von am 25.12.2007
Review
Zebra 2 heißt ein bisher von uns nicht berücksichtigtes digitales Werk von Urs Heckmann in Form eines Software Synthesizers. Und ich muss gestehen, manchmal führen auch von außen herangetragene Unterlassungsrüffel zu einem Review, das ich aber, soviel sei schon verraten, gern gemacht habe. Und der Rüffel kam weder vom Entwickler noch war er mit irgendwelchen Zielvorgaben verbunden, nicht dass hier falsche Vermutungen aufkommen. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass mir schon viele Benutzer dieser Software um einiges an Erfahrung voraus sind, denke ich, dass ich als Neueinsteiger in die Zebra-Welt über dieses Portal einiges zu bemerken habe. Alle Anwender, die dann noch etwas vermissen oder gar einen berechtigten Einwurf machen wollen, sind herzlich gebeten, ihren Kommentaren freien Lauf zu lassen. Doch genug des Vorworts, kümmern wir uns einmal um die..
... Systemvoraussetzungen
Zebra gibt es für beide Plattformen: PC (Windows 2000/XP oder höher, 1 GHz) sowie Mac (Universal Binary kompatibel, MacOS X 10.3.9 oder höher, 1 GHz CPU).
Installation
Diese fand auf meiner Pepperbox statt, einem PC mit einem Pentium IV 3,4 GHz Prozessor und Windows XP SP2. Als HOST diente der Steinberg Cubase Sequenzer mit Version 4.0.3. Die Software wird über das Installationsprogramm in einen gewünschten PlugIn-Ordner gestellt, die Registrierung mit Hilfe des vom Hersteller gelieferten Codes findet durch Eingabe des Namens und des Codes statt und ist damit schnell erledigt. In Zeiten von Syncrosoft, iLok und NI Service Center eine leichtgängige Variante. Das war es schon.
Die Architektur…
…des recht modularen Synthesizers erschließt sich dem Zebra 2-Neuling wie mir natürlich nicht auf Anhieb, lässt sich aber schnell nachvollziehen, sobald man sich erst einmal ein bisschen „eingeklickt“ hat. Es gibt nur ein großes GUI, das zwischen Perform, Synthesis und Presets umschaltbar ist. Zudem wird im unteren Drittel noch ein weiteres unabhängig umschaltbares Fenster angeboten. In diesem kann der Anwender zwischen Global FX, More Osc 1 - 4, More FMO, Multistage EG, XY Assign, Arp Control und Enjoy! auswählen. Da die Hauptarbeit zur Klangerstellung im Synthesis-Fenster erledigt wird, werde ich mich zuerst auf dieses stürzen. Ich hatte mich natürlich nach der Installation durch einige der reichlich vorhandenen Presets geklickt und schon auf diese Weise war zu sehen und zu hören, dass dieser Synthesizer einige Syntheseformen zu bieten hat. Eine Syntheseform-Schublade ist also für den Zebra 2 nicht zu verwenden.
So bleibt mir erst einmal nichts anderes übrig als die Matrix zu erwähnen, innerhalb der bis zu vier Oszillatoren, vier FM-Module und zwei Rauschgeneratoren verknüpft und durch Filter geschickt werden können. Hier ist noch anzumerken, dass insgesamt 19 Filtertypen zur Auswahl stehen, die natürlich schon für erhebliche Klangfärbung sorgen können.
Die vier Audioausgänge sind entweder auf den Master Out oder auf einen der beiden Effektbusse routbar. An Effekten steht auch einiges zur Verfügung, so dass dem Klang hier auch noch ordentlich was zum Aufpeppen mitgegeben werden kann. Angefangen mit Phaser, Chorus, Delay, Reverb über EQs und Kompressoren bis hin zu Ringmodulator und Waveshaper steht hier einiges im Angebot.
Bestimmte Module…
…möchte ich mir an dieser Stelle einmal näher anschauen und beginnen will ich mit dem Oszillator als in diesem Falle sehr flexiblen Audioquelle. Hier schon kündigt sich die Tatsache an, dass der Zebra 2 etwas Besonderes in der Welt der Software Synthesizer darstellt. Es werden nicht nur einfach Schwingungsformen angeboten, nein, auf vier verschiedene Arten hat der Anwender die Möglichkeit, eigene Schwingungsformen oder gar additive Spektren zu zeichnen/zu erzeugen. Von diesen können für jeden Oszillator 16 gebastelt und am Klang gespeichert werden. Doch damit nicht genug, denn es besteht die Möglichkeit, diese erzeugten Schwingungsformen weich morphend oder im Sinne der z.B. vom PPG bekannten Wavetablesynthese hart zu durchfahren. Hier siedelt schon ein gewaltiges Potential an Klangformung, bevor das Signal überhaupt ein Filter, einen Mixer und/oder einen Effektpfad durchläuft. Man könnte fast meinen, die Oszillatoren bieten schon eine ganze Menge, so dass damit bereits der endgültige Sound erstellt werden kann. Bemerkenswert ist hier auch, dass der Unisono-Modus bei den einzelnen Oszillatoren Anwendung findet. Das ist zwar nicht einmalig auf dieser Welt, aber dennoch nicht besonders häufig anzutreffen. Zum Andicken eines Klanges reicht oft ein Oszillator, so dass auch hier die CPU-Last nicht für alle Klangquellen angereichert werden muss. Ein weiteres hervorstechendes Merkmal findet sich auch in den FM-VCOs, bieten sie doch durch ihr Potential annähernd an DX7 und ähnliche erinnerernde Klänge.
Das Angebot an Filtern tut sein übriges, besteht es neben diversen Tief-, Hoch- und Bandpassfiltern auch aus zwei Kammfiltermodellen, die für sich gesehen auch schon wieder ein Minilabor für Filtermodellierung liefern. Jedenfalls wurde auch an dieser Ecke ebenfalls nicht gekleckert, sondern geklotzt. Auffallend ist hier der Unterschied der CPU-Belastung bei Verwendung diverser Filtermodelle, was schnell durch mehr oder weniger aufwändige bzw. notwendige Programmierung der Filtermodelle erklärt ist.
Zum Thema „Leben in den Klang bringen“ stehen auch im Zebra 2 einige Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung. Es gibt an den Modulen wie Oszillator oder Filter zwar fest zugewiesene Regler für die Beeinflussung durch LFOs und Hüllkurven, die, ganz nebenbei erwähnt, natürlich Midi-temposynchron arbeiten können, aber ebenfalls vorhandene freie Regler können in einer bestimmten Zahl pro Modul weiteren Modulationsquellen wie Multistage-Hüllkurven, die übrigens über Loop-Segmente verfügen, und einem Stepsequenzer/Arpeggiator zugewiesen werden.
Darüber hinaus lassen sich noch weitere übergeordnete Modulationsquellen zuweisen und mittels eines Modulationsmixers zu den bereits vorhandenen Beeinflussungen des Klangmaterials addiert werden. Wow, hier kann man sich zu Tode modulieren, aber das ist jetzt ein positives Statement.
Das Fenster Presets…
…bietet einfach nur die Möglichkeit, sich durch auf der linken Seite stehenden Ordner durchzuklicken und somit dem Hauptfenster bestimmte Presetsammlungen zum Durchsteppen zur Verfügung zu stellen.
Das Fenster Perform…
...verschafft dem Anwender die M ouml;glichkeit, diverse Parameter des Zebra 2 durch externe Controller oder mittels Mausbewegungen zu beeinflussen. Hier können zahlreiche Zuweisungen eingestellt werden, so dass es nicht nötig ist, das Patch an sich in umfangreichem Maße zu verändern, um selbst drastische Klangveränderungen zu erzielen.
Zu guter Letzt...
...erreichte mich noch eine Soundbank, genannt Transmission und erstellt von Ben Hall, die äußerst umfangreich viele Bereiche des Zebra 2 berührt und den Anwender nicht nur mit frischen Patches, sondern auch mit Templates versorgt, um gezielte Ausgangsbasen anzubieten. Sie kann über diesen Link bezogen werden.
Update auf V 2.2 und Oldskool Vol.I und II Sounds
Das Update auf V 2.2 bewirkt neben schnellerem Laden der Klänge auch das fixere Öffnen des Interfaces. Die Sounds werden nun auch mit den Songs gespeichert.
Des Weiteren wurde die volle Kompatibilität mit dem MacOS X 10.5 Leopard erreicht.
Auch im Muse Receptor kann Zebra2 nun installiert werden und ZebraCM-Anwender können nun ihre Klänge auch importieren.
Auf Parameterebene gibt es u.v.a. eine Erweiterung der Modulationsmatrix zu verzeichnen sowie einige Optimierungen wie z.B. in der Verwendung von Modulation Wheel und Pitchbending.
Ebenso ist eine neue Factory-Bank entworfen worden, für die sich der bekannte und klanglich sehr versierte Howard Scarr verantwortlich zeichnet, der zusätzlich noch Templates für die Verwendung von Oszillatoren zur Verfügung gestellt hat.
Die weiterhin kompatiblen früheren Werksklänge stehen als separater Download zur Verfügung, falls sie beim Installieren überschrieben werden.
Ein weitere Sammlung von Presets wird auf der u.a. Zebra-Website zum Kauf angeboten, die zu einem am derzeitigen Kurs ermessenen sehr günstigen Preis von 29 US-$ eine reichhaltige Zusammenstellung an Standard- und auch außergewöhnlichen Klängen aus dem Retrobereich bietet. Durch diese Kollektionen wird eine der Stärken des Zebra2, die Emulation analoger Klänge, sehr gut hervorgehoben.
Mein Eindruck…
…wird durch ein Gefühl der grenzenlosen Möglichkeiten gefärbt. Nun ist „grenzenlos“ übertrieben, kein Synthesizer kann wirklich alles, aber der Zebra 2 gehört mit Sicherheit zu den flexibelsten Klangerzeugern, die mir jemals untergekommen sind.
Ich habe wirklich analog anmutende warme Flächenklänge damit spielen können, dann plötzlich das Gefühl gehabt, etwas PPG-artiges aus den Boxen zu hören. Wavestation-ähnliche Verläufe sind genau so möglich (Stepsequencer als Modulationsquelle gepaart mit Wavetablesynthese eines Oszillators nach Art des Hauses, s.o.) wie schöne typische Virus-Arpeggien. Doch „stirbt“ der Zebra 2 nicht nur in Schönklang, auch böse oder rhythmusunterstützende Szenarien in Form von Sequenzer-/Arpeggiator-gesteuerten Verläufen oder durch die Modulation mittels der Multistage-Hüllkurven sind ohne weiteres möglich. Die mit ansprechend guten „Geräten“ versehene Effektsektion tut ihren Teil zu bemerkenswert lebendigen Klängen dazu. Je nach Verschaltung arbeitet der Anwender entweder mit einem additiven, einem Wavetable-, einem Phasedistortion- oder einem FM-Synthesizer, und das ist doch wohl ein gehöriges theoretisches Potential.
Ein Software-Synthesizer der ersten Wahl, den wir schon eher hätten begutachten sollen. Atmosphärische Pads, harte Bässe, sequenzergesteuerte Percussion, glasklare Effektklänge, ich könnte einiges aufzählen, was aus dem Synthesizer herauszuholen ist und auch wurde, wie in der großen Presetbibliothek zu hören ist. Wenn ich mich in der Instrumenten-Landschaft umschaue, trägt sich der Zebra 2 in einige Sparten der Syntheseformen ein und bietet somit ein wirklich breites Klangspektrum für a) relativ kleines Geld und b) größtenteils recht moderaten Bedarf an CPU-Ressourcen. Nicht nur in der digitalen Welt der Klänge, auch im „virtuellen“ analogen Bereich zeigt der Zebra 2 seine Stärken, was auch seiner großen Auswahl an Filtermodellen zu verdanken ist. Zu berücksichtigen ist auch die große Sammlung an Presets, die schon mitgeliefert werden. Viele Anwender haben schon ihre Klänge beigetragen und dabei ist eine große Bandbreite an gut verwendbaren Presets entstanden, sowohl für den sofortigen Einsatz in Produktionen wie auch als Bastelanleitung zu Forschungszwecken. Zu erwähnen ist auch der stabile Lauf der Instanz über die gesamte Testphase hinweg, und wenn ein Software Synthesizer schwitzen könnte, ich hätte ihn dazu gebracht. Gönnen Sie sich die Demo und nehmen Sie sich ein bisschen Zeit für dieses Klangwerkzeug, denn Ihr persönlicher Eindruck zählt. Aber von mir aus gilt: Highly Recommended!
199 Dollar im Web Shop bei u-he.com
Bewertung: 5 von 5