
Das 1 HE Memotron
Gedanken zur PS-Serie
Über die Korg PS-Serie wurde viel geschrieben und viel gesagt. Der große PS-3300 mutierte bereits zur unangefochtenen Legende. Seines Preises wegen. Und Vangelis wegen. Und Keith Emerson wegen (dessen Abbildung vor einem gekoppelten PS-3100 und PS-3300 in einem Studio auf den Bahamas von Korg zu Werbezwecken leidlich genutzt wurde). Dem „mittleren“ Kollegen PS-3200 wird ebenso Kultstatus nachgesagt. Sehr groß und sehr selten. Nur dem kleinsten der Familie, dem bescheidenen PS-3100, fehlen noch ein paar Stufen in das Reich der meistgesuchten und schon fast sagenhaften Sammlerstücke.
Musikalisch betrachtet ist es genau umgekehrt.
Der Koloss PS-3300 ist klanglich mitunter etwas enttäuschend. Jedenfalls in Relation zu seinem exorbitanten Preis. Das Gerücht, eine seiner drei PS-3001 Einheiten würde einem PS-3100 entsprechen, dürfte nicht ganz zutreffen. So zu hören in Musikerkreisen. Ich sah einen PS-3300 von Paris nach München wechseln, und von dort weiter nach London. Bisher war niemand so recht zufrieden mit diesem Modell. Ein echter Sammler wird aber sicher Verwendung dafür finden. Immerhin, ein schönes Möbelstück zum eleganten Preis.
Der nicht weniger kolossartige PS-3200 ist klanglich ohnehin ein „Klasse für sich“. Vom Klangcharakter her steht er weit außerhalb der „ursprünglichen“ PS-Familie rund um PS-3100 und PS-3300. Fehlende Resonatoren, weniger bissige Hüllkurven, etwas träge Filtercharakteristik… Doch mit 16 Programmspeicher ist für viele die Welt schon wieder in Ordnung. Und somit auch der hohe Preis gerechtfertigt.
Der kleine PS-3100 ist natürlich auch weit davon entfernt, ein perfektes Instrument zu sein. Doch sein Klangverhalten überzeugt, das ist das Entscheidende. Die Anschaffung lohnt sich und erweitert das musikalische Klangspektrum im Studio enorm. Vorausgesetzt, man kann die Midi-Implementierung lösen… und vorausgesetzt man hat genügend Platz.
Aufbau
Die wichtigsten Daten zusammengefasst. Der PS-3100 verfügt über 48 (!) Stimmen. Jede Stimme bietet
• 1 VCO (Triangel, Sägezahn, Rechteck inkl. PWM)
• 1 VCF
• 2 VCA
• 2 Envelope Generators
• 2 LFOs
Weiter gibt es
• Triple Resonators
• S/H
• 2 Voltage Processors
• Chorus (Ein/Aus, das war’s)
Da die Polyphonie von Masteroszillatoren ausgehend über Frequenzteiler erreicht wird, gibt es – um bei der Wahrheit zu bleiben – im Grunde lediglich 12 Stimmen. Diese werden aufgeteilt durch so genannte „frequency divider“ oder „octave divider“, um so die sagenhafte Vollpolyphonie von 48 gleichzeitigen Stimmen zu erreichen. Klanglich macht es für den Musiker ja keinen Unterschied. Oder fast keinen. 48 völlig unabhängig aufgebaute Stimmen hätten natürlich ein noch „lebendigeres“ und „natürlicheres“ Klangverhalten zur Folge. Sicher wäre der PS-3100 dann aber viel zu groß geraten, geschweige denn wäre er jemals bezahlbar gewesen. Von Unzuverlässigkeit im technischen Bereich (48 Voiceboards) ganz zu schweigen.
So aber verfügt das Instrument über „nur“ 6 große Voiceboards, die jeweils 2 Stimmen beherbergen. Macht gesamt die bereits genannten 12 „Masterstimmen“ bzw. „Masteroszillatoren“, welche sich dann auf alle vier Oktaven aufteilen.
Besonderheiten
Zugegeben, jeder Synthesizer verfügt über VCOs, Filter, Hüllkurven. Was also macht den PS-3100 „anders“...?
• Resonatoren: sie klingen hervorragend „musikalisch“… ähnlich einem Phaser.
• LFO1 bzw. – um der Korg-Bezeichnung getreu zu bleiben – Modulations Generator 1… Er verfügt nicht nur über seltene Wellenfomren, wie etwa Pink und White Noise. Seine Frequenzbereich ist auch beachtlich, bis weit in den Audiobereich. Klanglich erschließen sich damit ringmodulator-ähnliche Effekte, die besonders hörenswert sind. Korg hat diesen LFO unter genau dem Gesichtspunkt entworfen: einfache Anwendung für Vibrati etc möglich, doch ebenso extrem ausgefallen Klänge, die das metallische Klangspektrum erschließen.
• VCO: der singuläre VCO pro Stimme ist sehr wuchtig. Starke klangliche Basis zur Weiterbearbeitung…
• VCF: es arbeitet sehr effektiv. Einzig die stark „schmutzige“ Resonanz des MS-20 Filters wird hier leider nicht erreicht. Im Gegenteil: kurz vor der Selbstoszillation des Filters hört der Einstellungsbereich der Resonanz auf. Etwas schade…
• Envelopes: sie klingen ausgezeichnet. Extrem kurze Attack, noch kürzere Release… Vor allem das „Schmatzen“ beim Loslassen einer Taste ist eine Eigenschaft, die wenige Synthesizer beherrschen. Der PS-3100 kann es. Weiteres Detail: Attack und Release lassen sich spannungssteueren!!! Einfach jeweils einen langsamen LFO patchen, und schon steht lebendigen Sounds nichts im Wege.
Klang
Der PS-3100 ist sicherlich keinesfalls „typisch“. Weder von seiner technischen Konzeption, noch von seinem Äußeren, noch von seinem Klang her. Warme Moog-Bässe bieten – wie der Name schon vermuten lässt – Moog Synthesizer. Die Schärfe und gleichzeitige Fülle eines ARP wird ebenso nicht erreicht. Von der Kraft früherer Oberheim-Instrumente können ohnehin alle Korg-Synthesizer der späten 70er Jahre höchstens träumen. Doch wozu die Vergleiche? Korg ist Korg, und ein PS-3100 macht musikalisch nicht selten eine wesentlich bessere Figur als so mancher amerikanische Kollege. Der individuelle künstlerische Bedarf wird von selbst entscheiden, ob der Korg PS-3100 nun für einen Musiker „geeignet“ ist oder nicht.
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Wenn man bei Youtube nach ihr sucht wird man fündig, zB hier:
http://www.youtube.com/watch?v=VStRxR99C8o
sehr schöner Bericht zum PS3100.Der PS3100 hat einen gewissen Kultfaktor. Ich habe meinen vor 2 Jahren bekommen, er hatte drei defekte Divider Chips. Laut Korg ein Totalschaden. Auch Achim Lenzgen sagte, dass er wirtschaftlich nicht zu reparieren sei. Die Firma www.pepermintsoft.ch bietet für 12 Euro Ersatzchips an, eingebaut, geht !!
Ich finde den Klang eher dünn, Moogbässe sind nicht drin. Es fehlt ein zweiter OSC. Der eingebaut Ensemble Effekt ist sehr schön, läßt aber alles sehr schnell wie ein String klingen. Der Grundsound ist dann ähnlich dem KORG Lambda oder auch dem KORG Poly Ensemble PE 2000.
Fazit: schönes Sammlerstück, mehr für Wohnzimmer als zum musizieren. Die Angeben im M. Becker Buch, dass nur 50 Stück gebaut wurden ist nicht richtig (er meinte eventuell den PS 3300)
Hajo
Übrigens sind seit 2007 wieder Kenton MIDI-Kits für die Korg PS-Serie erhältlich (die sind zwar teuer, lohnen sich aber wirklich).
@Markus: Klar, der Yamaha CS-80 kommt auf Blade Runner natürlich als Haupt-Synthesizer vor. Darüber hinaus sagen meine Ohren (aber die können sich täuschen), dass da auch der Korg PS-Synthesizer zu hören ist. Wie gesagt, das Klangverhalten von Yamaha CS und Korg PS ist grundsätzlich erstaunlich ähnlich...
ich hatte Gelegenheit den PS3100 bei Theo zu Hause testen zu dürfen. Ich war jedenfalls sehr angetan - und würde das Teil nicht so teuer sein, hätte ich längst auf eBay zugeschlagen. Viele Grüße, Peter
Was mir auffällt sind die schönen Sequencen und das Delay, nicht nur bei diesen Soundbeispielen sondern sehr oft in Verbindung mit den Vintagesynths in dieser Serie. Darf man mal fragen welche Geräte für Sequencing und Delay/Hall eingesetzt werden?