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Test: Best Service, Galaxy X, Software-Synthesizer

Galaxy X

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Die große Konkurrenz von Software-Synthesizern und -Samplern ist für uns als Musiker ein Segen. Um die Produkte an den Kunden zu bringen, müssen die Hersteller ihre Klangerzeuger aus der Flut der Software-Produkte herausstechen lassen. Das geht entweder durch bemerkenswerte Klangeigenschaften oder indem neue Synthesekonzepte ersonnen werden, die dem Kunden wiederum neue Klangwelten und -horizonte eröffnen. Uli Baronowsky (Galaxy Instruments) und Best Service haben sich innerhalb einer dreijährigen Entwicklungszeit für den zweiten Weg entschieden und einen Synthesizer/Sampler mit einem neuen Synthesekonzept entwickelt. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass sich die beiden Partner dem ersten Weg verschlossen hätten.

Galaxy X GUI

Galaxy X GUI

Origami für Synthiasten

Die Besonderheit von Galaxy X ist seine neuartige Nutzung der Faltungstechnologie. Dabei wird die Faltung nicht als Hall-Effekt benutzt, sondern als klangformendes Element ähnlich einem Filter. Wie die Faltungstechnik im Galaxy X genau funktioniert, wird vom Hersteller nicht verraten – Betriebsgeheimnis -, aber einerseits scheint es wie gewohnt mit Impulsantworten und andererseits mit einer technisch neuen Art der Multiplikation von Samples zu arbeiten. Eine Klangquelle, wie z.B. ein Sample eines Pianos, eines Wassertropfens, eines Drumloops usw., wird mit einem weiteren Sample bzw. einer Impulsantwort (das in der Galaxy-Terminologie X-File genannt wird), z.B. eines Resonanzkörpers, einer Tonbandaufnahme, eines Filter, eines stimmenden Orchesters so zusammengefaltet bzw. überlagert, dass ein neuer Klang entsteht. Ich würde das Resultat nicht wie der Hersteller als Morphing bezeichnen, denn dafür müsste ein Sample in das andere Sample stufenlos übergehen, sondern beide Samples werden wie in einem Ringmodulator miteinander multipliziert. Durch Verstärkung bzw. Abschwächung der einzelnen Signale entstehen Morphing-ähnliche Klänge.    

Klangfutter für das X-Monster

Auch wenn das Galaxy X vom Hersteller als Synthesizer bezeichnet wird, besteht das Instrument aus drei verschiedenen Sample-Librarys, die den Sampler Engine 2 von Yellowtools voraussetzen. Der Sampler kann von der Best Service Homepage in der neusten Version heruntergeladen werden und steht in einer Standalone-Version sowie in den gängigen Plug-in Formaten VST, AU und RTAS für Mac und PC zur Verfügung. Bei der Installation musste ich umständlich alle drei Librarys separat registrieren und freischalten, nachdem ich sie von den DVDs installiert hatte. Ich habe munkeln gehört, dass die einzelnen Sample-Pakete bald separat erhältlich sein sollen, was den unnötigen Registrierungsaufwand erklärt, aber nicht rechtfertigt. Und während ich schon einmal am rummosern bin, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass durch die Faltungstechnik die CPU meines Rechners stark belastet wurde und die Standalone-Version der Engine 2 auf meinem System mit Klangaussetzern, egal ob die Dateien von RAM oder Festplatte gezogen wurden, zu kämpfen hatte. Unter meiner DAW kam es zu keinen klanglichen Patzern.

Klangbeispiele

  1. Profile Photo
    tuonodriver

    Die Bedienbarkeit ist in der Tat ein “Graus”!!!

    Das mit den Aussetztern in der Stand alone Verion kann ich NICHT bestätigen!

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      j.rauner AHU

      Hallo tuonodriver,

      da würde mich mal interessieren, auf welchem Betriebssystem du die Engine 2 installiert hast und wie sich starker Gebrauch der Faltung auf deine CPU auswirkt.

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        tuonodriver

        Hi,

        OS Win7 64bit,12GB Ram,CPU QuadCore 3,2Ghz.
        CPU Auslastung im Stand alone Betrieb bei intensiver Nutzung so ca. 8-15%.

        Gruß

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          j.rauner AHU

          Mein Quadcore hat 2,8Ghz, ansonsten habe ich genau diesselbe Konfiguration. Eigenartig, da muss ich mir mein Setup mal anschauen. Das hatte bisher aber keine Zicken gemacht!

  2. Profile Photo
    ThomasHelzle

    Danke für den ehrlichen Test!

    Ich hatte schon beim erstenmal als ich über Galaxy X gelesen hatte den Eindruck, daß da zumindest teilweise “Schlangenöl” verkauft wird.
    Die Klangbeispiele klingen tatsächlich super, aber ich denke das ist vor allem den guten Sounddesignern zu verdanken, weniger dem ach so genialen Synthesesystem.

    Durch den Artikel wurde ich jetzt angeregt eine Idee die ich schon beim ersten Lesen über Galaxy X hatte, endlich auszuprobieren:

    Man nehme einen Tonerzeuger seiner Wahl und entweder den integrierten Faltungshall in Kontakt, Studio One etc., oder wenn es etwas schneller sein soll, eine Alternative wie z.B. http://www.....ate_le.htm, der auf der GPU berechnet wird (!).
    Nun lade man nicht brav Impulsantworten von Räumen in den Faltungshall, sondern was auch immer für Sounds, Loops, Beats und Samples einem gerade unter die Finger kommen.

    – Klingt genial
    – Kostet nichts
    – Die Bedienung ist viel angenehmer
    – Funktioniert mit jeder Tonquelle
    – Und im Falle von Reverberate – schont die CPU :-)

    I love it!

    Cheers,

    Tom

    • Profile Photo
      j.rauner AHU

      Hallo Thomas, deine Idee, keine Impulsantworten sondern normale Wav-Files in den Faltungshall zu laden, werde ich auch mal ausprobieren.
      Aber im Falle von Galaxy X muss ich schon sagen, das das Synthesesystem genial ist. Ich würde im Gegensatz zu Dir behaupten, das bei den Presets Sounddesigner am Werk waren, die viel Geduld hatten, um ihre Ergebnisse zu modulieren.
      Das Grundkonzept ist schon simpel und intuitiv, aber warum muss man dies mit einem Sampler umsetzen, der sonst Librarys abfeuert.

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        ThomasHelzle

        Wenn du meinen Kommentar nochmal liest, wirst du sehen, daß ich ebenfalls der Meinung bin, daß die Hauptqualität der Library bei den sehr guten Sounddesignern liegt. ;-)

        Mir ist einfach die Werbung von Best Service quergelegen, mit ihrer Überbetonung der Convolution Technik. Ich hätte da lieber ein Lob der Sound-Designer gelesen ;-)

        Ich behaupte auch nicht, daß meine Do-It-Yourself-Lösung zu den _gleichen_ Ergebnissen führt, das war vielleicht unklar formuliert, ich persönlich bin nur weniger an mehr oder weniger reinen Presets interessiert deren Manipulation dann eher unerfreulich in der Bedienung ist, und ich stimme dir zu, so ein Konzept gehört nicht wirklich in eine alte umständliche Sample-Engine.

        Ich setzte mich da lieber mit Sensomusic Usine hin und kreiere eigene Klangwelten :-)

        Ich persönlich bin gespannt, ob sich in Sachen Faltungshall-Mißbrauch vielleicht noch der eine oder andere Programmierer inspiriert fühlt, da einmal weiter zu graben – Ich denke da ginge noch einiges, vor allem wenn die CPU-Last reduziert wird.

        Liebe Grüße,

        Tom

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    UliB

    Hallo,
    ich bin Uli Baronowsky von Galaxy Instruments, also quasi der Produzent von Galaxy X. Vielen Dank für den Testbericht!
    Ich würde gern kurz ein paar Sätze zur Konzeption des X sagen.
    Das wesentliche Ziel vom X lag darin, ein integriertes System zu schaffen, das die verschiedenen Elemente von Effekt Convolution sinnvoll zu außergewöhnlichen Sounds zusammenbringt. Diese Elemente sind die Basissamples (Sources), die Convolution Files (X-Files) sowie vor- und nachgeschalteten Effekte (Pre- und Post-X). Und das Bindeglied hierfür ist die Benutzeroberfläche, die insbesondere mit dem Ziel gestaltet wurde, diese verschiedenen Elemente intuitiv miteinander verbinden und kontrollieren zu können. Und an der Frage von intuitiver Bedienung, gerade bei einem ziemlichen komplexen Sounddesign Tool wie Convolution, müssen sich dieses System, die Sounds und eben unser User Interface messen lassen, nicht Pro Edit. Pro Edit ist aus meiner Sicht ein zusätzliches tool für all die da draußen, die Sounds bis ins letzte Detail selbst editieren wollen, und die müssen tatsächlich in die Tiefen des Engine Players hinabsteigen, der so ist, wie er ist. Essentiell war Pro Edit beim X für mich nie. Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, den Zugang zum Pro Edit für den X zu blocken, hätte ich das wahrscheinlich getan. Ging aber nicht.
    Mit dem X kauft man aus meiner Sicht einen Haufen fertiger außergewöhnlicher Sounds, das Sound Futter und die X-Files dazu und das verbindende User Interface, mit dem sich die Sounds schnell und drastisch verändern lassen. Man kauft nicht nur das Prinzip ‚Effekt Convolution’ und den Engine Player.
    Freue mich über Feedback.
    Uli

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      j.rauner AHU

      Lieber Uli, ja, die ganze GUI der Quick-Edit-Seite ist simpel und intuitiv. So habe ich es, glaube ich zumindest, in meinem Test auch beschrieben.
      Aber eines verstehe ich an deiner Aussage nicht, die Pro-Edit-Seite ist beim X doch wesentlich, weil ich nur hier Hüllkurven, LFOs, Modulationen, Effekte usw. editieren kann. Da reichen mir als Benutzer die Grundparameter der Quick-Edit-Seite nicht.
      Hätten Ihr (möglicherweise ist dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht passiert) ein komplett neues Softwareinstrument kreiert und nicht auf den Engine 2 zurückgegriffen, dann hätte man die GUI für die gesamten Modulationen und Effekte genauso intuitiv gestalten können wie die Quick-Edit-Seite. Durch das Korsett Engine 2 ist aus meiner Sicht viel potential verschenkt wurden. Und zwar nicht, weil Engine 2 schlecht ist, sondern weil es für Soundlibrarys programmiert ist. Galaxy X ist für mich aber ein Synthesizer und keine Presetschleuder!

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        Nostradamus

        Ich persönlich bin ja immer noch für Kontakt. Leider lässt sich Best Service trotz bekannter und noch immer nicht behobener Bugs in der 64Bit Engine und, verglichen mit Kontakt, technischer Unterlegenheit von Engine nicht davon abbringen, alle neuen Produkte auf dieser Plattform zu veröffentlichen.

    • Profile Photo
      ThomasHelzle

      Hallo UliB,

      vermutlich kannst du nicht über die Technik reden, aber mich persönlich würde interessieren, wieviel tatsächlich neue Entwicklung in der Convolution Technik in Galaxy X steckt oder ob das “neue” eher die Art der Verwendung der klassischen Convolution ist (siehe meinen Komentar weiter unten).

      In meinen eigenen Versuchen hatte ich den Eindruck, daß es vor allem darauf ankommt was für Sounds man statt üblicher Impuls-Antworten in die Convolution einspeist.
      Bei sehr tonalen Sounds hört man diese sehr klar heraus – und sie ändern die Tonhöhe ja nicht, was störend sein kann.
      Wenn ich aber z.B. eine gesungene Phrase mit einer eher weniger tonalen, gehauchten oder geflüsterten Stimme “convoltiere” (? ;-) ) kommen oft sehr spannende Hybriden heraus.
      Sehr geil fand ich auch ein E-Piano mit einem recht metallischen Triangel-artigen Sound in der Convolution.

      Na ich werde weiter experimentieren…

      Und Glückwunsch zum Sounddesign!

      Cheers,

      Tom

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