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Report: Gitarristen, die Geschichte mach(t)en: Jeff Beck

Emotion & Commotion: Jeff Beck

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Unter den ganz großen englischen Gitarristen pflegt der 1944 in Wallington geborene Geoffrey Arnold Beck ein Schattendasein. Er setzt Maßstäbe für Generationen von Gitarristen  und überschreitet dabei sämtliche Genregrenzen. Die Kompromisslosigkeit des Briten, sowie sein revolutionärer Stil prägen Hard Rock, Fusion, Jazz, Funk, Blues-Rock über Heavy Metal bis hin zu elektronischer Musik. Der kommerzielle Durchbruch bleibt ihm jedoch verwehrt, was sicherlich der Eigenwilligkeit seiner Person und Musik, aber auch dem mangelnden Hitpotential seiner Songs zugeschrieben werden kann.

 “I don´t care about the rules. In fact, if i don´t break the rules at least 10 times in every song then i´m not doing my job properly.” Jeff Beck

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Trotzdem ist Beck alles andere als erfolglos: Seine Alben gelten in unterschiedlichsten Stilistiken als prägend und wegweisend. Er belegt Platz 14 im Top 100 Ranking der besten Gitarristen aller Zeiten (Rolling Stones Magazin), sackt 4 Grammys ein und wurde für die diesjährige Aufnahme in die Rock´n´Roll Hall of Fame nominiert.

Beck bleibt sich und seinen experimentierfreudigen musikalischen Visionen treu und ist seiner Zeit damit stets weit voraus. Er ebnet den Weg für instrumentale Gitarrenmusik à la Satch und Vai, nimmt eine Vorreiterposition für die einsetzende Heavy Metal Bewegung in den 70ern ein und beeinflusst Musiker wie Bluesrocker Gary Moore gleichermaßen wie die Ausnahmegitarristin Jennifer Batten, mit der er Ende der 90er die von Drumbeats und Samples dominierten Alben „Who Else!“ und „You had it Coming“ aufnimmt.

Entwicklung

Inspiriert durch Muddy Waters greift Beck in seiner Jugend zur Gitarre. Mit der Liebe zum Blues legt der junge Engländer gleichzeitig den wichtigsten Grundstein für sein musikalisches Schaffen. Nachdem er sich einige Zeit als Kunststudent auf dem Wimbledon Art Collage versuchte, verdiente er seine Brötchen schon bald als Studiogitarrist in London. Diese Tätigkeit verhilft ihm schließlich auch zu Kontakt zu Jimmy Page, der ihm hilft, in den frühen 60ern bei den Yardbirds das Erbe Eric Claptons anzutreten. Mit dem Einstieg Becks beginnt die Blütezeit der Band: Es folgten Charterfolge und einige überaus erfolgreiche Platten, bis den Yardbirds aufgrund eines Besetzungswechsel das Leadgitarrenduo Page/Beck beschert wird.

Doch diese Besetzung wärt nicht lange, denn der exzentrische Beck wird kurz darauf im Jahre 1966 von den Yardbirds gefeuert und erklärt darauf seinen kompletten Rücktritt aus der Musikwelt. Kaum ein Jahr später kehrt er jedoch zurück, um mit Kneipenbekanntschaft Rod Stewart die erste Jeff Beck Group aus der Taufe zu heben. Die beiden Alben Truth und Beck-Ola werden zu Klassikern der Rockmusik. 1968 wird er beinahe der neue Leadgitarrist bei Pink Floyd, die sich jedoch letztendlich für David Gilmour entscheiden. 1969 steigen Stewart und Wood aus, die Jeff Beck Group löst sich auf. Nur wenig später entgeht Jeff Beck bei einem Autounfall nur knapp dem Tod und erleidet schwere Kopfverletzungen, die ihn  zwingen, eine größere Pause einzulegen. Nach seiner Genesung formiert er 1971 die zweite Jeff Beck Group, die jedoch nur kurz von Bestand ist und schon bald mit den ehemaligen Vanilla Fudge Mitgliedern Appice und Bogert in die dritte Runde geht. Doch Becks musikalische Laufbahn ist geprägt vom ständigem Umbruch und zahlreichen Besetzungswechseln, sodass auch diese Formation nicht lange besteht.  Mitte der 70er nimmt er mit Beatles-Produzent George Martin das instrumentale Solo-Album „Blow by Blow“ auf,  welches Jazz und Progressive Rock zu völlig neuen Klängen verschmilzt. Ein Jahr darauf folgt das gemeinsam mit Keyboarder Jan Hammer konzipierte, elektronisch geprägte „Wired“. Jan Hammer bringt die Möglichkeiten elektronischer Musik in Becks Schaffen ein und verleiht seiner Musik mit Synthesizern ein völlig neues Gewand.

Big

„The way Jan used technology really turned my head around and opened up a new world for me. […] He made me realize that things are always changing und you can´t sit still.” Jeff Beck

Beide Alben gelten als Meilensteine des Jazzrock und werden mit Platin ausgezeichnet. Doch der eigensinnige Engländer reagiert auf den Erfolg, indem er sich von der Musik abwendet, um sich stärker dem Herumschrauben an seinen Hot Rods  zu widmen. Es brechen ruhigere Zeiten  an, in denen Beck jedoch mit diversen Alben, dem Solo-Hit „People Get Ready“ oder als Gastsolist bei zahlreichen Produktionen (u.a. Mick Jagger, Tina Turner) nie völlig von der Bildfläche verschwindet. 1989 kehrt Beck schlagartig mit dem wegweisenden „Jeff Beck´s Guitar Shop with Terry Bozzio und Tony Himas“ zurück, auf dem er sich unheimlich intensiv und virtuos  präsentiert. An den Erfolg des Albums knüpft eine gemeinsame Tour mit Texas-Blueser Stevie Ray Vaughn an. Auch nach diesem musikalischen Höhepunkt gönnt sich Beck schon bald eine längere Schaffenspause, um wiederum mit den innovativen Alben  „You Else!“, „You Had It Coming“ und „Jeff“ eine neue experimentellere Beck-Ära einzuläuten. Auch zu „Jeff“ tourt der britische Musiker mit einer Blueslegende: Dem King of the Blues – B.B. King. Auch bei anderen hochkarätigen Konzerten ist Jeff Beck mit von der Partie: Er spielt 2007 auf dem legendären „Crossroads Guitar Festival“ in Chicago und hinterlässt dort nicht nur mit seinen brillanten Auftritt bleibenden Eindruck, sondern auch durch die unheimlich versierte Bassistin Tal Wilkenfield. Der Brite scheint sich wohl zu fühlen mit jungen, hübschen Damen an seiner Seite. Noch im selben Jahr erschließt sich Beck ein Millionenpublikum, als er im Rahmen der Castingshow American Idol mit Kelly Clarkson ein Duett von Patty Griffin´s „Up To The Mountain“ zum Besten gibt.

“She’s got this maturity, you know, this fully developed soul voice that I wasn’t expecting. It just knocked me out. It was quite riveting to listen to. At one point, the audience started to stand up. They were so moved by her. She’s got that quality that demands attention, which is rare.” Jeff Beck

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