Der SH-101 mit Griff
Gut und teuer
So könnte man den heute als "Klassiker" zu bezeichnenden letzten Spross der SH-Serie nennen. Eigentlich war die SH-Serie bei seinem Erscheinen schon abgemeldet. Alle folgenden Synthesizer mit dem Namen SH fanden erst viel später im Schatten diverser Reanimierungsversuche statt und sind in einem ganz anderen Sternenbild zu suchen. Zuletzt war der Gaia mit dem Zusatz SH01 versehen worden, denn konzeptionell gibt es viele Anknüpfpunkte, klanglich jedoch wenig bis gar keine. Klanglich und strukturell wird dieser Artikel daher eher Bezug auf die historischen SH-Synthesizer nehmen. Der SH-101 wurde als Batterie-betreibbarer Umhängesynthesizer konzipiert. Immerhin schrieb man das Jahr 1982, und einige träumten damals von "neuen Klängen" und litten doch an ähnlichen Problemen bei Elektronikmusik, der Performance und dem Auftreten im Vergleich zu dem damals üblichen Rock-Szenario. Zunächst zögerlich und mit vielen Bedenken einerseits aber mit fortschreitender Zeit andererseits waren Synthesizer in immer mehr Videos und Auftritten zu sehen. Zeigte man sich in den späten Siebzigern noch mit altem Instrumentarium, durfte es nun auch mal ein Synthesizer sein. Die Rock-Attitüden blieben zunächst und wichen erst mit der Emanzipation im Pop-Bereich neuen Formen des Auftretens auf Bühnen und in Videos. Synthesizer an sich waren einfach nun auch akzeptierter, und nicht jede Band musste zunächst Fragen über Elektronik oder Computer auf der Bühne beantworten. NDW und New Wave hatten das Eis gebrochen, und die ersten deutlich kommerzielleren Synthpopbands versuchten, sich mit dem neuen Instrument zu zeigen. Es dürfte wohl kaum eine Zeit geben, in der so viele Synthesizer in Musikvideos gezeigt wurden wie in der Mitte der Achtziger Jahre.
Klein und oho ...
Die Bühne mochte aber auch seltsam hüpfende Menschen mit Gitarren. So verfügte der SH-101 als Sonderzubehör über einen Griff mit Modulationsmöglichkeiten mit Gitarrenanmutung. Heute ist dieser Synthesizer recht gefragt, man sieht aber kaum Musiker mit dem SH-101 um den Hals auf einer Bühne. Man kann jedoch sagen, dass Roland mit dem SH-101 damals ein neues Marktsegment zu etablieren versuchte, er aber eher wegen anderer Eigenschaften wirklich ein gefragtes Instrument wurde. Hierzulande in Synthpopland (Mitteleuropa) fand man ihn deshalb als kleinen Bühnensynthesizer und als eine Art Analogdrum-Erzeuger (Stil: John Foxx, Dreciya, LFO und weitere Acts), da er sich recht einfach über diverse Drummachines triggern lässt. Wie gut man sich an SH101 "Rock-Soli" bei Nena erinnert, lasse ich einfach offen im Raume stehen. Der Sequencer und Arpeggiator machte ihn zusätzlich zu einem kompakten Werkzeug für die zu diesem Zeitpunkt immer beliebter werdende "automatische Musik". Kaum eine Band kam ohne ein Stück mit dem Titel "Automatic" aus. Die Beliebtheit stieg allerdings nicht "über Nacht", sondern über gut anderthalb Jahrzehnte. So dauerte es von New Wave über Techno/Acid oder "Elektro" bis zu den ersten Warp-Produktionen, um ihm den heutigen und unzweifelhaften Ruf als gern gesehenen, begehrten und leicht zu bedienenden Mobilsynthesizer zu verschaffen. Einem Korg Poly 800 oder irgendwelchen "Umhängekeyboards" wurde dies nie wirklich zuteil, sicherlich auch wegen des universellen Roland-Sounds, der einfach besser passte. Bedeutend stieg sein Stern zur Technozeit wegen eben dieser Eigenschaften. Man ging da viel weniger nach Namen als nach Machbarkeit und konnte lange Zeit für gute 300-400 DM so ein Instrument auf dem Gebrauchtmarkt erwerben. Später wurden Synthesizer mit ähnlichen Eigenschaften deutlich teurer, da man nun "auch so klingen wollte". Roland hatte als Marke bald einen magischen Ruf und gehörte damit zur ersten Garde der elektronischen Musikinstrumente im Pop- und Techno-Genre im weiteren Sinne. Jetzt wurde der SH-101 ohne den Griff verwendet und damit der zentrale Gedanke des Umhängesynthesizers nicht weiter verfolgt. Das verbindet den SH-101 und die TB-303, denn beide wurden vom Hersteller bekanntlich für eine andere Interessentengruppe konzipiert als jene, die sie tatsächlich einsetzten. Das erkannte man bei Roland und entwickelte vor einigen Jahren die MC-303, heute den Gaia, spezielle Instrumente, die auf Grund ihrer Ausstattung und Arbeitsweise besonders für die "moderne Musikproduktion" geeignet scheinen.
Die Maschinen der späten 70er und frühen 80er Jahre sind heutzutage zudem beliebt, vielleicht weil sie eben einfach und effektiv sind und nahezu jede Parameter-Einstellung gut klingt, auch etwas, was Roland Geräte von je her ausgezeichnet hat. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die kleineren Synthesizer der SH-Serie wie z.B. der SH-09, dieser im Gegensatz zum SH-101 jedoch ohne Sequencer und Arpeggiator, auch heute noch in vielen Studios im Einsatz sind. Der Klang lässt sich leichter integrieren als so mancher schwer und breit klingende Moog, und unabhängig davon funktioniert er auch im heute üblichen Soft-Umfeld. Immer mehr Produktionen werden schließlich auf diese neue Bandbreite ausgelegt, und man muss selten zum Equalizer greifen.
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Abhilfe schaffte bei mir: Powerknopf abziehen (ist nur draufgesteckt) und kräftig Kontaktspray rein (ohne hier die beliebte Diskussion wieder anzufangen, was man am besten in verschmutzte Schalter sprüht - von mir aus auch Haarspray :-).
Alternativ hilft auch manchmal : Kiste ausschalten und Powerknopf ca. 10 Minuten lang ein- und ausschalten...
sehr schöner Test.
Weil hier die MC-202 erwähnt wurde, die scheint
ja eine echte Alternative zu sein (kenne beide Geräte nicht)
Ist denn bei der 202 die MIDI-Anbindung auch so problemslos oder gibts da Anzulänglichkeiten?
Zurück zum SH101: Vom Sound her hätte ich ihn nicht erkannt, aber hängt sicher von der
Art von Musik ab. Ob er nun ein "Musthave ist"
muss ja jeder selbst wissen. Was gibt es sonst noch für Alternativen im preislich niedriger angesiedelt? (BraintecBass oder Deep-nine?)
Weil jetzt in Ebay welche sind, meine Frage
die Schieberegleraufsätze sind die selben wie
bei der TR-707, oder irre ich da?
freundlicher Gruß
Roland-Sound in der Art gibt es nicht so viele, aber 303Clones natürlich EINIGE. Die meisten davon sind aber auch nur gebraucht zu bekommen.
Faderkappen: sind andere als 707. Breiter.
SH101 Sound muss man natürlich mögen oder nicht, schon ihn zu beschreiben ist nicht so einfach. Bei zu hohen Preisen: Vogel zeigen und abwarten.
Der Charakter ist zB bei LFO "Frequencies" ziemlich typisch. Im Forum nennt man das inzwischen "Liep™". Es ist so wahnsinnig unschuldig.
Roland hat noch nicht so viele Cloner gefunden. Aber was einigermaßen mittig klingt wäre schon mal gut. Mittig mischen ist zzt wegen Software kein Exotentum mehr. Einer der ersten, der das gemacht hat dürfte Robert Babicz sein.
Einen SH101 habe ich nocht außerhalb der Roland-Familie nicht wirklich gefunden. Einige 303 Clones klingen aber ganz gut, sogar die alte Bass-Station ist gar nicht so übel diesbezüglich. Aber alles relativ. Für die SE (ATC Xi zB) Synthesizer gibt es ein 303 Filter, aber SE ist auch nicht grade billig zu nennen.
Das blaue System von SMS ist ganz nett aber auch ein paar andere. Meist je nach dem, was man eigentlich damit erreichen will und ob es funktional/frequenzmäßig oder musikalisch identisch sein soll oder sogar komplett emuliert werden soll.
Die Frage der klanglichen Ähnlichkeit muss man idR. selbst für sich beantworten.
toller synth. und der trigger sequenzer sehr geil.nutze DIE !! analogkiste ausserdem als cv mastertastertur für diverse module.. perfektes teil.