dem Begriff der Profi-Programme zu fassen sind. Wer neben der Feature-Liste auch noch seinen Konto-Auszug auf dem Tisch liegen hat, für den ist Tracktion 3 eine vollausgestattete Alternative für die computergestützte Musikproduktion.

Fazit

Tracktion 3 ist eine echte Allrounder-Sequenzer-Software, die umfangreiche Funktionalität bei einem schlanken Preis bietet. Viele Ausstattungsmerkmale und insbesondere das Bedienkonzept sprechen Einsteiger an. Besonders gut gefallen hat mir die übersichtliche und jederzeit transparente Sampleverwaltung – an vielen Stellen der Oberfläche lassen sich die Speicherorte der verwendeten Sample problemlos identifizieren. Da habe ich schon ein deutlich zugeknöpfteres Sample-Management erlebt. Die Software bietet auch fortgeschrittenen Sequenzisten kreative Tools, mit denen musikalisches Neuland erschlossen werden kann. Hier müssen an erster Stelle natürlich die Filter-Racks genannt werden. Ich persönlich vermisse – wie schon seinerzeit beim Test der Version 1 angemerkt – eine Mixer-Ebene. Ohne Zweifel lässt sich mit Tracktion 3 auch ohne dieses Feature ein Song perfekt abmischen. Allerdings halte ich aufgrund der Übersichtlichkeit und selbsterklärenden Oberfläche eine gut gestaltete Mixing-Page für ein Must-Have Merkmal einer Sequenzer-Software.

PLUS

+++++ Ausstattung und „Beigaben“

++++ Handhabung

++++ Rack-Filter (für Fortgeschrittene)

+++ Freeze-Funktion

MINUS

----- keine Mixing-Ebene

-- Bundle-Software funktioniert nur unter Tracktion 3

-- DrumCore funktioniert im Test nur im ReWire- nicht im VST-Betrieb

Systemvoraussetzungen:

PC:

Minimal:

Windows XP, Pentium III 1 GHz oder Athlon 1,4 GHz, 512 MB RAM , DVD Laufwerk

Empfohlen:

Windows XP, Pentium IV oder Athlon 2,8 GHz , 1 GB RAM DVD Laufwerk

Mac:

Minimal: Mac OS 10.4.8 oder höher, G4, G5 , Intel 1 GHz 512 MB RAM,DVD Laufwerk

Empfohlen: Mac 10.3 oder höher,G5,1,8 GHz, 1 GB RAM , DVD Laufwerk

Preise:

UVP: 345,00 US $

Straßenpreis: 280,00 Euro

Hersteller / Vertrieb: www.mackie.com

Verweise

  1. MACKIE HOMEPAGE
    (http://www.mackie.com)

Bewertung

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