Alles über Instrumentenkabel für Gitarristen und Bassisten

22. August 2017

Know How zum Thema Instrumentenkabel

Vorwort der Redaktion:

Unser Stage-Chefredakteur Peter Ludl hat für Musiker- und Audiokabel so etwas wie den Kabel-Brockhaus verfasst. Als Basis für diesen Artikel, wäre Peters SPECIAL tatsächlich wunderbar geeignet. BITTE HIER klicken.

Instrumentenkabel für Gitarristen und Bassisten

„Ein Erfahrungsbericht über Instrumentenkabel für Gitarristen(innen)? Kommt der jetzt etwa wieder mit Kapazität, garniert mit den neuesten Picofarad-Werten?“ Ehrlich gesagt, auch wenn die Werte für Produktvergleiche der speziellen Art sehr hilfreich sind, so geht es dem normalen Hobbymusiker bis hinauf zum professionellen „Working Musician“ doch um ganz andere Sachen, wenn es um die Praxistauglichkeit von Kabeln geht.

Ich habe in meiner Karriere so ziemlich alle Stufen der Erfolgsleiter erklommen, vom übelsten „Jugendzentrums-Fehl-Am-Platz-Gig“ vor fünf gelangweilten Personen bis zur Headlinershow in Wacken vor knapp 100.000 frenetischen Fans und was glaubt ihr, welches Produkt in jeder Hinsicht bei allen Shows das Wichtigste war? Genau, das Kabel, besser gesagt das Instrumentenkabel, eben jenes unspektakuläre Verbindungselement zwischen den Produkten wie Gitarre, Amp, Pedals, welche in der Musikergunst um ein Vielfaches höher stehen.

Dieser Artikel über Instrumentenkabel soll euch ein paar Erfahrungen zuteilwerden lassen, die zwar in höchstem Maße subjektiv sind, meines Erachtens aber auch für den Großteil der Leser interessant sein könnten. Übrigens, wann immer ich in meiner bislang knapp 40-jährigen Karriere einmal ein Signalproblem auf der Bühne hatte, bis auf zwei Ausnahmen (einmal Buchse, einmal Schalter an der Klampfe), war immer ein Kabel der Übeltäter. Auf geht’s!

— Mit Swarovski Edelsteinen besetzt? Warum nicht! —

Welches Instrumentenkabel und warum?

Wer hätte gedacht, dass selbst um die Produktgruppe Kabel mal ein dermaßen großer Voodoo Zirkus gemacht werden würde, wie es heute der Fall ist. Da werden Kabel mit 6 Meter Länge im dreistelligen Eurobereich angeboten, andere diskutieren über die Fließrichtung von Elektronen und in welche Richtung ein Kabel gesteckt werden sollte. Ganz ehrliche Meinung, das hört im Kontext keine Sau!

Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass ein 100-Euro-Kabel eine andere Klangqualität bietet, als es ein 5-Euro-Instrumentenkabel gleicher Länge kann. Wer allerdings ein hochwertiges Kabel, zum Beispiel der Kategorie Cordial Metal für knapp 40 Euro nimmt, wird zu den extrem hochpreisigen Produkten vermutlich keinen Unterschied wahrnehmen. Erst recht nicht, wenn ein weiteres Instrument dazu kommt, von einer Live-Show mit mehreren Instrumenten ganz zu schweigen. Sobald eine P.A. ins Spiel kommt, ist die Verbiegung des Gitarrenklangs bereits soweit fortgeschritten, dass der Klang des Kabels nicht mehr zu orten ist.

Viel wichtiger als die letztendliche Kapazitätsangabe ist die praxisgerechte Auslegung eines Kabels und da gibt es einige Punkte, worin sich Kabel unterscheiden. Da wären zum Beispiel:

Ein paar Worte zur Kabellänge

Nichts auf der Welt ist so nervig wie zu kurze Kabel. Ich habe Kollegen gesehen, die mit in 30 cm Höhe quer über die Bühne gespannten Kabeln arbeiteten, da wieder mal jemand nur ein 3-Meter-Kabel eingepackt hatten und die Bühnengröße opulenter ausfiel als erwartet. Da man im Gegensatz zum XLR-Kabeln ein Klinkenkabel nicht problemlos verlängern kann, gilt es hier immer eine Nummer größer einzupacken, als man glaubt.

Kleiner Club, gerne 6 Meter, großer Club, gerne 9 Meter (von Gitarre zum Amp gerechnet), bei Open Air Bühnen auch gerne einmal mit 12 oder 15 Metern. Warum nicht gleich einen Sender benutzen? Nun, ein Sender verändert zum einen den Klang einer Gitarre massiv und er wirft in Sachen Sendefrequenzen, Batterieverbrauch und Receiverbefestigung gerade bei Festivals neue Probleme auf, welche gelöst werden wollen. Ich bin nicht gegen Sender, aber mir ist das Kabel in Sachen Übertragungssicherheit lieber.

Achtung bei Pedalboard-Betrieb. Wer auf klanglich neutrale True-Bypass-Pedale setzt, sollte im Hinterkopf behalten, dass sich die Kabellängen vor und nach dem Pedal addieren. Zwei 6-Meter-Kabel lassen mit ihren zwölf Metern einen passiven Pickup schnell zum „Muffelkönig“ mutieren. Hier hilft nur ein nachgeschaltetes Pedal mit Bufferschaltung – oder noch besser ein eigener Bufferamp. Nur damit wir uns richtig verstehen, allzu lange Instrumentenkabel nerven ebenfalls. Wer eine 10 qm große Bühne mit neun Meter Kabeln zukleistert, darf sich nicht über genervte Blicke der Kollegen wundern, die sich gerne mal in den Kabelschlaufen verfangen.

Übrigens, Telecaster Player Albert Collins hatte zwischen seine Gitarre und seinen Amp gerne mal ein 30-Meter-Kabel mäßiger Qualität ohne Bufferamp hängen, um die Schärfe aus seinem Sound zu nehmen. Wie man sieht: Entscheidend ist, was hinten raus kommt!

— Gerne auch mal ganz in Weiß —

Verarbeitung und Flexibilität von Musikerkabeln

Leider haben nahezu alle Produkte für den Musikbereich die gleichen Probleme in Sachen Verarbeitung. Was gut verarbeitet ist, ist auch immer recht schwer oder wie in unserem Fall steif und massiv. Klanglich wäre ein steifer Silber- oder Kupferdraht in „Straßenbahnschienenqualität“ wohl die beste Wahl, die Performance auf der Bühne wäre allerdings entsprechend mau. Die Kunst liegt darin, ein möglichst flexibles Kabel zu finden, welches aber dennoch über sehr gute Klangeigenschaften verfügt. Hierzu hat jeder Hersteller eine eigene Meinung, wer allerdings sich gerne auf der Bühne bewegt, sollte unbedingt auf eine große Flexibilität achten.

Knickt das Kabel erst nach 15 cm hinter Buchse ab, weg damit, es sei denn, euer Aktionsradius bewegt sich im 1-qm-Jazz-Bereich (nichts für ungut). Allerdings besteht bei flexiblen Kabeln auch immer die Gefahr, dass man öfter darauf tritt, womit wir direkt beim nächsten Punkt angekommen sind, den Steckern. Die Antwort ist relativ einfach: Neutrik. Ja, es gibt Alternativen, ja, sie sind preiswerter und nein, es gibt nichts Besseres. Der Stecker bildet mit seinem Lötzinn den mechanischen Schwachpunkt in der Signalkette und nur Neutrik bietet mit der patentierten Zugentlastung einen adäquaten Gegenpol zum Kabelzug. Als Patch-Kabel im fest verdrahteten Rack meinetwegen auch im Notfall etwas anderes, aber wann immer ein Kabel bewegt wird, gibt es z. Zt. (leider) nur einen Anbieter.

Mir ist bei der DVD-Aufzeichnung der Wackenshow 2010 nach dem Intro ein 60-köpfiges Dudelsackorchester über mein Hauptkabel gelatscht, wobei jeder zweite Fuß das Kabel getroffen hat. Was glaubt ihr, wie warm es mir wurde bei der Frage, ob gleich bei meinem ersten Riff noch ein Ton aus meinen Amps kommt …

Transport und Aufbewahrung

Das Knicken eines Kabels ist zwangsweise auch sein Tod. Im Prinzip selbsterklärend, aber von einigen Zeitgenossen immer noch nicht wahrgenommen. Immer noch werden Instrumentenkabel mehrfach halbiert und dann mit einem schönen, festen Knoten in die Kabelkiste geworfen. Das ist Mist! Gute Kabel überstehen diese Prozedur zwar mehrfach, aber selbst der beste Innenleiter bekommt so irgendwann einen Haarriss.

Gleich danach kommt die berühmte „Ellenbogen“ Lösung, bei der das Kabel zwar aufgewickelt, aber vertwistet wird. Auch hier, der Haarriss steht schon in den Startlöchern. Die einzig gute Methode ist leider auch die Methode, die a.) am längsten dauert und b.) die größte Sorgfalt beim Auswickeln erfordert. Aber das Kabel dankt es dir!

Also, Kabelstecker locker über die Hand hängen und Schlaufen mit ca. 30 cm Durchmesser bilden. Daumen und Zeigefinger drehen dann bei jeder Wicklung das Kabel leicht über den Daumen zur Seite, sodass das Vertwisten kompensiert wird. Fertig! Beim Aufwickeln das Kabel einmal locker über die ganze Länge in den Raum werfen, fertig! Alles andere geht zulasten des Kabels.

— Immer noch „State of the Art“ —

Reparieren

Ist das Instrumentenkabel aufgrund eines Leiterbruchs tot, kann man es bei Bedarf noch mit dem Klassiker der Halbierung zu einem Patchkabel umfunktionieren. Dabei teilt man das Kabel in der Mitte und prüft, welches der beiden Hälften noch einen Durchlass hat. Dann Stecker des defekten Teils ablöten und an das andere Kabel anlöten. Kann man machen, muss man aber nicht. Wer nicht gerade Bock auf Lötübungen hat, ab knapp 20,- Euro gibt es bereits ordentlich Kabel im Handel.

Notfallübung

OK, worst case, du stehst auf der Bühne und mitten im / zu Anfang des(r) Song(s) / Performance kommt kein Ton mehr aus deinem Amp. Ja, jetzt hast du Panik! Folgende Aktions-Reihenfolge findet das Problem:

1.) Ist der Tuner noch getreten? Ja, hört sich lächerlich an, aber selbst mir passiert dies ein- bis zweimal im Jahr. Peinlich, aber menschlich.

2.) Ist der Volumeregler aufgedreht? Hört sich noch peinlicher an, ist es auch, aber siehe oben …

3.) Hat der Verstärker noch Saft? Umdrehen und Betriebs-LED checken. Kommt öfter vor, als man glaubt. Ich weiß, es kostet, aber kein Gitarrist sollte ohne Ersatzamp auf die Bühne gehen. Ein Bassist kann in der größten Not noch über die Kombination D.I./Floormonitor spielen, bei einem Gitarristen hingegen ist die Show dann in aller Regel vorbei.

4.) Gibt es ein Krachen/Knacken, wenn du an der Buchse wackelst? Sollte die Buchse einen Wackler haben, sofort die Gitarre wechseln. Ja, ohne Ersatzklampfe sollte ebenfalls kein Gitarrist auf die Bühne gehen!

5. und Folgende) Ab hier gibt es nur noch das Instrumentenkabelproblem. Bisher ist mir noch nie ein Speakerkabel oder ein Speaker abgeraucht. Die Punkte 1-4 lassen sich bei zügigem Ablauf in ca. 15 Sekunden überprüfen, danach sofort das Kabel wechseln. Jedes Kabel sollte mindestens doppelt vorhanden sein.

Die unter 5 genannte Prozedur ist mir erst vor knapp drei Monaten passiert. Cooler Spreizschritt, Gitarre in fetter Angeberpose hochgerissen, mit dem rechten Fuß auf dem Kabel gestanden, Kabelbruch! Kabel getauscht, Sänger erzählt einen kurzen Witz, nach knapp 60 Sekunden wieder einsatzbereit. Es empfiehlt sich übrigens, diese Notfallprozedur als Trockenübung in regelmäßigen Abständen zu üben. Nur wer die Ruhe bewahrt, wird dann binnen Sekunden das Problem lösen!

— Interessantes Detail in Form des REAN-Steckers (vergoldete Spitze) —

Fazit

Am Instrumentenkabel zu sparen ist dumm! Deine Signalübertrager werden getreten, beschmutzt, gerissen, verbogen und geworfen. Hier können nur die Besten (nicht die Teuersten) überleben. Nichts ist für deinen Sound und deine Betriebssicherheit so wichtig wie die Kabel, die du benutzt. Also überprüfe kritisch, was deinen Sound übertragen soll!

Forum
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    psv-ddv  AHU

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    …Signalrichtungsangaben sind also Quatsch (Vovox) aber Brillis auf den Steckern machen Sinn (Cordial). Aha! Und was soll jetzt die goldene Spitze? Auch egal. Liest sich trotzdem unterhaltsam.

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      AMAZONA Archiv

      Die Billianten sollen dir das Gefühl vermitteln, dass dein Kabel auch in Ferraris und Formel 1 Wagen als Zündkabel locker mit halten könnten, auch wenn es natürlich Quatsch ist. Und die Goldene Spitze ist ja eigentlich eine Sparvergoldung! Es gibt doch 2 Kabel, wenn dann sollten beide in Gold gegossen sein. Nur frage ich mich immer ob das wirklich echtes Gold ist, oder alles nur Messing Legierung Marketing Tricks? Kennt sich einer aus?

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    Armin Bauer  RED

    Hi Axel,

    einen Punkt bitte noch ergänzen, weil schon öfters bei jungen Bands gesehen:
    Instrumenten- und Linkkabel gehören NIE NIE zwischen (Röhren-)Amp und Box.
    Grüße
    Armin

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Vom drauf treten ist mir noch kein Kabel gestorben, wenn dann war es immer der Zug vom Kabel auf den Stecker, das Lötzinn hält trotzdem, nur die einzelnen Fasern welche den gesamten Draht bilden wurden durch die Wucht des Zuges allesamt angerissen. Ansonsten habe ich noch nie einen Unterschied zwischen den Kabel hören können. Auch mein bestes Messgerät konnte selbst bei meinem längsten Kabel keine Ohmzahl ermitteln, was hoffen lässt, das Elektronen doch nicht im Kreis hupsen und so der Klang beeinflusst würde! Daher teile ich nun meine persönlichen Erfahrungen damit, dass lediglich die mechanische Robustheit von höchster Wichtigkeit ist und achja die Abschirmung gegen Einsteuungen von aussen muss natürlich bestens sein.

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    Stephan Merk  RED 1

    Mit Kabeln habe ich schon viel experimentiert und gehöre auch zu denen, die ein Kimber Hero mit WBT-Steckern sein Eigen nennen kann, das ich nie wieder kaufen würde. Warum? – Weil die Aussage, dass ein gutes Kabel nicht teuer sein muss, nach meiner Erfahrung richtig ist. Die Zeitschrift KEYS hatte vor rund 20 Jahren Gitarrenkabel verglichen und auf CD festgehalten, Unterschiede waren sogar deutlich hörbar und das teuerste nicht mal das beste. Wobei ich der Ansicht bin, dass diese weniger durch Kapazitätsunterschiede des Kabels, dafür aber von der Isolierung, den Steckern und der Verlötung abhängig sind (Rauschen, Brummen, Mikrofonieeffekt). Besonders interessant dabei, dass diese Unterschiede im HiFi-Segment nicht auftreten. Cordial finde ich übrigens gut, auch wenn sie statt mit Neutric mit Rean-Steckern in der Regel bestückt werden. Wenn keine Belastung auf den Kabeln liegt, ist das sicher ausreichend. Was ich aber nicht so ganz nachvollziehen kann, sind die Aussagen zu möglichen Haarrissen im Kabel. Wenn ich es nicht extrem knicke, sondern normal zusammenlege, ist bei mir noch nie etwas passiert. Zudem wird der Innenleiter besonders bei hochwertigen Kabeln doch gut durch Schirmung und Mantel geschützt. Danke jedenfalls für den schönen Bericht.

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