
HALion Sonic
Seit einiger Zeit bringt die Firma Uberschall neben den gewohnten Samples und Sounds verschiedenster Musikrichtungen auch immer wieder neues...
Die nächste Generation der Fantom Serie ist da. Viele konnten bereits auf der Musikmesse an den G-Fantomen drehen, daher wird es jetzt Zeit für einen Test. Roland zieht damit allgemein nach, denn Korg legte zuvor die ganz neue Generation in Form des M3 vor und bei Yamaha heißt der Konkurrent Motif XS.
Fantomzeichnung - Geschichtsunterricht
Zeit, eine kleine Fantomzeichnung zu machen und einmal genau hinzusehen, was sich geändert hat. Sehr auffällig ist das riesige Display in der Mitte. Das dürfte wohl eines der größten sein, welches bisher in einem Synthesizer zu finden war. Das erinnert nicht nur an einen Computer, es gibt auch einen Anschluss für eine USB-Maus. Es gibt sogar hübsche Bildschirmschoner für die 800x600 Pixel.
Die Struktur der Klangerzeugung des Fantom ist über lange Jahre entstanden. In dieser heutigen Form gab es sie zuerst im JD990 und den JV1080 (f.f.)/XV/XP Modellreihen danach. Das Sampling hatte mit dem XV5080 Einzug erhalten und wurde seither in der Fantom Serie mit Ausnahme des ersten Modells ebenfalls eingeführt und wurde durchaus zum Studiostandard der 90er. Die Sampling-Option hat jedoch etwas länger gebraucht um zum Quasi-Standard in der Workstation-Welt zu werden. Die Roland Sampler selbst waren übrigens auch mit einem Monitoranschluss nebst Maus zu haben und boten sogar Crossmodulation an, was noch heute selten ist in einem reinen Sampler.
Die Anschlüsse
Workstation? Was war das nochmal genau?
Ein Synthesizer, welcher einen Sequenzer an Bord hat und mindestens 16 verschiedene Klänge gleichzeitig abspielen kann. In dem Falle spricht man von 16-facher Multitimbralität. Auch Drumsound-Sets und Effekte sind per Definition an Bord. Kurzum: Ein Alleskönner, mit dem man einen kompletten Song bauen kann ohne weitere Hilfsmittel einzusetzen. Der (oder auch das) Fantom G geht über diese Grundforderungen hinaus. Zunächst jedoch ein Hinweis über die Struktur der Klangerzeugung:
Das Fantom der Oper - Struktur
Eigentlich ist die Klangstruktur wegen ihrer langen Tradition bereits bekannt und in vielen Rom-basierten Synthesizern von Roland zu finden, dennoch sei sie hier kurz skizziert: Ein Oszillator mit Riesenvorrat an Wellenformen durchläuft ein Multimode-Filter und endet in der obligaten Verstärkerstufe, um die Lautstärke zu steuern. Das Filter bietet alle vier Standard-Filtertypen mit Resonanz und eine zusätzliche Form namens Peaking. Ohne den Gag mit der Peaking-Ente aus dem Synthesizer-Magazin noch einmal zu wiederholen, handelt es sich um eine kleine Anhebung rundum die eingestellte Grenzfrequenz, welche auch unter dem schönen Namen Cutoff bekannt ist. Das ist ausnahmsweise nicht rein-subtraktiv, jedoch aber prima geeignet um stimmähnliche Klänge gezielt zu bearbeiten. Formanten (Stimmenklänge) werden dadurch leichter kontrollierbar. Das ist nicht nur bei Oooh- und Aaah-Chören interessant, auch Pads oder Streicher können so einen interessanteren Charakter aufgezwungen bekommen, ohne gefiltert zu werden. Generell gibt es stets zwei LFOs mit an Bord und insgesamt drei komplexe Mehrstufen-Hüllkurven mit vier Zeiten und Pegeln (für Tonhöhe, Filter und Lautstärke). Auch eine Modulationsmatrix ist an Bord und ermöglicht es, fast alle Parameter zu modulieren. Eine Quelle kann dabei vier Ziele versorgen. Es gibt vier solcher Modulationseinträge. Interessant ist auch der Step-Modus, welcher in den LFOs als Wellenform angewählt werden kann. Damit kann man ein eigenes Sequenzer-Muster mit bis zu 64 Schritten zusammenbauen. Diese Stepsequenz ersetzt in dem Falle die entsprechende Wellenform eines der beiden LFOs, womit der Step-Sequenzer kein eigenständiger Modulator ist, sondern stets einen LFO als "Wirt" benötigt. Auch die anderen Wellenformen sind sehr flexibel. Die Geschwindigkeit der LFOs ist ebenfalls zufriedenstellend, reicht jedoch knapp nicht mehr in den Audiofrequenzbereich.
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(a) keine Noten (-gruppen) mit der Maus versetzen kann (in Pianoroll);
(b) auch hier keine Funktionen hat wie "Bereich auswählen" und "alle Noten gleichzeitig" bearbeiten (z.B. alle Notenlängen auf gleichen Wert setzen, verdoppeln, halbieren usw.). - und viele andere SEQ-Möglichkeiten, die man für Detailbearbeitungen von Phrasen brauchen könnte...
Ale Workstations von heute sind bzgl. HW-Seq noch NICHT ausgereift ! LEIDER !
Nichts gegen den Fantom G, aber er ist klanglich äußerst eigenwillig und es bedarf vieler Nächte, bis man die Klänge nach seinen Wünschen aufgebaut hat. Plus:
- Sequenzer ist klasse
- Mausbedienung
- Megadisplay
Großes Minus:
- Viel zu schwer
- Vibrationen am Gehäuse
- Nur wenige brauchbare Presets
Kaufempfehlung ja, jedoch nur die kleine Serie und nur, wer auf warme, einfach strukturierte Sounds steht. Dance, Spheren und Presetliebhaber nicht zu empfehlen.
Grüße
Tom
So das dazu.
Mfg Stefan
ich denke, das Konzept "Workstation" ist klanglich so ziemlich ausgereitzt. Was sich noch ändern kann, ist tatsächlich nur noch die Bedienung der Geräte. Ich vermute, die großen Hersteller versuchen verzweifelt, irgendetwas zu finden, das bei potentiellen Kunden noch den Anschein einer Innovation weckt. Ganz nüchtern betrachtet bleibt allerdings nicht mehr viel Raum für Innovationen. Wer allerdings schonmal gesehen hat, mit welchen großen Kinderaugen Tastenspieler beim Händler die neuesten Kisten bestaunen, der weiß, das dieses Thema alles andere als nüchtern betrachtet wird. :)
@Stefan S:
Natürlich ist das 'ne geile Kiste. Hätte ich ja auch gern. :) Nice to have, aber eben nicht notwendig, um gute Mukke zu machen. Außerdem ist auch der XS eine gute Workstation, nicht nur der M3 (billiges Finish) und der G6/7/8!
Ich möchte meinem Vorgänger in der Kommentarliste etwas widersprechen:
Der Grad der Nutzung von Innovation ist (wie bei jedem Instrument) abhängig von der geistigen Variabilität und Kreativität des jeweiligen Anwenders. Ich habe mit dem Fantom-G im Live Mode eine Menge Stack-Sounds programmiert, die ich so schnell mit keinem anderen System bisher zusammen bekommen habe, auch für Studio-Kompositionen mit Logic! Die technischen Hilfsmittel (PCM-Sounds usw.) mögen sich zwar strukturell nicht gross von den Workstations der 80/90er unterscheiden, aber die Qualität der Sounds und Effekte hat sich drastisch verbessert.
Viele Grüße
DJ Sammy
diese Frage kann ich mit einem klaren JA beantworten. Wärmer, besser programmiert.
Gruss
Tom