AMAZONA.de - Test: Mackie 2-Weg-Aktivbox HD 1521

von Peter Ludl am 31.07.2009

High Definition

 

Wo man geht und steht wird man seit einigen Jahren mit dem Begriff HD konfrontiert. Ob HDTV oder HDV, High Definition steht, zumindest im visuellen Bereich, für die derzeit beste am Markt erhältliche Abbildungsqualität. Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch im professionellen Audiobereich dank neuentwickelter Technologien noch bessere Klangqualität geboten werden konnte – im HiFi-Bereich gibt es das mit High-End ja schon recht lange. „High-Definition Live Sound“ heißt die neue Kategorie der Audioindustrie, die vom namenhaften Hersteller Mackie ganz aktuell ins Leben gerufen wurde. Mackie stellt darin mit der HD-Serie eine neuentwickelte PA-Lautsprecherreihe vor, die aus zwei hochauflösenden Aktivboxen besteht: dem 2-Weg-Aktivbox HD 1521 und dem aktiven 3-Weg-System HD 1531. Damit setzt Mackie in seinem vor vielen Jahren eingeführten Aktivkonzept einen weiteren Meilenstein der Lautsprechertechnologie. Seit Mai 2009 sind die Boxen der HD-Serie in Europa und Amerika erhältlich.

 


Mackie Aktivbox mit High-Definition Live Sound

 

Als Fachautor für den Bereich PA bei AMAZONA.de bekam ich die angenehme Aufgabe, zwei Exemplare der HD 1521 auf Herz und Nieren zu testen.

 

Nicht ohne Grund lieferte die Spedition beide Boxen auf einer Palette und rollte sie mit einem Hubwagen bis vor meine Haustür. Ohne Hilfe des freundlichen Fahrers wäre es mir nicht gelungen, die schweren Kisten ins Haus zu verfrachten. Jede Aktivbox bringt ohne Umkarton 36 kg auf die Waage. Beim Einsatz auf Hochständern sollte daher vorher überprüft werden, ob die Tragekonstruktion mit diesem Gewicht überhaupt zurecht kommt. Als die beiden schweren Jungs endlich im schallisolierten Kellerraum standen, schaute ich mir die Verpackung näher an. Während hier früher im allgemeinen schlichte Kartons für den Transport dienten, nutzen die Hersteller heutzutage alle sichtbaren Seiten als großformatige Werbefläche, so auch Mackie. Von der Begriffserklärung „High-Definition defined“, über sämtliche Boxen Aufmaße bis zu Grafiken mit Anbringungsbeispielen „you can pretty much park this baby wherever you want“, reicht die Informationsbandbreite auf den in leuchtendem Grün gestalteten Verpackungen.

 

 

Ausgepackt

 

Obwohl alle Hersteller immer noch um das schönste Kunststoffgehäuse wetteifern, geht Mackie mit der HD-Serie wieder in Richtung klassischer Baumaterialien. Das 762 mm hohe, 477,8 mm tiefe und an der Frontseite 463,5 mm breite, trapezförmige robuste Gehäuse ist komplett aus Holz gefertigt (Maße laut Bedienungsanleitung). Genauer gesagt, aus 15 mm starkem Birkensperrholz. Trapezförmig bedeutet, nach hinten läuft die Box schmal zu und misst dort 300,2 mm Breite. Die schwarz lackierte, strukturierte Oberfläche macht einen unempfindlichen Eindruck. Ein kräftiges, rund gelöchertes Metallgitter schützt das 15″ Neodym Basschassis und den 1,75″ Titan-Kompressionstreiber. Ansprechend vom Boxen-Design sind die abgerundeten Kanten der Lautsprecherabdeckung, die sich in weicher Rundung oben und unten ein Stück nach hinten fortsetzen. Gelungen auch die asymmetrisch gestaltete Aufteilung der Front durch einen senkrechten Streifen mit integriertem Logo und blauer Kontroll-Leuchte. Diese lässt sich übrigens auf der Rückseite mittels Schalter ein- oder ausschalten. Wo wir gerade auf der Rückseite sind. Hier springen die massiven Kühlrippen der Leistungsendstufe förmlich ins Auge. Sie nehmen ein Großteil der rückseitigen Fläche ein. Ausreichende Kühlung ist bei dieser Aktivbox auch angebracht. Die Leistungsendstufe in effizienter Class-D Technik liefert sagenhafte 1600 Watt Spitzenleistung, die sich aufteilt in 1400 Watt Peak (700 Watt RMS) zur Befeuerung des 15-Zöllers und 200 Watt Peak (100 Watt RMS) für den Kompressionstreiber.

 

Sämtliche Anschluss- und Bedienelemente sind zum Schutz gegen unerwünschte Berührungen vertieft im Gehäuse. Da haben wir im unteren Teil den Netzanschluss mit Power-Schalter sowie zugehöriger Kontroll-LED. Oberhalb des Kühlkörpers sitzt der Main Input in Form einer symmetrisch geschalteten XLR-Buchse. Darunter eine männliche XLR-Ausgangsbuchse zur Weiterleitung des Eingangssignals. Hier können zusätzliche Boxen angeschlossen werden.

 


Ruhig gestaltete Frontpartie und mächtig Power. Mackies neue PA-Box.

 

Achtung Kontrolle

 

Die Stärke des Eingangssignals wird mit dem Level-Regler angepasst. In Mittelstellung findet keine Beeinflussung statt. Beim Dreh nach links kann der Pegel bis zu 6 dB abgeschwächt werden, nach rechts gedreht ist eine Anhebung bis maximal 6 dB möglich. Über dem Drehregler sitzen zwei kleine, aber wichtige LEDs. Eine von ihnen trägt die Bezeichnung SIG/LIMIT. Diese zweifarbige Anzeige leuchtet grün, wenn ein Signal im Eingangsbereich ankommt. Flackert's hier gelegentlich gelb, ist das nicht weiter schlimm. Das ist ein Zeichen für den Eingriff des eingebauten Limiters, der vor Übersteuerung schützt. Leuchtet die Kontrolle allerdings häufiger oder sogar ständig, wird es Zeit, das Eingangssignal herabzusetzen. Die zweite LED trägt die Bezeichnung THERMAL. Mackie hat die HD 1521 mit einer Schutzschaltung ausgestattet, die permanent die Temperatur der Verstärkermodule und des Kühlkörpers überwacht. Falls die Temperatur während des Betriebs einen bestimmten Punkt überschreiten sollte, wird das Eingangssignal kurzerhand stumm geschaltet. In diesem Fall leuchtet die Anzeige. Beim Einsatz der Schutzschaltung erlischt auch (falls aktiviert) die vorderseitige blaue Power-LED. Nach Abkühlung auf eine sichere Betriebstemperatur wird das System automatisch wieder aktiv geschaltet, die THERMAL-LED erlischt dann ebenfalls.

 


Übersichtliches Bedienfeld mit abschaltbarem EQ

 

Klangregelung

 

Gefreut hat mich der kleine Taster mit der Bezeichnung EQ ON. Damit ist es möglich, den 3-Band EQ komplett aus dem Signalweg zu nehmen oder ihn bei Bedarf zu aktivieren. Der Regler für die tiefen Frequenzen ist als Shelving Filter ausgelegt und arbeitet in so genannter Kuhschwanzcharakteristik. Die Centerfrequenz liegt bei 80 Hz. Von hier aus kann die Frequenz um 3 dB angehoben oder abgesenkt werden. Ein ähnliches Prinzip verfolgt der Höhenregler. Auch hier sind Eingriffe um 3 dB nach oben oder unten in Form einer Kuhschwanzcharakteristik möglich. Die Centerfrequenz der Höhen liegt bei 12 kHz. Das Mittenband ist semi-parametrisch ausgelegt. Bei fest eingestellter Flanke von Q=1.5 kann mittels FREQ-Regler das Frequenzband von 100 Hz bis 8 kHz ausgewählt werden. Die Centerfrequenz liegt übrigens bei 600 Hz (Mittelstellung). Veränderungen sind ebenfalls um +/- 3 dB möglich. Gemessen an Klangregelungen anderer PA-Boxen sind die Frequenzeingriffe um maximal 3 dB nach oben oder unten recht sparsam ausgelegt. Aber man kennt es ja aus dem HiFi-Bereich. Ein echter „Highender“ hört grundsätzlich linear ab. Außerdem ist eine klangliche Beeinflussung beim Live-Einsatz der High-Definition Box jederzeit via Mischpult oder professionellem Equalizer im Siderack möglich.

 

 


Flugfähig im Hochformat

 

Flugkontrolle

 

Neben kleinen Standfüßen und dem genormten Hochständerflansch verfügt die HD 1521 über zwölf Flugpunkte. Mit separat erhältlichen Standard Flugösen (M10 x 1,5 x 37 mm) kann die Box vertikal oder horizontal geflogen werden. Die umfassende Bedienungsanleitung mit vielen Grafiken gibt detaillierte Auskunft über den Einsatz der HD 1521 als fliegendes System.

 


Flugfähig im Querformat

 

Angepackt

 

Zum Transport der High-Definition Aktivbox dienen zwei gut dimensionierte, ergonomisch geformte Tragegriffe. An dieser Stelle noch einmal mein Hinweis. Mackie spricht von ultrakompakt und leicht. Kompakt ist die Box ohne Zweifel, aber 36 kg Gewicht über längere Strecken, womöglich auch noch Treppen getragen, lassen die Arme langsam aber sicher immer länger werden. Wohl dem, der für solche Aktionen bereits Roadies unter Vertrag hat.

 


Auch auf dem Höchständer macht die HD 1521 eine gute Figur

 

 

Innere Werte

 

„Das Gute daran, ist das Gute darin“, hieß es vor Jahren in der Werbung. So auch bei Mackies neuestem Produkt. Die HD 1521 verfügt über eine präzise abgestimmte Aktivweiche (Übergangsfrequenz 1200 Hz) mit Laufzeitanpassung sowie Phasenkorrektur der Wandler. Damit ergibt sich ein perfekt abgestimmtes System. Die Boxen der HD-Serie gehen sogar noch einen Schritt weiter. Mit dem revolutionärem und patentierten Akustikkorrektur-Processing werden physikalisch bedingte Systemschwächen umgangen.

 

Durch die speziell für diese Serie entwickelten Treiber in Kombination mit der Systemabstimmung durch die High-End Touring Experten von EAW bieten die neuen HD- Lautsprecher ein sauberes und differenziertes Gesamt-Klangbild. Das 15″ Neodym Basschassis ist perfekt auf den 1,75″ Titan-Kompressionstreiber abgestimmt. EAW ist übrigens ein Unternehmen für High-Performance Audio Equipment, auf das Profis weltweit vertrauen.

 


Speziell für die neue Serie entwickelte Treiber

 

Eingeschaltet und gestaunt

 

Bereits beim Einschalten der Box überrascht mich leises Surren des eingebauten Lüfters, der die entsprechenden Bauteile ständig mit frischer Luft berieselt. Schon wenig später sollte das Klangerlebnis der neuen Art beginnen. Bei leisen Einstellungen konnten sich die Qualitäten der Boxen noch nicht so recht entfalten. Man kennt das ja schließlich von der HiFi-Anlage. Nicht ohne Grund haben Ingenieure die Loudness-Schaltung erfunden. Wer aber hört sich schon eine 1600 Watt PA-Box bei Zimmerlautstärke an? Da mein Abhörraum einige Dezibel verkraften kann und auch die Nachbarn sehr angenehme Zeitgenossen sind, schob mein Zeigefinger die Output-Fader am Mischpult langsam aber sicher nach oben. Belohnt wurden meine Ohren mit einem äußerst sauberen, differenzierten Klang. Unglaublich präzise, kräftige aber jederzeit konturierte Bässe und klare, seidige Höhen erfüllten den Raum. Die einzelnen Instrumente meiner Test CD ließen sich wie von guten HiFi-Anlagen gewohnt deutlich orten. Auch die Tiefenstaffelung war gut herauszuhören. Logischerweise verzichtete ich beim ersten Hörtest auf den eingebauten Equalizer. Es folgten eine ganze Reihe weiterer Tests für die beiden HD-Debütanten. Neben Musik vom Zuspieler interessierte mich natürlich auch der Klang bei Gesangsanwendungen. Schließlich wollte ich noch in Erfahrung bringen, wie sich meine E-Gitarre via POD 2.0 über Mackies High-Definition Live Sound-Boxen anhört. An keiner Stelle gab es auch nur den kleinsten Anlass zur Kritik. Druckvoller, natürlicher Sound, der speziell bei hohen Pegeln nie an Transparenz oder Kontur einbüßte - hier hat Mackie nicht zuviel versprochen.

 


Elegante Formen und ergonomische Tragegriffe

Fazit

Die HD 1521 Zweiweg-Aktivbox liefert nicht nur Power ohne Ende. Sie zeichnet sich durch ein sehr gelungenes Design aus und bietet den Ohren ein wirklich neues Hörerlebnis. Technische Finessen gepaart mit sorgfältiger Abstimmung der Wandler sorgen für definierten Klang. Die integrierte 3-Band Klangregelung weist gute Eingriffsmöglichkeiten auf, wenngleich der Regelbereich mir jeweils 3 db nach oben oder unten etwas eingeschränkt ist. Das Gewicht der Aktivbox bewegt sich in einem gerade noch erträglichen Maß. Dank der thermischen Schutzschaltung werden mögliche Überlastungen der Class-D Endstufen oder Treiber bereits im Ansatz verhindert. Ein Limiter gehört auch hier zur Standardausrüstung. Wer meine Tests verfolgt weiß, dass ich mit überschwänglichem Lob eher etwas zurückhaltend bin. Aber in diesem Fall haben mich die beiden HD 1521 wirklich überzeugt. Daher mein abschließendes Gesamturteil: Absolute Kaufempfehlung.

 

Bisher gibt es keine Vergleichsmöglichkeiten in der von Mackie neu ins Leben gerufenen Kategorie High-Definition Live Sound. Bleibt also abzuwarten, wie und wann andere Hersteller am Markt auf die neue HD-Serie reagieren.

Plus

+++++ 3-Band EQ mit parametrischen Mittenband
+++++ Limiter
+++++ Schutzschaltung gegen thermische Überlastung
+++++ großer Kühlkörper
+++++ EQ-Bypass Schaltung
+++++ Lüfter zur aktiven Kühlung
+++++ ergonomische Tragegriffe
+++++ zwölf Flugpunkte
+++++ Gesamt-Design

Minus

- Regelbereich Equalizer

Preis

UVP: 1420,- Euro Straßenpreis: 1099,- Euro (Stand: Juli 2009)

Verweise

  1. Website Mackie
    (http://www.mackie.com)

Bewertung

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