MainStage für Live-Keyboarder: Workshop, Teil 2
Im ersten Teil dieses Workshops haben wir die Grundlagen gelegt und ein komplettes MainStage-Setup vom ersten Öffnen bis zum spielbaren Sound aufgebaut. Jetzt wird es spannender, denn in diesem zweiten Teil wollen wir deutlich mehr aus der Software herausholen: Wir teilen ein Keyboard in mehrere Zonen auf, binden ein zweites Keyboard mit ein und steuern alles mit einem externen MIDI-Controller. Wer sein Live-Setup professionell erweitern und dabei flexibel sowie kreativ bleiben möchte, ist hier genau richtig.
- Splits & Layer: Ein Keyboard lässt sich in mehrere Zonen aufteilen, etwa für Bass und Pads unten sowie E-Piano oben.
- Zweites Keyboard: Ein weiteres MIDI-Keyboard kann für Solosounds eingebunden und individuell zugewiesen werden.
- MIDI-Controller: Mit dem Korg nanoKONTROL2 lassen sich Lautstärken, Effekte und Filter flexibel live steuern.
- Effekte im Griff: Hall für das E-Piano und ein globales High-Cut-Filter für Pads werden per Poti kontrolliert.
Inhaltsverzeichnis
Ein Keyboard in zwei Zonen teilen
Sobald ein Keyboard-Setup etwas komplexer wird, reicht ein einzelner Sound auf der gesamten Tastatur oft nicht mehr aus, weswegen viele Keyboarder mit Splits und Layern arbeiten, um verschiedene Klänge miteinander zu kombinieren. Man kann ein Keyboard nämlich so einrichten, dass beispielsweise im unteren Bereich ein Bass und ein Pad liegen, während im oberen Bereich ein E-Piano zusammen mit einem weiteren Pad gespielt werden kann. Im Folgenden schauen wir uns Schritt für Schritt an, wie man solche zwei Zonen auf einem Keyboard in MainStage anlegt.
Vorbereitung: Die Sounds anlegen
Bevor die beiden Zonen angelegt werden können, benötigen wir zunächst ein Patch, in dem alle später benötigten Sounds geladen sind. Das funktioniert genauso, wie im ersten Teil des Workshops beschrieben: Wir erzeugen ein neues Patch und fügen im Bearbeitungsmodus über das „Plus“ oben im Kanalzugbereich vier Software-Instrumente hinzu.
Für unser Beispiel benötigen wir ein E-Piano, ein dezentes Pad für den oberen Tastaturbereich, einen Bass und ein zweites Pad für den unteren Bereich. Alle vier Sounds lassen sich nun testweise direkt anspielen, was aber noch etwas chaotisch klingt, da alle Klänge gleichzeitig zu hören sind. Für eine gute Übersicht empfiehlt es sich, die einzelnen Kanäle über einen Doppelklick auf den jeweiligen Kanalnamen zu benennen. „Instr. 1“ wird also zu „E-Piano“ und so weiter.
Festlegen des Tonumfangs
Mit einem Klick auf den ersten Kanalzug öffnet sich im unteren Bereich von MainStage ein Fenster mit mehreren Reitern. Hier stehen Channel-Bibliothek, Attribute, Layer Editor, MIDI-Input und Notizen zur Auswahl, wovon wir zunächst den Layer Editor auswählen. Hier sehen wir alle vier Kanäle farbig markiert auf der Tastatur angeordnet und können nun festlegen, auf welchem Abschnitt der Tastatur ein jeweiliges Instrument liegen soll.
Untere Zone: Bass und Pad
Um den Bereich für den Bass zu definieren, kann ich den türkis gefärbten Bass-Bereich entweder mit der Maus von rechts her kleiner ziehen und beliebig auf der virtuellen Tastatur verschieben oder auch den „Lernen“-Button neben „Höchste Taste“ drücken und anschließend die gewünschte höchste Taste des Bass-Sounds auf meinem MIDI-Keyboard spielen. Der neu angelegte Bass-Bereich wird jetzt sowohl im Layer Editor als auch im Hauptfenster von MainStage visuell über der Tastatur in seinem Bereich angezeigt. Anschließend wiederholen wir den Vorgang mit dem Pad für den unteren Bereich, denn beide Instrumente sollen später gemeinsam erklingen und werden deshalb exakt im selben Bereich platziert.
Obere Zone: E-Piano und dezentes Pad
Das Prinzip funktioniert nun genauso für den oberen Bereich der Tastatur, in dem das E-Piano zusammen mit einem weiteren, eher breiteren Pad spielen soll. Da der höchste Ton von Bass und tieferem Pad auf C1 festgelegt wurde, wählen wir für das E-Piano und das höhere Pad als tiefste Taste nun das Cis1 aus, während beide Sounds nach oben hin die gesamte Tastatur abdecken.
Tipp: Variable Bereiche
Neben den Feldern für die höchste und tiefste Taste eines Layers kann auch der variable Bereich in Halbtonschritten eingestellt werden. Mithilfe dieser Funktion bricht ein Basslauf beispielsweise nicht ab, wenn er über den eingestellten variablen Umfang hinaus gespielt wird, sondern der Bereich verschiebt sich entsprechend. Sicherheitshalber sollten sich die Layer am Splitpunkt im variablen Bereich um drei bis vier Halbtöne überschneiden, um nicht von einem spontanen Soundabbruch überrascht zu werden.
Zwei Keyboards mit unterschiedlichen Sounds belegen
Viele Live-Keyboarder arbeiten mit mindestens zwei Tastaturen, da dadurch deutlich mehr Möglichkeiten an Sounds und Spielweisen zur Verfügung stehen. Wie das in MainStage umgesetzt werden kann, schauen wir uns nun an und gehen dabei vom zuvor erstellten Patch aus, in dem das untere Keyboard in zwei Bereiche geteilt wurde. Nun soll ein weiteres Keyboard hinzukommen, das für Solo-Leads genutzt werden kann und im Live-Setup über dem größeren unteren Keyboard steht.
Zweite Tastatur im Layout hinzufügen
Bevor wir in MainStage ein zweites Keyboard einbinden können, muss es so an den Mac angeschlossen werden, wie es bereits im ersten Teil dieser Workshop-Reihe beschrieben wurde. Damit MainStage weiß, dass wir mit zwei Keyboards arbeiten, müssen wir nun im Layout-Modus eine zweite Tastatur einbinden, indem wir ein Keyboard in das Hauptfenster ziehen. Wir nehmen hier beispielsweise ein 25-Tasten-Keyboard, da ich ein Akai MPK Mini benutze. Mit einem Klick auf „Zuweisen“ und dem anschließenden Drücken einer beliebigen Taste auf dem Keyboard, das neu hinzugefügt werden soll, ist die Verbindung eingerichtet. Es lässt sich jetzt noch einstellen, welche Taste die tiefste ist, damit auf dem Bildschirm auch alles korrekt dargestellt wird.
Lead-Sound für das obere Keyboard anlegen
Jetzt kann der Sound für das obere Keyboard ausgewählt werden. Dazu wird ein neuer Kanalzug mit dem gewünschten Sound angelegt, der sich für ein Solo eignet. Im nächsten Schritt kann das entsprechende Keyboard, auf dem der Sound spielbar sein soll, über den Reiter „MIDI-Input“ angewählt werden. Hier kann der Sound außerdem transponiert und die Anschlagdynamik eingestellt werden.
Externe MIDI-Controller zur Steuerung von MainStage
Auch bei einem kleinen Liveset gilt: In jedem Fall empfiehlt es sich, einen externen MIDI-Controller zu nutzen, um flexibler und schneller reagieren zu können. Mit dem Korg nanoKONTROL2 lassen sich beispielsweise Lautstärken und Effektanteile recht intuitiv mit den Fadern und Potis steuern, ohne dass man während eines Songs die Maus am Mac benutzen muss. Im folgenden Abschnitt richten wir den Korg nanoKONTROL2 so ein, dass man hierüber die Lautstärke der einzelnen Sounds, die Gesamtlautstärke, den Hallanteil des E-Pianos und ein gemeinsames High-Cut-Filter für beide Pads steuern kann.

Über dem Haupt-Keyboard befindet sich das kleinere zweite Keyboard für weitere Sounds und daneben ein MIDI-Controller zur Steuerung verschiedener Parameter
Korg nanoKONTROL2 anschließen und einrichten
Der Controller wird ganz einfach per USB mit dem Mac verbunden und ist dank Plug-and-Play sofort startklar. Im Layout-Modus von MainStage können nun die benötigten Fader und Potis hinzugefügt werden; wahlweise kann man sich hier auch direkt eine optische Entsprechung des Controllers nachbauen.
Für unser Anwendungsbeispiel benötigen wir fünf Fader für die Lautstärken der einzelnen Kanäle, einen Fader für die Gesamtlautstärke und zwei Potis – einer steuert den Hallanteil des E-Pianos, der andere ein High-Cut-Filter für alle Pads. Dafür zieht man aus der Palette mehrere Fader und Regler in den Arbeitsbereich und ordnet sie frei an. Die MIDI-Zuweisung erfolgt dann – wie auch bei den Keyboards – über den „Zuweisen“-Knopf. Wer es sich hier einfacher machen möchte, kann auch direkt acht Fader als gruppiertes Element nutzen.
Lautstärken der einzelnen Sounds steuern
Im Bearbeitungsmodus lässt sich nun per Klick auf einen angelegten Fader einstellen, was dieser steuern soll. Für den ersten, mit „E-Piano“ beschrifteten Fader wählen wir hier also den Kanalzug des E-Pianos und im nächsten Schritt „Volume“ aus. Nun wird direkt der minimale und maximale Wert angezeigt, den dieser Fader regeln kann. Testweise kann man jetzt den entsprechenden Fader am Korg nanoKONTROL2 bewegen und sieht, wie sich der animierte Fader in MainStage mitbewegt. Mit den weiteren Fadern für die Lautstärken der Kanalzüge verfahren wir genauso – und es entsteht eine Art kleines Mischpult, das während des Auftritts jederzeit griffbereit ist.
Gesamtlautstärke zentral steuern
Zusätzlich zu den einzelnen Kanälen ist es sehr praktisch, die Gesamtlautstärke des gesamten Setups an einer zentralen Stelle zu kontrollieren – dafür nutzen wir den rechten Fader des MIDI-Controllers. Dieser wird nicht mit einem einzelnen Kanalzug verknüpft, sondern mit dem Summenkanal beziehungsweise dem Master-Output des MainStage-Concerts. Dazu wird in der Patch-Liste ganz links zunächst das übergeordnete Concert (gelbes Ordner-Symbol) ausgewählt. Mit einem Klick auf den animierten Fader kann ich hier – wie bereits oben beschrieben – dem entsprechenden Fader die Lautstärkeregelung des Masters zuweisen.
Hallanteil des E-Pianos auf einen Poti legen
Zurück in unserem Patch „2 Keyboards“ möchte ich als nächstes Hall auf das E-Piano geben und diesen zudem über meinen MIDI-Controller steuern. Da ein Halleffekt klassischerweise nicht als Insert-, sondern als Send-Effekt genutzt wird, legen wir in MainStage einen Bus an, den wir „Hall E-Piano“ nennen.
In diesem Bus ist das Stock-Plugin „ChromaVerb“ mit dem Preset „Concert Hall“ geladen, während der Mixanteil des Halls auf 100 % Wet steht. Die Zuweisung eines Potis am MIDI-Controller funktioniert jetzt vom Prinzip her genauso wie bisher: Man klickt auf die Poti-Animation in MainStage ➞ E-Piano ➞ Sends ➞ Bus 10.
Nun wird der Anteil des E-Pianos, der auf den Hall-Bus gesendet wird, über das eingerichtete Poti gesteuert. Wenn man das entsprechende Poti am Korg nanoKONTROL2 dreht, ist der Hallanteil sofort deutlich hörbar.
Gemeinsames High-Cut-Filter für die Pads
Um die Pads im Arrangement flexibler steuern zu können, lohnt sich in jedem Fall ein eigener Bus für alle Flächensounds. Dafür routen wir beide Pads nicht mehr auf die bisher eingestellten Ausgänge 1 und 2 des USB-Interfaces, sondern auf einen neu angelegten Bus, den ich in „Pad“ umbenenne.
In diesen Bus lade ich nun einen Equalizer, aktiviere das High-Cut-Filter und wechsle anschließend in der Patch-Liste in das übergeordnete Concert. Hier klicke ich mein angelegtes Poti für die Steuerung des High-Cut-Filters an, wähle meinen Pad-Bus aus und klicke bei „Channel EQ“ auf „High Cut Frequency“.
Wenn ich das Poti jetzt nach rechts aufdrehe, wird das High-Cut-Filter im Equalizer auf dem Pad-Bus immer weiter nach unten geschoben, die Pads werden entsprechend dumpfer und nehmen weniger Platz im Mix ein.




































Zunächst meinen Dank für die beiden tollen Artikel!
Dazu zwei Fragen: wie sieht es mit der Einbindung externer Hardware Synthesizer aus ? Gibt es in MainStage auch das ‘External Instrument’ ?
Welche Möglichkeiten gibt es Backing Tracks einzubinden ?
Danke für eine kurze Antwort.
@Spectral Tune Vielen Dank! Externe Hardware kann man beispielsweise als Audio-Kanal einbinden, also statt eines MIDI-Kanals für ein Software Instrument wird einfach ein Audio-Input vom angeschlossenen Interface zugewiesen und schon sind externe Geräte eingebunden. Externe Effektgeräte können auf diese Weise auch ins Setup integriert werden.
Backing Tracks kann man als Playback Spuren einfügen, dazu gibt es auch ein gutes Tutorial: https://www.youtube.com/watch?v=DU_2xXblbQU
@Gereon Gwosdek Wir wäre es mit einem dritten Teil dazu?