Analogsounds für D50, K4 und Matrix 1000

25. Mai 2000

Analogsounds für D50, K4 und Matrix 1000

Analogsounds für D50, K4 und Matrix 1000

Thomas Sandmann ist Diplom-Ingenieur, Musikproduzent und Inhaber seines eigenen Tonstudios ths master mix. Er genießt internationalen Ruf in der Top-Riege der Toningenieure und wird derzeit in der Fachpresse unmittelbar neben
US-Ikonen wie beispielsweise Bob Katz genannt. Aus der Notwendigkeit, für alle
seine Produktionen außergewöhnliche Sounds produzieren zu müssen, entstand
außerdem die Idee, diese Klänge für unterschiedlichste Synthesizer auch in den Vertrieb zu nehmen, um schließlich Musiker weltweit von seinem Sounddesign profitieren zu lassen.
Die daraus resultierende Firma Ear2Ear genießt heute unter Musikern einen sehr guten Ruf, da Ear2Ear vor allem auch für Synthesizer, die man längst zum alten Eisen zählt, mit frischen Sounds, die dem aktuellen Musiktrend entsprechen, zu neuer Vitalität verhelfen. Einem NORD LEAD ein hartes Techno-Brett zu entlocken, ist keine Kunst, aber versuchen Sie das gleiche einmal mit einem ROLAND D50.

Die AMAZONA-Redaktion war mehr als verblüfft, als das Ear2Ear Set des D50 getestet wurde, und so entschlossen wir uns aus aktuellem Anlaß (Ear2Ear Sounds finden sich auch in der Werkslibrary des Dynamo sowie im Mephisto) zu einem Interview mit Thomas Sandmann, wobei es diesmal nicht um seine Erfahrungen als Musikproduzent geht, sondern um Soundkreation.

Amazona:
Hallo Thomas, bitte gib uns doch nochmals ein paar Informationen zu Deinem Werdegang und zu Deiner Person.

Thomas:
Mein Werdegang… (lacht) – ich habe im Kindergarten mit Blockfloetenunterricht angefangen, und von dort an entwickelte sich Jahr fuer Jahr alles konsequent
weiter, bis ich mich dann im Jahr 1981 als Produzent eines Titels in irgendwelchen inoffiziellen hollaendischen Dance-Charts wiederfand. Als Toningenieur habe
ich mich konsequent weiterentwickelt und immer größere Produktionen gemacht, aber gleichzeitig besteht meine Liebe zum Dance- und Underground-Bereich noch immer wie am ersten Tag.

Amazona:
Wie kam es dazu, daß Du Deine Soundkreationen in den Vertrieb genommen hast?

Thomas:
Als House in Deutschland groß wurde, stammten sehr viele Produktionen auf Vinyl-Singles und allen möglichen CD-Samplern aus meinem Studio, und manche
meiner Kollegen fragten bei den unterschiedlichsten Songs, mit welchem Synthesizer ich denn diesen oder jenen Sound erzeugt habe. Man tippte stets auf irgendwas Analoges, aber jeder dieser hinterfragten Sounds stammte aus einem Kawai K4, was mir jedoch nie jemand glaubte. Aber eben den K4 setzte ich ab und zu für Sounds ein, die sehr untypisch für dieses Gerät waren und die offenbar
auch im Arrangement zwischen viel moderneren und teureren Synthesizern auffielen. Dadurch kam ich auf die Idee, eine entsprechende Bank auf Basis dieser Sounds anzubieten, die dann auch spontan zum Bestseller der gesamten Sound-Branche wurde.

Amazona:
Ist es nicht ungewöhnlich für professionell arbeitende Produzenten, Sounddesign zu vermarkten? TREVOR HORN und Co. hüten ihre Sounds wie einen heiligen Schatz.

Thomas:
Sounds sind wie Werkzeuge für die Musik, und ich finde es richtig, wenn jeder Musiker auf möglichst gute Werkzeuge Zugriff hat. Songs und Produktionen
entstehen dann aber durch das Talent des Einzelnen: Komposition, Arrangement, Mixdown und so weiter. Jeder Schmied, dem man den gleichen Schmiedehammer
in die Hand gibt, wird völlig unterschiedliche Sachen damit machen – und warum soll ich nicht diese Schmiedehämmer anbieten, wenn ich weiß, daß
sie in guter Qualität dringend benötigt werden?

Amazona:
Wir kennen inzwischen die Ear2Ear Sets für den D50, den KAWAI K4 sowie den
MATRIX1000. Sind diese Synthesizer bei Dir im Studio wirklich im Einsatz, oder wurden die Ear2Ear Sets speziell für die Vermarktung programmiert?

Thomas:
Alle diese Synthesizer sind bei mir im Einsatz, vom Matrix 1000 habe ich beispielsweise gleich vier Stück. Die Wurzeln der Sounds liegen darin, dass ich sie für meine Produktionen programmierte. Nachdem ich beim K4 sah, dass die Sounds auch als Produkt interessant sind, habe ich bei den weiteren Ear2ear-Produkten ebenfalls als Basis die in meinen Produktionen eingesetzten Sounds
verwendet, um dann eine ganze Bank von meinen Lieblingsprogrammierern, die gleichzeitig Vorproduktionen für mich fahren und daher bestens in der Materie stecken, in Angriff nehmen zu lassen. Genau das unterscheidet Ear2ear-Sounds auch von anderen Produkten: Sie kommen tatsächlich mitten aus der professionellen Musikproduktion und sind daher optimal im Arrangement einsetzbar. Leider haben viele andere Sounds ja vordergründig einen „Blendereffekt“ und stellen sich hinterher als unbrauchbar für reale Produktionen heraus.

Amazona:
Mit welchen Klangerzeugern arbeitest Du heute im Studio am liebsten?

Thomas:
Einen Lieblingssynthesizer habe ich an sich nicht. Je nachdem, welchen Sound ich erzeugen möchte, nehme ich unterschiedlichste Geräte. So habe ich für
jedes Syntheseverfahren mindestens ein Exemplar im Rack, und dann nehme ich beispielsweise einen Bass-Sound aus einem Analogen, eine Fläche aus einem LA-Synth, Brot-und-Butter-Sounds aus Rolands JV-Serie und so weiter. Manches kommt auch aus Samplern, eben je nach dem, wie die einzelnen Sounds am besten realisierbar sind. Ich nutze immer nur die Stärken des jeweiligen Synthesizers, und die liegen selten in dem Bereich, den man von den Werkssounds kennt.

Erfolgreicher Klassiker und auch heute noch günstig zu haben

Amazona:
Du arbeitest als Musikproduzent, berätst aber auch die Audio-Industrie, viele Surround-Entwicklungen stammen von Dir, mit Ear2ear bist Du Sounddesigner,
und dann liest man sogar ab und zu noch Beitraege von Dir in verschiedenen Fachzeitschriften – hört sich an, als könntest Du Dir ein Privatleben zeitlich nicht mehr leisten. Wie kriegst Du das alles noch auf die Reihe?

Thomas:
In der Tat arbeite ich gerne und viel, aber die verschiedenen Tätigkeiten verzahnen sich auch ineinander. Weil ich als Musikproduzent als Vorreiter gelte und oft als Erster neue Technik ein- und neue Ideen umsetze, engagiert mich auch die Audioindustrie als Berater. Und weil ich so an der Entwicklung neuer Produkte mitwirke, bin ich wiederum der Erste, der sie einsetzt. Bezüglich der Menge an Arbeit ist es zwar so, dass ich im Studio fast rund um die Uhr arbeite, aber für die Soundprogrammierung bei Ear2ear, für meine Korrespondenz und für Vorproduktionen habe ich natürlich Mitarbeiter.

Amazona:
Thomas, vielen Dank für das Interview und hoffentlich gibt es auch in Zukunft weitere Soundsets von Ear2Ear.

Thomas:
Ich bedanke mich auch. Schon in Kürze wird es ein neues Set für die Roland-
Synthesizer JV-1080/2080 geben, das als reine Software eine Vielfalt bietet, die man sonst nur von den Hardware-Expansion-Boards kennt.

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