Apple iPad zur Steuerung von MIDI, DAWs und Software verwenden

16. Februar 2013

Wie baue ich meine iPad-Apps in eine Studioumgebung ein?

Das iPad ist zwar allgemein bekannt, weniger klar ist jedoch, wie es mit dem Computer, MIDI oder generell mit anderen Geräten kommuniziert und was überhaupt möglich ist. Welche Erwartungen lassen sich erfüllen und welche nicht? Doch zunächst einige Gedanken zum iPad als Controller und Synthesizer.

Allgemeines zur Verbindung von iPad und MAC

So schön die  3D Anmutung mancher APPs auch ist, am Ende bedient man Knöpfe und Fader eben doch nur auf einer Glasplatte. Trotz allem ist die Anschaffung eines iPads als Synthesizer-Programmer und zur DAW-Steuerung ein großer Gewinn. Hier empfiehlt sich eher ein großes iPad, denn beim iPad Mini ist auch die Treffsicherheit etwas kleiner. Retina-Displays spielen keine große Rolle. Allerdings ist das Mini-iPad auch günstiger zu haben. Für Detailsteuerungen muss man jedoch kleinere Bedienelemente anvisieren. Unmöglich ist das nicht. Das iPad 2 hat die gleiche Auflösung, während alle neueren iPads (3 und 4) die doppelte Auflösung haben. Es wird erwartet, dass auch das Mini auf Retina umgestellt werden wird. Dies verbessert die Lesbarkeit für Texte. Für Musikanwendungen spielt es keine all zu große Rolle.

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Synthesizer Apps steuern

Viele Synthesizer Apps lassen inzwischen die Steuerung via MIDI zu. Das bedeutet, die MIDI Noten zu spielen. Es ist nicht selbstverständlich, dass deren Parameter komplett ferngesteuert werden können wie in einem Plug-in oder in einer DAW. Wenn es jedoch so ist, so sind die Controller-Nummern festgelegt. Das ansteuernde Gerät oder Sequencer muss deshalb flexibel genug sein, Controller-Werte anzupassen. Die vermutlich bekannteste Synthesizer-App ist der iMS20. Sie kann komplett über den gebraucht erhältlichen USB-MS20 Controller aus der Legacy Collection bedient werden. Dies ist für Haptiker sicher ein Vorteil. Wie gesagt gilt die Controller-Steuerung lange noch nicht als selbstverständlich, weshalb man dies herausfinden muss. Es ist selten, dass dies in der Beschreibung deklariert wird. Apps kann man nämlich nicht ausleihen oder ausprobieren, sondern nur kaufen oder nicht kaufen. Deshalb empfiehlt es sich, in Foren danach andere User zu fragen.

Verbindungen intern und extern

Apple hat nur einen Daten-Anschluss am iPad vorgesehen. Im Apple-Bericht hier auf Amazona ist nachzulesen, worauf zu achten ist. Kurz gesagt unterscheiden sich die iPads durch ihren Anschluss (alte und neue Version). Geändert hat sich an der Funktionalität allerdings noch nichts, außer dass das iPhone 5 nicht für Hardware-Kommunikation vorgesehen ist und in der Hinsicht für Musikanwendung eher nicht geeignet ist, bis Apple ein Einsehen hat, dies wieder zu ermöglichen.

Doch nun zur „musikalischen Kommunikation“ zwischen dem iPad und einem Rechner oder MIDI Geräten oder aber auch zwischen den Apps innerhalb des iPads selbst.

In iOS können sieben zuletzt genutzte Programme gleichzeitig kontrolliert werden. Diese erreicht man über Doppelklick auf den Home-Button. Hält man nun den Finger auf einer der App-Icons fest, erscheinen Minus-Zeichen, mit denen man die App schließen kann. Einmal gestartete Apps laufen nämlich endlos weiter, bis sie entweder von einer anderen „verdrängt“ oder über obige Prozedur beendet werden. Synthesizer-Apps können auch im Hintergrund weiter laufen, dennoch hat auch ein iPad Grenzen bei der notwendigen Rechenleistung, und die Multitasking-Funktion im iPad ist in dieser Hinsicht noch jung. Wer sicher gehen will, sollte die entsprechenden Apps zusammen testen, ob während eines Gigs oder der Nutzung keine weiteren aufrufen, da diese bereits Laufende in der Regel nach und nach beenden werden. Auch das RAM, also der Arbeitsspeicher, ist begrenzt und bringt bei sehr aufwendigen Apps irgendwann gelegentlich auch einen Crash zustande. Das ist nicht tragisch, da man sie schnell wieder öffnen kann – aber es kommt vor. Eventuelle USB-Geräte sollten VOR dem Start angeschlossen werden, viele Apps quittieren bei nachträglichem Anschluss aus gleichem Grunde den Dienst. Apps behalten immer den zuletzt gehabten Status, weshalb dies weit weniger tragisch ist als bei „normalen Computern“. Diese Idee greift übrigens das OS X seit Mountain Lion (OS X 10.8) auf – auch sie fahren heute schon da fort, wo man aufgehört hat.

Trotz der Idee, dass eigentlich nur eine App aktiv im Vordergrund läuft, lässt sich tatsächlich ein Animoog mit einem DXi kombinieren und diese durch eine interne Sequencer-App steuern. Langsam lassen auch Apps das Ansteuern über andere Apps ganz offiziell zu, sodass die Funktionalität eines multitimbralen Synthesizer erfüllt wird. Über einen externen Rechner lässt sich die aktuell im Vordergrund laufende App ansteuern. Dies geschieht über WLAN oder MIDI. Theoretisch lassen sich auch hier mehrere „Sessions“ starten und verschiedene Synthesizer steuern, die dann jeweils als Quelle die jeweilige Session zur Auswahl stellen. Wer sicher gehen will, sollte jedoch zunächst wirklich nur einen Synthesizer im iPad nutzen oder davon ausgehen, dass das sicher funktioniert.

Einige wenige Apps lassen auch Dinge zu wie das Spielen über eine angeschlossene Tastatur des im Hintergrund liegenden Synthesizers, und über den Touchscreen kann eine weitere App live gespielt werden. Das funktioniert bereits zuverlässig und sogar, obwohl beide Synthesizer wirken, als ob sie die volle Kraft des Pads benötigten. Die meiste Kraft kommt aus Geräten mit A6/A6X Prozessor.

MIDI oder Steuersignale lassen sich leichter zwischen den Apps austauschen als Audio. Dafür benötigt man ein Hilfsprogramm und Apps, die dafür vorbereitet sind. Dasselbe mit dem Computer zu machen, ist faktisch bisher nicht möglich. Das scheitert zumindest bisher an der Übertragungsmöglichkeit oder Kapazität. Ähnlich wie es noch nicht üblich ist, ein Audiointerface für 2 Rechner zu verwenden, muss man hier noch ein wenig Entwicklungen abwarten. Im Detail sehen diese Verbindungen so aus:

iPad intern

In allerneuster Entwicklung gibt es eine App namens Audiobus. Sie ermöglicht das interne Routing aller Audiosignale von und an Apps, die dafür vorbereitet wurden. Darunter sind zur Zeit bereits Wolfgang Palms / PPG und Korg, Beepstreet (Sunrizer Synth), Loopy, Orphion, Megellan, Nlog Synth, Auria und andere. Die Liste wird zur Zeit fast täglich länger und scheint ein neuer Quasistandard für alle zu werden. Besonders Effekte, Verarbeitung und Recording aus anderen Apps und Synthesizer können auf dieser Weise verkoppelt werden. Das erinnert durchaus an den VST-Standard, der ebenfalls nicht vom Betriebssystem-Hersteller ersonnen wurde. Auf der Audiobus-Site sind alle entsprechenden Apps gelistet, und es sind fast täglich zur Zeit Updates im Appstore erschienen, die „Audiobus Support“ enthalten. Updates sind in iOS grundsätzlich kostenlos.

Rhythmisch synchronisieren via WIST

Ein System namens WIST (Wireless Sync-Start Technology) stammt von Korg, welches eine Tempo-Synchronisation ähnlich der MIDI-Clock ermöglicht. Sie ist per WLAN unter iOS Geräten möglich, nicht aber mit anderen Computern. Rein theoretisch ist dies jedoch denkbar. Da dies von Korg initiiert wurde, sind es ebenfalls bisher eine Hand voll Apps, die dies unterstützen. Sie sind hier gelistet www.korguser.net/wist/
Die Funktion muss aktiviert werden, dann sucht das iPad nach anderen Geräten und listet diese auf. Man muss dies nur bestätigen. Der alte Witz „2 Electribes und ein Airbus A310 gefunden, mit wem wollen sie jammen“, passt und es funktioniert. Kein Kabel ist notwendig.

Kabel-MIDI

MIDI per Kabel beinhaltet alle Signale, die für Noten, Controller und Tempo-Synchronisation notwendig sind. Diese können über WLAN oder ganz klassisch über ein MIDI-Interface ausgetauscht werden. Dazu braucht das iPad und der Rechner ein eigenes Interface. Seit der NAMM 2013 ist sogar ein ungewöhnliches Interface angekündigt, welches Schwächen beseitigen wird. iPad Audio und MIDI soll nicht nur zum Rechner transportiert werden, sondern auch mehrfache USB-Anschlüsse für Ladung, Zufuhr von USB-Keyboards als MIDI-Eingabe und Verbindung mit dem Rechner ermöglichen. Dies stellt bisher die beste Lösung dar und nennt sich www.iconnectivity.com/iConnectMIDI
Ansonsten werden dafür 2 MIDI-Interfaces und USB-Hubs, um iPad und bei Bedarf die USB-Geräte mit Strom versorgen benötigt. Außerdem ist eine Art Audiointerface für alle angeschlossenen Geräte für iPads und Computer gleichzeitig mit MIDI-Synthesizern und USB-MIDI Controllern integriert. Daher stellt es zur Zeit die Königslösung für Nutzer beider Gerätetypen dar.

Welches Gerät was steuern kann, ist ebenfalls einstellbar. Somit es das Gerät auch eine Art Patchbay für MIDI und USB. Für einfache Aufgaben und nicht so vernetzte Aufgaben ist ein Core-MIDI kompatibles MIDI-Interface für USB auch einsetzbar, jedoch macht es eben nicht mehr als MIDI In und Out bereitzustellen. Die meisten neueren MIDI-Interfaces erfüllen diese Bedingungen. Dann ist der USB-Port belegt, man würde einen Hub benötigen, um MIDI-Interfaces und Keyboards anzuschließen.

MIDI drahtlos

Der bequemste aller Verbindungen zwischen Computern, Synthesizern und dem iPad ist WLAN. Bei Hardware-Synthesizern klappt dies freilich nur über Kabel (USB-MIDI oder MIDI). Aber es gibt zwischen Macs-DAWs (und mit etwas Software auch Windows PCs) und iPads eine recht einfache Methode, Synthesizer Apps zu spielen, solang ein WiFi-Netzwerk über die Luft aktiv ist. Es ist dabei unerheblich, um welche DAW es sich handelt, da die Verbindung über Core-MIDI stattfindet. Das ist Bestandteil des Betriebssystems. Bei Apple nennt sich WLAN/Wifi „Airport“. Apples Airplay ist in Synthesizer-Apps bisher (noch?) nicht üblich, möglicherweise wäre dies auch zu langsam für Echtzeit-Synthese (Latenz).
Der Aufbau eines drahtlosen Netzwerkes zwischen iPad und Computer ist auch möglich, wenn man keinen DSL-Internetzugang oder Router im Studio oder auf der Bühne hat. Der Name dafür ist Ad-Hoc Netzwerk. Das klappt nach einmaliger Einrichtung so einfach, wie ein Plug-in anzusprechen und ist in der Regel schnell genug, um eine Synthesizer-App über eine am Rechner angeschlossene MIDI/USB Mastertastatur oder dort eingespielte MIDI-Sequenzen kabelfrei zu spielen.

Wie bereits erwähnt – auch wenn das iPad nicht aktiv ist und die Synth-App im Hintergrund läuft, lässt sich der Synthesizer ansteuern. Die Adressierung und Identifikation funktioniert über den Namen des iPads und dem des Rechners. In der DAW erscheint das Gerät unter einem Namen, den man selbst bestimmen kann. Dies funktioniert auch mit den kleinen iOs Geräten wie den iPhones. So ließe sich zumindest bei Lightning-Geräten der Nachteil des nicht mehr offiziell funktionierenden Dockanschlusses und dem neuen Camera Connection Kit umgehen.

Nun baut man am besten ein Ad-Hoc Netzwerk auf, also ein „schnell einzurichtendes Netzwerk“. Die meisten Nutzer von DSL werden bereits ein Netzwerk mit dem Router aufgebaut haben. Es ist sinnvoll, dass dies direkt passiert, damit der zeitliche Versatz so klein wie möglich ist. Am Mac gibt es eine zentralisierte Stelle dafür. Zunächst ist es am übersichtlichsten, wenn der Airport (WLAN) Status mit Sendestärke-Anzeige aktiv oben im Menü zu finden ist. Diese kann man in der Systemeinstellung (im Apfel-Menü) unter „Netzwerk“ finden. Dort findet man die Checkbox „Airport-Status in der Menüleiste anzeigen“ .
netzwerk airport

Nun lässt sich bequem von überall stets über das Sendesymbol das Netzwerk aufbauen. Der Menüpunkt dafür heißt „Netzwerk anlegen“.

Netzwerkmenü

Diese Verbindung eignet sich übrigens auch zwischen Computern zum Daten schaufeln, wenn man nicht im DSL-Router eingeloggt ist oder einfach unterwegs, wo kein Router zu finden ist und man kein Ethernet-Kabel dabei hat. Zum Beispiel, um ein paar Audiofiles zu übertragen.
Windows hat kein Core-MIDI System, es ist nicht so zentralisiert wie bei Apple-Geräten. Am Mac findet man im Hilfsprogramm „Audio MIDI Setup“ alles, um die jetzt aufgebaute Vernetzung zwischen iPad und Mac als OSC oder MIDI-Übertragung zu verwenden. Dort findet sich eine Liste aller USB-MIDI Geräte und MIDI-Ports der angeschlossenen MIDI-Interfaces. Der Eintrag „Netzwerk“ spiegelt die WLAN-MIDI-Möglichkeit wider. Diesen muss man nur anwählen. Dort lässt sich das auch die Information an alle am Mac angeschlossenen MIDI Ports/Interfaces verteilen. Am PC benötigt man eine Software wie rtpMIDI. Damit lässt sich auch mit Windows ähnlich arbeiten wie auf dem Mac. Übertragen werden MIDI Noten, Sync und Timing sowie Controller.

Audio MIDI Setup

MIDI Interfaces auf beiden Seiten oder oben genannte Kombination über nur ein iConnectivity-Gerät stellen zur Zeit die schnellste, smarteste und stabilste Verbindung dar. Sollte die Latenz per WLAN nicht kurz genug sein, sollte man solch eine direkte Verkabelung wählen. Es hängt von der App und dem Aufwand ab, wie groß die Latenz ist. Die meisten gängigen Apps lassen sich jedoch gut spielen, ohne das Gefühl zu haben, dass die Klangerzeugung zu spät reagiert.

Logic Netzwerk Session Logic Netzwerk Session (b)

Die MIDI-Integration in iOS wurde erst über die Zeit für jede App eingebaut. Sie ist heute allerdings weitgehend selbstverständlich. Besonders wenn man sich an ein professionelleres Nutzervolk wendet. Auch das Timing kann von App zu App unterschiedlich gut sein. Das betrifft sowohl MIDI-Verbindungen per Kabel (USB) als auch über MIDI-Interfaces am iPad via Dock sowie WLAN-MIDI Verbindungen wie oben beschrieben. Es ist daher immer wieder sinnvoll, sich aktuell in Foren auszutauschen, wie gut dies aktuell bei welcher App umgesetzt ist. Die guten Synthesizer lassen sich jedoch alle via MIDI oder WLAN zu sehr akzeptablen oder unmerklichen Versatzzeiten spielen. Gelegentlich gibt es dazu noch Optimierungsmöglichkeiten im Haupteinstellungsmenü der jeweiligen App. Voreingestellt sind jedoch bisher immer die Werte, dass der Synthesizer sich in Echtzeit spielen lässt. Ein Diplom braucht man dafür jedenfalls nicht.

DAW Steuerung per iPad

Die Königsdisziplin für das iPad ist die Übertragung von Daten zum und vom Computer zur Steuerung einer DAW oder OSC. Dort werden selbstverständlich Faderpositionen, Werte von Panorama oder Plug-in Parametern wie Equalizern übertragen und auf einer dafür gemachten Spezialoberfläche oder einer frei zu definierenden Oberfläche aus Schaltern, Fadern und anderen Aktionsflächen bereit gestellt. Damit hat man faktisch einen selbst konfigurierbaren Controller, der sehr komplexe Sachverhalte grafisch darstellen kann. Damit und mit der Flexibilität und dem Umschalten mehrer solcher Oberflächen sind die meisten Controller ohne Display überfordert. Hier zeigt das iPad, was es wirklich perfekt kann. Bekannte Apps dafür sind TouchOSC, MIDI-Touch oder Lemur. Es gibt auch spezielle Lösungen für eine bestimmte DAW oder sogar für bestimmte Synthesizer, welche dann optisch meist genauer passen und weniger generisch aussehen.

Meist wird bei diesen Lösungen für die Verbindung mit dem Rechner auf eigene Einstellungen und Verbindungsmethoden gesetzt, sie laufen allesamt über WLAN. Das bedeutet, dass iPad und DAW-Rechner per Netzwerk gekoppelt sind und keine USB-Verbindung dafür hergestellt werden muss. Interessanterweise gibt es keine Kabelverbindung, die direkt von einer DAW erkannt werden würde. Die Verbindung zur DAW oder zum Synthesizer läuft in der Regel über bereits vom Hersteller vorgesehene Treiber in der DAW oder über ein Hilfsprogramm, welches auf dem Rechner läuft. Es ersetzt daher das Ad-Hoc Netzwerk Konfiguration.

V-Control ist eine kostenlose App für die meisten DAWs, allerdings bietet es nicht ganz die Tiefe wie TouchOSC – aber alles was man erwartet. Schon bald möchte man bestimmte Funktionen per In-App Kauf freischalten lassen.

TouchOSC – Layouts für Logic Steuerung

TouchOSC_Logic
 TouchOSCLogicChanStrip

Es gibt auch spezielle Apps nur für bestimmte DAWs wie Ableton TouchAble, für Logic oder Cubase wie AC7. Im Falle Cubase gibt es sogar vom Hersteller (Yamaha/Steinberg) selbst eine App zur Fernsteuerung. Seltsamerweise hat Apple für Logic keine eigene App. Es ist ohnehin nicht klar, ob sich Apple dem Pro-Musikmarkt noch verbunden fühlt. Für Final Cut gibt es übrigens auch eine eigene Fernsteuerungs-App mit Jog Shuttle-Simulation. Die inhaltlich bisher komplettere und flexibel umgesetzte Oberfläche ist die von TouchOSC, zumal alle Layouts keine Extrakosten verursachen, sondern bereits umgesetzt wurden. Plug-ins können ebenfalls über sie gesteuert werden. Dies ist komfortabler als man denkt, denn im Prinzip kann man diese Anpassung selbst umbauen und Elemente anders platzieren. Es ist bereits eine enorme Hilfe, EQs und alles was man in einer DAW verwendet, über diesen Weg grafisch angezeigt zu bekommt. Die Werte aus der DAW werden sofort übernommen. Dies gilt allerdings selbstverständlich auch für die speziellen oben genannten Apps, sie haben meist noch aufwendigere grafische Umsetzungen.

Gelegentlich müssen Änderungen am Programm vorgenommen werden, hier der das Live-Programm, welches in Wirklichkeit immer ein Ordner ist. Dazu kann man mit Rechtsklick und „PAKETINHALT ANZEIGEN“ alles ansehen, was wirklich zu einem Programm gehört:


peketinhalt zeigen live8

Steuerung via OSC

OSC ist ein spezielles Protokoll für „Echtzeitdaten“ und nicht an die Auflösung von MIDI gebunden. Es findet im Video-, Licht- und Musikanwendungsbereich großen Anklang, ist jedoch nicht so verbreitet und selbstverständlich wie MIDI. Außerdem gibt es eine kleine Reihe von Software(synthesizern), die das Protokoll verstehen. Darunter befindet sich auch Reaktor und MAX/MSP. Für die DAWs muss jedoch eine Art Übersetzung gefunden werden, wenn OSC im Einsatz ist, da diese zumeist kein OSC „sprechen“.

Deshalb gibt es für Ableton Live, Logic und Co. entsprechende „Brücken-Programme“.

Für Ableton nennt es sich „LiveControl“ http://livecontrol.q3f.org/livecontrol , für Logic „Bridge“. Sind diese installiert, können die fertigen DAW-Steuerungs-Templates von TouchOSC oder Lemur eingesetzt werden.

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OSCulator ist das (nicht kostenfreie) Stück Software, mit dem OSC-Daten in MIDI konvertiert werden können, wenn es keine Brückenprogramme oder fertige Anpassungen gibt oder man sehr individuelle Lösungen braucht. TouchOSC-User können daher sehr flexibel mit OSCulator eigene Steuerungen für MIDI-Geräte oder DJ- oder VJ-Tools basteln. Alles was MIDI hat, kann so also auch von TouchOSC bedient werden und das Interface dazu genau selbst entworfen werden. Der große Vorteil von OSC ist die Auflösung. Ein Fader kann in OSC auch weit mehr als 128 Schritte haben. Bei MIDI ist dies die Grenze, sofern man keine Tricks einsetzt. Deshalb sind OSC-Apps und Programme wie Reaktor frei von MIDI-Einschränkungen und TouchOSC besser oder überhaupt zu bedienen. Für reine MIDI-Anwendungen alleine reicht MIDI-Touch. Das benötigt keine Übersetzungsprogramme oder Brückenwerkzeuge. Es reicht ein MIDI-Interface oder die WLAN Verbindung.

Lemur und TouchOSC und einige andere nutzen einen Editor für den Rechner, um ganze Oberflächen frei aus Schaltern, Fadern und 2D-Pad Flächen zusammenbauen zu können. Der Upload dieser Setups wird über WLAN gemacht und über die App verfüttert. Auch Felder mit weit mehreren Parametern in Form von Bällen auf einer Oberfläche lassen sich aufbauen und per Finger anstoßen.

TouchOSC Editor 2013-02-11 um 22.06.30TouchOSC Editor 2013-02-11 um 22.08.13

Nun rollen die „Bälle“ aus oder fliegen einmal angetippt in ihrer Box ,bis sie wieder gestoppt werden. Sie haben Reibung oder ähnliches. Es gibt Grafiken für komplexe Strukturen und Hüllkurven, additive Synthese und vieles mehr. Die teuerste App, aber auch flexibelste für solche Zwecke, ist immer noch Lemur, da es OSC und MIDI beherrscht und als Einziges die Möglichkeit, sogar Sequencer-Strukturen oder ähnliches mit eigener Funktionalität aufzubauen.

bedienoberflächen auswählen

Die Verbindung zum Editor und dem Rechner wird jeweils über den Namen des Gerätes hergestellt, um auch verschiedene iPads und Computer ansprechen und adressieren zu können.

TouchOSC Editor 2013-02-11 um 22.08.36

Des Weiteren sind bei einigen Lösungen noch Portnummern in DAW oder Editor und denen der App übereinstimmend einzustellen, meist auch getrennt für eingehende und ausgehende Daten. Diese Daten müssen unter Bedienoberflächen in Logic angegeben werden und können von vielen iPads gesteuert werden.

logic ports bedienhilfen

Ähnlich funktioniert das auch in den Editoren für Layouts.

Der Aufbau in TouchOSC oder Lemur benötigt daher diese Prozedur (nur ein Mal, danach automatisch):

  1. Der Name des Computers taucht auf. Er muss nur im Menü in der App ausgewählt werden.
  2. Die IP-Adresse wird angezeigt und die angegebenen Portnummern müssen in Logic bei den Bedienhilfen entsprechend übernommen werden.
  3. Den Anweisungen bei Installation der Brücken-Programme muss man nur ein Mal folgen, damit alles funktioniert.
  4. Die DAW dementsprechend einstellen. Stimmen nun alle Portnummern in der App wirklich mit denen der DAW überein, so erscheint die MIDI-Bridge unter den erkannten Geräten und kann verwendet werden. 
  5. Eventuelle Layouts für DAWs oder eigene Kreationen oder entsprechenden Einstellungen aus dem Netz oder eigene Kreationen werden in TouchOSC und Lemur über den Editor übertragen. Der Editor hat ebenfalls 2 Portadressen für Ein- und Ausgabe. Es reicht, diese anzugeben, und sofort erkennt die App diesen. Das aktuell dort laufende Setup lässt sich jetzt herüberladen und im iPad speichern und umschalten. Es gibt keine Limits bei der Anzahl von Layouts.

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Man benötigt also keine Sicherung per iTunes oder FTP.

Programmer und Synthesizer Editoren

MIDI ist einfacher zu verwalten, da der komplette Verbindungsaufbau mit dem Rechner unnötig ist und nur das MIDI-USB am iPad verwendet wird. Es werden aber auch nicht mehr als MIDI Daten erzeugt.

MIDI-Touch Layouts werden komplett am iPad erstellt, da keine Verbindung mit dem Rechner notwendig ist. Sie können aber auch aus dem Netz in die App geschleust werden.

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Als Alternative zu MIDI-Editorsoftware oder Programmer ist MIDI-Touch. Es ist einfacher als die zuvor Genannten zu bedienen und es ist weniger zu bedenken. Es gibt wie bei den anderen beiden Programmen eine wachsende Gemeinde für fertige Anpassungen für diverse Synthesizer vom Yamaha SY/TG77 über den Little Phatty bis zum Waldorf Blofeld. Ist der eigene Synthesizer nicht dabei, muss man allerdings selbst eine Anpassung zurecht zimmern. Der Weg, DAWs per MIDI zu steuern, ist mit etwas Arbeit verbunden. Wie „früher“ müssten Controller angelernt werden, sofern die DAW das zuließe. Es ist daher eher nicht zu empfehlen.

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Für Synthesizer und MIDI-SysEx-Steuerungen vom JX8P bis hin zum Nord Lead ist diese Lösung jedoch perfekt und übersichtlich. Zudem kann man sich optisch wie funktional sein eigenes Layout am iPad direkt bauen oder bestehende Layouts umbauen. Außerdem wird auch der Beschleunigungssensor als Quelle unterstützt. So mutiert das iPad auch als Controller, der durch Neigen und Drehen am Synthesizer Sounds verändert. Controller-MIDI Synthesizer sind leichter zu integrieren als jene, die nur SysEx- verstehen. Für SysEx-MIDI Geräte älterer Bauart muss man sich ein wenig mehr mit dem Thema MIDI befassen und sollte wissen, wie diese funktionieren. Wer also gar nicht Bescheid weiß, wird hier lernen müssen, während das Eintippen von Controller-Nummern für die meisten vermutlich kein Hindernis sein wird. Einen eigenen Editor zu bauen oder sogar mehrere, die sich besonders für bestimmte Aufgaben eigenen, ist kein Problem. Beispielsweise wäre die Filtersteuerung über 2D-Felder oder Fader für Hüllkurven zusammen auf einem Screen individuell für verschiedene Songs und als Bühnenperformance vorstellbar, während ein anderes Layout die Neigungssensoren dafür verwendet. In deren Forum finden sich fertige Anpassungen, die sich durch Anklicken über die App einladen lassen. Es ist so, dass ein gutes Lemur-Layout mehr Arbeit kostet als ein MIDI-Touch Layout.

Lemur kann beides – OSC und MIDI – und die Ad-Hoc-Netzwerk-Verbindung taucht auch hier auf.

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Abwägung – OSC, MIDI oder Lemur (OSC und MIDI)?

Leider müssen in Lemur Dinge wie MIDI-Kanaländerungen für alle Parameter extra editiert werden, es gibt keine Gruppenedits dafür. Das macht die Arbeit damit etwas starrer und man muss einfach viel schrauben.

Einige Lemur Demo-Layouts

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TouchOSC und MIDI-Touch hingegen sind ohne „Steuerlogik“ gegenüber Lemur, auch wenn ihre Möglichkeiten über die klassischer Controller-Boxen durchaus hinaus gehen. In Lemur gibt es bedingte Anweisungen, während die anderen einfach nur direkt Daten aussenden und empfangen. Sie sind weniger interaktiv. Komplexe musikalische Vorgänge könnten damit auch ein wenig wie in MAX/MSP verarbeitet werden. MAX kann freilich mehr als Lemur.

Lemur Editor – Layout: MIDI Einstellungen und Typen wählen

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OSC Einstellungen im Lemur-Editor – Oben rechts – die Bedienelemente, die man in das Hauptfenster ziehen kann.

lemur editor

Fazit

Rein finanziell dürfte man sich am schnellsten für Touch-OSC entscheiden, denn es bietet DAW Steuerungen und anderes für gut 4€ an, während MIDI-Touch mit 15€ und Lemur mit 40€ andere Preise aufrufen. Zumindest für App-Verhältnisse. Die Spezial-Apps für DAWs kosten zwischen 15 und etwa 20€. Lemur benötigt mehr Zeit für eigene Kreationen, aber es kann auch am meisten. Für sorglosen Gebrauch ist Touch-OSC am besten, für MIDI-Anwendungen und Hardware-Nutzer lohnt sich zusätzlich auch MIDI-Touch.

Forum
  1. Profilbild
    lalaman

    Super Artikel, vielen Dank! Es gibt allerdings eine nicht genannte Entwicklung, die es endlich möglich machen könnte, ein iPad wirklich sinnvoll in eine DAW Umgebung einzubinden: die auf der diesjährigen NAMM vorgestellten iConnect Interfaces von iConnectivity – durch die soll man sowohl MIDI als auch AUDIO (!!!) digital zwischen iPad und Rechner hin- und herschicken können. Was ja eigentlich die Grundvoraussetzung für jede vernünftige Nutzung von iPad Synths im (Home-)Studio-Setup ist.

    PS: Ich bin in keinster Wiese mit iConnectivity verbunden, aber auf so ein Teil warte ich schon wirklich lange!

    • Profilbild
      DJ Melosine

      Hallo,
      ja, ein wirklich guter Artikel, nebenbei möchte ich bemerken, dass bis zum iPad 3 MIDI, USB und Audio In/Out mit einem Alesis ioDock realisiert werden können.

      PS.: ich bin mit Alesis als freier Mitarbeiter verbunden :-)

      • Profilbild
        moogulator  AHU

        Aufladen geht, aber USB Keyboard anschließen und SysEx geht damit leider nicht. Und kein Lightning – bisher – wird aber bestimmt auch kommen. Vielleicht denkt man dann auch daran, dass USB Keyboards angeschlossen werden. Bis dahin muss man das via MIDI machen. Ist nicht tragisch aber wäre gut, da das Dock den Dockanschluss komplett belegt.

        • Profilbild
          richard  AHU

          Die älteren Lexicon Omega Interfaces funktionieren auch hervorragend mit den I-pads. Da hat man Midi und Audio + Digital in/out und gute DBX Vorverstärker. Finde ich persönlich besser als das Alesis IO Dock, nur ist es eben mehr Kabelsalat und man kann das Pad nicht so schick als Desktop drapieren

    • Profilbild
      twrstudio

      Schade das mann mit Touch OSC keine Tastaturbefehle senden kann so könnte mann sich schöne beschriftbare Edtioren in Touch OSC bauen.

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