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Rezension: Mischen wie die Profis

Buchrezension

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Mischen wie die Profis

Bobby Owsinski: Mischen wie die Profis – Das Handbuch für Toningenieure
GC Carstensen Verlag, ISBN 978-3-910098-36-7, EUR 37,50

 

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Wer möchte nicht die Tricks der Profis lernen und seine Songs so abmischen, dass sie wie die Hits aus den Charts klingen? Das verspricht zumindest Bobby Owsinski mit seinem neuen Buch, dessen Titel jeden, der mit dem Recording von Musik zu tun hat, sofort vom großen Sound träumen lässt. Die Latte ist also hoch gelegt.

Zunächst zu Äußerlichkeiten: Das Buch ist großformatig und bringt satte 1,1 kg auf die Waage. Das 342 Seiten starke Werk präsentiert sich in ansprechender Aufmachung mit abwechslungsreichem, einladendem Layout und liest sich, soviel sei schon verraten, flüssig und kurzweilig – übrigens in einer hervorragenden Übersetzung. Ein Hingucker ist sicher der Umschlag, der die Atmosphäre eines Profi-Studios einfängt.

Doch wie bringt Owsinski nun den nicht immer leichten Stoff rüber? Das Buch ist in drei große Abschnitte eingeteilt. Nach interessanten Background-Informationen über die Entwicklung des Mischens erklärt der Autor das Ziel eines großartigen Mix und erläutert als Kontrast und Orientierung, wie man einen amateurhaften Sound erkennt.

In den nächsten Kapiteln werden die sechs Elemente, die eine herausragende Mischung ausmachen, ausgiebig und mithilfe von Beispielen und zahllosen Tipps erklärt. Das Kapitel Ausgewogenheit behandelt die Bedeutung eines guten Arrangements und die Balance der Pegel. Das Platzieren des Sounds im Klangfeld wird im Kapitel über das Panorama erläutert, und beim Frequenzbereich und dem korrekten Einsatz von Equalizern wird so mancher Leser schon mal seine bisherigen EQ-Methoden hinterfragen.

Sehr anschaulich und praxisbezogen gestalten sich auch die Diskussionen über die räumliche Dimension und den Einsatz von Hall, Delay und anderen Effekten, sowie in Kapitel fünf die Dynamik (Kompressoren und Noise-Gates). Als sechstes Element identifiziert Owsinski das Interesse, das ein Song beim Hörer auslösen sollte. Alle diese Elemente werden mit Zitaten der Mixing-Engineers sowie mit einladenden Hands-On-Tricks für jedes Instrument aufbereitet.

Abgerundet wird dieser erste Teil mit Kapiteln über die Bedeutung eines guten Monitorsystems, den Master-Mix, die Ziele des Mastering (Mischen für das Internet, Datenkomprimierung etc.), und das Mischen im Rechner.

Teil zwei ist dem Mischen in Surround-Sound gewidmet, einem Gebiet, für das sich der Autor besonders engagiert hat. Neben den Basics vermitteln diese Kapitel interessante Ansätze (LFE, Center-Kanal etc.) für Surround-Enthusiasten.

Auf über 150 Seiten werden dann 22 namhafte Mix-Toningenieure nach ihrem Karriere-Einstieg, ihren Ansichten, Arbeitsmethoden und Star-Tricks befragt. Wer meint, jeder hätte irgendwann den einzig wahren Weg zum erfolgreichen Sound gefunden, der irrt. Schon äußerst interessant, wie die Meinungen zum Teil auseinandergehen, aber auch, welche Vorzüge manche haben und mit welchen Zielen sie an ihre Arbeit herangehen. Owsinski hat sich übrigens bemüht, Mix-Größen aus den verschiedensten Musikstilen zu befragen: Rock, Pop, R&B, Punk, Country, Remixe, Jazz, Klassik, Film und Fernsehen. Sehr lobenswert.

Fazit: Hier wird eine umfassende Einführung in das professionelle Mischen geboten mit Einsichten in die Arbeit von Top-Profis. Die Latte liegt zwar hoch, aber Owsinski überspringt sie spielend. Wer nach fundiertem Wissen über die Kunst des Profi-Sounds sucht, liegt mit diesem Buch goldrichtig. Alles in allem eine hervorragende Informations- und Inspirationsquelle, die im Bücherregal eines jeden Musikers und Toningenieurs seinen festen Platz haben sollte.

  1. Avatar
    Phil

    Ich hab das Buch, aber nur auf Englisch. Man soll bloß nicht denken das man nach der Lektüre plötzlich mischen kann. Wer aber bestrebt ist ein guter Mixer zu werden sollte das Buch unbedingt lesen. Denn gerade der Umstand welcher in der Rezension beschrieben wird, und zwar das die Meinungen extrem weit auseinandergehen ist im Endeffekt doch sehr hilfreich. Ich persönlich habe durch dieses Buch auf jeden Fall sehr viel gelernt.

  2. Avatar
    Atomicosix

    Ja das Buch ist ganz interessant und auch gut zu lesen, aber was wirklich neues steht da nicht drin. Die "Profitricks" sind entweder schon bekannt oder nicht nachvollziehbar da das "Spezial-Equipment" nicht zur Verfügung steht. Insgesammt ist das Buch recht Amirocklastig, Stilrichtungen wie DUB oder House/Disco kommen gar nicht vor. Wer noch nicht mixen kann muß weiterhin üben, vielleicht hilft das Buch dabei.

  3. Avatar
    Mikey Dread

    Ich habe mir vor ein paar Wochen das Buch gekauft und bin richtig begeistert. Ich habe gerade die Bewertung von Atomico gelesen und muss sagen, ich kann sie nicht nachvollziehen. Ich kannte eine Vielzahl der Beschreibungen und Tricks nicht, und ich bin sicher, das geht der ganz großen Mehrheit so. Das meiste sei zu "amirocklastig". Ist so nicht korrekt. Außerdem steckt "Ami-Rock" ein sehr, sehr großes Feld ab (Rock, Pop, Grunge, Metall etc. etc.)., und ein Buch über die Praxis des Mischens ohne Amis – doch wohl nicht im Ernst! Zu maulen, dass House und Dub nicht besprochen, geht am Punkt vorbei: Es geht doch um die Grundsätze des Mischens und erst in zweiter Linie um einzelne Stile. Und schließlich zeigt der missmutige Ton, dass der Enthusiasmus des Autors und die Begeisterung der interviewten Toningenieure über ihre Arbeit bei Atomico überhaupt nicht rübergekommen ist. Wirklich schade.

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