MainStage als komplettes Live-System: Workshop, Teil 3
MainStage kann mehr als nur gute Sounds liefern. Spätestens wenn Click, Backing-Tracks und ein komplexeres Audio-Routing ins Spiel kommen, wird aus der Software ein vollständiges Live-System. In diesem dritten Teil der Workshop-Reihe zu MainStage geht es deshalb um das Herzstück eines modernen Live-Rigs: Der Click sorgt für Stabilität im Timing, Backing-Tracks erweitern das Arrangement und ein solides Routing trennt alles so, dass am FoH gut gearbeitet werden kann. Schritt für Schritt entsteht im Folgenden auf Grundlage der ersten beiden Workshop-Teile eine Struktur, die nicht nur professionell ist, sondern sich auch im Bühnenalltag bewährt.
Worum geht es? In diesem Artikel wird erläutert, wie Apple MainStage als zentrale Steuerzentrale für Live-Performances eingerichtet wird, um Clicks und Backing-Tracks effektiv einzubinden. Der Fokus liegt auf der Erstellung eines stabilen Live-Systems und der optimalen Nutzung der Software für einen reibungslosen Bühnenauftritt.
- Click: Ein stabiler Click sorgt für einheitliches Tempo und Orientierung während des Auftritts.
- Routing: Wichtige Audiosignale werden sauber getrennt, um den Klang für das Publikum und die Musiker zu optimieren.
- Backing-Tracks: Audio-Player-Funktionen in MainStage ermöglichen die Integration von Backing-Tracks und Guide-Spuren.
- MIDI-Controller: Die Steuerung von Click und Playbacks per Hardware-Tasten eines MIDI-Controllers vereinfacht den Live-Einsatz.
- Fazit: MainStage bietet eine umfassende Lösung für Live-Performances, die Stabilität, Flexibilität und komfortable Bedienung vereint.
Inhaltsverzeichnis
Kurze Zusammenfassung der ersten beiden Workshop-Teile
Vom ersten Sound bis zur durchdachten Konzertstruktur
In den ersten beiden Workshop-Teilen zu Apple MainStage wurde das Fundament für ein stabiles Keyboard-Rig gelegt. Zuerst ging es darum, MainStage grundsätzlich zu verstehen und ein eigenes sogenanntes Concert aufzubauen. Dabei standen die Auswahl einer passenden Vorlage, das Anlegen von Patches und das Arbeiten mit Channel-Strips im Mittelpunkt. Im zweiten Teil rückte die generelle Struktur mehr in den Fokus. Es wurden Patches organisiert, Sets angelegt und Zuweisungen für einen MIDI-Controller eingerichtet. MainStage wurde damit nicht nur zur Klangquelle, sondern zur zentralen Steuerzentrale für den Live-Einsatz.
Hier geht es zum ersten und hier zum zweiten Teil des Workshops.
Von einzelnen Sounds zum Live-Rig
Was bisher noch fehlt, ist der nächste logische Schritt: die Einbindung eines Clicks für das In-Ear-Monitoring und die Nutzung von Backing-Tracks mit einem Routing auf verschiedene Ausgänge. Genau darum geht es in diesem Teil der Workshop-Reihe.
Click in MainStage nutzen und auf eigenen Ausgang legen
Warum ein Click Sicherheit gibt
Ein Click ist oft der unsichtbare Held einer Live-Performance, denn dank dieses Metronoms auf den Ohren der Musiker kann das Tempo stabil gehalten werden. Man hat mehr Orientierung bei längeren Intros oder Breaks. Auch bei komplexeren Songstrukturen wird die Band rhythmisch beieinander gehalten. Gerade wenn auf der Bühne viel passiert oder das Publikum laut wird, ist ein Click umso wichtiger. MainStage bietet dafür eine integrierte Lösung, denn Tempo und Taktart lassen sich direkt an ein Patch binden. Wird jedes Patch als eigener Song gedacht, folgt das Metronom automatisch den gespeicherten Einstellungen. Voraussetzung dafür ist das Aktivieren des Metronoms oben rechts im Programm.

Ist das Metronom-Symbol oben rechts farbig unterlegt, ist es aktiv und dementsprechend ist im Mischpult-Bereich von MainStage ein Signal sichtbar
Pro Song ein Patch mit eigenem Tempo und eigener Taktart
Sobald ein bestimmtes Patch ausgewählt wird, übernimmt MainStage automatisch die dort hinterlegten Tempo- und Taktangaben und das software-interne Metronom läuft direkt im richtigen Puls. Für ein erstes Beispiel erstelle ich ein Patch mit dem Namen „Song 120“. In den Patch-Informationen im Bereich „Attribute“ wird die Option „Tempo ändern auf“ aktiviert, auf 120 bpm gesetzt und die Taktart auf 4/4 eingestellt.
Danach folgt ein zweites Patch mit dem Namen „Song 110“. Auch hier wird „Tempo ändern auf“ aktiviert, diesmal aber auf 110 bpm. Als Taktart wähle ich 6/8. Wird nun im Konzertablauf zwischen diesen beiden Patches gewechselt, passt sich das Metronom automatisch an. Es ist also weder ein manuelles Umstellen noch ein hektisches Suchen nach dem richtigen Tempo erforderlich.
Metronom auf separaten Mono-Ausgang routen
Damit der Click nicht auf der Hauptsumme landet, die live aus der PA kommen würde, muss das Metronom auf einen eigenen Ausgang des angeschlossenen Interfaces gelegt werden. Dazu suche ich in der Mischpult-Ansicht auf der rechten Seite der Software den Kanal „Klopfgeist“ und stelle beim Ausgangs-Routing den gewünschten Mono-Kanal ein.
In meinem Beispiel kommt das Focusrite Scarlett 18i20 zum Einsatz. Die Ausgänge 1 und 2 nutze ich für die Summe, die zum FoH gesendet wird, während der Click auf den Mono-Ausgang 3 geroutet wird. Am Mischpult kann er dann separat behandelt werden. Im Kanalzug des Clicks lässt sich auch die Metronom-Lautstärke anpassen, die ausgegeben wird. Hier lohnt es sich, ein wenig Feinarbeit zu leisten, damit der Click auf den Kopfhörern zwar präsent ist, aber nicht unangenehm und gesundheitsschädlich wird.

Immer für den Live-Einsatz bereit: Ein Interface mit vielen Ausgängen, eine DI-Box und drahtloses In-Ear-Monitoring im Rack
Mit Klopfgeist den passenden Click-Sound wählen
Das Metronom in MainStage ist sehr flexibel und kann im software-eigenen Klopfgeist-Plug-in individuell angepasst werden, wie etwa im Klang. Ein heller und präziser Ton setzt sich im Mix besser durch als ein weicher oder dumpfer Sound. Gerade bei einer sehr dichten Instrumentierung mit viel Flächen oder einem komplexen Schlagzeugspiel hilft ein definierter Click, um das Timing sicher im Griff zu behalten.
Neben der Einstellung der Lautstärke des Click wärmt es sich, im Klopfgeist-Plug-in zu experimentieren und den für sich besten Klang auszuwählen. Der Kanalzug kann anschließend auch klassisch mit einem Equalizer bearbeitet werden, was die Klangformung oft einfacher und intuitiver macht.
Metronom per MIDI-Controller starten und stoppen
Im Live-Betrieb ist es deutlich entspannter, den Click per Hardware-Taste zu steuern als über das Touchpad des MacBooks. Um dafür den Korg nanoKONTROL2 als MIDI-Controller einzubinden, wechsele ich zunächst in den Layout-Modus. Dort ziehe ich einen Button in das frei gestaltbare Fenster, aktiviere die Controller-Zuweisung und drücke den gewünschten Button auf dem Korg nanoKONTROL2, damit MainStage diesen Hardware-Befehl erkennt.
Danach wechsle ich zurück in den Bearbeitungsmodus, wähle den in MainStage angelegten Button an und gehe in den Bereich „Zuweisungen & Mappings“ und weise der Bildschirm-Taste die Aktion „Metronom“ zu.
Ab diesem Moment startet ein Druck auf den gewählten Button das Metronom und ein weiterer Druck stoppt es wieder. Optisch wird das auch am oberen rechten Rand der Software sichtbar, denn das Metronom-Icon ist nur bei aktiviertem Click farbig hinterlegt. Gleichzeitig wird beim Aktivieren die interne Clock gestartet und Tempo und Taktart des aktuell angewählten Patches sind sofort wirksam.
So entsteht ein simples, aber effektives Konzept: Jeder Song besitzt sein eigenes Patch am linken Rand der Software und hat jeweils ein definiertes Tempo mit passender Taktart. Der Click läuft ausschließlich über einen separaten Ausgang des USB-Interfaces und die Steuerung erfolgt bequem über den MIDI-Controller. Die Hauptsumme bleibt sauber, die Band erhält einen stabilen Click auf den Ohren und der Songwechsel geschieht ohne zusätzlichen Aufwand.

Wegen seines schmalen Designs ist der Korg nanoKONTROL 2 ein praktischer MIDI-Controller für den Live-Einsatz
MainStage für Backing-Tracks einrichten
Internes Metronom oder Playback Plug-in
Sobald neben dem Click auch Backing-Tracks ins Spiel kommen, erweitert sich dieses Konzept. Während das interne Metronom ideal für eine reine Tempo-Orientierung ist, übernimmt das software-interne Playback-Plug-in die Rolle eines Audio-Players innerhalb von MainStage. Es kann Audiodateien abspielen, synchron zur Clock laufen, Marker enthalten, beliebig geloopt werden und per MIDI-Befehle gestartet, gestoppt, eingefadet und ausgefadet werden. Genau deshalb ist es die richtige Wahl, wenn neben dem Click auch Backing-Tracks genutzt werden sollen.
Backing-Tracks in Stereo
Für viele Bands reicht häufig eine simple Struktur: Ein Stereo-Backing-Track enthält alle Elemente, die live nicht umgesetzt werden können, wie beispielsweise Synthesizer-Pads, Percussion-Elemente oder Effekte. Ergänzt werden die Backing-Tracks dann durch eine Guide-Spur, etwa für Cue-Ansagen oder das Einzählen in einen Song. Hinzu kommt dann noch die bereits erwähnte Click-Spur. Um diese Funktionen in MainStage nutzen zu können, wird zuerst im gewünschten Patch ein neuer Kanalzug mit dem Playback-Plug-in eingefügt.
In dieses Plug-in wird der Backing-Track geladen, der als Datei auf dem Computer gespeichert ist. Der Ausgang dieses Kanalzugs wird auf ein eigenes Ausgangspaar geroutet, beispielsweise auf 5 und 6, damit der Tontechniker am Mischpult die Backing-Tracks separat von der Hauptsumme erhält und bearbeiten kann.
Anschließend wird ein zweiter Kanalzug mit Playback angelegt, in den die Guide-Spur geladen wird. Diese wird ebenfalls auf einen separaten Ausgang geroutet, in unserem Beispiel auf den Ausgang 4. So kann der Guide ausschließlich auf dem In-Ear-Monitoring der Musiker landen und bleibt für das Publikum unhörbar. Für den Click wird nun statt dem internen Metronom eine eigene Click-Audiodatei genutzt, die über ein weiteres Playback-Plug-in eingebunden wird. Der Vorteil davon ist, dass sich Backing-Tracks, Guide und Click später mit einem einzelnen Knopfdruck synchron starten lassen.
Auch der Click erhält einen eigenen Mono-Ausgang, beispielsweise den Ausgang 3. Damit ergibt sich eine saubere Trennung der Audiosignale: Die Hauptsumme für die eigenen MainStage-Instrumente bleibt auf 1 und 2, die Summe der Backing-Tracks liegt auf dem separaten Stereo-Ausgang 5 und 6, der Guide auf dem Ausgang 4 und der Click auf dem Ausgang 3.
Start und Kontrolle über den Korg nanoKONTROL2
Im Live-Betrieb soll ein einziger Tastendruck genügen, um Backing-Tracks, Guide und Click gleichzeitig zu starten. Dafür wird im Layout-Modus eine Bildschirm-Taste eingerichtet und mit einer Taste am Korg nanoKONTROL2 verknüpft. Im Bearbeitungsmodus wird dieser Taste anschließend die entsprechende Playback-Aktion zugewiesen.
Das Plug-in verfügt über eigene Transportfunktionen wie Start, Stopp oder Loop. Wird die Taste auf „Start“ von allen drei Playback-Plug-ins gemappt, beginnt die Wiedergabe der geladenen Datei bei Tastendruck synchron zueinander. Ein weiterer Tastendruck stoppt die Wiedergabe oder fadet sie auf Wunsch in der im Plug-in angegebenen Zeitspanne aus.
Tipps und Tricks für den Live-Betrieb mit MainStage
Panic-Taste
Im Eifer des Gefechts kann es passieren, dass ein Ton hängen bleibt, ein MIDI-Signal nicht sauber endet oder ein externes Gerät unerwartet reagiert. Genau für solche Momente gibt es in MainStage die sogenannte Panic-Funktion. Mit einem einzigen Tastendruck werden alle aktiven MIDI-Noten gestoppt und eventuell festhängende Signale zurückgesetzt. Es empfiehlt sich, diese Funktion gut sichtbar in der Software-Oberfläche zu platzieren und sie zusätzlich auf eine Taste des MIDI-Controllers zu legen.
CPU und Speicher im Blick behalten
Je komplexer ein Concert in MainStage wird, desto wichtiger ist ein stabil laufendes System. Die Software zeigt in der Aktivitätsanzeige die aktuelle Prozessor- und Speicherauslastung an. Diese Anzeige sollte nicht ignoriert werden, vor allem wenn mehrere Backing-Track-Spuren, rechenintensive Software-Instrumente und Effekte gleichzeitig laufen. Hohe CPU-Werte können nämlich zu Aussetzern oder Verzögerungen des Audiosignals führen.
Deshalb ist es empfehlenswert, das komplette Concert vor einem Live-Einsatz unter realistischen Bedingungen zu testen. Werden dabei Spitzenwerte in den Anzeigen sichtbar, kann es sinnvoll sein, besonders rechenintensive Effekte zu reduzieren oder einzelne Sounds als Backing-Track vorzubereiten, statt sie in Echtzeit zu spielen.
Puffergröße und Latenz
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Audio-Puffergröße in den Einstellungen. Eine kleinere Puffergröße reduziert die Latenz, erhöht jedoch die CPU-Belastung. Eine größere Puffergröße entlastet zwar den Prozessor, erhöht aber die Verzögerung zwischen dem Tastendruck und dem hörbaren Signal. Hier muss also ein sinnvoller Mittelweg gefunden werden. Für Live-Keyboarder, die viele Software-Instrumente nutzen, ist eine niedrige Latenz entscheidend. Wird MainStage aber hauptsächlich für Backing-Tracks genutzt, kann eine etwas höhere Puffergröße mehr Stabilität bringen.








































