Album Release: Stan Dart & Mark Dorricott – SEASIDE

6. April 2019

Writing a song is like telling a story

SEASIDE – Das Album von Stan Dart & Mark Dorricott

(Nicht nur) Fans der beiden Blade Runner Filme sollten diesen Album-Release sehr aufmerksam lesen. Denn die beiden Künstler Stan Dart alias Richard Hasiba & Mark Dorricott wollten mit ihrem Album SEASIDE die essentiellen Fragen zu diesen Movies klären – was passiert in der Zeit zwischen den beiden Filmen? Wie ist es Rachael und Deckard, den beiden Hauptfiguren aus dem ersten Film, in dieser Zeit ergangen?

Aber bitte lest selbst, was die britisch-österreichische Formation zu diesem und vielen anderen Themen vor Kurzem zu sagen hatte.

Übrigens – wir verlosen fünf SEASIDE CDs! Schreibt einfach eine Nachricht an mein Profil mit eurem richtigen und dem AMAZONA.de Namen und eurer Postadresse – den ersten fünf Zuschriften schicken wir eine der CDs von Stan Dart & Mark Dorricott.

Amazona.de:
Hallo Richard! Bitte beschreibe deinen Weg zur Musik!

Richard:
In den 80ern habe ich (unbewusst) meine Liebe zur elektronischen Musik gefunden. Über Vangelis bin ich mit einem Klangkosmos in Berührung gekommen, der mich seither nicht mehr loslässt. Daneben waren aber auch die üblichen Verdächtigen (Jarre, Kraftwerk, Depeche Mode, Jan Hammer, Paul Hardcastle) maßgeblich daran beteiligt, dass meine Musik heute so klingt.
Parallel dazu entdeckte ich aber auch die Welt der Filmmusik. Mit dem Soundtrack zu „Chariots of Fire“ war dann alles klar für mich … so etwas wollte ich auch machen – ich hatte nur keine Ahnung, wie.
Mein erstes Keyboard war von Yamaha (den genauen Namen weiß nicht mehr), das einen eingebauten Sequencer hatte; zumindest vier Spuren konnte man aufnehmen. Das machte es dann auch ein wenig spannend, denn die vier Spuren wurden auf Kassette aufgenommen und mit einem zweiten Kassettendeck und einem kleinen 4-Kanal-Mischpult die nächsten vier Spuren zu den Vorhandenen aufgenommen usw. … mühsam und klanglich nicht wirklich das, was ich sonst so hörte. Aber jeder fängt klein an – ich war recht zufrieden damit. 

Stan Dart alias Richard Hasiba

Amazona.de:
Wodurch bist du auf elektronische Musik gekommen?

Richard:
Mein Cousin hatte einen Amiga – und das war zu der Zeit nicht nur eine der genialsten Spielekonsolen, sondern man konnte mit „Trackern“ richtig coole Musik schreiben. Für mich war das wie eine Offenbarung: zeilenbasiertes Ansteuern von Samples – und man musste noch nicht einmal Noten lesen können (ich hasste den Musikunterricht in der Schule)! Noch dazu funktionierte das Ganze in erstaunlicher Qualität. Das ging wie von Zauberhand und war in Kombination mit meinem Keyboard eine klangliche Weiterentwicklung. Anfang der 90er waren dann auch die ersten PCs mit Soundkarte fähig, mit diesen Tracker-Programmen fertig zu werden. Eines meiner ersten Tracks darauf war der Remix eines James Brown Songs. Das hat mich unzählige Nächte und Nerven gekostet – das Ergebnis fand dann kein großes Echo unter meinen Freunden. Aber ich sah das Potential, das diese Technik für die moderne Musik mitbrachte und schraubte fröhlich weiter – sowohl an PCs als auch an Tracks ;-)
Selbst Sampling war schon möglich, wenn auch nur in 8 Bit und nicht länger als 2-3 Sekunden, aber ok, es waren plötzlich Sounds da, die ich mir vorher nicht hätte vorstellen können.
Einen richtigen Synthesizer habe ich mir aber damals nie gekauft (bei den Preisen). Ich war also seit jeher ein Anhänger der virtuellen Welt.
Aber trotz all der Euphorie für diese Klangwelt habe ich es leider versäumt, konsequent an der Musik weiterzuarbeiten. Irgendwann Mitte der 90er war ich „nur“ mehr ein begeisterter Hörer – und das ist auch schon das Einzige, was ich heute ein wenig bereue, wenn ich auf meine Jugend zurückblicke.
Erst im Jahr 2000 – als Therapie zur Bearbeitung einiger Schicksalsschläge in meiner Familie – begann ich „ernsthaft“ der inneren Stimme zu folgen und wieder Lieder zu schreiben. Und das hat sich bis heute –Gott sei Dank – nicht mehr geändert.

Amazona.de:
Arbeitest du alleine oder spielst du in einer Formation?

Produktionsumgebung von Stan Dart

Richard:
Ich arbeite in meinem Studio immer alleine – schon aus Platzgründen. Dennoch liebe ich es, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten. Die Wechselwirkung zwischen zwei oder mehreren Künstlern ist spannend und inspirierend. Natürlich kann eine Zusammenarbeit auch anstrengend sein, aber mittlerweile merke ich recht schnell, wie der andere „tickt“ und ob es ihm ernst ist mit der Zusammenarbeit. Das gemeinsame Erarbeiten eines Themas bzw. Tracks ist für mich eine zusätzliche Inspirationsquelle, denn oft weiß man ja nicht, was genau der Partner zu deinem Teil des Songs beisteuert. Somit geht ein Song plötzlich in eine Richtung, die man sich vorher gar nicht ausmalen konnte und das ist es, was ich an Kooperationen so liebe. 

Amazona.de:
Dein wievieltes Werk ist SEASIDE?

Richard:
SEASIDE ist meine fünfzehnte Produktion – die dritte Zusammenarbeit mit Mark Dorricott. Er hat sich in all den Jahren als wahrer „Glücksgriff“ erwiesen. Wir ergänzen uns bei der Arbeit, als ob wir das schon immer machen würden. Seine jazzige Welt trifft auf meine elektronische Welt und beide Seiten passen perfekt zusammen. 

Amazona.de:
Wie kann man deine Musik beschreiben? 

Richard:
Chillout-, Ambient- und Lounge-Elemente, vermengt mit Einflüssen aus der Filmmusik – gelegentlich noch eine Prise 90er Dancefloor. Ich denke, das trifft es dann schon. 

Stan Dart in seinem Studio

Amazona.de:
Welche Message liegt in deinen Songs? Was willst du mit diesen ausdrücken? 

Richard:
Mein Motto lautet: „Writing a song is like telling a story.“
Jeder Song hat eine Geschichte – oder ist ein Teil davon. Auf SEASIDE wollte ich unbedingt nochmals in das Bladerunner Universum zurück. Mark und ich hatten diese Welt schon auf dem Album „Midnight“ als zentrales Thema und ich hatte stets das Gefühl, dass da noch ein paar Geschichten zu erzählen wären. Überdies bekamen wir für Midnight sehr gute Rückmeldungen – es schien, als ob viele Menschen von den Soundwelten des Albums positiv beeinflusst wurden. Als dann „Bladerunner 2048“ ins Kino kam, war für mich klar, worum es im Album gehen sollte: die Zeit zwischen den beiden Filmen; wie ist es Rachael und Deckard (die beiden Hauptfiguren aus dem ersten Film) in dieser Zeit ergangen, was haben sie erlebt? Gab es auch mal gute Zeiten für sie und welche Gedanken hatten die künstlichen Lebensformen, genannt „Replicanten“, wenn es um ihr eigenes – kurzes – Leben ging? Wie lebten sie, mit eingepflanzten Erinnerungen an ein Leben, das sie nie hatten? 

Studio von Stan Dart

Amazona.de:
Was inspiriert dich? 

Richard:
Alles – ein Buch, ein Bericht, ein Bild, ein Gedicht oder ein Lied, selbst Gespräche können mich inspirieren. Wenn es mich persönlich erreicht, macht es „klick“ und schon kommt die Idee für einen Song … das Schöne daran: Ich kann das nicht steuern. Inspiration kommt oder kommt nicht – aber du als Mensch hast darauf keinen Einfluss. Die Dankbarkeit, wenn der Song dann fertig ist, ist dadurch umso größer. 

Amazona.de:
Welches Equipment hast du verwendet? 

Richard:
Bei SEASIDE kam ein Roland Juno-106, Korg M1, Korg Poly-800 II, ein Waldorf Blofeld und der Roland JD-XI zum Einsatz. Ich verwende aber die Hardware nur sehr speziell – für bestimmte Hintergrundsounds oder als Unterstützung bei Pad-Landschaften. Die Mehrheit meiner Instrumente sind virtueller Natur: Spire, Native Instruments, Alchemy, Miroslav Philharmonik und virtuelle „Nachbauten“ berühmter Synthis: Fairlight, OP X Pro II, Jupiter-8 und noch eine Unmenge an Freeware-Tools. 

Blofeld, Mischpult

Amazona.de:
Wie sieht deine Produktionsumgebung aus? 

Richard:
Zum einem habe ich eine Workstation von Fujitsu als zentralen Rechner. Darauf läuft ein abgespecktes Win10 Professional. Ja, ich bin kein Mac User (war mir immer schon zu teuer), sorry Leute! Als DAW verwende ich Samplitude Pro X – derzeit die Version 3. Für Live-Auftritte verwende  ich Ableton (zum Ansteuern von Instrumenten und Effekten), aber wenn es um das Komponieren geht, gibt’s für mich nur Samplitude. Ich kenne keine andere DAW, die derart flexibel ist, wenn es um die Arbeit mit Sounds und Instrumenten geht und was dieses Programm an eigenen hochwertigen Instrumenten und Effekten mitbringt, ist schon der Hammer. Hauptbildschirm ist ein 37“ Monitor plus ein 22“ Bildschirm (fürs virtuelle Mischpult usw.). Soundtechnisch arbeite ich mit einer Firepower FCA1616 von Behringer sowie einer Edirol FA16. Ein M-Audio Keystation 61 ist mein zentrales MIDI-Keyboard. Dann noch von Behringer ein Xenyx Control 2 als zentrale Steuerung aller Abhörmöglichkeiten im Studio. Ergänzt wird dies durch zwei kleinere Mischpulte (8-Kanal und 4-Kanal), damit ich die Synthesizer auch geordnet einbauen kann. iPads habe ich auch zwei – die spielen aber eher eine untergeordnete Rolle … die verwende ich eher selten. 

Amazona.de:
Wie zufrieden bist du mit Waldorf Blofeld?

Richard:
Der Blofeld wird bei mir in erster Linie bei Live-Einsätzen verwendet, da dessen Pad-Sounds sehr gut als Ergänzung und Erweiterung zu meinen Live-Versionen passen. Ich verwende ausschließlich die im Gerät verfügbaren Presets. Im Gegenzug zu anderen Künstlern habe ich damit kein Problem, da die unterschiedlichen Presets in Kombination wiederum Klangräume erschaffen, die vorher nicht da waren. Gewisse Sounds und Klänge meiner Studioumgebung kann ich (teilweise lizenz-) technisch nicht auf meinem Live-Set reproduzieren, da es sich um PlugIns handelt, die es für Apple-Geräte nicht gibt oder mir eine zweite Lizenz schlicht zu teuer ist. Der Blofeld hat aber Sounds, die denen sehr nahe kommen und ich somit die Chance habe, live gewisse Variationen in die Stücke einzubauen. Zwar ist die Bedienung des Geräts nicht so prickelnd, da ein schnelles Umschalten zwischen den Sounds mit herkömmlichen Mitteln nicht zu realisieren ist, ich habe jedoch eine Freeware gefunden, mit der ich über einen zweiten Laptop das Gerät über USB steuern kann und in dessen GUI ich dann rasch und unkompliziert mit einem Mausklick zwischen den Sounds wechseln kann.

Amazona.de:
Seit wann hast du den Roland 106er in deinem Besitz und was hast du dafür bezahlt?

Richard:
Dieses Prachtstück habe ich seit vier Jahren. Wie der Zufall es so wollte, hatte ein Verwandter von mir für den Synth in seiner (Metal-) Band keine Verwendung mehr und so bekam ich ihn geschenkt! Manchmal, darf man auch Glück haben :-)

Amazona.de:
Bist du happy mit dem 106er?

Richard:
Der Sound dieses Synths ist schon einmalig – die Wärme und Tiefe, die man damit bei Pad-Sounds erzeugen kann, ist gewaltig. Auf dem aktuellen Album hört man ihn zum Beispiel im Track „Thannhauser Gate“. Bei diesen Sounds muss man dann gar nicht mehr viel Reverb oder Delay hinzufügen, damit sie so gewaltig klingen. Ein Gerät, das ich immer wieder gerne einsetze. Auch hier ist mein Ansatz: Ich verwende die vorhandenen Presets und mische sie in meiner DAW mit anderen Sounds zusammen, um so den gewünschten finalen Sound zu bekommen. Die Angst vieler Künstler, dass man einfallslos wirkt, wenn man Presets verwendet, habe ich nicht. Letztlich liegt es am Künstler, daraus etwas Einzigartiges zu erschaffen. Ich verbringe lieber mit dem Komponieren Zeit, als dass ich stundenlang an Reglern drehe. Natürlich verändere ich grundlegende Dinge, wie z.B. eine Attackrate, aber ich behalte die klanglichen Eigenschaften des Presets und verändere sie höchstens, indem ich dann in der DAW bei den Frequenzen noch gewisse Teilbereiche herausarbeite. Das geht in Summe wesentlich schneller als wenn ich am Gerät direkt alles verändere.

Amazona.de:
Wie lange hast du an dem Projekt SEASIDE gearbeitet? 

Richard:
An SEASIDE habe ich mit Mark über ein Jahr gearbeitet – parallel zu anderen Solo-Projekten (wie dem Lounge-Album „MurInsel, Volume 1“ und einem Liveauftritt im Planetarium Supernova in der Nähe von München im Mai 2018). Da Mark und ich immer abwechselnd an den Tracks gearbeitet haben, dauerte es schon eine Weile, bis ein Lied fertig war. Das braucht halt seine Zeit … es sind immerhin 16 Tracks geworden. 

Amazona.de:
Was bedeutet der Titel Seaside? 

Roland Juno-106

Richard:
Ganz egal, ob du nun am Strand stehst und die Weite des Meeres vor dir siehst oder ob du in den Himmel blickst und das Sternenmeer siehst, die Weite soll dir keine Angst machen, sondern dich ermutigen, einen Schritt ins Unbekannte zu setzen. 

Amazona.de:
Welcher Gedanke steht hinter dem Plattencover? 

Richard:
Betrachtet man die Ausläufer der Welle, so sieht man, dass diese fließend in das Sternenbild übergehen. Alles fließt … und passt doch perfekt zusammen – das passt dann auch zu den Songs. 

Amazona.de:
Hast du ein bestimmtes Zielpublikum im Auge? 

Richard:
Natürlich finden sich meine Anhänger eher im Feld der elektronischen Musik, aber ich lade jeden ein, sich ein Bild von meiner Musik zu machen. 

Noch mehr Studio von Stan Dart

Amazona.de:
Lässt sich deine bisherige Musik einem ähnlichen Genre zuordnen? 

Richard:
Hmm … Elektronik im weitesten Sinne … Ambient, Chillout, Lounge.

Amazona.de:
Planst du schon neue Projekte? 

Richard:
Im Juni/Juli 2019 wird „MurInsel, Volume 2“ rauskommen (Loungemusik pur) und ab Herbst arbeite ich an „Basilika“ – das Nachfolgealbum von „Ecclesia“ (die musikalische Beschreibung des Doms meiner Heimatstadt) – nur dass es dieses Mal um die Sagrada Familia in Barcelona gehen wird. Dieses Album wird wahrscheinlich im Januar/Februar 2020 erscheinen. 

Amazona.de:
Bist du bei einen Label oder vermarktest du das Album selbst? 

Richard:
Ich bin beim Label SYNGATE unter Vertrag und vertreibe dort meine Musik. Es ist ein kleines, aber feines Label, dessen Unterstützung ich sehr schätze. Kilian (der Labelboss) ist ein netter Kerl, mit dem man über alles reden kann – ich fühle mich dort mit meiner Musik sehr gut verstanden. 

Amazona.de:
Betreibst du deine Musik noch als Hobby oder verdienst du damit schon deinen Unterhalt? 

Richard:
Ich sehe mich als semi-professionellen Hobbykünstler, dem es gelegentlich gelingt, mit seiner Musik Geld zu verdienen. Dass ich damit den Unterhalt für meine Familie und mich verdiene, ist ein schöner Traum – mehr auch nicht; aber wer weiß, was die Zukunft bringt!

Amazona.de:
Hast du Vorbilder? 

Richard:
Queen – ohne Frage bin ich ein riesiger Fan von ihnen und liebe ihre Musik. Wenn ich mal was Rockiges hören möchte, schallt Freddie aus den Boxen …
Vangelis, kein anderer hat so ein Gespür für traumhafte Flächen und wunderbare Melodien.
Freilich gibt’s auch noch andere (Hans Zimmer, Jan Hammer, JMJ etc.), aber Vangelis hat bei mir den Stein ins Rollen gebracht, wofür ich ihm gerne einmal persönlich danken möchte! 

Fazit

Studio-Arbeitsumgebung

DaW:
Samplitude Pro X3 Suite (Windows Workstation)
Ableton Live 10 LE (MacBook)
Virt. Instrumente (Auszug):
Native Komplete 11
Spire
Miroslav Philharmonik
Alchemy
OPx Pro II
Arminator
ME80
+ ca. 100 weitere Tools (groflteils Freeware)

Hardware:
Fujitsu Workstation
MacBook Pro
Traktor Control S2

Soundcontroller:
Behringer Xenyx Control 2

Soundcard:
Behringer Firepower FCA 1616

Midi-Keyboards:
Behringer UMX 490
M-Audio Keystation 61

Synthesizer:
Roland JD-Xi
Waldorf Blofeld
Korg M1
Korg Poly 800
Roland Juno-106
iPad 2

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