
Pioneer CDJ-350
VJ Workshop Teil 1: Einleitung
Der erste Teil (Link oben) der neuen Workshop-Reihe "Live Visuals" warf einen Blick auf die grundlegende Arbeitsweise des VJs und sein bevorzugtes Equipment. Dabei wurde festgestellt, dass der Mittelpunkt des Live-Setups in den meisten Fällen aus einem oder mehreren Computern besteht. Der Grund dafür ist der, im Vergleich zu entsprechender Video-Hardware, günstige Preis und vor allem die enorme Flexibilität. Diese entsteht aus der immer größer werdenden Vielfalt an VJ-Programmen heraus, die für jeden Anwendungszweck und jeden Erfahrungsgrad die richtigen Tools verfügbar macht. Der zweite Teil der Workshop-Reihe widmet sich dieser Vielfalt und unternimmt den Versuch, sie in eine logische Ordnung zu bringen. Natürlich können in diesem Rahmen nicht alle relevanten Programme vorgestellt werden, darum wird hier anhand exemplarischer Vertreter die Herangehensweise an die Live-Visual-Performance erläutert.
Bedienlogik
Zuerst macht es Sinn, die verschiedenen Bedienlogiken zu erläutern, die bei VJ-Programmen zum Einsatz kommen. Gemeint sind damit die unterschiedlichen Ansätze, die es dem VJ ermöglichen, seine Clip-Sammlung zu einer Live-Performance zu verarbeiten. Viele Tools kombinieren mehrere dieser Elemente, oft stellt aber eine Logik den Mittelpunkt des Programms dar.
A/B-Crossfading
Dieser Ansatz ist allen DJs ein Begriff, da sie ihn bei ihrer Arbeit ständig verwenden: Zwei (meist identische) Kanäle können mit Material (in unserem Fall: Videoclips) "gefüllt" werden. Mit einem Crossfader wird dann zwischen den beiden Kanälen hin und her geblendet. Das kann entweder rhythmisch im Takt der Musik oder langsam und gemächlich passieren - je nach Anwendung. Crossfading bietet außerdem die Möglichkeit, einen Kanal vorzubereiten - also mit einem Clip zu belegen, Abspielgeschwindigkeit und -richtung festzulegen und mit Effekten zu versehen - während der andere Kanal "Live" geschaltet, also fürs Publikum sichtbar ist.
Ebenenkomposition
Während A/B-Crossfading bei den DJs abgeschaut wurde, bedient sich das Konzept der Ebenenkomposition bei bekannten Bildbearbeitungsprogrammen wie z.B. Adobe Photoshop. Hier können mehrere Video-Ebenen übereinander gelegt werden. Meist kann die Transparenz pro Ebene eingestellt werden, oft stehen auch die ebenfalls aus Photoshop bekannten Ebenenmodi (Multiplizieren, Addieren, Differenz...) zur Verfügung. Da dieser Ansatz weit komplexere Kompositionen zulässt, ist der Rechenaufwand und damit die Prozessorbelastung auch bei weitem höher. Für Kompositionen aus 6 verschiedenen Videoclips mit Effekten und Ebenenmodi und PAL-Auflösung braucht es schon einen recht leistungsstarken Rechner, um einen Einbruch der Framerate (sprich: Ruckeln) zu vermeiden. Zum Glück wird Rechenpower immer billiger. Während eine solche Komposition vor ein paar Jahren noch einen enorm teuren Desktop-Computer erforderte, gibt es heute schon Notebooks für um die tausend Euro, die die benötigte Leistung liefern können.
Videogrid
Und auch das dritte Bedienelement wurde aus einer verwandten Sparte entliehen. Das Videogrid besteht aus einem Raster von meist 3x3 bis 5x5 Feldern, die mit je einem Videoclip belegt werden können. Wird das Feld aktiviert - entweder per Mausclick oder mit einem externen Controller - wird der entsprechende Clip abgespielt. Vorbild für diese Logik war natürlich die legendäre Musikproduktionsmaschinenreihe "MPC" von Akai, die schon seit der ersten Version 16 Buttons besitzt, mit denen Samples abgefeuert werden können. Das Videogrid ist in vielen Programmen die zentrale Sammelstelle für alle Videoclips. Oft stehen dem VJ auch mehrere Sets bereit, mit denen sich die Anzahl der verfügbaren Clips vervielfachen lässt. Doch auch hier wieder der Hinweis: Jeder Videoclip, der auf Mausklick sofort gestartet werden soll, muss zumindest teilweise in den Arbeitsspeicher des Computers geladen werden. Funktioniert das nicht, weil der Speicher bereits voll ist, kann eine Verzögerung von mehreren Sekunden entstehen, bis der Computer den Clip von der Festplatte gelesen und verarbeitet hat. Das ist während einer Live-Performance, bei der es auf rhythmische Animationen ankommt, kein akzeptabler Zustand. Deshalb gilt, beim Rechnerkauf immer genug Arbeitsspeicher mit einzukalkulieren.
Nodes
Man könnte schon auf den Gedanken kommen, dass sich die Hersteller von VJ-Software überhaupt nichts Neues haben einfallen lassen, denn auch das letzte Bedienelement, das hier vorgestellt werden soll, findet sich bereits in einem anderen Bereich wieder. Nodes kommen schon seit Jahren im Bereich von 3D- und Compositing-Software zum Einsatz. Einzelne Nodes können Videoclips oder Grafiken, aber auch Filter, Effekte oder andere Manipulatoren sein. Diese werden miteinander zu einem Ablauf-Diagramm verbunden, beeinflussen sich gegenseitig und erzeugen so das finale Bild. Die Arbeit mit Nodes ist für unerfahrene User enorm gewöhnungsbedürftig, und wird auch eher von Spezialisten-Tools eingesetzt. Allerdings kann man - etwas Übung vorausgesetzt - mit Nodes sehr effektiv und kreativ arbeiten, da man den kompletten Signalfluss jederzeit grafisch vor sich sieht und direkt manipulieren kann.
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vielen dank für dein feedback. du hast sicher recht, dass es sich bei arkaos um ein etabliertes vj-tool handelt. wie im artikel erwähnt, sollen die hier vorgestellten programmen eher die verschiedenen arbeitsweisen veranschaulichen als eine marktübersicht darstellen.
wir planen allerdings einen ausführlichen test von "arkaos grand vj", sobald das programm verfügbar ist.
MFG Normen