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Album Release: Martin Gerke – Groenalund

Peter:
Wie hast du den Sprung geschafft, sodass du heute wirklich von deiner Musik leben kannst?

Martin:

Ich bin stilistisch relativ flexibel, wodurch ich mich ab einem bestimmten Punkt dafür entschieden habe, Filmmusik zu machen. Seit 2008 konnte ich immer wieder mal recht gut davon leben, durch einige Dokumentarfilme, die mit meiner Musik auf ARTE liefen, aber es gibt natürlich auch gewisse Durststrecken. Generell wird der Markt immer schwieriger. Junge Komponisten drängen in großer Zahl auf den Markt, weil jeder heute zu Hause mit ein paar YouTube-Workshops und einer Heim-DAW nach Hans Zimmer klingen möchte. Parallel dazu sinkt der Wert von Musik immer weiter durch die absolute Verfügbarkeit durch Spotify und YouTube. Internetseiten, die billig oder gar umsonst Lizenzen für Filmmusik anbieten, drücken auf die Preise, die ich eigentlich nehmen müsste.

Das Problem ist, dass durch die nicht stattfindende Vergütung der Nutzung von Mediatheken meine GEMA Einnahmen auf ein Viertel zusammengeschrumpft sind. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, etwas für Autoren und Kreativarbeiter zu tun. Leider ist unsere Lobby nicht so stark, wie sagen wir mal die Autolobby. Und leider sind viele dazu bereit, umsonst oder für Ruhm zu arbeiten. Auf lange Zeit verliert dadurch aber die Qualität der künstlerischen Arbeit, weil du dann Zeit für einen Nebenjob opfern musst. Eine Zeitlang musste ich das auch. Hab ich’s also geschafft? Ja, irgendwie, aber es bleibt spannend.

Peter:
Weißt du noch, welche Filmproduktion das war, die dich damals als erstes unterstützt hat?

Martin:
Ja, Andre Schäfer von Florianfilm in Köln hat mir damals eine Chance gegeben. Ich hab sie dankbar genutzt. Mein erster Dokumentarfilm auf ARTE war über Jeepneys auf den Phillippinen. Man kann den immer noch auf meiner Website sehen.

Peter:
Wie gehst du heute vor, um neue Jobs in der Filmindustrie an Land zu ziehen?

Martin:
Ich baue mein Netzwerk aus, ich spreche Regisseure auf Film-Premieren an.

Peter:
Und nun, nach all den Ups and Downs als Filmmusikkomponist, kommt nun das Projekt GROENALUND hinzu, obwohl du den Durchbruch als Filmmusiker noch nicht ganz geschafft hast. Siegt bei so einem Herzensprojekt dann die Leidenschaft quasi über die Rationalität?

Recording Julia Koep

Martin:
A
bsolut, ja. Ich hoffe aber, dass die Groenalund Fans uns ab der dritten oder vierten Single vertrauen und bereit sind, uns über die neuen Wege durch Crowdfunding oder Patreon zu unterstützen, damit wir uns Zeit kaufen können, in der wir ernsthaft am kommenden Album arbeiten können. Und wir wollen dann auf jeden Fall auch damit auf die Bühne, um das auch live rüberzubringen.

Peter:
Der Name Groenalund erinnert nun gar nicht an ABBA. Wieso GROENALUND?

Martin:
Es klingt ein bisschen Schwedisch. Der ernsthafte Abba Fan weiß aber auch, dass das der Stadtteil von Stockholm ist, in dem heute das Abba Museum steht. Dort war immer schon der Vergnügungspark mit Fahrgeschäften und auch eine Bühne, auf der auch Abba in früherer Zeit aufgetreten sind. Der Name sollte eine Verbindung zum Vorbild haben, ohne zu offensichtlich zu sein. Für den Kenner ist es das freilich schon. Wörtlich übersetzt heißt „Gröna Lund“ soviel wie „grüner Hain“, also eine kleine verwunschene Waldlichtung. Meine Band ist vielleicht so etwas wie eine Lichtung im Rauschen des heutigen Mainstream-Walds, wenn man so will.

Ich hab dann aber daraus das Kunstwort Groenalund gemacht, weil das besser aussieht und weil ich auch keine Markenstreitigkeiten mit dem Freizeitpark haben möchte.

Recording Lisa Lazarev

Peter:
Nochmals zurück zum ABBA Sound. Du orientierst dich an Abba, aber beschränkt dich das dann nicht in gewisser Weise, Abba im Prinzip „nachzumachen“?

Martin:
Dieser Sound ist mir so selbstverständlich, dass ich gar nicht das Gefühl habe, etwas nachzumachen. Ich denke, man macht Dinge nach, wenn sie einem eben nicht zufliegen und man den Kopf anschalten muss, um eine Ähnlichkeit herzustellen. Bei mir passiert das von selbst, das heißt, ich muss mich eher anstrengen, nicht nach Abba zu klingen. Irgendwann hab ich mir dann erlaubt, das einfach zuzulassen. Dabei möchte ich aber unbedingt auch das Rad weiter drehen. Schließlich habe ich auch noch andere Wurzeln und Einflüsse. Ich muss und will nicht alles genau so machen, wie Abba es gemacht hat. Mir ist folgendes Zitat von Benny wichtig, der sehr geizig bei der Lizenzierung von Samples aus Abba Songs ist: „Do your own thing!“

Peter:
Was ist deine Vision für GROENALUND?

Martin:
Eine funktionierende Band mit Stammmusikern wird von einer weltweiten Community soweit unterstützt, dass sie entspannt an der Musik arbeiten kann, die aufgrund dessen immer besser wird. Alle zwei Jahre ein Album und eine Tour und dann natürlich Weltherrschaft bzw. Weltfrieden.

Peter:
Wie geht es jetzt kommerziell bei dir weiter? Wendest du dich an eine Plattenfirma oder willst du alles selbst vermarkten?

Martin:
Momentan finanziere ich alles vor. Es ist absehbar, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann, deswegen sind wir irgendwann auf den Erfolg angewiesen. Ich versuche, die neuen Wege des Internets als Marketinginstrumente zu nutzen. Es gibt unsere Band-Homepage www.groenalund.com, dort kann man unsere Singles und irgendwann auch unser Album runterladen. Geplant sind auch eine CD und wenn es gut läuft ein Vinylalbum. Die alten Strukturen von Plattenlabel und Majordeal scheinen zerstört. Ich möchte gern glauben, dass es irgendwo Fans für unsere Musik gibt, die auch bereit sind, uns finanziell zu unterstützen, weil sie unsere Musik einfach mögen und mehr davon wollen. Aber einen anderen Weg sehe ich gerade sowieso nicht. So prickelnd waren die alten Bandübernahmeverträge glaube ich auch nicht. Für Groenalund wäre mir wichtig, dass wirklich alle Beteiligten fair am Gewinn beteiligt werden, sollte sich der irgendwann einstellen, aber bis dahin ist es noch ein arbeitsreicher Weg.

Peter:
Vielen Dank Martin. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung und drücken dir alle Daumen!!!

Cover Single: Groenalund – The Curse

Forum
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    dilux  AHU

    etwas ot, aber seid wann hat den herr grandl einen elka synthex? und wieso steht der nicht im studio?

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      Tyrell  RED 2

      Du wirst es nicht glauben, aber in meinem winzigen Keller-Studio hat keine einzige Tastatur mehr Platz. Und so habe ich hin und wieder die Gelegenheit während der Arbeit mal ein wenig an Sounds zu schrauben :-)

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        dilux  AHU

        ja, nein, ich meine blos, ein synthex! eine wahre rarität, im gegensatz dazu wird man in der bucht mit jupitern, prophets und oberheims regelrecht zugeschmissen; ich meine mich auch zu erinnern, das du im blue box artikel zum synthex die „muss man nicht haben“-seite vertreten hast…
        egal, auf jedenfall glückwunsch zu diesem boliden, ein toller synth!

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    TobyB  RED

    Klasse Typ! Und Klasse Prjojekt! Zwischen den EHXen würd ich sehr wohl fühlen.
    Ich kann ihn verstehen, ich hab auch so ein Faible für Nordic und Northern Soul. Die Visitors LP hab ich auch schon so dermaßen oft gehört und noch nie überhört. Meine ABBA Favoriten sind
    The Day before you came
    http://bit.ly/2Hnh8ty
    und nicht von ABBA gesungen
    I know him so well
    http://bit.ly/2HmIRL0

    Was Bands wie ABBA und andere immer auszeichnete sind die Verweise auf aktuelle Themen und der Einsatz von Technik im Dienste der Musik. Nicht andersrum. Musikalisch bin ich zwar näher dran an Secret Service
    http://bit.ly/2zKBtpi
    aber seine anderen Ansichten über Youtube, Spotify und Co kann ich absolut nachvollziehen. Ironischerweise kommt Spotify aus Schweden.

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      Martin Gerke

      Hallo Toby, danke fürs Durchlesen.
      Ja, diese beiden Songs mag ich auch sehr gerne. Mir ist nicht ganz klar, was Du mit EHXen meinst…?

      lg,
      Martin

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        TobyB  RED

        Hallo Martin,

        ich hab ne ganze Kiste voll mit EHXen und mein Outboard ist auch voll damit. :) Ich liebe die Dinger. Was ich sehr gut finde das viele Pedale mit CVs über den Expression In angesteuert werden können, Und den Sound somit drastisch beeinflußen können. Deswegen fühlte ich mich wohl ;)

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    costello  RED

    Sympathisches Interview. Ja, das „Metaphysische“ bei ABBA. Mich hat Waterloo damals förmlich elektrisiert, diese Piano-Akkorde musste ich sofort nachspielen. Und später ging’s mir halt so, dass ich als bekennender ProgRock-Fan mir nicht eingestehen wollte, dass ABBA perfekte Pop-Musik produzierten. The Visitors war dann der Wiedereinstieg und inzwischen mag ich die anderen Platten auch. Gefreut hat mich im Interview auch die Erwähnung des SY-2, der Nachfolger des Yamaha SY-1, den ich selbst spiele. Der Filtersound ist einfach nur genial!

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      Martin Gerke

      Wenn man ehrlich ist, ist Abba mit den Produktionsmethoden und komplexen Songstrukturen nicht so weit weg vom Prog-Rock.
      Oh, ja, der SY2 ist ein unverzichtbares Instrument für mich geworden. Da ein GX1 wohl eher unerreichbar scheint, ist dieser kleine „Orgelaufsatz“ wirklich die Geheimwaffe, um in die Nähe des GX1 zu kommen.
      Der Grundsound der Filter und Oszillatoren ist tatsächlich identisch mit dem GX1, das merkt man, wenn man wie ich, den SY2 in Einzelstimmen samplet und dann anfängt, ihn mit sich selbst so oft zu layern, bis man ein mächtiges polyphones Pad auf dem EMU liegen hat. Dieses seidig, warme und für meine Ohren sonderbar emotionale Feeling, das nur der GX1 hat, stellt sich auch auf diese Weise ein. Natürlich hab ich den GX1 noch nicht in natura gehört, aber was ich so von den Alben runterhöre, werde ich mit meiner Methode adäquat für künftige Groenalund-Songs umsetzen können.
      Der CS 30 ist deswegen eine sehr gute Ergänzung dazu, weil er die brachiale Seite des GX1 gut darzustellen vermag (z.B.Basssound bei „does your mother know“). Der SY2 ist eher auf der eleganten und weichen Seite.
      Ich kann gern mal ein paar Klangbeispiele machen :-)

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        costello  RED

        Hallo Martin, ich hatte hier für amazona.de mal einen Blue Box-Artikel zum SY-1 produziert. Gerade auch das Hochpassfilter macht diesen eleganten, seidig-summenden Sound. http://bit.ly/2p3kFGS
        Einen SY-2 zu samplen und so einen polyphonen GX 1 nachzubauen, das ist natürlich genial. Dass der CS-30 so brachial daherkommt, erstaunt mich. Ich hatte den CS-40M und auch einen CS-15D. Ersterer war ein Modulationsmonster und hatte drei Filterarten plus Ringmodulation. Aber klanglich habe ich ihn als eher kultiviert in Erinnerung.

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          Martin Gerke

          Ja, schon kultiviert, aber wenn man ihn samplet und polyphon spielt, geht das eher in Richtung Hornsection, während der SY als Multisample selbst mit dem Trompetenpreset immer was streicherartiges hat. Klangbeispiele sind auf dem Weg…

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    Marko Ettlich  AHU

    Schönes Interview. Sehr interessant und sympathisch. Ich bin auch mit der Musik von ABBA aufgewachsen. Die Platten liefen bei meinen Eltern damals hoch und runter. :D

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      Martin Gerke

      Hallo Marko, Dankeschön!
      Ich habe dein Polysix-Video auf YouTube glaube ich schon mindestens 50 mal gesehen, weil ich selbst noch kein geeignetes Exemplar gefunden habe. Wird Zeit, dass er sich zu meinem Mono/Poly gesellt ;-)

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        Marko Ettlich  AHU

        Gerne. :) Das freut mich. Aber überleg es dir gut, der Polysix ist ein echtes Sensibelchen. Den aus dem Video gibt es schon nicht mehr. Schau ruhig weiter die Videos, das freut uns beide. :D ;)

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    solartron  

    … und die analogen ESS-YPSILONE von Yamaha hat wohl auch noch keiner geschafft in ein VSTi zu gießen…

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    iggy_pop  AHU

    Ich kann mich erinnern, daß mir Martin Gerke in den 1990ern immer etwas schnöselig, klugscheißerisch und besserwisserisch vorkam („Der Klaus Schulze spielt da ja immer nur kleine Sekunden“), wenn er sich in Interviews äußerte — das hatte immer was von „ich bin Musikstudent und weiß es deshalb besser“. Das fand sich dann auch in der Musik wieder, die ich deswegen immer als irgendwie Etepetete und überkandidelt wahrgenommen habe. Das ist, zum Glück, einer — wie ich finde — recht differenzierten Sicht der Dinge gewichen, und mit diesem Statement spricht er mir aus der Seele:
    .
    „Die sozialen Medien im Internet sind deswegen voll mit halbgaren bis unfertigen Sachen, die insgesamt ein bedeutungsloses Rauschen erzeugen. Die guten Sachen, die es auch noch gibt, ragen qualitativ daraus hervor, müssen aber trotzdem unter erschwerten Bedingungen um Aufmerksamkeit kämpfen.“
    .
    Das bringt es auf den Punkt.

    • Profilbild
      Martin Gerke

      Ein Schnösel ist jemand, der laut Duden von sich eingenommen und arrogant ist und sich und seine Weltsicht über andere stellt. Ich frage mich, was du hier gerade machst Herr…Pop??
      Ich stehe jedenfalls immer noch dazu, dass für mich, mein ehemals großes Vorbild Klaus Schulze, mit zunehmenden Wissen über Musik und Synthesizer immer bedeutungsloser wurde. Wenn das bei dir nicht so sein sollte, dann ist das eben so.
      Ich kann meine Statement von damals (1995) auf jeden Fall immer noch fachlich, jenseits von geschmäcklerischem Gehabe begründen. Aber das dürfte dich gar nicht interessieren.
      Aber schön zu wissen, dass ich eine so bleibenden Eindruck bei dir hinterlassen habe.

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