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Green Box: Ensoniq SQ-80 & ESQ-1

Ensoniq SQ-80/ESQ-1

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Amerikanischer Underdog

Die amerikanische Firma Ensoniq gehörte Mitte der 80er Jahre zu den großen Namen im Musikinstrumentengeschäft. Die Erfolgsgeschichte begann 1985 mit dem Sampler Mirage, der Sampling erstmals für jedermann erschwinglich machte. 1987 erschien dann schon der erste Ensoniq Synthesizer, der ESQ-1. Der ESQ-1 ist ein typischer Hybridsynthesizer, der die Vorzüge der analogen und digitalen Welt miteinander verband. Ensoniq gehörte auch zu den ersten Firmen, die in ihren Instrumenten den Multimode zum Einsatz brachte. Der ESQ-1 zählt daher – betreffend leistungsfähigem Sequenzer und Multitimbralität – zu den frühesten Synthesizer-Workstations überhaupt.

Der Ensoniq ESQ-1Der Ensoniq ESQ-1

Schwieriger Start

Der seinerzeit  3.300 Mark teure ESQ-1 war ein innovatives und ausgereiftes Instrument, musste aber von Anfang gegen den übermächtigen Roland D50 ankämpfen. Mit seinen frischen, natürlichen  Klängen und dem eingebauten Effekt-Prozessor traf der D50 bei vielen Musikern genau ins Schwarze. Der ESQ-1 hingegen war vom Klangcharakter noch stark an den „alten“ Analog-Sound angelehnt. 1988 versuchte Ensoniq mit dem neuen Modell SQ-80 dem Roland D50 etwas mehr entgegenzusetzen.

Der Ensoniq SQ-80 Cross Wave SynthesizerDer Ensoniq SQ-80 Cross Wave Synthesizer

Der 4.390 Mark teure SQ-80 war im Prinzip nichts anderes als ein ESQ-1, dem eine Frischzellenkur verpasst wurde. Mit neuartig klingendem Namenszusatz „CrossWave Synthesizer“, noch mehr Wellenformen, einem eingebautem Diskettenlaufwerk und polyphonem Aftertouch wollte man Roland Kunden abjagen. Die Bezeichnung „Cross Wave Synthese“ ist praktisch nichts anderes als eine subtraktive Synthese und bezieht sich auf die Möglichkeit, die drei Oszillatoren mittels der Hüllkurven ineinander zu überblenden. Leider wurden Ensoniqs  Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt, und so führte der SQ-80 ein Schattendasein gegenüber dem D50. Die Ursache könnte darin zu suchen sein, dass der SQ-80 vom Gesamtkonzept eher auf eine umfangreiche Klangsynthese anstatt auf Originalität der Klänge setze.

Bedienungsfeld für Klangsynthese und Sequenzer des ESQ-1Bedienungsfeld für Klangsynthese und Sequenzer des ESQ-1

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    gaffer

    Es war überhaupt die erste Workstation, wenn ich mich nicht täusche, obwohl dieses Etikett oft der M1 angehängt wird. Das Problem war 87, dass man den Musikern überhaupt erst erklären musste wozu Multitimbralität da war, die hatte mit dem Erarbeiten von MIDI schon reichlich zu tun, man darf nicht vergessen es war eine Zeit, wo tatsächlich dauernd etwas wirklich Neues kam. (Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, da kommt immer das gleiche :-)…) Der D 50 klang beim Antippen einer Taste im Musikgeschäft einfach geiler, Roland hatte mit dem ersten Effektgerät im Synth halt das grosse Los gezogen. Innovative Kisten wie der ESQ oder auch der k5 von Kawai sanden da meist unbeachtet rum. Die Verarbeitung der Ensoniqs war typisch “amerikanisch”, also nicht besonders, die Updatepflege allerding auch. Vom ersten bis zum letzten Update war eine riesige Entwicklung da.

  2. Profilbild
    gaffer

    Ok Dirk, war früher, aber den würde ich nicht zu Workstations rechnen, war die Stimmenverteilung überhaupt dynamisch? Der Sequenzer war ähnlich rudimentär wie bei der M1, noch weniger Stimmen als beim ESQ. Deswegen bleibe ich beim ESQ

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  4. Profilbild
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    • Profilbild
      DJ Melosine

      heißt das dann auch, dass die seinerzeit erhältlichen Heimorgeln und Portables ebenso…

      Nein, mal im Ernst, diese Begriffe zu diskutieren mag ja dem ein oder anderem Spaß machen, mir haben damals der SQ80 oder auch die Nachfolger SD1+ und TS10 wahnsinnig viel Spaß gemacht, das Handling war trotz des kleinen Displays sehr unkompliziert, der Workflow war gut, solche charaktervollen Sounds findet man heute selten….

  6. Profilbild
    Murano

    Freut mich sehr, mal wieder was über den ESQ1 lesen zu dürfen. Auch wenn die Werksounds nicht so der Hammer sind, ist das für mich einer der meistunterschätzen Synthies der 80er.Ich habe meinen vor Jahren an einem Strassenflohmarkt (!) gekauft und freue mich seither, wie angenehm man das Teil trotz fehlender Schieberegler und Drehpotis programmieren kann. Von analog-warm bis gläsern-kühl – die Kiste hat einen unverwechselbaren Klangcharakter. Mein Geheimtipp für Soundtüftler mit kleinem Budget!

  7. Profilbild
    TZTH

    Schöner, eigentständiger Sound und zum Glück nicht “vintage” genug um überhöhte Preise zu provozieren. Es gibt eine ertaunlich gut klingende Emulation davon – nennt sich SQ8L.

  8. Profilbild
    jhaible

    Das weckt Erinnerungen!
    Der ESQ-1 war lange mein “Arbeitstier”, bevor ich mir einen richtigen Analogsynthesizer leisten konnte. Und das einzige was ich im Vergleich zu einem OB-8 oder Prophet 5 vermißt habe, waren ganz langsame VCO-Schwebungen.
    Abgesehen davon: Herrlicher Analog-Klang, und dabei extrem ausdrucksstark, z. B. jeder Oscillator-Level einzeln modulierbar.
    Aftertouch habe ich sehr vermißt (einmal Aftertouch – damals vom Kawai K1 – und ich wollte immer Aftertouch!). Also habe ich mir selbst einen gebastelt. Ein Afertouch-Sensor aus einem K1 kam in den ESQ-1 (dort, wo vorher ein Filzstreifen war). Leider mußte ich dazu unten an den Tasten etwas Kunststoff abtragen (mit dem heißen Lötkolben …), und der Aftertouch hat nur mit den weißen Tasten funktioniert. (;->)
    Aber die Einbindung ins System hat prima geklappt: Ich habe dazu den externen Modulationseingang des ESQ-1 benutzt.

    Verkauft habe ich ihn dann, weil er mit seinem Midi oft den OB-8 zum Absturz gebracht hat – die haben sich irgendwie nicht vertragen.

    Jahre später hatte ich einmal einen SQ-80, wegen des polyphonen Aftertouchs. War aber tief enttäuscht wegen der klapprigen Tastatur, und dem Aftertouch der fast unbenutzbar war (zu viel Kraftaufwand, zumal wenn man es mit jedem Finger machen möchte).

    JH.

  9. Profilbild
    Sebastian B.

    Toller Bericht!
    Ich besitze ihn seit 1987 und geb ihn auch nicht mehr her. Was mir auch immer wieder auffällt ist, dass er extrem lebendig klingt (u.a. analoges Verhalten). Aus den Noise-Klängen, welche es auf den PA-Decoder-ROM-Cartriges gab, habe ich im Laufe der Zeit Noise-Sounds erstellt, die ich mit dieser Güte bei keinem anderen Synthie hinbekomme. Theoretisch jeder Drum-Sound ist mit dem ESQ1 realisierbar, sowie alle anderen “Krach-Sounds”.
    In den Demos (YT) werden oft seine digitalen Vorzüge demonstriert. Aber als Analog-Synthesizer (mit 3 OSCs, na gut: DCOs) ist er der Hammer.
    Schließt mal ein gutes FX-Gerät mit Chorus oder dergleichen dahinter… und es ist die Wucht!

    • Profilbild
      Marko Ettlich AHU

      absolut! die Ensoniq´s sind eine wahre Fundgrube an unverbrauchten Sounds jenseits von analogem Standart und FM. Gerade für düstere Soundkulissen gibt es kaum etwas Besseres.

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