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Blue Box: Korg 800DV Maxi-Korg

Korg 800DV

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Dieses Instrument werden Sie nicht alle Tage zu sehen bekommen. Speziell so ein Modell. Speziell den Maxi-Korg. Nie gehört? Bekannter dürfte dieser außergewöhnliche Synthesizer unter der Bezeichnung Korg 800DV sein. Wie auch immer – es handelt sich dabei um ein und dasselbe Instrument.

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800DV oder Maxi-Korg, K-3 oder… wie?

Blickt man aber auf die Rückseite des Maxi-Korg, so wird die Verwirrung dennoch erst perfekt. UNIVOX steht da zu lesen (Abb. 1). Also wie, KORG-MAXI-800DV-UNIVOX? Und das Model hier heißt K-3, gemacht von Keio Electronic für Unicord Incorporated (Abb.2). Da blickt man nicht durch.

Dem genialen Peter Forrest ist es zu verdanken, dass dieser Fall zur Aufklärung kommt. In seinem The A-Z of Analogue Synthesizers Part Two: N-Z findet man auf Seite 196 eine kleine Notiz zu einer Firma namens UNIVOX. “-manufacturer of cheap electronic pianos and importer of Korg equipment into the USA in the 70s. Many Mini-Korgs and Maxi-Korgs were re-badget for them.”

UNIVOX dürfte eine Abteilung von Unicord Incorporated gewesen sein, und der von Keio Electronic alias Korg (KORG ist eigentlich eine Abkürzung für Keio ORGans) für das New Yorker Unternehmen produzierte 800DV wurde re-badget (umbenannt) und trug so in den USA auch den Namen Maxikorg (K3). Das war’s.

Maxi-Korg (K-3) und Korg 800 DV sind – mit Ausnahme der Anschlüsse – baugleich, weshalb ich mich im folgenden auf die letztere und bekanntere Bezeichnung 800DV beschränken werde.

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DV steht für..?

Der 800DV war Korgs Alternative zu den zweistimmigen Synthesizern anderer Hersteller wie etwa zu Arps Odyssey oder Rolands SH-7. “DV” steht folglich für Dual Voice. Ganz passend scheint der Vergleich – etwa zum Odyssey – allerdings nicht. Während nämlich so gut wie alle zweistimmigen Synthesizer jener Zeit ihre Sonderbezeichnung lediglich dadurch verdienten, dass sie über zwei Oszillatoren (=Stimmen) verfügten, die sich dann allerdings VCF und VCA teilen mussten, verfügte der 800 DV wirklich über zwei unabhängige und komplette Synthesizerstimmen (inklusive eines Stereoausgangspaares!). Somit handelt es sich beim 800DV um einen der wenigen echten duophonen Analogsynthesizer. Das Gerät wurde von 1974 bis 1978/79 hergestellt und zu einem Ladenpreis von ca. 2.600 DM.- angeboten.

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Das Äußere

Der 800DV wirkt zunächst sehr schlicht und – auf den ersten Blick – vielleicht sogar eher uninteressant. Wer z. B. Roland-typische Spielhilfen gewohnt ist, wird hier sicher enttäuscht sein. Rechts und links neben der – übrigens sehr angenehm zu spielenden – vieroktavigen Tastatur wird die restliche Breite des Instruments mit einfachen Holzplatten ausgefüllt. Kein Pitchbend, kein Modulationsrad. Die 22 Schieberegler und 29 Schalter mit ihren bunten Köpfen hingegen wirken dann schon wieder erfrischender. Sowohl Regler als auch Schalter sind von sehr hoher Qualität und extrem angenehm zu bedienen. Das Netzkabel ist – wie beim Roland SH-5 oder bei Yamahas CS-50/60/80 – in einer Box in der Rückseite des Instruments verstaut. Ein kleines aber feines Detail.

Drei Dinge sind beim 800DV allerdings durchaus ungewöhnlich und sicher gewöhnungsbedürftig.

Erstens die eigenartigen Bezeichnungen einzelner Signalbausteine: traveler steht für die Frequency des VCF, singing steht für Sustain, percussion für kurzes Decay.
Zweitens die eigenwillige Art der Skalierung: jeder (normale) Fader ist in seiner untersten Position auf Wert “0″, ganz oben dagegen auf maximalem Wert. Beim 800DV ist es genau umgekehrt. Also ist oben “0″ und je weiter Sie den Fader nach unten bewegen, um so größer wird der Wert.

Der dritte gewöhnungsbedürftige Umstand ist die Tatsache, dass der – vom Minimoog praktisch schon als Standard festgelegte – Signalfluss eines Analogsynthesizers beim 800DV wiederum verdreht wurde.
Die Klangbausteine von links nach rechts liegen hier wie folgt vor: VCF, VCA, VCO und LFO/Effekte. Von der ungewöhnlichen Platzierung der Module abgesehen, ist das Layout des 800DV aber dennoch sehr übersichtlich angelegt und das Arbeiten daher durchaus angenehm.

Zum Aufbau

Die obere und untere Hälfte des 800DV enthalten jeweils eine komplette und völlig unabhängige Synthesizerstimme. Alle folgenden Aufzählungen sind also doppelt vorhanden. Dem ungewöhnliche Signalfluss entsprechend beginne ich mit dem

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VCF

Das charakteristische (schon stark an PS- oder MS-Synthesizer erinnernde) Korg-Filter ist in Frequency und Reso

nanz über zwei Schieberegler justierbar. Eine Selbstoszillation des Filters ist leider nicht möglich. Dafür steht aber ein sehr interessanter Schalter mit der Bezeichnung bright zur Verfügung. Hier können Sie zwischen zwei Filtertypen wählen. Bright (untere Position) entspricht dem LPF, die oberste dem HPF. Klanglich ist ersteres natürlich am ergiebigsten.

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VCA

Wer sich bei diesem Modul zunächst nicht auskennt, der sei damit vertröstet, dass es vielen anderen sicherlich gleich ergeht. In der Tat ist die VCA-Abteilung recht ungewöhnlich. Eine Hüllkurve im herkömmlichen Sinn sucht man hier vergebens. Statt dessen haben Sie mit attack und percussion quasi eine Minihüllkurve zur Verfügung – Attack und Decay entsprechend. Die Kippschalter rechts davon stellen vorgefertigte Hüllkurven-Muster dar, die Sie nur zu aktivieren brauchen. Short und long, hold und sustain sprechen eigentlich für sich. Ebenso haben die Mittelpositionen eine eigene Funktion, deren Dokumentation aber leider nicht vorliegt. Immerhin können alle Schalterpositionen unterschiedlich miteinander kombiniert werden, sodass Sie hier gleich ein ganzes Paket an extrem nützlichen Hüllkurven-Mustern zur Verfügung haben. Der Schalter links mit der Bezeichnung expand ist ebenso nicht näher erläutert. Vom Klangbild aber lässt sich erkennen, dass hier die Hüllkurvencharakteristik zwischen exponentiell und linear (bzw. einer weiteren Zwischenstufe) gewählt werden kann. Ist expand aktiviert, so liefert Ihnen der 800DV extrem perkussive Sounds, die über die verbleibenden Regler bzw. Schalter der VCA-Abteilung noch weiter verfeinert werden können.

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Klangbeispiele

  1. Avatar
    Andre

    Hallo,
    kann ich auch wärmstens empfehlen, leider nicht ganz einfach an Midi anzupassen. Es soll übrigens zwei Filter-Versionen geben, da es wohl mit dem bekannten Moog Filter zu Problemen gekomen ist?! Kann das vielleicht noch Jemand hier bestätigen? Also bei meinem 800DV sind die Bässe sehr Moogy!

    Andre

    • Avatar
      swissdoc

      Verwechselst Du da nicht etwas mit dem Roland SH2000, dort gibt es zwei Filter-Varianten…

  2. Avatar
    babo

    moin, die chorus wellenform ist
    eine modulierte pulswelle, auf je-
    denfall ist es beim 770 wohl so.
    die knöppe beim traveller lassen
    sich umdrehen, um zu vielseiti-
    geren ergebnissen zu kommen, da
    sie sich bei manchen einstellungen
    im wege stehen: hi/lowpass wurden
    so angeordnet um einen bandpass zu
    erreichen.

  3. Avatar
    babo

    ah ja: expand ist hüllkurve auf
    filter, bright ist die resonanz
    und der untere traveller ist der
    hipass cutoff. so kenne ich das
    zumindest von ps 900, der aus der
    gleichen generation ist.
    schönes quurgeln allseits

    • Profile Photo
      phil_dr110

      genauso ist das auch beim 800DV!
      den hat ein guter freund von mir. ich habe auch den 900PS, der hat aber nur einen lopass- traveller, der auch nur relativ zum sound wirkt.

  4. Profile Photo
    c.hatvani AHU

    Ich hatte den 800DV in den neunzigern mehrmals besessen, ich bereue es, ihn verkauft zu haben. Damals hat es mich genervt, für einen Standard-Analogsound alles doppelt einstellen zu müssen und daß das Hochpassfilter immer meine Bässe torpedierte (Steuerung von LP und HP Filter per Hüllkurve ist immer gemeinsam).

    Mir war damals nicht klar, daß gerade die “Andersartigkeit” das Kapital des Instruments ist.

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