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Test: Quantec Yardstick 2496, 2492

Quantec Yardstick

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Wir haben bei Quantecs Entwickler, Wolf Buchleitner, nachgefragt:

AMAZONA.de: Herr Buchleitner, wie schafft man es 1983 einen Algorithmus zu entwickeln der auf der damaligen Technik funktionierte und auch heute noch zu den besten künstlichen Hallräumen gezählt wird? Wie sind sie damals an die Klangliche Optimierung der Rechenvorschrift herangegangen? Haben Sie dabei einen echten Raum zum Vorbild genommen?

W. Buchleitner: Mein folgendes Statement aus einem Interview (KEYS 3/99) hat sich in Fachkreisen mittlerweile zum geflügelten Wort entwickelt: “Ein Hall-Algorithmus ist ein Kunstwerk, das mit einem Tausendstel der Rückwürfe und einem Hundertstel der Eigenresonanzen dem Gehör die Verhältnisse eines realen Raums vortäuschen muss.”

Wenn man ohnehin das Idealziel einer 1:1-Kopie nicht erreichen kann, weder damals noch heute, dann muss man sich einen Weg suchen, wie man möglichst schnell und effizient an jenen Punkt kommt, ab dem sich das Gehör täuschen lässt.

Ein Raum, und damit auch sein Modell, lässt sich entweder in seinem Zeitverhalten (“Impulsantwort”) oder in seinem Frequenzverhalten (“Eigenfrequenzen”) beschreiben. Beide Beschreibungen sind im Prinzip äquivalent und lassen sich ineinander umrechnen.

Ich habe aber sehr schnell erkannt, dass der Ansatz in der Zeitdomain, also die übliche Methode der geometrisch modellierten Impulsantworten (“Raytracing”), im Hinblick auf die “Täuschungsschwelle” nicht sehr zielführend ist. Wer ausrechnet, weil da eine Säule x Meter neben ihm steht muss von dort nach y Millisekunden ein Echo kommen, der verzettelt sich. Da schießt man am Wesentlichen vorbei. Deshalb sind getrennt einstellbare “erste Rückwürfe” bei Quantec auch – sagen wir mal – “unterentwickelt”.

Der Quantec QRS von 1982

Der Quantec QRS von 1982

Mich hat bei meinen Vorversuchen fasziniert, dass beim Hineinschreien in ein Klavier bei gedrücktem Pedal ein erstaunlich brauchbarer und gleichmäßiger Hall zu hören war. Ich habe damals erkannt, dass ich mit einem Ansatz in der Frequenzdomain (“Raumresonanzen”) sehr viel schneller zu verwertbaren Ergebnissen kommen könnte.
Damit war für mich der Königsweg gefunden. Obwohl damals die DSP-Leistung knapp war, kam ich mit meinem Trick über die Frequenzdomain zielstrebig über jene Schwelle, ab der sich das Gehör täuschen lässt.

Ob es einen echten Raum als Vorbild gab? – Na klar: St.Bonifatius! Einige wissen vielleicht, dass ich als 12- oder 13-jähriger Bub eine Zeit lang sonntags als Kirchenorganist mein Taschengeld verdienen musste. Die echten Highlights aber gab’s unter der Woche. Der Pfarrer hatte mir erlaubt, abends stundenlang alleine in der großen dunklen Kirche an der Orgel sitzen zu dürfen, links und rechts zwei kleine Funzeln. So konnte ich mich nach Herzenslust akustisch austoben. Ich habe mit ge”duck”ten Flötentönen experimentiert und mit grell schnarrenden Zungenpfeifen, habe versuchsweise die Taste ganz langsam nach unten geschoben, was bei der mechanischen Traktur “meiner” Goll-Orgel wunderschöne und grauenhaft verstimmte Anblasgeräusche erzeugt hat, habe Triller auf die Reise durch den Raum geschickt, und gelauscht, gelauscht, gelauscht. Seit jenen Tagen bin ich mir ziemlich sicher, wie sich natürlicher Kirchenhall anfühlt.

AMAZONA.de: Können Sie schon sagen welche weiteren Effekte Sie für den Yardstick Geräte planen? Werden dies neue Hallräume sein, oder eher andere Effekte?

W. Buchleitner: Beides. Hausintern realisiert ist bereits eine Stereo-Delayline von mehr als einer Minute, deren Abgriffe im Nanosekundenbereich einstellbar sind.
Im Rahmen der weiteren Planungen müssen wir vorher aber ganz genau klären, welche Effekte heute besser native am Computer (die exotischen), oder auf externer Hardware (die gängigen), realisiert werden sollten.
Exotisches: mich hat schon immer das Gegenstück zur Raumsimulation fasziniert: die Freifeldsimulation. Als Bub in den Ferien am Plattensee habe ich gebannt den Tanzdampfern gelauscht, die allabendlich nach Einbruch der Dunkelheit in beträchtlicher Entfernung vorübergezogen sind. Deren Originalsound aus unmittelbarer Nähe kannte ich ja Ton für Ton von meinen Tonband-Mitschnitten vom Radio.
Gängiges: in unserem Multieffektgerät QRS/XL von 1987 liegen noch einige sehr schöne Effekte wie phasenlinearer Equalizer, Flanger, Chorus und einige andere verschollen, die ich gerne in die Gegenwart retten möchte.

AMAZONA.de: Ab wann können die Anwender mit dem HTML-Editor rechnen?

W. Buchleitner: Noch in diesem Jahr. Mit Bargraphs und Schiebern konnte ich in meinem Browser bereits spielen. Das Projekt läuft hier mit Hochdruck und ist vom Stop-and-Go der routinemässigen Weiterentwicklungen der Yardsticks personell abgekoppelt.

AMAZONA.de: Ist es schon heute möglich den Yardstick komplett über MIDI zu editieren?

W. Buchleitner: Ich erwarte die Freigabe spätestens Mitte Mai 2008, die Doku dazu ist bereits auf unserer Homepage verfügbar.

Wir bedanken uns recht herzlich bei Herrn Buchleitner für die ausführlichen Antworten.

 

Fazit
Quantec war schon immer eine Firma mit Charakter und einem gewissen Charme, der sich auch in der neuen Yardstick-Serie widerspiegelt. Bei richtiger Einstellung der Parameter ist die besondere Natürlichkeit der Raumsimulation herauszuheben, die Stellenweise wirklich eindrucksvoll ist. Die Algorithmen sind damit auf den aktuellen Stand der Technik gerettet.
Qualitativ kann es der Yardstick auf jeden Fall mit der Konkurrenz aufnehmen, letztendlich ist es aber eine Frage des Klangideals, welches man erreichen möchte, ob man sich für Hallgerät der Firma A oder B entscheidet. In Zukunft sind weitere Algorithmen und Features geplant, die sich derzeit im Diskussionsstadium befinden.

PLUS
+++++ sehr gute Raumsimulation
+++ einfache Bedienung
+++ Sampleraten bis 192 kHz
++ Ethernet / LAN / MIDI / RS232 Schnittstellen (z.T. in Vorbereitung)

MINUS
- keine totale DAW Integration
- noch keine RoomSize Einstellung beim 2492 (lt. Quantec jedoch angekündigt)
- relativ teuer

Klangbeispiele

  1. Avatar
    sägezahn-smoo

    Der Quantec-Hall ist ausgezeichnet verwendbar auf elektronischer Musik aller Art, vor allem wenn grosse weite Räume gefragt sind. Ich verwende seit Jahren den QRS als Haupthall, der ja auch Quadrophonie kann. Ein Geheimtip für einen ähnlichen Hall ist der Reflect von Virsyn.

  2. Avatar
    A. Pflüger

    Der Hall ist wunderbar seidig, schade,dass so einfältige und musikalisch anspruchslose Musikbeispiele gewählt werden.Mit schönen Orchester- und Stimmenpassagen würden die Vorteile der Geräte sehr viel mehr ins richtige Licht gerückt.Wer einen Yardstick erwirbt, ist normalerweise im professioenellen Klassik- oder Filmmusiksektor tätig und macht nicht irgendwelche Amateuraufnahmen im hauseigenen Keller. Aber so sind Ihre Klangbeispiele.MfG.Andreas Pflüger

  3. Avatar
    Panini

    Finde man hört die hohe Qualität des Halls ganz gut, auch wenn die Beispiele musikalisch besser sein könnten. Aber die arrogante Einstellung die der vorhergehende Poster an den Tag legt ist genau die Art, die ich zum … finde.

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