
Das 1 HE Memotron
Nun ja, nur ein Minimoog ist ein Minimoog...
Wie es zu einem Klassiker kommt
Er fällt nicht vom Himmel, der Klassiker. Das wäre auch zu gerfährlich, also wächst er lieber von unten nach oben. Langsam und stetig. Aus vielen Einzelheiten entsteht so nach mehreren Jahren ein Klassiker, der – wenn er Glück hat – bei sorgfältiger Pflege sogar zum zeitlosen Objekt wird. Der Minimoog hat dies geschafft, doch dass es so weit kommen konnte, ist das Ergebnis vieler positiver Einzelheiten.
Optimales Design
Grundsätzlich benötigt es natürlich ein gutes Produkt. Als portabler Synthesizer konnte sich der Mini in den frühen 70er Jahren schnell etablieren. Neben der übersichtlichen Signalführung war und ist es vor allem das klassisch “einfache” Design, welches den Mini noch heute auszeichnet. Vergleichen Sie zum Beispiel den Mini und einen ARP Odyssey. Gerade die frühe, weiße Version des ARP Synthesizers mit den hoch aufstehenden Seitenwänden (sehr praktisch zum Schutz der Fader, keine Frage!) sieht doch in Summe eher einem verunglückten Haushaltsgerät denn einem Synthesizer ähnlich. Der Minimoog ist anders. Wie schon bei den Modularsystemen dominiert hier Holz die klassische Linie. Eingebettet in eine klare und äußerst funktionale Holz-Chassis wurde im Minimoog die unübertroffen ideale Gehäuseform verwirklicht.
Einfache Signalführung
Ohne dem Mini mangelnde Klangvielfalt zu unterstellen, ist seine Signalführung vorbildlich einfach und musikerfreundlich übersichtlich aufgebaut. Wie bei kaum einem anderen analogen Synthesizer sind die einzelnen Klangbausteine deutlichst und auf einen Blick zu erfassen. Oszillatoren – Mixer – Filter – Hüllkurven – Amplifier, wie sonst könnte es sein? Wer beim Soundbasteln am Minimoog “verloren” geht, sollte besser zu einem anderen Hobby wechseln (Gartenarbeit etwa, das ist nebenbei auch sehr gesund). Das Besondere am Mini ist die Synthese von klarer Signalführung und dennoch erstaunlich flexiblen klanglichen Möglichkeiten.
Fähiges Marketing
Moog Music hatte es in den frühen 70er Jahre schwer, Synthesizer auf breitem Markt zu etablieren. Musikhäuser waren an Gitarren, Drums und Klaviere gewöhnt. Was jedoch ein tastenbestücktes Etwas mit Namen wie “Oscillator Bank” oder “Filter” sein sollte, darüber wussten nur wenige Bescheid. “DAS soll ich in meinem Laden verkaufen?” war eine von vielen - weniger herzlichen - Reaktionen. Es ist einem enthusiastischen Moog Mitarbeiter und engagierten Marketing-Experten zu verdanken, dass der Durchbruch schließlich gelang. David Van Koevering nahm sich alle Zeit und Mühe, um quer durch Amerika den zunächst verunsicherten Verkäufern in ihren Läden den Minimoog (be)greifbar zu machen. Von da an griff ein Zahnrad in das nächste. Musiker begannen, den Mini in ihre Auftritte einzubeziehen, sie verewigten seinen Sound in ihrer Musik, drückten dem progressiven Rock einen neuen klanglichen Stempel auf, machten das Instrument populär. Wo zunächst mit einer bescheidenen Auflage von wenigen hundert Minimoogs gerechnet wurde, entwickelte sich die Sache nun in ganz anderen Dimensionen. Bis 1981 wurden über 12 000 Minis gebaut...
Aufbau
Controllers
Wir beginnen ganz links außen und arbeiten uns Stück für Stück bis ganz rechts weiter. Die Controller Sektion verfügt über grundlegende Einstellungsmöglichkeiten. TUNE bestimmt die Gesamtstimmung des Mini. GLIDE kann in seiner Geschwindigkeit eingestellt werden, und der MODULATION MIX bestimmt, in welchem Verhältnis VCO3 und Noise als Modulationsquellen zum Einsatz kommen.
Oscillator Bank
Drei VCOs mit je sechs Wellenformen. Das Scaling von LO bis 2’ umfasst 6 Oktaven, was ausreichend sein sollte. VCO 2 und 3 lassen sich gegenüber VCO 1 verstimmen, für den (mühelos) fetten Bass. VCO 3 kann als (high range) LFO genützt werden, mit all seinen Wellenformen. Damit ist er einem Standard-LFO der meisten monophonen Analogsynths – wie etwa aus dem Hause Roland – weit überlegen.
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