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Test: Mos-Lab, 8A

Moog Modular Clone

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Geschichte

Wer sich auf die Suche nach den Ursprüngen der klassischen subtraktiven Synthese begibt, landet bald bei den legendären Moog Modular Systemen. Diese seltenen und überaus teuren, ab etwa Mitte der 1960er bis Anfang 1980er gebauten Klangerzeuger standen als schrankwandgroße mit Klinkenbuchsen, Schaltern und Drehreglern übersäte pechschwarze Racks damals zumeist in Forschungseinrichtungen sowie in den Studios weniger wohlhabender Musiker und Bands. Der brachial-lebendige Klang der handgelöteten, aus selektierten diskreten Bauteilen aufgebauten Module ist Legende.

Nachdem dann zunächst die Integration von Synthesebausteinen in festverdrahtete Kompaktsynthesizer à la Minimoog die modularen Saurier augenscheinlich auf einen toten Ast des evolutionären Baumes verwiesen hatte und die folgende digitale Revolution auch den analogen Keyboards die Daseinsberechtigung abzusprechen schien, kam der Wendepunkt mit der kraftvollen zweiten Welle elektronischer Musik: Ein neues Verlangen nach Klängen fernab der Norm, mehr Komplexität, Kombination und – im Zeitalter der Bildschirmoberflächen – der haptischen Erfahrbarkeit durch echte Regler, Drähte, Schalter machte sich breit. Und auch nach mehr roher Soundsubstanz, als ihn die klanglich kompromissbehafteten Chip-Synthesizer und Digitalemulationen liefern konnten.

Und so hat seit etwa Mitte der 1990er eine stetig wachsende Zahl von Anbietern den Markt für Synthesizermodule wiederbelebt, überwiegend im kompakteren von Doepfer eingeführten „Euro“-Format und meist unter Verwendung moderner Fertigungswege und Bauteile, also insbesondere integrierter Schaltkreise und mit zunehmend ausgefalleneren und innovativen Angeboten.

Es gibt auch diverse in Anlehnung an die Vintage-Originale entworfene Module bzw. sogar ganze Systeme. Unter der Haube finden sich dann aber zumeist doch modifizierte Schaltungen, die unter Zuhilfenahme integrierter Schaltkreise diverse Abkürzungen nehmen.

Mos-Lab

Nicht so bei Mos-Lab. Der kleine französische Hersteller bietet als Ein-Mann-Betrieb in Handarbeit – nach alten Schaltplänen und weit überwiegend mit diskreten Bauteilen aufgebaut – möglichst originalgetreue Kopien der klassischen Moog Module im großen 5 HE Format mit 6,3 mm Monoklinkenanschlüssen an. Nur die nicht mehr erhältlichen Vintage-Transistoren werden durch moderne Pendants ersetzt, ansonsten handelt es sich fast bei jedem Modul um exakte Kopien der Originale. Eine Ausnahme ist hier die Sync-Schaltung der Oszillatoren und die Verwendung eines Voltage Gates statt eines Switch Triggers bei den Hüllkurvengeneratoren.

Das hier besprochene System 8A ist die Einsteigervariante der Kompaktsysteme, es wird als fertiges Gehäuse mit eingebauten und verbundenen Modulen geliefert, verfügt über ein integriertes Netzteil und ist sofort einsatzbereit. Das mit Kunstleder bezogene und an den Kanten mit Metall beschlagene Holzgehäuse macht einen hochwertigen und stabilen Eindruck, auch Ein/Aus-Schalter (Rückseite), Gummifüße und ein Tragegriff wurden nicht vergessen.

RückseiteRückseite

Die Module selbst strahlen dank robusten Strukturlacks und der qualitativ sehr guter Potis, Schalter und Knöpfe ebenfalls Wertigkeit aus.

Die Zusammenstellung ist nicht in Stein gemeißelt, selbstverständlich ist eine andere Konfiguration denkbar, z.B. könnte man die zweite Hüllkurve durch einen 995 Abschwächer ersetzen. In jedem Fall muss bei einer Bestellung, die nur direkt bei Mos-Lab möglich ist, mit einigen Monaten Lieferzeit gerechnet werden. Es handelt sich eben um echte Handarbeit. Dafür werden die Module bei elektronischen Defekten kostenlos repariert.

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    g.scherer AHU

    Das genannte COTK Model 15 kostet dann aber mit 3000 EUR auch gleich mehr als das Doppelte, wie es in Punkto Klang und Verarbeitung abschneidet kann ich mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen.
    Als dritten Oszillator habe ich teilweise einen weiteren Synth verwendet (nicht für die Klangbeispiele!) aber wenig Bedarf dafür gehabt, und ein LFO lässt sich problemlos mittels der externen CV-Steuerung bekommen, Rauschen kann auch die Soundkarte…
    Wirklich notwendig sind die Utility-Module, da ist zu überlegen, ob man die zweite Hüllkurve opfert, oder Mixer/Multiples/Abschwächer daneben stellt. Wenn es eher um sehr gute Standardsounds für die Produktion und weniger um abgefahrene Experimente geht kommt man mit wenig gut aus. Ich sehe das System wie beschrieben gerade auch als Alternative zu den neueren kleinen Monosynthesizern.

    • Profilbild
      tompisa

      …nur, das der Erwerb eines CotK 15 oder anderer Sachen des -ebenfalls- 1 Mann -Subernerd- Betriebs an Nervigkeit und kommunikativen Unvermögen kaum zu übertreffen ist.

      Kommentar gekürzt, siehe Anmerkung unten.

    • Profilbild
      Ottos Mops

      Halli hallo,
      ich würde auch gerne wissen ob die module gut gebaut sind, will n icht am strom kleben bleiben. oder alles geht bald kaputt.
      gruss otto

      • Profilbild
        studiodragon

        Also, die Module sind wirklich in Ordnung.
        Die Qualität ist da, keine rede, es gibt wirklich nicht sehr vieles zu meckern.
        Dazu klingen sie auch gut, fett und lebendig. Wer auf der suche nachdem Moog Sound ist, hat da auch eine sehr gute Adresse gefunden.
        Merci, für den Berricht !

  2. Profilbild
    rawartistic

    Guten Tag tompisa,

    ich persönlich finde Ihren Kommentar über COTK vom 09.06.2012 – 09:31 Uhr in einem Testbericht eines anderen Herstellers nicht schön. Ich selbst weiss wie lange es dauern kann bis die lang ersehnten Module eintreffen, umso grösser ist die Freude. Kazike gebührt grosser Respekt denn in der heutigen Zeit modulare Mammuts in Handarbeit zu bauen dauert eben seine Zeit & COTK Module & Systeme sind mit grösster Liebe zum Modular gebaut. Das weiss ich & erfreue mich daran jeden Tag. Mit freundliche Grüssen, Phil Kullmann.

  3. Profilbild

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