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Test: Tone2, Saurus, Software-Synthesizer

Software Synthesizer

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Die kleine und feine Software-Schmiede Tone2 aus München hat vor kurzem einen neuen “Analog Synthesizer” (sic!) vorgestellt. Am Saurus ist natürlich rein gar nichts analog, er tut halt nur so. Und ob er das glaubhaft hinkriegt, soll der folgende Test zeigen.

Den Saurus gibt’s als PC- und Mac-Version mit 32 und 64bit Unterstützung, als VST- und AU-Plug-in. Zusätzlich läuft er auf dem PC auch standalone. Die Installation ist simpel: Plug-in runterladen und eine spezielle Datei (mit der schönen Endung .t2k) in den Plug-in Ordner (resp. VST Ordner bei PCs) legen. Fertig.

Der Saurus gibt sich klassisch analog - Holzwangen inklusive

Der Saurus gibt sich klassisch analog – Holzwangen inklusive

Oszillatoren

Die Oszillatorsektion ist üppig ausgestattet mit je zwei Oszillatoren und Suboszillatoren, jeweils mit acht Schwingungsformen. Die Pulsbreite wirkt auf alle Schwingungsformen und lässt aus Sägezahn eine Double Saw entstehen, morpht Dreieck zu Sägezahn, Sinus zu Rechteck und Rechteck zu Puls. Dies alles ist klanglich fein abgestimmt und meistens musikalisch sinnvoll einsetzbar. Klarer Fall: Dieses Plug-in wurde mit den Ohren programmiert.

Tone ist eine kleine Bass/Höhen-Klangregelung, also eigentlich ein Filter, und eignet sich sehr gut, um einem Basssound etwas mehr tieffrequenten Druck zu verleihen oder einem Pad eine sphärische Leichtigkeit.

Mit F/A Noise reguliert man eine Frequenz- oder Amplitudenmodulation durch einen Rauschgenerator. Der Effekt reicht von zarten Verzerrungen bis zu Modulationen der härteren Art, wobei es (zumindest für meine Ohren) stets ein bisschen digital klingt.

Sync steht steht für die allseits bekannte und beliebte harte Oszillator-Synchronisation, und Ringmod steuert die Lautstärke des Ringmodulators, an dessen Eingängen die Signale beider Oszillatoren (samt Suboszillatoren) anliegen. Die Oszillatoren lassen sich in der Modulationsmatrix (und nur dort) stummschalten und zwar folgendermaßen: Als Quelle wählt man einen konstanten Wert (“Const”), schraubt diese auf minus unendlich und routet diesen Modulator auf das Modulationsziel Osc1 Volume. Persönlich finde ich diese Vorgehensweise etwas umständlich, das klassische “ein Volumepoti pro Oszillator” Design (kombiniert mit On/Off Schaltern) wäre mir lieber gewesen.

Die üppige Oszillatorsektion

Die üppige Oszillatorsektion

Die Tonhöhe wird von zwei Tune- und einem Detune-Regler definiert. Erstere sind fürs Grobe zuständig und steuern die Frequenz im Bereich zwischen minus zwei und plus eine Oktave – in gerasterten Schritten (Terz, Quarte, Quinte, Sext, kleine Septime, Oktave). Detune bietet plus/minus einen Ganzton, in einzelnen Centschritten (also von – 100 bis +100 Cent).

Drift simuliert die unperfekte Stimmung analoger Oszillatoren, so dass diese in der Tonhöhe etwas schwanken. Der Effekt lässt sich nur ein- und ausschalten und ist … nun ja … eher subtil.

Phase ist ein interessanter Regler, der ansonsten nur selten bei Synthesizern anzutreffen ist (z.B. in der Software Steuerung des Minitaur). Hier werden die eigentlich frei schwingenden Oszillatoren synchronisiert, so dass sie mit jedem Tastenanschlag ihren Schwingungszyklus an der jeweils gleichen Stelle beginnen, was insbesondere für Bässe interessant ist.

Der Saurus ist wahlweise ein monophoner, acht- oder sechzehnstimmiger Synthesizer. Besonderes Augenmerk verdient der achtstimmige Modus (“oldpoly 8″), eine Hommage an die ganzen Propheten, Jupiter und Polysix: Wird eine bereits gespielte Note nochmals angeschlagen, so wird ihr die gleiche Synthesizerstimme zugeordnet und die Hüllkurven in a soft way neu getriggert. Laut Bedienungsanleitung sei der Klang less muddy, was ich bestätigen kann – ein hörbarer, doch eher subtiler Unterschied zum 16-stimmigen Modus.

Gilde wirkt nur monophon und zwar entweder bei jeder neu gespielten Taste (“mono”) oder nur bei gebundenen Tönen (“legato”).

Klangbeispiele

  1. Profile Photo
    4damind

    Ich war ziemlich schnell von dem sehr restriktiven Demo genervt. Markus hat zwar angekündigt das in einem Update die Demozeit etwas verlängert wird… Aber wie es so schön heisst: der erste Eindruck zählt.

    Viele vergleichen den Saurus mit dem U-HE Diva aber die beiden kann man eigentlich nicht wirklich vergleichen. Diva spielt da schon in einer anderen Klasse, was man sich allerdings auch mit einem sehr hohen Resourcenbedarf erkauft. Hier stellt sich dann eher oft die Frage der Benutzbarkeit wenn nach einem gespielten Akkord schon die CPU am Limit ist :D

    Saurus ist schon eher für “Butter und Brot” Sachen geeignet, allerdings gibt es natürlich einige Synth von denen man gleiches sagen kann. Also so richtig ist der Funke bei mir jetzt nicht über gesprungen. Die Amazona Bewertung von “gut” finde ich angemessen.

    • Profile Photo
      Nostradamus

      Diva geht seit der letzten Version deutlich schonender mit den Ressourcen um. Also wenn du bereits mit einem gespielten Akkord am Limit bist, solltest du mal darüber nachdenken, auf halbwegs aktuelle Hardware umzusteigen.

      • Profile Photo

        Das kann ich bestätigen. Die aktuelle Diva läuft auf meinen recht aktuellen i7 Macs selbst im Divine Modus unproblematisch mit mehreren Instanzen und Stimmen. Ich glaube kaum, das sich da die Anschaffung eines “Saurus” noch lohnt, es gibt sowieso viel zu viele Softsynthesizer. Zumal man mit Diva auch in den Draft Modus umschalten kann, für Brot und Butter.

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  3. Profile Photo
    freeldr77

    Ich glaube, dieser Synth kommt einfach ein bisschen zu spät.
    Das Einsatzgebiet dürfte doch schon von Sylenth und Dune längst abgedeckt sein, für die es zudem (besonders beim Sylenth) auch Presets wie Sand am Meer gibt.

  4. Profile Photo
    MoonUnit

    Keine Ahnung,
    aber bei den vielen billigen Hardwares-Snthesizer
    (Shruti, Evolver, Minitaur, etc … ) hab ich keine Ahnung wer das braucht.
    Auch ein DIVA reizt mich einfach gar nicht.

  5. Profile Photo
    markusd

    Hätte vor 3-4 Jahren vielleicht noch jemanden ködern können. Angesichts der u-he DIVA muss ich meinen Vorrednern recht geben: Das ist derzeit das Maß aller Dinge, wenn es um subtraktive VA-Synths geht.

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