
Das 1 HE Memotron
Die R&D Abteilungen der großen Synthesizer-Schmieden, hatten sich 1986 langsam von dem Schock erholt, den der omnipotente DX7 im Herbst 1983 ausgelöst hatte.
Rein analoge Synthesizer auf Basis der herkömmlichen "Subtraktiven Synthese" waren plötzlich kaum mehr gefragt.
"Digital" war das Zauberwort, dass die Musiker damals in ihren Bann zog. Mit Hochdruck wurden deshalb bei Yamahas Wettbewerbern nach Alternativen zum DX7 geforscht. PPG hatte zwar bereits 1982 den hybriden Wave 2.2 auf den Markt gebracht, jedoch lag dieser in einer Preisregion, die sich nur gut betuchte Musiker leisten konnten. ENSONIQ stand kurz vor der Auslieferung des ESQ-1 und ROLANDS digitaler Meilenstein D50 sollte erst 1987 das Licht der Welt erblicken.
Ausgerechnet der US-Konzern SEQUENTIAL CURCUITS, der vor allem durch seinen analogen Klassiker PROPHET 5 zu Ruhm und Ehre gekommen war, präsentierte anlässlich der Namm-Show 1986, die digitale Innovation des Jahres, den PROPHET VS. Das Kürzel "VS" stand dabei für "Vektorsynthese" und wurde optisch vor allem durch den silbernen "Vektorstick" zur Geltung gebracht, der die Neugierde jedes Keyboarders weckte.
HARDWARE
Der Prophet VS ist ein echtes Kind der späten 80ziger. Bis auf zwei Potis für Lautstärke und Panorama und dem namensgebenden Vektorstick, gibt es nur noch einen einzigen Fader zur Dateneingabe. Über zahlreiche Druckknöpfe werden die unterschiedlichen Parameter ins Display geholt und über den Fader verändert.
Das Gehäuse ist des VS entbehrt jeglichen Kunststoffs, sondern ist gänzlich aus Metall und somit sehr robust. Die 5Oktavige Tastatur ist mit Aftertouch ausgestattet und gut spielbar. Rückseitig findet sich ein Midi-Trio, ein Stereo (auch als zwei Monoausgänge einsetzbar) Audioausgang sowie zwei Eingänge für Fußschalter. Der Anschluß eines Kopfhörers ist nur bei Verzicht auf den rechten Audioausgang möglich.
Wie bei einem Profigerät üblich, befindet sich das Netzteil im Gehäuse. Abschließend sei noch ein Schacht auf der Gehäuseoberfläche erwähnt, der optionale Cartridges zur Verdopplung des internen Speichers, aufnehmen kann.
Klangsynthese
Obwohl der Prophet VS mit echten analogen Filtern ausgerüstet ist, so zählen ihn Puristen dennoch zu den "digitalen" Synthesizern, da die Erzeugung der Wellenformen auf rein digitaler Basis geschieht. 128 Wellenformen sind im Prophet VS gespeichert, 98 davon unveränderbar ín einem ROM, 32 in einem RAM (dazu später mehr).
Neben den damals in subtraktiven Synthesizern üblichen Wellenformen Sägezahn, Sinus, Rechteck, Pulse und White-Noise sind vor allem eine Vielzahl von Wellenformen mit unterschiedlichem Obertongehalt vorhanden, die aus natürlichen Instrumenten gewonnen wurden. Ähnlich wie beim PPG Wave 2.bzw. allen Wavetable-Synthesizern) oder Korgs DW8000, haben diese Fragmente nur noch entfernt etwas mit ihrem Ursprung gemeinsam. Leider hat SCI in den Dokumentationen zum Prophet VS auf eine detaillierte Beschreibung der Wellenformen verzichtet und diese stattdessen nur in Gruppen unterteilt. (siehe Liste).
Der "VS" ist bestenfalls 8stimmig polyphon spielbar. Jede Stimme verfügt über 4 (tatsächlich VIER) Oszillatoren wovon jedem eine eigene der 128 Wellenformen aus RAM und ROM zugeordnet werden kann. Grob- und Feinstimmung sind pro Oszillator einstellbar.
Das Mischungsverhältnis des Pegels jedes Oszillators wird über den Vektorstick gesteuert, womit wir beim Herzstück der Vektorsynthese wären. Im Gegensatz zu herkömmlichen Mixern, die lediglich eine statische Mischung der einzelnen Oszillatorausgänge ermöglichen, gestattet der Vektorstick eine dynamische Mischung der Amplitudenlautstärke der vier Oszillatoren. Jedem Eckpunkt (A-D) des Koordinatensystems wird eine Wellenform zugewiesen, die je nach Stellung des Vector-Sticks unterschiedlich laut wiedergegeben wird. Im exakten Schnittpunkt aller 4 Punkte (Mitte) wäre der Pegel aller 4 Oszillatoren gleich stark. Der Clou: - die Bewegung des Sticks lässt sich aufzeichnen und mit jedem Klangprogramm abspeichern. Zu diesem Zweck steht eine eigene Hüllkurve (ADSR) bereit (Oszillator Mix EG). Selbstredend ist auch ein manueller Eingriff in das Mischungsverhältnis, mit einer kleinen Einschränkung, möglich (Dazu mehr unter Bedienung).
Das Summensignal des Vektormischers gelangt nun in einen traditionell aufgebauten, analogen Filterbaustein mit 24dB Flankensteilheit, einstellbarer CUT OFF Frequenz und Resonanz und schließlich in einen VCA zur Formung des Ausgangspegels. Sowohl Filter als auch VCA verfügen über eine eigene ADSR Hüllkurve. Alle drei Hüllkurven des VS sind mit einer zusätzlicher Loop-Schleife ausgestattet. Setzt man z.B. einen Loop zwischen SUSTAIN und ATTACK, wir bei gehaltener Taste nach Erreichen der Sustainphase der Bereich zwischen SUSTAIN und ATTACK endlos wiedergegeben.
Zwei LFO´s pro Stimme erlauben die Modulation folgender Ziele: Frequenz Oszillator A,B,C und/oder D, Cutt-Off Frequenz, Intensität und Frequenz des jeweilig anderen LFO´s sowie Panorama. Als Wellenformen stehen zur Auswahl Dreieck, Rechteck, Sägezahn, Rampe und Random.
ADDITIVE SYNTHESE
Kommen wir zu den 32 RAM Speicherplätzen, die eine vereinfachte, additive Synthese erlauben. Dazu initialisiert man am besten ein Programm des Prophet VS und schaltet 3 von 4 Oszillatoren stumm. Nachdem man sich für eine der ROM Wellenformen für Oszillator 1 entschieden hat, addiert man über Oszillator zwei eine weitere Wellenform mit unterschiedlichem Obertongehalt, hinzu. Das Ohr ist dabei der Maßstab aller Dinge. Beide Oszillatoren können nun auf Wunsch gegeneinander verstimmt werden. Nach und nach addiert man schließlich eine dritte und eine vierte Wellenform hinzu. Zuletzt legt man das Mischungsverhältnis der vier Wellenformen mit dem Vektorstick fest und speichert das Ergebnis als neue Wellenform auf einem der RAM Speicherplätze ab. Die so gewonnene neue Wellenform kann nun jederzeit innerhalb eines neuen Programms einem einzelnen Oszillator zugewiesen werden. Spätestens hier sollte jeder Klangtüftler angesichts der Komplexität dieses Systems, nasse Finger bekommen haben.
MODULATIONSMATRIX
Ähnlich wie bei den MATRIX Synthesizern von Oberheim, ist es mit dem VS eingeschränkt möglich unterschiedlichste Modulationsquellen und -Ziele miteinander zu verknüpfen. Auf der Gehäuseoberfläche befindet sich zur besseren Übersicht eine übersichtliche Skizze aller Verknüpfungsmöglichkeiten. "Eingeschränkt" deshalb, weil es z.B. nicht möglich ist das Modulationsrad zur Steuerung der Cut Off Frequenz einzusetzen, während über Aftertouch eine Filt ersteuerung machbar ist.
KEYBOARDMODES UND PROGRAM-SPEICHER
Der Prophet VS erlaubt die Schichtung zweier Klänge (Dual-Modus) oder das plazieren zweier Klänge nebeneinander auf der Tastatur (SPLIT-MODUS).
Statt für SPLIT oder DUAL Sounds einen eigenen Speicher parat zu halten, bedient sich der VS eines einfachen Tricks, der bereits im Prophet T8 zur Anwendung kam. Jeder der 100 Programmspeicherplätze erlaubt einen Link zu einem anderen Speicherplatz. Aktiviert man diesen Link, muß man sich nur noch zwischen DUAL oder SPLIT entscheiden und schon lassen sich zwei Klänge gleichzeitig neben- oder übereinander spielen. Dieses Verfahren spart Speicherplätze und erlaubt ein schnelles "Ausprobieren" von Soundkombinationen, hat aber auch einen Nachteil.
Greift z.B. Sound 32 auf Sound 64 zu, ist in Sound 32 nur der entsprechende Link auf Speicherplatz 64 gespeichert - nicht aber der tatsächliche Klang. Eine Veränderung von Sound 64 führt somit auch (evtl. unbeabsichtigt) zur Veränderung des Sounds 32. Hier ist also Vorsicht gebeten. Im Split oder Dual-Modus ist der VS logischerweise nur noch vierstimmig spielbar.
Jeder der beiden Klänge wird dabei automatisch einem der beiden Audioausgänge zugewiesen. Auf Wunsch lassen sich dadurch beide Klänge im Mischpult unterschiedlich nachbearbeiten.
Zu Erzeugung brachialer Mono-Leadsounds lässt sich ein UNISONO Modus aktivieren. Alle 8 Stimmen werden dabei einer Taste zugewiesen. Das Tuning zwischen der einzelnen Stimmen lässt sich dabei leider nicht festlegen.
ARPEGGIATOR & CHORUS
Im Prophet VS befindet sich, nach heutigen Maßstäben, ein "Brot und Butter" Arpeggiator, der sich als einer der ersten seiner Zunft zu einer externen Midi-Clock synchronisieren hat lassen und auch heute noch in Verbindung mit aktuellen Equipment, eine gute Figur im Studio macht.
4 Modes sind möglich:
- NORMAL MODE
Gegriffene Akkorde werden repetiert solange die Tasten gedrückt sind
- TRANSPOSE
Das Arpeggio kann über Tastendruck transponiert werden
- LATCH
Der gegriffene Akkord wird endlos als Arpeggio repetiert. Danach kann man
mit den verbleibenden Stimmen normal dazuspielen.
- AUTO LATCH
Der gegriffene Akkord wird endlos als Arpeggio repetiert, jeder neu gegriffene
Akkord löst jedoch den vorhergehenden ab.
Hat man einen der vier Modes gewählt, legt man die Richtung des Arpeggios fest (UP, DOWN, UP/DOWN, ASSIGN, REVERSE, RANDOM). Innerhalb von Keyboard-Splits kann man festlegen auf welcher der beiden Seiten der Arpeggiator aktiv ist.
Auch die Schichtung (LAYERING) verschiedener Arpeggios ist möglich, sogar die Eingabe von Pausen um entsprechende Rhythmen zu erzeugen.
Ein CHORUS bringt auf Wunsch zusätzliche Schwebungen in den Sound. Er lässt sich in Intensität und Geschwindigkeit regeln und auf beide oder nur einen der beiden Ausgänge routen. Der Chorus entspricht sicher nicht mehr den heutigen Qualitätsansprüchen, doch muss man ihm zu Gute halten, daß er lange nicht so stark rauscht wie so manch integrierter CHORUS von Zeitgenossen.
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des Arturia V mit Hörbeispielen.
Wer glaubt das die Software dem
Original das Wasser reichen kann,
der kann mal folgendes ausprobieren:
Das Hörbeispiel mit dem Digiclav-Werkssound
in einen Sequenzer laden und mit
einem Bell EQ 80Hz um 12dB schmalbandig aufdrehen.
Original bleibt knochentrocken
und drückt ohne Ende.
Software klingt schwammig und undifferenziert.
Ich hatte auch gehofft die Kopie reicht.
Nach den Hörbeispielen habe ich mir einen VS bei ebay "geschossen".
Noch Fragen? ;o)
Ein Vergleich zum Evolver wäre nicht total daneben gelegen.
Gruß Jörg
ich bin zwar noch nie in den Genuss gekommen einen Proph-VS zu spielen aber mit meiner Korg Wavestation bin ich wenigstens ein wenig am Original.
Gruß Piet
Als VS-Besitzer kann ich mich nur anschliessen, Original bleibt Original (zumindest noch 2006 :-))