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Black Box: E-mu Systems Drumulator

E-mu Drumulator

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Kürzlich stellten wir Ihnen hier auf Amazona die SP 1200 von E-mu vor, doch zu diesem begehrten Kultobjekt gibt es natürlich auch eine Vorgeschichte. 1983 kam die erste E-mu Drummaschine mit dem einprägsamen Namen Drumulator auf den Markt – mit weitreichenden Folgen.

Seinerzeit ein Preisbrecher: 12 digitale Drumsounds für 995 $

Seinerzeit ein Preisbrecher: 12 digitale Drumsounds für 995 $

E-mu (vormals Eµ) war lange Zeit eine kleine Bastelbude, in der Dave Rossum und Scott Wedge ihre Modularsysteme und ab 1981 den ersten Emulator-Sampler in Kleinserie zusammenschraubten. Das war zwar sicherlich ein nettes Beisammensein, aber wirtschaftlich wenig aussichtsreich. Das sollte mit einem neuen Produkt geändert werden. Man entschied sich für eine Drummaschine auf Samplebasis, die den teuren Konkurrenten Paroli bieten sollte. Der Drumulator war als Preisbrecher angelegt und sollte eine breite Käuferschicht ansprechen. Eine Drummaschine für „unter 1000 Dollar“ hieß das Motto. Nun ja, es waren zwar nur 5 Dollar unter der Tausendergrenze, aber im Vergleich zu Linndrum und Oberheim DMX für je rund 2.500 Dollar, war das wirklich günstig. Die Rechnung ging auf, und vom Drumulator wurden insgesamt über 10.000 Stück produziert. Da hieß es: Schluss mit kleinklein. E-mu musste die Kapazitäten aufstocken und in eine neue Produktionsstätte umziehen. Aus der Bastelbude wurde ein richtiges Unternehmen.

Rotstift rules

Um den Kampfpreis von 995 Dollar zu erreichen, wurde an allen Ecken und Enden gespart. Das sieht man gleich am Gehäuse, das nicht wie sonst üblich aus Stahlblech und Holzseitenteilen, sondern aus einer fast quadratischen Kunststoffform besteht. An der Rückseite ist die Öffnung für die Anschlüsse sogar nur mit einem Stück Karton (!) abgedeckt. Als Display dienen zwei numerische Anzeigen, die sonstigen Bedienelemente zeigen schon den begrenzten Funktionsumfang an. Besonders fällt auf, dass es nur vier Drumpads für die 12 Sounds gibt, eine wechselnde Belegung derselben ist die logische Folge. Zur Werteeingabe gibt es einen Schieberegler und für die Gesamtlautstärke ein Poti. Da mutet es schon fast als Luxus an, dass ausgerechnet für das Metronom ein Extrapoti vorhanden ist.

Sparmaßnahmen: die Einzelausgänge als Cinchbuchsen und die Abdeckung aus Karton

Sparmaßnahmen: die Einzelausgänge als Cinchbuchsen und die Abdeckung aus Karton

Die Rückseite ist da schon etwas viel versprechender, denn es gibt acht Einzelausgänge, d.h. nur an drei Ausgängen liegen jeweils zwei Sounds an, der Rest ist also extern frei mischbar. Nur der Summenausgang ist als Klinkenbuchse ausgeführt, die Einzelausgänge hingegen als Cinchbuchsen. Das hat natürlich zur Folge, dass es keine Schaltkontakte gibt, mit deren Hilfe verkabelte Einzelausgänge von der Summe abgezogen würden. Dazu gesellen sich Anschlüsse für Clock-Sync bzw. Cassetten-Interface (wir befinden uns in der Pre-MIDI-Ära), Fußschalteranschlüsse für Start/Stop sowie Repeat und passend zu den vier Drumpads ebenso viele Gate-Eingänge zum Triggern der Sounds.

Das wahre Sparpotential erreichte Dave Rossum jedoch im Inneren. Für den Drumulator entwickelte er verschiedene Schaltungen, bei der Bauteile und Chips für mehrere Aufgaben dienten und somit optimal ausgenutzt wurden. Besaß der Oberheim DMX noch pro Sound jeweils ein separates Voiceboard mit einem E-Prom, wurde im Drumulator auf Ein-Platinen-Technik gesetzt und die 12 Sounds in vier E-Proms untergebracht. Die hier entwickelte Aufgabenteilung in der Schaltung fand in späteren Geräten von E-mu ihre Fortsetzung und ermöglichte immer wieder die Herstellung preiswerter Produkte wie etwa die Emax-Sampler oder Proteus-Expander, mit denen man die finanzielle Basis der Firma sicherte.

Klangbeispiele

  1. Avatar Image
    Robo-2k

    typische italo-disco maschie der frühen jahre (weil billig!), zu hören in:

    - Models “J.R. Robot”
    - The Voyagers “Distant Planet”
    - Mike Rodgers “Just a Story”
    - Nemesy “I Wanna Dance Now”
    u.a.

    zugegeben, sie ist keine DMX. trotzdem möchte ich sie nicht missen, zumal man viel vintage für sehr wenig geld bekommt. toms, cowbell und claps klingen sehr gut.
    interessanter klingt sie mit einer 808 im zusammenspiel sehr interessant…dazu fällt mir als beispiel spontan “everything counts” von depeche mode ein.

    • Avatar
      Moogli*

      DMX ? Echt völlig überbewertet ! Linn, okay… aber dann sag ich mal mit Blick auf den Drumulator: Hör Dir von The Cure – Lament an, ist eine Linn und klingt exakt wie ein Drumulator.

      • Avatar
        Moogli*

        Öhm, tja, war zumindest bis soeben der felsenfesten Meinung es wäre eine Linn gewesen. Lese aber gerade zu meiner Überraschung dass das wohl eine DMX war… errare humanum est hehehe :-)

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    der jim AHU

    brrrrr – Italo-Pop, meine Socken machen sich schon wieder selbstständig ;-) Aber dieser “JR Robot”-Track ist irgendwie lustig.

    Nicht nur bei “Everything counts” sondern fast auf dem ganzen DM-Album “Constrution time again” ist der Drumulator, u.a. beim Opener “Love, in itself” deutlich zu hören.

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    phil_dr110

    den hatte ich auch mal vor jahren. mit midi- in. und ich hab’ mich immer gewundert, warum das mit der midiclock nicht klappt. dass midi- sync gar nicht vorgesehen war, weiss ich erst seit jetzt…;)

  4. Avatar
    Moogli*

    Ja klasse, den hab ´ich sogar noch (1984 gebraucht erstanden). Leider keine Midi, die Platine ist etwas locker so dass sich die Tasten durchdrücken und das Netzteil hat auch einen Schlag weg (Teilausfälle). Entsprechend benutze ich heute nur noch die gesampelten Klänge… aber die ganz gerne.

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