
E-mu Drumulator
Roland JD-800/990 „digitaler Analoghybride“!?
Es kommt selten genug vor, dass einem schon beim Anblick eines Bildes von einem Synthesizer das Wasser im Mund zusammen läuft. Zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Bilder des JD-800 Anfang 1991 gab es schon eine Vielzahl interessanter Objekte, die allesamt aber eines gemeinsam hatten: Sie hatten nichts mehr mit „analog“ zu tun. Da seien genannt der Yamaha SY77, der Ensoniq VFX, natürlich der Roland D-50 und D-70 oder Korgs Wavestation und 01/W. Allen gemeinsam war eine digitale Klangerzeugung mit durchaus mehr oder minder imitativen Charakter, wobei alle Synthesizer auch ihren individuellen Klangcharakter beisteuern können. Aber wie gesagt: „Analog“ war irgendwie out, was das Klangerleben betraf.__Nichtsdestotrotz konnte man sich auch damals für einen Jupiter-8, einen Elka Synthex oder Oberheim OB-8 begeistern. Klangmöglichkeiten waren genügend vorhanden, aber vor allem haben alle genannten Modelle REGLER und KNÖPFE und nicht nur, wie die digitalen Derivate, ein Display und eine Handvoll Taster drum herum. Was also lag näher, als sich einen Synthesizer mit mehrheitlich digitalem und vielleicht auch synthetischem Klangcharakter zu wünschen, der über Regler und Knöpfe verfügt.
Heute wissen wir, dass dies anfangs an der Rechenleistung der damaligen Chiptechnologie lange Zeit scheiterte, Regler zurück ins Gehäuse zu bringen, sofern überwiegend digitale Bauelemente verbaut wurden. D/A-Wandler pro Regler hätten einen solchen Synthesizer unbezahlbar gemacht. Und so schien es auch ausgesprochen kühn von Roland, mit dem JD-800 einen Synthesizer auf den Markt zu bringen, der auch tatsächlich arge Anlaufschwierigkeiten trotz zahlreicher guter Testergebnisse mit sich brachte und erst nach einigen Preisanpassungen nach unten doch noch seinen Weg in die „Hall of Fame" fand.
1. Der JD-800
Wie ich eingangs schon erwähnte, mischte Roland den Markt zwar augenscheinlich mächtig auf, bewirkte aber zunächst doch nicht so richtig was. Der JD sah hip aus, verfügte über 63 Regler, 62 Taster und 61 Tasten auf dem Keyboard. Klare Sache: 63 – 62 – 61 – meins! (frei nach Ebay). Die Konkurrenten bei Korg und Yamaha und vielen anderen Herstellern auch warteten zunächst einmal ab, wie sich der JD-800 wohl am Markt etablieren würde. Und oh Überraschung: Er floppte anfangs gewaltig bei einem Einstiegspreis von bis zu 4800 DM (rund 2400 EUR). Schon vor ihm gab es genügend Synthesizer in ähnlichen Preisregionen, denkt man mal an den Yamaha SY99 oder eine Korg T1. Aber da der JD-800 klanglich mehr in Richtung Synthesizer ging, als viele andere Synthesizer vor ihm, floppte er. Ein Grund auch, warum Korg mit der Wavestation ebenso Probleme hatte, diese am Markt zu platzieren und erst mit der EX-Version die Samples nachlieferte, derer jeder habhaft sein wollte (ein Klavier, ein Klavier...wir kennen das).
Komischerweise ist das ROM des JD-800 aber gut genug bestückt, all die Klänge zu produzieren, die man so braucht. Und spätestens mit der Herausgabe der Cardsets (eine Liste ist bei www.synrise.de/docs/pcm/roland.htm zu finden) mit Schlagzeugklängen, Pianos, Streichern, Bläsern, die meiner Meinung nach so was von überflüssigem Akkordeon und Gitarren enthalten, hatte man die Entertainer wieder auf seiner Seite geglaubt. Leider hat es nie ein Vintage-Cardset gegeben und auch kein SR-JV80-Adapter für den JD-800, um die gleichen Platinen wie im späteren JD-990 auch im JD-800 zu verwenden. Was für ein Jammer. Ich würde mich ja wirklich allzu gern dafür interessieren, wie viele Musiker sich das Akkordeon-Cardset zugelegt haben. Diese haben mit 285 DM (rund 143 EUR) richtig viel Geld gekostet. Ich habe damals – im gleichen „Ich brauch’n Klavier“-Wahn wie alle anderen – natürlich das Piano-Cardset erworben. Aber das klang auch nicht viel besser, als das ohnehin schon als ROM-Sample vorhandene Klavier, das ich sogar heute noch einsetze. Später habe ich das Piano-Cardset gegen das Strings-Cardset getauscht und darin das gefunden, was ich noch am besten klangtechnisch im JD-800 verwursten konnte. Hoch gelobt sind auch die Drum-Cardsets, die allerdings – und das kommt noch später – in ihren speziellen Einsatzmodus, dem Special Setup, zuviel Resourcen binden und den JD-800 ad absurdum führen. Meines Erachtens bliebe nur noch das Brass-Cardset übrig, welches ich empfehlen könnte, jedoch nie gehört habe. Aber Akkordeon!? Ich bin und bleibe fassungslos! Wo blieb das Cardset „Triangle-Collection“ oder „World of Alphorn“?
2. Der JD-990
Der JD-800 lag der Musikindustrie irgendwie schwer im Magen. Die Konkurrenten zeigten sich uninspiriert, die Musiker zwar begeistert, aber abwartend.
Die Presse verteilte Innovationspreise und die Roland-Ingenieure fragten sich, was sie falsch gemacht haben könnten. Also ging man flugs zurück ins Labor und überlegte, wie man das ganze vielleicht in ein Standardrackgehäuse unterbringen könnte, ausgestattet mit weiteren Features. Da fast gleichzeitig die Entwicklung an der JV-Serie lief und man mit JV-80 und JV-880 zwei Synthesizer im Angebot hatte, die über optionale Erweiterungen ROM-klanglich erweiterbar waren (die sagenumwobene SR-JV80-Serie), hat man dieses Feature gleich mal mit ins JD-990-Gehäuse implantiert. Und da man im JV-80/880 auch noch – neben einer deutlich simpleren Klangsynthese und weitaus weniger Effekten – dennoch ein paar Details hatte, die dem JD-800 fehlten, hat man den JD-990 gleich so konstruiert, dass man zumindest theoretisch JV-80-Klänge auch auf dem JD-990 erstellen und umgekehrt natürlich auch JD-800-Klänge einladen konnte.__In der damaligen Werbung versprach Roland, mit dem JD-990 den fortschrittlichsten und bestklingendsten Synthesizer aller Zeiten gebaut zu haben. Ich bin auch fast der Überzeugung, dass sie das bis zum Erscheinen des V-Synth auch tatsächlich geschafft haben, wären da die nicht immer wieder die von Dritten genannten Abstürze des JD-990 bei der MIDI-Kommunikation. Aber irgendwas ist ja immer.
3. Die Klangerzeugung
Egal, um welchen JD es sich handelt, so haben doch beide Modelle erst mal viele Gemeinsamkeiten, die ich hier in diesem Kapitel näher erläutern möchte, bevor ich später auf die Besonderheiten des JD-990 noch näher eingehe. Für alle, die sich schon immer fragten, ob man einen JD-800 nicht als Luxusprogrammer für den JD-990 verwenden kann: JA, man kann! So, nun zum Klanggeschehen!
Das Klangerzeugungsverfahren ist zunächst einmal relativ herkömmlich aufgebaut, sprich das Oszillator-Filter-Verstärker-Verfahren der Subtraktiven Synthese findet Anwendung. Nur, dass das natürlich bei Roland seinen eigenen Namen hat, namentlich WG (Wave Generator), TVF (Time Variant Filter) und TVA (Time Variant Amplifier). Jede der drei Sektionen verfügt über mehrstufige Hüllkurven, die sinnvolle Parameter besitzen und sinnvollerweise auch als Flachbahnregler (sprich Fader) ausgeführt sind, so dass man den Hüllkurvenverlauf auch erkennen kann, wenn man ihn von Grund auf programmiert.
Ja, und da liegt auch das große Manko des ansonsten fantastischen Bedienfeldes des JD-800: Es gibt keine Motorfader. Wählt man ein anderes Programm, so bleiben alle Regler in ihrer Position. Ein Bewegen des Reglers führt dann zu sprunghaften Parameteränderungen im Klang. So ist der direkte Eingriff ein wenig getrübt, denn ein Abholen des Parameterwertes ist nicht vorgesehen – leider!
Doch zurück zu den Sektionen des JD-800/990!
Kommentar erstellen Kommentare
Sorry, aber das kann da so nicht stehen bleiben.
Erstens wird in keinem analogen, speicherbaren Synthi pro Regler 1 A/D-Wandler verwendet, sondern die Regler und Knöpfe sitzen in einer Matrix, die per Analogschalter/Multiplexer abgefragt werden. Klassischerweise wird dazu ein 4051 mit nachgeschalteter S&H-Einheit verwendet, oder gar bei Neueren der pinkompatible SSM-Chip (2033) mit bereits intergrietem S&H. Hinter dieser Einheit gehts dann in den gemeinsamen Wandler. Das machen alle so, kann man sich zB beim Korg Polysix anschauen.
Zweitens hat bereits ein Prophet 5 von 1978 eine solche Technik eingebaut, also Matrixabfrage von analogen Reglern zusammen mit Digitastern, CPU war eine Z80. Die Rechenleistung reichte daher sehr wohl aus, Nachfolgende Synthis wie OBX(a), und Memorymoog hatten auch nur für heutige Verhältnisse schwache 8bit-CPUs drin. Im Elka Synthex werkelt gar eine 6502-CPU, allerdings mit vertauschten Daten- und Adreßleitungen.
Die Roland Programmer wie PG800 haben eine 8051MCU drin, die per serieller Schnittstelle mit dem Synthi kommuniziert (eine Technik, die Ensoniq bei allen ihren Synths außer den Letzten benutzte, also eigener Prozessor fürs Bedienpanel)
Der Grund, warum die Regler verschwanden, war, daß solche Bedienelemente eben teurer sind als eine Oberfläche a la DX7, sprich: 2x16 Zeichen Gucklochdisplay mit Parameterdschungel. Außerdem war Digital ja doch "in" und es entstand ein neuer Berufszweig: Soundprogrammierer.
gruss,
oliver schmitt
bis dann...
Bitte mailt mir :D
Funktioniert einwandfrei.
Das gehört schliesslich zu einem Synthesizer, und als "Rompler" war der JD800 ja anscheinend nie gedacht.
Der JV1080 gefiel mir da weit besser, zumindest von den Möglichkeiten.
Optisch ist der JD800 natürlich einer der schönsten Synths ;-)
bis dann...
Die Filterübersteuerung klingt in meinen Ohren übrigens durchaus musikalisch und ich empfinde sie eher als Bereicherung der sowieso schon enormen Klangpalette des JD800. Ein tolles Gerät, bei dem Sound und Bedienung nahezu Ideal sind.
Der JD ist noch heute eine Bereicherung für jedes Studio.