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Test: RPE, SEQ12, Hardware-Sequencer

Step-Sequencer

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Details

Es sind die Details der Bedienung, die einen Sequencer als live-tauglich ausweisen oder ihn als unbedienbaren oder unmusikalischen netten Versuch schnell wieder einschlafen lassen werden. Beim SEQ12 hat sich Roy Ploigt für Ersteres entschieden. Die Umsetzung der Dynamik-Eingabe wird beispielsweise zunächst grob gewählt und durch erneutes Anwählen der Dynamik-Funktion über die ganz links angeordneten Taster feiner justiert. Auf diese Weise lassen sich im Livebetrieb schnell Ergebnisse musikalisch und direkt umsetzen. Anders als bei der Bedienung von Ableton Live über das Launchpad muss man sich aber nicht mit der groben Wahl in 8-12 Schritten begnügen. Die Töne können auch direkt per Tastatur eingespielt werden, dafür muss nur Record gedrückt werden. Sollte man einen Dynamikwert per Step-Taster an einer Stelle setzen, an der noch kein Ton gespielt oder gesetzt wurde, wird eine Note generiert. Löscht man hingegen die Dynamik, so wird auch die dazugehörige Note entfernt. Auf diese elegante Weise umgeht man umständliche Manöver zwischen zwei Ansichtsmodi. Zu Navigation über mehrere Patterns hinweg (mehr als sechzehn Steps) werden die Cursortaster verwendet. Es gibt bisher keinen automatischen Modus, der stets die Anzeige gemäß der aktuellen Position des Lauflicht-Zeigers nachführt (Follow Song). Dies entspricht mehr oder weniger dem Prinzip der Electribes, denn diese haben ebenfalls keine solche „Song Follow“ Funktion. Die Notenlängen werden durch Balken dargestellt, wie überhaupt alle Werte außer Noten über eine Balkendarstellung in vertikaler Richtung signalisiert werden. Es wird bereits mit einer alternativen Darstellung für monophone Sequenzen experimentiert, welche die Länge in Form von zusammenhängenden horizontalen „LED-Linien“ zeigt, um die Töne wie im Rechner nach Art von Pianorollen-Editoren sichtbar macht. Beide Möglichkeiten sind sehr praktikabel und generell nie mehr als einen Tastendruck entfernt, da jede Funktion einem entsprechenden Taster auf der linken Seite entspricht. Die Kopierfunktionen gelten für den normalen Betrieb. Der Record-Betrieb lässt die Verschiebefunktionen auf die Step-Events wirken. Dies ist bereits die „komplizierteste“ Bedienkomplexität, die man maximal erlernen muss, um den SEQ12 zu bedienen.

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Ebenfalls über die links angeordneten Taster können Events rotiert und geschoben werden, alternativ dienen die vier untersten Elemente zum Kopieren und Einsetzen an andere Stellen und sogar für das Auslösen von Zufallsmustern. Das Lesen der Anleitung ist wirklich seltenst notwendig, und auch nach einer oder zwei Wochen ohne Beschäftigung mit dem Gerät lässt die intuitive Konzeption selbst Musiker, die eine Kombination aus Bühnenverwirrtheit und Missbrauch akzeptierter Volksdrogen, nicht im Tal der Unwissenden stehen. Dieses Gerät ist definitiv dafür gemacht, nicht über Bedienkonzepte nachdenken zu müssen, sondern sich auf die Musik zu konzentrieren.

Die Notenlängen verstehen sich für das RPE Gerät als Teiler im musikalischen Sinne und sind deshalb auch schnell einzugeben. Es gibt deshalb aber auch keine Sonderlängenangaben, die außerhalb dieses Schemas liegen. Das ist für populäre Musik der meisten Stile allerdings zu verkraften.

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Akkorde im Akkord

Die Darstellung eines Akkords für die Poly-Betriebsart wird innerhalb einer Oktave angezeigt. Deshalb sind diese sich in einer weiteren Oktave befindlichen Töne nur über eine weitere Spur zu realisieren. Das ist der Darstellungsweise geschuldet. Dafür ist diese sehr übersichtlich, denn die zwölf Töne sind direkt im Blickfeld und manuell oder per Einspieler sofort zu erfassen und lassen sich sehr bequem umstellen. Den Trick zu versuchen, einen Akkord einzuspielen, den das Gerät per Step-Eingabe nicht akzeptieren würde, kann man sich sparen. Die Einschränkung der Oktavlage für Akkorde ist nicht auszuhebeln.

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    ukm

    Beim Anhören der Demos von solchen technisch ohne Frage interessanten Geräten warte ich immer darauf, wann es jetzt endlich mal anfängt, musikalisch interessant zu werden – meist vergeblich.

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      moogulator AHU

      Mal ein Statement ergänzend zu deinem:

      Bei vielen Demos dieser Art wird unterstellt, dass der Musiker die Möglichkeiten erkennt und diese sich selbst mit diesem Gerät vorstellen kann und die sich ausmalen können ,was sie wohl erreichen könnten. Die Handgriffe sind bei Sequencern und Groovebox von sehr hoher Wichtigkeit und kaufentscheidend und deshalb sind die auch aussagekräftiger als beispielsweise ein irrsinnig gut produziertes Stück aktueller Musikkunst, bei dem ein paar Mutes gedrückt werden. Hier sieht man halt, wie man eine Sequenz erstellt.

      Deshalb zB auch Demos von Synthesizern so unterschiedlich ausfallen. Manche wollen simple Sweeps, andere brauchen kleine Tracks, um einen kleinen Einblick zu gewinnen oder irgendwas dazwischen. Ich habe oft sehr spezielle Fragen, davon wird mindestens eine nicht beantwortet in der Demo, meist noch mehr.

      Soviel dazu aus einer Sicht eines Entwicklers oder auch eines Amazonatesters, wenn er Demos macht. Vielleicht hilft es, wenn man einen “guten Track” von nur kurzer Dauer macht?

      Ich würde bei Demos allerdings nicht unbedingt tiefgehende wirklich hochwertige Musik erwarten, generell nicht. Es soll ja auch nur das Gerät eingeschätzt werden können.
      SCHADEN würde dies freilich niemandem ;)

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    andreas1303

    Ich habe eine Frage zur Midi-In-Funktionalität:

    Wenn ich einen Track mit dem Sequenzer realisieren möchte, der diverse Harmoniewechsel enthält, müssen die Harmoniewechsel dann Teil der Programmierung sein oder kann ich die Harmoniewechsel für eine Sequenz über Midi-In-Notenbefehle von einem Keyboard steuern?

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      moogulator AHU

      In ist für Echtzeitaufnahme, es gibt also keine fancy-Umharmonisierfunktionen. Noch, denn das Gerät wird noch immer weiterentwickelt und verbessert.

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