Der Moment der Wahrheit?!
Eine Woche lang konntet ihr beim Blindtest Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling eure Ohren auf die Probe stellen. Jetzt ist es Zeit für die Auflösung. Welches Audiobeispiel stammt vom echten CAE OD100 SE+ und welche Sounds kommen aus Fractal Audio FM9, Kemper Profiling Amp, Line 6 Helix Stadium XL, Universal Audio OX Box oder dem Neural DSP SLO-100? Hier erfahrt ihr die Reihenfolge – und warum selbst erfahrene Musiker erstaunlich oft danebenlagen.
Worum geht es? Die Auflösung des Blindtests „Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling“ zeigt, wie schwer sich analoge und digitale Gitarrensounds heute noch unterscheiden lassen.
- Auflösung: Alle Audiobeispiele werden den jeweiligen Amps und Modelern zugeordnet.
- Ergebnis: Selbst erfahrene Gitarristen lagen beim Blindtest häufig daneben.
- Vergleich: Analoge und digitale Setups unterscheiden sich heute vor allem beim Spielgefühl und Workflow.
- Praxis: Im Bandmix sind die Klangunterschiede meist kaum noch wahrnehmbar.
- Fazit: Entscheidend ist nicht die Technik, sondern welches Setup zum Musiker und zur jeweiligen Situation passt.
Inhaltsverzeichnis
Blindtest Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling
Ihr hattet eine Woche Zeit, um in freudiger Wonne zu hören, zu überlegen, zu vergleichen oder einfach zu raten, welches File in unserem Blindtest Röhrenverstärker das Original ist. Heute kommt der Moment der Wahrheit: die ersehnte Auflösung des Rätsels „Analog vs. Digital“.
Im Blindtest Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling standen euch ein Custom Audio Amplifiers (Bob Bradshaw & John Suhr) OD100 SE+ mit passendem 2×12-Speaker-Cabinet samt Celestion Vintage 30 und Shure SM57 sowie Nachbildungen dieses Amps oder vergleichbarer Verstärker und Cabinets in der Universal Audio OX Box, dem Line 6 Helix Stadium XL, dem Kemper Profiling Amp, dem Fractal Audio FM9 und dem Neural DSP SLO-100 zur Verfügung. Ihr konntet eure Ohren und eure Erfahrung testen und eure Eindrücke in den Kommentaren miteinander teilen.
Für alle, die den ursprünglichen Artikel noch nicht gelesen haben, gibt es hier noch einmal alle Audiobeispiele des Blindtests zum schnellen Durchhören.
Ein bisschen Cleanes auf die Ohren
Channel 1 des Amps – Blackface Style:
Weiter geht’s mit den Rhythm-Sounds
Channel 2 des Amps – modded 800er Marshall-Style:
Und zu guter Letzt: Gainige Leads
SE 3+ MOD des OD100, quasi Channel 3 mit 80er-Jahre-Lead-Sounds:
Wir waren gespannt, sehr gespannt, wie ihr kommentiert und diskutiert und hier kommt die Auflösung:
Trommelwirbel!
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Auflösung Clean
Seid ehrlich, wie oft lagt ihr daneben? Welchen Kandidaten im Blindtest Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling hört ihr klar raus? Woran macht ihr es fest? Meine Wenigkeit wie auch viele geschätzte Kollegen mit viel Berufserfahrung als professionelle Musiker haben definitiv nicht alle erkannt bzw. waren auch teilweise komplett überfragt. Keine Schande, völlig normal!
Auflösung Rhythm
Spannend wird es jetzt, die Beispiele analytisch miteinander zu vergleichen. Welche Unterschiede hört man zwischen Amp + Cabinet + SM57 und Amp + OX Box? Wie unterscheiden sich die Obertonstrukturen bei digitalen und analogen Signalen? Hört man Unterschiede in den Mitten und Tiefmitten? Fallen Nebengeräusche in den Ein- und Ausschwingphasen auf? Oder ist am Ende lediglich die virtuelle Mikrofonposition beziehungsweise deren Nachbildung der entscheidende Unterschied?
Auflösung Lead
Ich persönlich sehe das so: Viele moderne Modeler sind inzwischen so weit entwickelt, dass man den Unterschied selbst ohne zusätzlichen Kontext kaum oder gar nicht mehr hört. Entscheidend sind aus meiner Sicht heute ganz andere Faktoren.
Ein echter Röhrenamp fühlt sich beim Spielen anders an als eine digitale Nachbildung. Das analoge Signal durchläuft keinen A/D- und D/A-Wandlungsprozess und verursacht deshalb praktisch keine zusätzliche Systemlatenz. Kombiniert man dagegen einen Modeler mit einem Wireless-System, einem digitalen Mischpult und In-Ear-Monitoring, summieren sich die einzelnen Latenzen. Das Spielgefühl kann sich dann so anfühlen, als stünde man einige Meter vom Verstärker entfernt. Geübte Spieler nehmen Verzögerungen von etwa 10 ms häufig bereits wahr. Das entspricht ungefähr der Laufzeit des Schalls über 3,4 m.
Analoge Setups bieten außerdem maximale Freiheit beim Experimentieren, etwa bei der Mikrofonierung. Modeler sind dagegen immer an die Möglichkeiten ihrer Software und Programmierung gebunden. Dafür punkten sie mit einer kompakten All-in-one-Lösung, geringerem Transportaufwand und vielen praktischen Komfortfunktionen. Die Liste der Vor- und Nachteile ist auf beiden Seiten lang.
Spätestens im Bandmix hört ohnehin kaum noch jemand, ob ein echter Röhrenamp oder eine digitale Nachbildung verwendet wurde. Viel wichtiger ist es, sein eigenes Equipment gut zu kennen und damit umgehen zu können. Und der Ton kommt am Ende – bekanntlich – sowieso aus den Fingern und nicht aus dem Gear. In diesem Kalenderspruch steckt deutlich mehr Wahrheit, als man zunächst vermutet.
Man höre sich nur Weltklasse-Gitarristen an, die digital genauso überzeugend klingen wie analog. Zwei meiner Lieblingsbeispiele sind Andy Timmons, der über Steve Vais Rig spielt und trotzdem sofort nach Andy Timmons klingt, sowie Chris Buck, der mit den Line-6-Modelern einen überragenden Sound liefert.
Der Glaubenskrieg im Blindtest Röhrenverstärker vs. Amp-Modeling darf damit gerne beendet werden. Entscheidend ist letztlich nur, womit man sich wohlfühlt. Fühlt sich das Setup richtig an? Liefert es den Sound, den man hören möchte? Passt es zur Show, zur Reisesituation und zum Budget? Man muss weder jedem technischen Trend hinterherlaufen noch zwanghaft an Vintage festhalten. Am Ende geht es um das, worauf es wirklich ankommt: Musik!




































Einige und ich auch meinten ja, dass es wohl immer die gleiche Reihenfolge ist, dem war dann aber wohl nicht so.
Fazit: Für mich als Hörer und auch Mischer ist es völlig egal, es geht eher um Einstellungen und verschiedene Amp-Modelle aber nicht darum, ob es analog oder digital ist. So habe ich das ja vorher auch schon eingeschätzt und fühle mich bestätigt.
digital versus analogue: wird ewige mühle sein.
@Viertelnote Am besten man verbindet beide Welten. So mache ich es weil beides hat seine Vor,- und Nachteile und seinen eigenen Reiz.
Danke, also zumindest weiß ich jetzt, dass Digital auch gut klingt😁
@dr noetigenfallz Wie es aussieht, hat mir der Fractal immer gut gefallen.
Ich hoffe da kommt bald mal was raus mit einer modernen GUI und Touchscreen.
Line6 Helix Stadium hat mir nie gefallen bei diesen Beispielen.
Was spannend ist, weil ich hab ein paar Stunden mit der Demo von Stadium Native gespielt und innerhalb ein paar Minuten sehr gute Sounds rausbekommen.
(die Presets aber können nix).
@tenderboy Ich hab auch den Eindruck, dass der etwas „britzlige“ Klang der Helixe dann doch eher hardwarebedingt ist. Hab bislang ein paar YouTube Videos vom Stadium Native Plugin gesehen, und das klang ganz ordentlich.
Und zum Thema Presets: unbedingt selber Hand anlegen! Selbst aus den preiswerten Modellern bekommt man heutzutage erstaunlich gute Sounds.
@Hallonso Naja, keine Hardware klingt 2026 so brizelig. Die Qualität von Wandlern und Vorstufen ist mittlerweile selbst bei billigen Geräten extrem hoch.
Ich denke, dass war einfach kein gutes Preset gepaart mit müden Ohren.
Ist doch eigentlich ganz einfach. Jeder der glaubt die analoge Lösung würde besser klingen, kauft sie. Die anderen nehme die praktischere Lösung. Und dass den Unterschied fast niemand erkennt, war mir klar. Die Glaubenskriege hören trotzdem nicht auf.
@Tai Naja, gibt ja nun auch noch andere Entscheidungskriterien ausser Klang. Für mich ist die Usability ein grosser und wichtiger Faktor. Und da kann kann analog durchaus seine Vorteile haben, es gibt halt nicht hunderte von Ampsims, Cabs, Effekten, Filtern und das ganze dann mit Menüs, Untermenüs, Doppel- und dreifachbelegung von Encodern, sondern “one knob per function”, “wysiwyg” oder wie auch immer man es nennen will, man dreht an einem Poti welches genau eine Funktion hat. Simpel und einfach. Das kann ein enormer Vorteil sein.
Gerade bei digitalen Gitarrenamps scheint ja seit jeher das Credo “viel hilft viel” beim Product design zu gelten, aber ich glaube, dass es auch durchaus einen Markt gäbe für Geräte, die von der Auswahl deutlich limitierter sind und vielleicht nur aus eine Handvoll geschmackvoll zusammengestellter simulierter Geräte bestehen, dafür aber durch eine intuitive, direkte Bedienung bestechen.
Wir hatten gestern einen Auftritt. Der Wechsel von der Vorband zu uns war extrem kurz. Für die Gitarren und Bass Fraktion waren 3 „alte“ Line6 Helix im Einsatz. Hammond, Wurlitzer und Rhodes auch digital. Alles über InEar. Alle Instrumente angeschlossen, 23 Sekunden Soundcheck, und dann fing das Konzert an. Alle Gäste waren begeistert.
35 Jahre Bandnerfahrung. Wir würden nie mehr auf Amps zurück. Kein Brummen, kein Feedback, alles super Clean im InEar. Für den Zuschauer stellt sich nicht einmal die Frage, ob neue oder alte Helix; den Unterschied hört man in der Summe (Live-Gig) eh nicht.
Es gibt einen über 10 Jahre alten Rig Rundown von Pete Anderson, dem Sideman von Dwight Yoakam, und darin berichtet er über seine große Liebe zu bestimmten Modellen des ersten POD. Den POD benutzt er auch heute noch, wahrscheinlich vor Allem, weil er sich aus Internetforen fern hält.
An Ampsims / Profilern habe ich einen Kemper MK1 und einen HX Stomp. Die klingen beide gut genug und ich kriege auch mit beiden hörbare Musik zustande, aber der Kemper ist erste Wahl, weil der Workflow und mein Hirn gut zusammenpassen.