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Test: Peerless, Tonemaster Custom Walnut, E-Gitarre

Peerless Arch Top

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Peerless existiert seit 1970. Eine Firma mit Sitz in Korea, die in der Vergangenheit vornehmlich Archtop- und Akustik-Gitarren beispielsweise für Gretsch, Fender, Epiphone und Gibson herstellte. Das Unternehmen fertigte in der Anfangszeit immerhin bis zu 30.000 Gitarren pro Monat, was sich mittlerweile wohl verändert hat, denn die Anzahl der monatlichen Gitarren hat sich doch deutlich nach unten auf ca. 1.000 Stück reduziert – was sich durchaus positiv auf die gebotene Qualität niederschlagen könnte. Es gibt auch keine ausgelagerte Produktionsstätte, und seit 2007 wurde eine neue Fabrik bezogen, die bessere technische Voraussetzungen beispielsweise für das Schnitzen von Decken bietet.

Hier im Amazona-Test haben wir es heute mit der Peerless Tonemaster Custom Walnut zu tun. Eine sehr schöne Archtop Vollresonanz-Gitarre mit zwei Humbuckern und einem Bigsby Vibrato-System. Mal schauen, ob der Name Peerless (=unvergleichlich) hält, was er verspricht.

-- Tonemaster Custom --

– Tonemaster Custom —

Konstruktion/Lieferumfang

Der erste Eindruck ist zumindest schon mal sehr positiv. Die Gitarre kommt in einem schönen, stabilen und gut verarbeiteten Kunstlederkoffer. Das Zubehör ist reduziert, es gibt einen Schlüssel für den Koffer, einen Innensechskant-Schlüssel für die Halsjustierung, ein Vliestuch und ein Kabel. Alles somit durchaus in Ordnung für eine Gitarre in dieser Preisklasse. Dem Koffer entnommen halte ich eine tadellos verarbeitete Gitarre in der Hand. Der Headstock der Tonemaster Custom wurde im von Peerless sogenannten „Lady Lip“-Stil designt, was sicherlich auf die Optik des Kopfes zurück zuführen ist. Das ganze Instrument besitzt ein schönes, schwarz-weißes „Aged“-Binding, welches am Kopf und an der Decke noch zusätzlich mit Abalone veredelt wurde. Für die Saitenspannung zeigen sich Grover GH 109-Mechaniken verantwortlich. Obwohl es sich eher um eine Gibson Style-Gitarre handelt, besitzt der geleimte Ahornhals eine „Fender-Mensur“ von 648 mm. Das Griffbrett wurde aus Palisander gefertigt, mit Perlmutt-Inlays verziert und verfügt über nur zwanzig Bünde. Aber in den Stilistiken in der sich die Tonemaster hauptsächlich aufhalten wird, sind viel mehr Bünde wohl nicht zwingend notwendig.

Der Sattel wurde aus Knochen gefertigt und besitzt eine Breite von 43 mm, die sich bis zum letzten Bund auf 57 mm erweitert. Wie schon in der Einleitung erwähnt, haben wir hier eine Archtop, also eine Gitarre mit gewölbter und massiver Ahorndecke. Die Zarge und der Boden bestehen aus laminiertem Ahorn. Nicht dass die Bezeichnung in die Irre führt: Walnut oder Nussbaum bezieht sich ausschließlich auf die Farbe der Lackierung. Der Korpus ist 7 cm dick und 43,5 cm breit. Die Saiten laufen über eine Tune-o-Matic Brücke, die typisch für solche Gitarrentypen nur mit der Palisander-Base auf der Decke aufliegt und die Saiten in ein B70 Bigsby Gold Vibrato-System führt. Wie anfänglich schon erwähnt, zieht sich der Faden auch weiterhin durch: Es gibt keine wirklich ersichtlichen Verarbeitungsmängel. Das Plexiglas-Pickguard verbindet das zeitlosklassische Kleid der Peerless Tonemaster mit einer modernen Komponente.

Klangbeispiele

  1. Avatar Image
    59lespaul

    Hier ist meine Erfahrung mit Peerless:

    Aufgrund der vielen positiven reviews habe ich mir eine Tonemaster Custom bestellt. Das seltene weiße Modell gab es als Einmalaktion vom Europäischen Peerless-Vertrieb auf ebay.

    Die Gitarre wurde schnell geliefert und machte einen guten ersten Eindruck. Ich habe sie zum Gitarrenbauer mitgenommen, um sie einstellen zu lassen. Dort war der Spaß dann schnell vorbei: das Griffbrett wies eine S-förmige Krümmung auf, die sich auch mit dem Tussrod nicht beheben ließ. Signifikanter Fertigungsfehler.
    Ich habe das auch noch einem zweiten Gitarrenbauer gezeigt und der hat genau das gleiche gesagt: grosse Reperatur notwendig, ca. 300 EUR.

    Nun denkt man ja, es gibt in der EU eine 3-jährige Garantie auf Herstellungsfehler. Also Peerless-Vertrieb kontaktiert und um eine Lösung gebeten. Mehrmals. Es gab aber nur freundliche, hinhaltende Antworten.
    Irgendwann habe ich aufgegeben und die Reperatur selbst bezahlt. Da ich nun keine Freude mehr an der Gitarre hatte, habe ich sie bei ebay (nun in amtlichen Zustand) verkauft. Gesamtverlust: ca. 650 EUR.

    Zwischenzeitlich habe ich mir im lokalen Musikgeschäft über den deutschen Vertrieb eine Tonemaster Standard bestellt. Bei der löste sich das Griffbrett vom Hals. Der deutsche Peerless-Vertrieb versuchte, das als “Transportschaden” abzuwälzen, was angesichts eines völlig intakten Koffers wohl keiner Kommentierung bedarf.

    Nachdem das also wiederholt an Qualitätsmängeln gescheitert ist, habe ich mir halt eine Gretsch Electromatic gekauft. Die klingt akustisch nicht so gut, ist aber einwandfrei verarbeitet. Die Übernahme durch Fender hat Gretsch offensichlich nicht geschadet.
    Ich bin im internet dann noch auf eine interessante Aussage eines Gretsch-officals gestossen:
    “Gretsch guitars with serial numbers that start with “KP” were produced at the Peerless factory in Korea. Unfortunately their consistency of quality fell short of our requirements which is why we no longer have them produce guitars for us.”

    Das erklärt also die guten reviews gegenüber den schlechten Erfahrungen: die Qualität schwank einfach. Aufgrund des völlig inakzeptablen Kundenservice sollte man von einem Peerless-Kauf via internet Abstand nehmen. Auch im Geschäft ist die Anwesenheit eines Gitarrenbauers empfohlen. Manche Fehler kann man auf den ersten Blick nicht erkennen.

    • Avatar Image
      m.fendt AHU

      Hallo 59lespaul,

      das tut mir Leid zu hören. Die Gitarre hier im Test war genau so wie beschrieben. Aber gut zu wissen, das es im Werk wohl Fertigungsschwankungen gibt und der Support anscheinend sehr ungenügend ist.

      Gruß,
      Michael

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