
Music Studio 8
OK, Jungs, jetzt mal Butter bei die Fische. Wer von euch hatte denn bisher in seinem Leben einmal das Vergnügen, eine Audio-Cassette auf einem Tapedeck aufzunehmen?
Ja, da lichten sich schon die Reihen ganz gewaltig unter den interessierten Lesern. Warum ich im Zeitalter der Bits und Bytes mit einer solchen analog implizierten Einleitung daher komme?
Nun, im Gegensatz zur digitalen Aufnahme, wo eine möglichst hohe Aussteuerung hin zur 0 dB Grenze lediglich eine maximale Transparenz und Toninformationen aufgrund einer möglichst hohen I/O Dichte ermöglicht, führt die analoge Aufnahmetechnik ein höchst extravagantes Eigenleben jenseits des (angeblichen) Maximalpegels.
Schon als nervender Teenie entdeckte ich mehr durch Zufall, dass meine Überspielungen von Vinyl auf Cassette deutlich „besser“ klangen, wenn man die ersten 1-2 roten Balken des (damals brandneuen) LED-Balkens bei lauten Passagen (damals wurden die Produktionen noch nicht dynamisch tot-gemastert) zum Aufleuchten brachte.
Die Sättigung des Magnetbandes sorgte seiner Zeit für eine Zunahme der Lautheit und einer Verdichtung des Signals, klein-Axel hatte seinen ersten hauseigenen „Mini-Mastering-Prozess“ in die Wege geleitet, wohlweislich nicht wissend, was er da eigentlich macht und warum das Ergebnis dem menschlichen Ohr so schmeichelt.
Basierend auf dieser analogen Klangbearbeitung und ihrer damit einhergehenden Signalveränderung versucht die Aufnahmetechnik seit Dekaden eine Fusion der beiden Konservierungsverfahren zu erreichen.
Niemand will (bzw. kann!) heutzutage mehr auf die Editierungsmöglichkeiten der Digitaltechnik verzichten, aber jeder ernstzunehmende Tontechniker bewegt sich nahe des audiophilen Freundentaumels, sobald er sich mit entsprechend analog hochwertiger Hardware über ein wertiges Signal, zumindest in seiner Aufnahmephase, hermachen darf.
Ein Produkt aus dieser Kategorie ist der Charisma aus dem Hause SPL, welcher oben genannte Bandsättigungseffekte analoger Bandmaschinen und das harmonische Zerrverhalten von Röhren generiert, um den von Natur aus eher leblosen Digitalsignalen die Erdigkeit, respektiv „Dichte“ einer Analogaufnahme einzuhauchen.
Konstruktion
Der Charisma 2 kommt mit einer 1 HE, einer Einbautiefe von 23,7 cm und einem Gewicht von 3,5 kg daher.
Leuchtet man an den Seitenschlitzen in das Gehäuse, erkennt man, dass der Charisma seine Prozessorfunktion nicht aus massiven CPU-Logarithmen errechnet, vielmehr verrichten 2 echte Vorstufen-Röhren (dem Anschein nach Typ 12AX7) im Inneren ihre Arbeit.
SPL sicherte sich für diesen Prozessor unter anderem die Dienste von Röhren-Spezialist Manfred Reckmeyer, welcher sich als Amp-Tuner in Gitarristenkreisen einen hervorragenden Ruf erarbeitet und auch für mich 1992 einen 69er Marshall Head komplett umgebaut hat.
Abgesehen von der charakteristisch messing-farbenen Frontblende kommt der Prozessor optisch recht unspektakulär daher und verfügt pro Kanal lediglich über 3 Regler, 2 LEDs und einen Bypass-Schalter.
Die Funktionsweise der Regler im Einzelnen:
Drive: regelt die Ansteuerung der Röhrenelektronik. Je höher der Wert, umso höher die Anzahl der harmonischen Obertöne und umso stärker der Limiting-Effekt.
Charisma: variiert das Sättigungsverhalten der Röhre. Einstellbar von „Soft“ (weiche, langsame, leicht gedämpfte Einpegelung der harmonischen Strukturen) bis „Hard“ (recht spätes Einsetzen der harmonischen Verzerrung, dafür sehr direkt am Pegel ähnlich eines Hard-Limiters).
Output: regelt die Ausgangslautstärke und dient zur Anpassung des nachgeschalteten Gerätes.
Process LED: leuchtet auf, sobald das Gerät einen bestimmten Prozentsatz an Harmonischen produziert.
Max LED: zeigt die obere Grenze des Processings an
Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich pro Kanal symmetrische Ein- und Ausgänge in Form von Klinke- und XLR-Buchsen. Zudem befindet sich hier noch ein Ground Lift sowie der Kaltgeräte-Buchse.
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The Charisma's two channels have identical sets of controls. Its internal circuitry features a pair of dual-triode ECC83 valves running at 230V (though the input and output circuitry is solid state and uses SSM 2141 and 2142 balancing drivers, which permit unbalanced use without level loss).
Also 12AX7 wird in einem Gerät welches zum Mastern verwendet wird doch wohl eher zu finden sein oder? Haben die nicht ein gewisses höheres Grundrauschen von Natur aus?
Gruß
Steppenwolf von Mensch
Daher erscheinen mir die Klinkeanschlüsse nicht so sinnvoll. Da merkt man wirklich nicht einen starken Effekt.
Ansonsten gebe ich Diminu recht.