Alle ARP 2600 Projekte: Korg, Behringer, David, STP2600, TTSH

24. Oktober 2018

ARP 2600 News zu Korg, Behringer, David und Co.

Alle ARP 2600 Projekte

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Vorwort der Redaktion

Obwohl der ARP 2600 zu den begehrtesten Synthesizern gehört – und leider auf dem Gebrauchtmarkt auch zu den seltensten und kostspieligsten – hat KORG es bis heute nicht gewagt, den Klassiker neu aufleben zu lassen, wie das umfassend mit dem Korg ARP Odyssey geschehen ist, der erstmals im Januar 2015 vorgestellt wurde. Immer wieder haben wir von DIY-Projekten rund um das Thema ARP 2600 berichtet. Das letzte Mal im Juli 2018. Doch je mehr wir berichteten, umso verwirrender war die Situation für Interessierte.

Wir brauchten also einen Insider. Jemand, der uns die Zusammenhänge zwischen ARP 2600, TTSH und STP 2600 umfassend erklären konnte. Im „DSL-Man“ haben wir einen solchen Insider gefunden, der uns von nun an auf dem Laufenden hält. Hier also nun alles Wissenswerte um die Zukunft der ARP 2600 Welt.

Und wer denkt, man käme auch in Zukunft nur als DIY-Profi an einen ARP 2600 Klon, der wird sich vor allem über den letzten Absatz freuen.

Lets tweak,
Euer Tyrell

Der ARP 2600 und seine Kinder

Eigentlich sollte der Artikel bereits vor mehreren Wochen fertig sein, jedoch ist nichts beständiger als Veränderungen rund um dieses Thema ARP 2600.

Der letzte ARP 2600 wurde 1980 von ARP Instruments produziert, seitdem fehlt dem Synthesizer-Markt eine Neuauflage. Informationen zum Original gibt es in unserem AMAZONA.de Blue Box-Artikel.

In dem heutigen Artikel beschäftigen wir uns damit, was die momentane Situation am ARP 2600 Markt ist und was die Zukunft in absehbarer Zeit bringen wird.

Über mich
Die meisten Leute kennen mich weltweit aus dem SDIY-Bereich (Synthesizer Do it yourself) unter dem Namen „LED-man“ oder „DSL-man“ aus diversen Projekten wie dem TTSH, Syncussion oder auch dem 5U-Modularsynthesizer-Bereich sowie LED-Umbauten von Discotheken/Clubs und VIP-Partybussen.
Außerhalb meines SDIY-Hobbys nennt man mich Patrick Jöricke.
Für die Leute unter euch, die mich noch nicht kennen: Ich baue seit 8 Jahren in meiner Freizeit Synthesizer, Drumcomputer und alles, was zur elektronischen Klangerzeugung dazu gehört.
Ab und an baue ich kostenfrei Prototypen und schreibe dazu auf meiner Website Dokumentationen und helfe den Entwicklern aus der Rolle eines Erbauers, das Gerät „DIY friendly“ zu designen.
Meinen Schwerpunkt habe ich seit 2013 auf den ARP 2600 und dessen Nachbauten gelegt.
Ich bin 38 Jahre jung, wohne in der Nähe von Wolfsburg und arbeite hauptberuflich als Teamleiter und IT-Senior Consultant mit dem Schwerpunkt System Analyse/Application Management.

Die Ausgangssituation

Wir befinden uns im Jahre 2013, die globale DIY-Szene ist inzwischen gewachsen und gut vernetzt.
Moderne Fertigungsmethoden und elektronische Bauteile sind günstig, der DIY-Markt hat Fahrt aufgenommen, man ist weggekommen von selber geätzten Leiterplatinen (PCB umgangssprachlich genannt) und bestellt lieber in China sehr günstig industriell hergestellte PCBs und bei Bedarf auch Bauteile.
Hat hiermit die Globalisierung einen Nutzen gebracht?
Es fühlte sich für viele wie ein Geschenk an, als auf YouTube das folgende Video veröffentlicht wurde, das einen selbstgebauten ARP 2600 Clone Namens „TTSH“ (Two Thousand Six Hundred) zeigte.

Auch zum TTSH findet sich auf AMAZONA.de ein ausführlicher Bericht – HIER.

Der TTSH wurde als reines DIY-Produkt angeboten, bestehend aus Leiterplatine (PCB), Frontpanel und Gehäuse, im Secondhand-Markt wurden fertige Geräte zum Preis von 2.500 bis 3.500 Euro je nach Gehäuse, Version und Modifikationen angeboten.
Der Entwickler und gleichzeitig auch Verkäufer des TTSH (Jon Nensen aus Stockholm) hatte sich 2015 aus dem TTSH-Support auf muffwiggler.com zurückgezogen und da ich Jon zu dem Zeitpunkt bereits gut kannte und auch Prototypen für ihn bauen und testen durfte, begann ich alles rund um den TTSH auf meiner Website zu dokumentieren.
An der Stelle sei erwähnt, dass ich niemals direkten Einfluss auf das Produkt nehmen konnte.
Der TTSH ein sehr angenehmer Partner, er ist aufgrund seiner Größe von ca. 60 x 40 x 17cm noch handlich und weiß klanglich zu überzeugen – er besitzt definitiv den ARP 2600 Sound, kann jedoch nicht vollends mit dem originalen ARP 2600 Versionen mithalten.

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Original TTSH

 

Die Gegenwart

Seit 2013 hat sich viel getan, es wurden ca. 1200 TTSH-Sets verkauft. Es gab inzwischen Änderungen am TTSH, Fehler wurden behoben, neue Fehler kamen hinzu, die aktuelle Version wird rev.3 genannt und beinhaltet eine austauschbare Filterkarte (4012 Moog Ladder und 4072 ARP Ladder Version).
Die TTSH-Version kann man äußerlich nicht am Gerät erkennen, alle 3 Versionen sind gut, wenn das Gerät von einem erfahrenen Löter gebaut wurde. Der letzte TTSH KIT Verkauf war im Sommer 2017, Jon.N hatte einen Ausverkauf gemacht, es sollte das Ende sein.

Kommt jetzt eine Wende ?

Nun befinden wir uns im Jahr 2018 und es gibt immer noch keinen ARP 2600, weder wie von vielen gehofft von Korg, noch von Behringer. Die TTSH-Kits sind bereits seit einem Jahr nicht mehr erhältlich, auf dem Secondhand-Markt findet man eher selten einen TTSH und originale ARP 2600 liegen bei 7.000 bis 12.000 Euro.

Der SDIY-Markt schläft nicht und es gibt inzwischen viele SDIY-Shops mit dem Geschäftsprinzip, den DIY-Leuten viel rund um das Thema Synthesizer-Selbstbau zu liefern.
Die momentane Planung von Jon.N (dem TTSH Entwickler) und Synthcube.com (SDIY Shop in den USA) sieht auch vielversprechend aus, denn es soll gegen Ende des Jahres erneut der TTSH als DIY-Version in Version 4. angeboten werden (Bugfix-Version, es werden keine wesentlichen neuen Funktionen hinzukommen).

Moment mal, war’s das jetzt schon an der Stelle, wird sich der ein oder andere Leser des Artikels jetzt denken. Mitnichten.

Der STP2600 eine mögliche Alternative

Im Jahr 2016 meldete sich ein junger Student names Seyfullah.G bei mir mit der Frage nach einem kostenlosen TTSH DIY-Kit, seinem Wunsch konnte ich nicht nachkommen.
Jedoch entwickelte sich daraus im Jahr 2017 mehr, denn der TTSH wurde (eigentlich) offiziell abgekündigt.
Seyfullah bat mich um Beratung und Hilfe beim Bau eines eigenen und ausschließlich für ihn bestimmten ARP 2600 Nachbaus, gesagt – getan.
Als Grundkonzept fungierte zunächst der TTSH, jedoch wuchs auch sehr schnell der Wunsch nach ein „paar“ Veränderungen: kleineres Design, Potis statt Fader, VCO-SYNC, der Verzicht auf Lautsprecher, Gatebooster, alle 4 Schwingungsformen auf VCO 1 und 3 statt nur bei VCO2.
Mein bester Freund Dr. Dipl. Ing. Timo VDD erstellte uns ein Digitalreverb sowie einen deutlich verbesserten rauscharmen Ausgangsmixer mit symmetrischen Ausgängen zur Verfügung,
was in der Tat den STP2600 gegenüber dem TTSH deutlich rauschärmer machte.
Der Projektname STP2600 wurde aus dem jeweils ersten Buchstaben von uns Dreien gewählt, Seyfullah, Timo, Patrick.
Somit wurde der erster Prototyp von mir gebaut, allerdings kam aus Kostengründen die Idee auf, das Gerät kommerziell weiterzuentwickeln und zu vermarkten, da sich inzwischen viele DIY-Freunde deshalb bei uns gemeldet hatten.
Es war geplant, über meinen Shop den STP2600 als DIY Bausatz anzubieten, jedoch musste ich aus dringenden familiären Gründen meinen Shop schließen.
Deshalb wandte sich Seyfullah an Modular Addict – einen großen DIY-Shop in den USA, um dort weitere Fehlerbehebungen des Gerätes vornehmen zu lassen.
(Dr. Timo VDD und ich wurden allerdings nicht über einen „Verkauf/Lizenzverkauf“ des Projektes an Modular Addict informiert, obwohl wir das Gerät gemeinsam entwickelt hatten und ich alle Kosten bisher allein übernahm.
Die Leitplatinen wurden laut letzter Auskunft Mitte Oktober bestellt, somit sollte in den nächsten Wochen seitens Modular Addict ein Verkauf einer DIY-Version starten.
Weitere Informationen über den Preis und genaue Lieferdaten liegen mir momentan nicht vor.

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Ein fertig gebauter STP2600

David and Goliath

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss?
Parallel zum STP2600 habe ich an eigenen Modulen für den 5U Modularbereich entwickelt, hierbei unterstützte mich bei ARP spezifischen Fragen Jamie Logan aus UK, auch unter Jammie Logan bekannt, irgendwann wurde sein Vorname im Internet falsch geschrieben und es blieb dann bei Jammie.
Jamie gehört mit James Soloman (USA) das Unternehmen „Logan Soloman, LLC“.
Beide arbeiten seit 2 Jahren an diversen Produkten, unter anderen auch ARP inspirierten Produkten.
DAVID ist ihr erstes Projekt und steht für ein System, bestehend aus einzelnen Modulen, sozusagen ein Modularsystem, jedoch primär vom ARP 2600 inspiriert.
Der Unterschied zu allen bisherigen Nachbauten und zum Original liegt darin, dass DAVID, NICHT ausschließlich auf Grundlage der im Internet verfügbaren Schaltpläne entwickelt wurde, sondern auch auf unveröffentlichten Blueprints (Schaltpläne und PCB-Design/Routing).
Hierbei muss man zunächst die ARP Instruments Unternehmensgeschichte und dessen ARP 2600 Produktentwicklung studieren, um die ganze Thematik tiefgreifend zu verstehen.
Kurz zusammengefasst: Es wurden von ARP Instruments diverse Versionen des ARP 2600 entwickelt und aus wirtschaftlichen Gründen nicht die zuerst geplanten Bauteile und Schaltpläne verwendet.
Es bestehen in allen ARP 2600 Versionen diverse Fehler, diese tragen aber nicht zum positiven klanggebenen Character bei.
Die ersten ARP 2600 Versionen von 1971 basieren auf anderen Schaltungen als die ARP 2600 aus 1974 und 1980 (am Beispiel des VCOs, der mehrfach geändert wurde: 4011/4017/4027/4027-1).

Die Module in DAVID bestehen aus jeweils einem Aluminium-Frontpanel, einem großen PCB (Control PCB) und einem kleinen gesteckten PCB (potted Module) wie beim Original. Diese kleinen „potted“ Modules kann man auch als Ersatz für originale ARP 2600 nutzen.
Es werden ausschließen sehr hochwertige Bauteile verwendet, z. B. Switchcraft-Buchsen und nicht magnetische Widerstände (z. B. Takman), der Qualitätsanspruch ist sehr hoch.
Auch in dem Thema Bauteile gibt es in fast allen Foren immer wieder mal Diskussionen, ob SMD- oder THT-Bauform auf den Klang Einfluss nimmt, in diesem konkreten Fall kann ich die Frage beantworten: Es gibt hier keinen Kompromiss, denn entweder man will am originalen ARP 2600 Sound bleiben und nimmt die alte THT-Bauform oder man nimmt SMD und bekommt nicht alle Bauteile in diesem Format und muss die Schaltung anpassen, was zu klanglichen Abweichungen führt, weiterhin ist der Johnson Effekt/Wärmerauschen bei SMD nicht zu unterschätzen.
Mehr zur Technik hier jetzt nicht, das kann ich gerne in einem separaten DIY-Artikel für euch noch mal näher beschreiben.

DAVIDs Module sind ca. 11 Zoll (279 mm) hoch, der VCO ist 3,5 Zoll breit und es werden 3,5 mm Klinkenbuchsen verwendet.
Man entschied sich für dieses Format, um in etwa die Gesamtoriginalgröße zu erhalten und die PCBs ordentlich groß dimensionieren zu können.
Jedoch stecken in den Control-PCBs Verbesserungen wie

  • Oszillator-Sync auf alle Schwingungsformen.
  • Zusätzliche CV-Eingänge
  • Resonanz-CV
  • Overdrive beim VCF
  • Invertierte Ausgänge
  • und extra CV beim VCA.
  • Zusätzliche gibt es später neue Module wie Reverb, Joystick, Phaser, Chorus, Waveshaper, Lautsprechermodule.

Momentan befinden sich PCB Sets im Alpha-Produkt-Status bei ca. 10 versierten DIY-Leuten im Bau. Im Dezember wird es eine Kickstarter-Kampagne für fertige Module geben sowie Kaufoptionen, bestehend aus Komplettsets, die einem ARP 2600 entsprechen.
Diese Änderung ist neu, denn geplant war der Verkauf von DIY-Versionen und fertigen Versionen, der Support-Aufwand für eine DIY-Version ist bei der großen Menge an Modulen nicht zu leisten.
Für originale ARP 2600 werden jedoch die „potted Modules“ für Reparaturzwecke angeboten.
Später werden fertige Module auch über einen eigenen Shop erhältlich sein.
Ebenfalls liegen bereits fertige vom ARP 2500 inspirierte Module vor sowie als auch eine polyphone Modularversion Namens „GOLIATH“.
Und an alle DIY-Begeisterte: Es sind noch mehrere Alpha-DIY-Sets verfügbar.

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Weitere an 2600 angelehnte Geräte

Erwähnen möchte ich ebenfalls das MS2600NG Projekt, das leider bisher nur einer kleinen DIY-Gruppe zugänglich gemacht wurde (limitierte Auflage).
Weiterhin existiert noch ein weiterer TTSH inspirierter Nachbau „Antonus 2600“, es handelt sich hierbei um einen fertiges Gerät, das von der Größe und Technik primär ein TTSH ist.
CMS hatte bereits mehrfach diverse neue von ARP inspirierte Produkte angekündigt, jedoch habe ich noch niemanden gesehen oder gefunden, der ein Gerät besitzt.
Eurorack-Module oder Eurorack-„Voices“ erwähne ich explizit nicht, da es bisher keinen Hersteller einer ganzen ARP 2600 Serie gibt oder diese klanglich wirklich erwähnenswert sind.

Was machen die Großen ?

Das waren tatsächlich noch nicht alle ARP 2600 Projekte. Korg besitzt einen Korg ARP 2600 Nachbau, hat diesen aber bisher nicht veröffentlicht, laut einer sehr vertrauensvollen Quelle.
Behringer wird vor 2020 keinen Behringer ARP 2600 Nachbau auf den Markt bringen (diese Information wurde mir durch einen Kontakt von Herrn Behringer mitgegeben).
Aber woher weiß man als Nichttechniker, was dort geliefert wird?
Wenn man wie bereits beim DAVID erwähnt die Historie und angesprochene Technik des ARP 2600 kennt und sich den KORG ODYSSEY anschaut oder mit dem ARP-Original vergleicht, habe ich starke Zweifel, dass Korg einen sehr guten ARP 2600 abliefern kann.
In dem Zusammenhang gibt es weltweit nur sehr wenige ARP-Spezialisten, auf die zurückgegriffen werden kann und es deshalb umso schwieriger macht.

Fazit

Dank der DIY-Szene entstehen immer wieder neue tolle Geräte, manche gehen später in die Serienreife und bereichern somit aktiv das Angebot, denn das ist es, worum es doch eigentlich geht, dem Musiker sein Handwerkszeug in die Hand zu geben.
Die große Hoffnung liegt in DAVID, da es bisher das technisch beste ARP 2600 orientierte Projekt ist und definitiv den originalen ARP 2600 Sound abliefern wird.
Behringer und Korg haben bisher kein fertiges Produkt geliefert, somit bleibt also die Hoffnung auch hier auf DAVID.
Für alle DIY Begeisterten:
Anforderungsorientierte Käufe liegen im Trend – muss es transportabel sein, brauche ich Lautsprecher, komme ich mit Potis oder Fadern zurecht, entscheidet selbst, denn TTSH und STP2600 sowie der Antonus 2600 sind klangtechnisch fast identisch.

Forum
  1. Profilbild
    mariemusic  

    Einer der großen Träume meiner Jugend. Ich war Anfang 20 als ich erstmals von diesem WahnsinnsSynth erfuhr. Leisten konnte ich ihn mir nie. Vielleicht ja nun rund 45 Jahre später? Wo ich nun immerhin die Zeit habe, ihn ggf. selbst zusammenzubauen.

  2. Profilbild
    fritz808  

    danke für die umfassende aufklärung. ich dachte aber immer, der karp odyssey ist korg ganz gut gelungen – und daraus hatte ich geschlossen, dass auch ein 2600er entsprechend nah am original sein könnte. ist dem nicht so? was heißt übrigens „besitzt“? anscheinende hat korg den nicht selbst entwickelt, wenn nicht, wer hat ihn dann f0 für korg entwickelt? irgendeine ahnung? :-)

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      tomk  

      Das dachte ich auch, und ich bin mit meinem auch sehr zufrieden!
      Ich hoffe ja immer noch auf einen 2600, sowie Arp-Sequencer Nachbau ala Karp.

      Gibt es einen Link zum Goliath? :)
      Zitat: Ebenfalls liegen bereits fertige vom ARP 2500 inspirierte Module vor sowie als auch eine polyphone Modularversion Namens „GOLIATH“.

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      DSL-man  RED

      Zu dem Thema Korg – woher sie ihren 2600 haben darf ich nichts offizielles sagen, denn bei den „Großen“ gibt es Geheimhaltungsverträge gegenüber ihren Vertragspartnern und Lieferanten.
      Man kann hier viel interpretieren und mutmaßen warum sie sie bisher nicht geliefert haben.
      Es ist offensichtlich auch die Konkurrenz die eine Rolle spielt, denn es wäre fatal wenn Korg veröffentlicht und Behringer seinen Plan vorzieht.
      Denn dieses kalkulierbare Risiko ist definitiv vorhanden und kostet Korg im schlimmsten Fall mehrere Hunderttausend Euro.

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    citric acid  RED

    Super bericht. Danke für erwähnen des MS2600NG.

    Wenn bedarf besteht, werde ich gerne einen Bericht über den MS2600NG schreiben. Seit gestern ist mein MS2600NG zu 100% fertig und wird nun gespielt.

    Der Arp 2600 mit all seinen Designfehlern ist heute immer noch ein gern gehörtes und gespieltes Instrument. Finde es klasse das es derweil so viele Hardware Nachbauten / Weiterentwicklungen gibt die dem Original im Sound nicht nachstehen.

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    Emmbot  

    Super DSL-man danke für diesen Spitzenartikel mit sehr viel Detailinfos.

    Ich finde generell DIY Themen bzw. auch Mods immer sehr spannend und finde gut das Amazona über solche Projekte berichtet.

    LÖTKOLBEN FREI

    Mal schauen wer als erstes den 2600 bringt.

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    Marc Schlensog

    Danke für die klasse Zusammenfassung! Dann muss ich ja noch etwas bis zum Jahresende warten, habe dann aber quasi zwei Alternativen zur Auswahl: STP2600 oder TTSH Rev. 4. (Ich habe mir schon letztes Jahr in den A#### gebissen, dass ich nicht rechtzeitig ein TTSH-Kit bestellt habe…)

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    whitebaracuda  

    Hallo Patrick,

    Erst mal vielen Dank für dein engagement in Sachen TTSH. Die Dokumentation auf deiner Seite war für mich als TTSH 1.0 löter eine grosse Hilfe!

    Zum TTSH1.0: ich bin damit sehr zufrieden. Er ist meine Einstiegsdroge in die DIY Szene.
    Er ist ein sehr vielseitiges Instrument der, mangels Originals zum Vergleich, für mich super klingt.

    Ich bin gespannt was da in Sachen 2600 noch kommt. Aber einen Nachfolger werde ich wohl nicht bauen. Für mich ist der Nachbau des Oberheim SEM, oder später, eines eight voice mit eigenem PCB Layout die grössere Herausforderung.

    Viele Grüsse
    ‘Cuda

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    solitud

    > Der TTSH ein sehr angenehmer Partner, er […] weiß klanglich zu überzeugen – er besitzt definitiv den ARP 2600 Sound, kann jedoch nicht vollends mit dem originalen ARP 2600 Versionen mithalten.

    Warum kann er nicht mithalten, woran liegt das? Der TTSH ist through-hole aufgebaut nach den originalen Schaltplänen und verbaut werden zum Teil exotische NOS Parts die man sich wer weiss wo in der Welt ordern muss. Was ist dieser Hauch Feenstaub der auch hier zu fehlen scheint?

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      iggy_pop  AHU

      Wahrscheinlich derselbe Unterschied wie zwischen originalem Oberheim SEM und neuem Oberheim SEM, eingebildet oder tatsächlich vorhanden.
      .
      Im direkten Vergleich mit einem schwarz-orangefarbenen 2600 der letzten Baureihe kam der TTSH ganz gut weg, lediglich der deutlich kürzere Faderweg und damit die Reproduzier- bzw. Übertragbarkeit von Klängen von Gerät auf Gerät gestaltete sich als problematisch.
      .
      Ansonsten ist sehr viel Wahrnehmungspsychologie im Spiel sowie die Frage, mit welchem 2600 man es eigentlich zu tun hat. Da ist die Streuung ebenfalls enorm — erwischt man einen schlechten, ist man wahrscheinlich für den Rest seines Lebens vom 2600 geheilt, erwischt man einen guten, gibt es kein Halten mehr.
      .

    • Profilbild
      DSL-man  RED

      Es ist wie beim kochen, du nimmst Omas Rezept und kochst die Speise, dennoch schmeckt es nicht identisch oder eben nicht so gut.

      Um es sinnbildlich darzustellen:
      -die Basis ist nicht identisch, kleinere PCB´s beim TTSH und teils 4 Lagen PCB (kleinere Mahlzeit)
      -die Umgebung stimmt nicht überein, die Schaltpläne sind nicht 100% identisch (Gasherd vs.Elektroherd- unterschiedliche Temperaturkurven)
      *Fast alle Bauteile sind nicht identisch, angefangen bei Widerständen über Transistoren und IC´s, Netzteil – (Sonnenblumenöl vs. Rapsöl, Mehlsorten, weißer Pfeffer statt schwarzer Pfeffer)
      *Ausseneinwirkung – EMV/Magnetismus – (du kochst und jemand lenkt dich ab – Fehlerquelle)

      im Ergebnis sind beide Produkte bei diesen Faktoren unterschiedlich, ob es besser oder schlechter ist liegt viel mehr daran ob der „Koch“ sich an gewissen Rahmenbedingungen gehalten hat wie den richtigen Schaltplan – sonst gibts angebranntes Essen)

      Das kann man auch gern auf sehr viele andere technische Dinge beziehen und beweisen aber darum geht es auch nicht, denn alle mir bekannten TTSH Besitzer (bis auf 2) sind sehr zufrieden.
      Es liegt auch in der Natur der Sache das man irgendwann „mehr“ möchte, hier und da noch eine Funktion oder ein CV Eingang.

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    psv-ddv  AHU

    Toller Bericht mit vielen interessanten Hintergrundinformationen. Den Selbstbau-Enthusiasmus finde ich generell grossartig. Wenn die Industrie nicht bereit ist das gute Zeugs zu bauen, macht man das eben selber und hat auch noch Spass dabei. Top! Mich würde auch mal sehr interessieren was letztendlich die klanglichen Unterschiede zwischen TTSH und ARP2600 genau ausmacht. Du scheinst ja Details zu kennen. Kannst Du uns da mehr erzählen?

    • Profilbild
      DSL-man  RED

      Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten, da der 2600 mehrere Version hat.
      VCF: die Resonanz klingt unterschiedlich.
      https://www.youtube.com/watch?v=aPR6VjN2ZCY ab Minute 2:30 hört man etwas was der TTSH gar nicht liefert.
      VCO: da bei den 2600ern mehrfach der VCO geändert, als Beispiel klingt der TTSH in unteren Frequenzen anders, er wirkt nicht so straf/kräftig wie 2600.

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        psv-ddv  AHU

        Danke für Beispiele. Ich glaube sofort, dass es da Unterschiede gibt. Meine beiden Arp Synths sind zwar ziemlich schengelig gebaut, aber man hört, dass die Schaltungen mit dem Ohr am Synth entwickelt wurden. Dein Vergleich mit dem Kochrezept passt sehr gut. Es fliessen viele Faktoren in das technische Entstehen des Klanges ein. Von der Anordnung von Platinen und Netzteil im Synth bis zu den Fertigungsspezifika von Widerständen. Einzelne dieser Faktoren müssen nicht unbedingt viel bewirken, aber in Summe entsteht ein ganz spezielles Klangverhalten, dass sich nicht so einfach mal zu 100% nachbauen lässt. Schlimm ist das nicht. Wenn beim Nachbau etwas entsteht das für sich genommen super klingt hat es seine volle Berechtigung. Ich finde dann nicht relevant ob es nur zu 95% am Original dran ist.
        So geht es mir z.B. mit der Minimoog Reissue. Die klingt „nur“ zu 95% wie ein Original mit gleichen board revisions aber der Klang gefällt mir persönlich sogar besser als das Original. Beim SEM reissue (weil es oben erwähnt wurde) ist es nicht so. Das erreicht nicht die klangliche Wärme und Sahnigkeit, die das Original so besonders macht, fügt dem Klang aber auch nichts positives Neues hinzu. Daher finde ich es uninteressant.

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          whitebaracuda  

          Dass der neue SEM nicht gleich klingt leuchtet mir ein wenn ich mir die Bilder des innenlebens so ansehe. Aufbau komplett in SMD Technik, anstelle der originalen LM741 Operationsverstärker wurden TL62C verwendet, anderes Layout der Schaltung. Und, wass ich nur vermuten kann, dass die Betriebsspannung nicht mit den originalen +- 18,5V ausgelegt wurde sondern „nur“ mit +- 15V.

  9. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Artikel ist sehr informativ und umfassend, vielen Dank. Vom Arp 2600 träume ich, seitdem ich Miquette Giraudy von der Steve Hillage Band daran sah. Wenn es tatsächlich mal einen Clone von Behringer oder Korg geben sollte, käme ich in ziemliche Bedrängnis, da ich trotz heftigstem GAS keinen Platz mehr dafür hätte…

  10. Profilbild
    lightman  AHU

    Meine erste und bisher einzige Begegnung mit dem ARP 2600 fand im Studio unseres Labels statt, dort stand einer als Leihgabe für einige Monate, ich habe damals einige Sounds damit erstellt, die gesampled und für diverse Tracks verwendet wurden. Seitdem mag ich den Synth sehr, nicht nur wegen seines tollen Klangs, sondern vor allem wegen der tollen Oberfläche und des wunderbar logischen Aufbaus.

    Allerdings habe ich auch gehörigen Respekt vor seinen Macken. In der Zeit, in der wir den 2600 im Studio hatten, mußte er zweimal repariert werden.

    Mein goldenes Kalb ist aber der 2500. Völlig unerreichbar und so, schon klar, das Ding ist wie ein Einhorn. Das geht einher mit meiner Wertschätzung der Musik von Éliane Radigue, ist aber ein Luftschloß. Kann mir nicht vorstellen, daß jemand verrückt genug ist, sich an dieses Wunderwerk zu wagen. :)

    • Profilbild
      psv-ddv  AHU

      Geht mir genauso, der 2500 ist mein Traumsynth.
      Wenn ich ihn mir leisten könnte, würde ich ihn mir sofort kaufen. Finde aber eigentlich nicht, dass man dafür verrückt sein muss ;)

      …DEN sollte vielleicht mal jemand hochwertig nachbauen!

      • Profilbild
        lightman  AHU

        Nicht verrückt im pathologischen Sinn, halt nur ziemlich verrückt in Relation zu meinen Möglichkeiten.

        Was mögliche Nachbauten betrifft, habe ich keine große Hoffnung, zumindest nicht in der Form, wie ich sie mir vorstelle. Ich finde die DiY-Szene super, habe diesbezüglich aber leider keine Kenntnisse und Fähigkeiten, einen 2500 selbst zusammenzulöten, wäre für mich keine Option. Fix und fertig aufgebaut und hingestellt wäre er aber vermutlich wieder zu teuer, also bleibt dieses wundervolle Instrument halt ein schöner Traum.

  11. Profilbild
    starmogul

    Ich muss sagen, dass ich meinen TTSH hinreichend gut finde. Es ist eine modifizierte Version 3 mit austauschbaren Filtern und vier Schwingungsformen pro Oszillator, vor ein paar Monaten direkt beim DSL-man abgeholt. Das Moog-Filter ist dabei im Einsatz.

    Hier habe ich mal versucht, ein paar Patches aus dem ARP2600-Patch-Book mit meinem TTSH nachzubauen: https://youtu.be/IJW9Tsenst0

    Vielleicht klingt er nicht zu 100% wie (irgend-)ein originaler 2600er, aber für mich klingt er auf jeden Fall gut genug und ich höre immer wieder den Charakter heraus, den ich stets mit dem 2600 assoziiert hatte – das reicht, um mich glücklich zu machen. Eine weitere Frage ist natürlich auch, ob man sich ein 40 oder 50 Jahre altes Gerät hinstellen möchte.

  12. Profilbild
    Synthie-Fire  AHU

    Danke für den Artikel.
    Endlich mal eine gute Übersicht was es so gibt im Bereich ARP 2600.
    Hoffe und freue mich schon zukünftig auf News im Bezug auf Neuauflagen :-).

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