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Test: Apogee Ensemble

Apogee Ensemble

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Die Wandler der amerikanischen Firma Apogee genießen in Audio-Kreisen einen hervorragenden Ruf. Seit kurzer Zeit bietet Apogee nun auch komplette Audio-Interfaces an. Im AMAZONA-Test haben wir hier zunächst das Firewire-Interface Apogee Ensemble. Daneben gibt es noch das auf einer PCIe-Karte basierende Symphony-System, was aus einer PCIe-Karte besteht und dann beliebig mit Wandlern aus dem Hause Apogee bestückt werden kann. Während sich letzteres eher an professionelle (Groß-) Studios richtet, zielt Ensemble auch auf den (gehobenen) Projektstudiobereich, dürfte aber mit knapp 2000 Euro sicherlich zu den teuersten Firewire-Interfaces am Markt gehören. Wie sich zeigen wird ist dieser Preis aber jeden Cent wert.

Frontansicht des Ensemble

Frontansicht des Ensemble

Konzept und Ausstattung:

Vom Konzept und der Ausstattung bedient Apogee zunächst einmal den gehobenen Standard in dieser Geräteklasse, bietet aber auch einige Besonderheiten, die es ganz klar von der Masse der Mitbewerber abheben. Zunächst einmal fällt das extrem schicke Design positiv ins Auge. Selten sah Hardware für den schnöden Studioalltag so schick und edel aus. Nicht ganz von ungefähr drängt sich der Vergleich zu Apples aktuellen MacPro Rechnern auf. Damit wären wir auch schon bei der ersten Besonderheit. Ensemble läuft ausschließlich auf Mac-Rechnern, sorry PC-User!
Zwar läuft es am Mac mit jeder Core Audio-fähigen Software zusammen, jedoch kann man die Stärken von Ensemble am besten mit Logic ausreizen. So bietet Logic bei angeschlossenem Ensemble ein Kontrollfeld, von dem aus man sämtliche Parameter von Ensemble direkt aus Logic heraus verwalten kann.
Am Gerät stellt man nur die Ein- und Ausgangspegel ein. Alle anderen Parameter editiert man bequem über die Software.
Links findet man den Levelregler für die Eingänge. Rechts denselben Regler für die Ausgänge. Da beide (Endlos)-Regler gleichzeitig auch als Drucktaster ausgelegt sind, kann man durch mehrmaliges Drücken ganz einfach den Kanal wählen, den man regeln möchte.
Kleine LEDs verraten einem dabei immer wo man gerade ist. So hat man stets den Überblick über alle Einstellungen.
Sehr schick ist hierbei auch der LED-Kranz um die Regler herum, die den jeweiligen Stand des Reglers anzeigen.

Mittig auf der Frontseite finden sich zehn Pegelanzeigen, die entweder Ein- oder Ausgänge der acht analogen und zwei digitalen Anschlüsse darstellen können.

Schnittstellen:

Das Ensemble bietet acht analoge Ein- und Ausgänge. Davon vier Micpreamps und vier hochohmige Eingänge zum direkten Anschluss für Bass oder Gitarre. Natürlich können auch alle analogen Eingänge als Line-Eingänge verwendet werden. Außerdem gibt es noch einen
S/P-DIF und einen ADAT-Anschluss. Dadurch kommt das Ensemble bei einer Samplerate von 44,1 oder 48 Khz auf bis zu 18 Ein- und Ausgänge gleichzeitig. Bei höheren Sampleraten werden es bedingt durch die ADAT-Schnittstelle entsprechend weniger. Da die ADAT Schnittstelle aber auch im SMUX-Modus betrieben werden kann, stehen bei 88,2 und 96 kHz immerhin noch 14 Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Maximal kann Ensemble mit 192 Khz samplen.
Weitere Anschlüsse auf der Rückseite: zweimal Firewire, wodurch man entweder noch eine Festplatte anhängen oder aber mehrere Ensembles kaskadieren kann, Wordclock Ein- und Ausgang zur Taktung von weiterem Studioequipment und Inserts für die vier Preamps.

Die Anschlüsse auf der Rückseite

Die Anschlüsse auf der Rückseite



Maestro:

All diese Features steuert man entweder direkt aus Logic heraus oder bei jeder anderen Software über die mitgelieferte Software „Maestro“. Maestro bietet zwei Fenster: Einen Mixer zum Routen aller Ein- und Ausgänge sowie ein Kontrollfeld für alle übrigen Einstellungen. Auch kann man hier bequem zwei latenzfreie Monitormixe erstellen. In der Praxis habe ich übrigens Maestro meist dem Logic-internen Bedienfeld vorgezogen, da Maestro optisch doch etwas ansprechender ist als das entsprechende Logicfenster. (Siehe Bilder)

Der Mixer in Maestro...

Der Mixer in Maestro…

... und das Kontrollfeld in Logic

… und das Kontrollfeld in Logic


Features:

Ensemble bietet noch einige weitere Highlights. So kann man etwa auf den acht analogen Eingangskanälen Apogee´s „Soft Limit“ – Schaltung aktivieren. Dahinter verbirgt sich eine analoge Limiterschaltung, die einspringt, wenn bei der Aufnahme der Pegel kurzfristig zu hoch wird. Das ist eine großartige Hilfe, wenn man sehr dynamische Spuren wie etwa Drums oder Percussion aufnimmt und möglichst wenig Headroom verschenken möchte.
Schade ist, dass man weder am Gerät selbst noch in der Maestrosoftware eine optische Kontrolle darüber hat, ob und wann der Limiter anspringt bzw. wie viel er reduziert. Da der Limiter Sinnvollerweise VOR den Wandlern sitzt, wird sich daran wohl auch nichts mit einem zukünftigen Treiber-Update ändern. Die vier Micpreamps bieten natürlich auch Phantomspeisung und die Möglichkeit, die Phase zu drehen.

Performance:

Der erste Höreindruck ist positiv. Die Wandler klingen hervorragend und zeichnen das Signal sehr schön ab. Vor allem in den Höhen klingt das Ensemble im Vergleich zu einem MOTU 828 feiner und detailreicher. Gleiches gilt für die Micpreamps. Für mich sind die Preamps das bisherige Highlight des Tests. Sehr neutral im Klang, bilden sie genau das ab was reinkommt. Von Verfärbung keine Spur. Rauschen? Fehlanzeige. Selbst bei hohen Gain-Werten bleibt alles ruhig. Bis zu 75 dB Gain sollten reichen, um auch schwache Mikrosignale auf Linelevel zu bringen.
Nach einem Update auf die aktuellste Treiberversion arbeitet das gesamte System sehr zuverlässig und ermöglichte sehr niedrige Latenzen. So konnte ich selbst auf einem betagten G4 durchgehend mit 64 Samples Latenz arbeiten. Auf aktuellen MacPro Rechnern sind sogar 32 Samples möglich.

Messbares:

Da alle oben getroffenen Aussagen natürlich auch einen subjektiven Charakter haben, wurde das Ensemble selbstverständlich auch diversen Messungen unterzogen. Wie bei AMAZONA üblich kam dabei die Software „Right Mark Audio Analyzer“ zum Einsatz. Die Ergebnisse bestätigen den positiven Eindruck während des Tests.

Die Messergebnisse von Ensemble

Die Messergebnisse von Ensemble

Fazit:

Vergleicht man das Ensemble mit anderen Firewire-Interfaces am Markt, so mag einem der Preis zunächst hoch vorkommen. Bedenkt man aber, das einem hier acht analoge Wandler auf allerhöchstem Niveau geboten werden, dazu vier erstklassige Preamps und weitere Features wie Soft-Limit, den Dithering Algorithmus UV22HR und einer sehr funktionalen Software mit guten Treibern, so relativiert sich der Preis schnell und man muss dem Ensemble ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis bescheinigen. Man hat es hier durchweg mit sehr hoher Qualität zu tun. Sowohl die Hardware (Wandler und Preamps) als auch die Software (Treiber und Integration in Logic, bzw. Maestro Software) wissen zu überzeugen.

PLUS
+++++ Qualität der Wandler und Preamps
++++ Integration in Logic
+++ Design

MINUS
— leider keine PC Treiber

Preis:

Strassenpreis: ca. 2000 Euro

UVP: ca. 2200 Euro

  1. Avatar
    Basti

    Absolut JEDER seriöse Test eines Audio-Interfaces enthält Angaben zum verwendeten Test-Rechner und zum Betriebssystem! In einem anderen Test (Sound & Recording) wurde gerade die Performance der Teiber besonders gelobt – auf einem MBP 2,33 soll es mit 32 Samplewords Puffer ganz toll gelaufen sein!

    Umso interessanter wäre es natürlich zu erfahren, mit welcher Konfiguration die Treiberprobleme auftraten. Bitte teile uns doch bitte die Informationen zum Testrechner und Betriebssystem mit. Danke!

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    Chris K

    Ich habe eine Frage: RMAA läuft doch nur auf Windows, wie testet ihr dann Interfaces wie das Apogee oder das Metric Halo mit dieser Software? Da müsst ihr doch eine Referenzsoundkarte für den PC benutzen: Welche ist das? Die muss ja besser sein als alle getesteten Interfaces, sonst macht es ja keinen Sinn.

    Besten Dank für die Aufklärung dieses Mysteriums ;)

    Grüsse

    Chris

  3. Avatar
    moritz.maier

    Hallo Chris,

    RMAA läuft, wie du gesagt hast, nur auf dem PC. Um das Apogee zu testen, wurd daher das Signal von einem PC über ADAT an das Apogeee gesandt. Dort dann über die analogen Ausgänge ausgegeben und wieder analog ins Apogee zurückgeführt.Und schließlich wieder über den ADAT-Out an den PC zurückgeroutet. Dort fand dann auch die Messung statt.
    Ich hoffe, ich konnte damit das "Mysterium" aufklären.

    Gruß Moritz

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    Tobi

    Nenne mir mal bitte kurz Deinen Straßenpreisladen; bei dem Preis hole ich mir doch glatt noch eins auf Lager ;)

    Ein Bekannter von mir hat das Interface übrigens und ist wenig begeistert von der Software/Mixer zB. nur zwei Monitormixe -> bei RME kann man wohl wesentlich mehr anlegen.

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    Kovalam

    Auch bei diesem Test wundere ich mich über die Bewertung.Offensichtlich haben wir es mit einer hervorragenden Soundkarte zu tun mit tollen Preamps und einer tollen Performance.Warum also ein Gut mit Einschränkungen,wenn auch der Preis gerechtfertigt ist?

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    udap

    Knappe FRAGE: Ich bin völlig einverstanden mit dem Fazit und ich besitze selbst das Apogee Ensemble. Es ist für mich das beste FW Gerät auf dem Markt zur Zeit. Nur , warum ein "gut" , wenn ein Gerät defacto die Referenz in allem darstellt ("Excellent" in allen Bereichen) ? Ist mir eigentlich egal, aber das Teil ist noch einmal eine deutliche Aufwertung gegenüber den Metric Halos, die ich noch habe und eine Liga voraus im Vergleich zu den RME FF. Das sollte berücksichtigt werden. Für den verlangten Preis (übrigens weder 200 noch 2200 sondern 1995 Euro Strassenpreis) ist das Apogee Ensemble im Grunde schon fast billig in Anbetracht der Verarbeitungsqualität, der verwendeten Komponenten sowie der klanglichen Resultate.

    Referenz Leute, Referenz ;-)

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    Dreitagebart

    Sorry, aber Eure Bewertung kann ich wirklich nicht mehr nachvollziehen. Was soll das denn? "GUT mit Einschränkung" klingt für so ein Gerät wie eine Abwertung. Meines Erachtens gibt es derzeit nichts Besseres in dieser Klasse. Die (Sound-)Qualität ist für meine Begriffe über jeden Zweifel erhaben und der Preis ist voll gerechtfertigt!

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    Chych

    Das Apogee ist zurzeit das einzige audio-interface, bei welchem die Wandler naturgetreu ihre Arbeit verrichten. Bei vielen solchen Geräten beult der Wandler die Unreinheiten des Preamps aus. Den Unterschied erkennt man hier zb sehr deutlich wenn mann ambiente aufnahmen mit großmembranmikrofonen macht, und dazu einen röhren-vorverstärker nutzt. nun vergleicht man indem man den röhren-preamp analog an die monitor schliesst, oder sie durch die interface schleift. Die meisten wundert es, fast alle interfaces schummeln auf ganzer linie – Das Apogee ensemble nicht.Man sollte das Apogee Ensemble von der Qualität her niemals in den selben Topf stecken mit allen anderen Audio-interfaces, sondern vielmehr als eine erschwingliche Variante zu den teuren Apogee wandlern und erstklassigen Vorverstärker ansehn.Und noch ein letztes: RME ist super, aber man kann eine RME fireface zb nicht mit einer Apogee ensemble vergleichen. wenngleich die Ausstattung beider Geräte ähnlich ist, apogee steht für wandler, rme für preamps, und leider muss man hier hinzufügen dass die preamps von apogee den wandlern alle ehre machen, doch die wandler von RME den Sound der guten preamps nicht überliefern kann.Genug geplaudert, versucht es selbst, die erfahrung ist es wert!

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