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Backstage Stories: Vinyl-Fan Bolle (AMAZONA)

Vinyl, DJing und ein Prototyp, der überrascht

16. November 2025

Vinyl BolleVinyl hat es unserem Autoren Bolle aus der DJ-Redaktion angetan. Seit über einem Jahrzehnt ist Bolle fester Bestandteil der DJ-Redaktion von AMAZONA.de – als Autor, Technik-Nerd und leidenschaftlicher Vinyl-Liebhaber. Im heutigen Backstage Stories-Interview erzählt er, wie ein Facebook-Post vieles veränderte, warum sein selbstgebautes Effektgerät eigentlich ein Unfall war und wie seine Liebe zum Vinyl entstand.

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Wir bei AMAZONA lieben es, Musik zu machen und uns darüber auszutauschen. Mit Testberichten, Workshops Features und Interviews versorgen wir alle Musikliebhaber mit Informationen zu ihrem Lieblingsthema. Doch wer sind eigentlich die Menschen hinter den Artikeln unseres Online-Musikermagazins?

In unserer Backstage Stories-Reihe möchten wir euch die Leute vorstellen, die als Redakteure und Autoren dafür sorgen, dass der AMAZONA-Community der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Heute also ein Interview über Klang, Kreativität und das Glück, sein Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Ein Facebook-Post mit Folgen

Sonja:
Wie und wann bist du Teil des AMAZONA-Teams geworden?

Bolle:
Zufall? Schicksal? Das war im Jahr 2012 und das könnte man jetzt, retrospektiv betrachtet, bestimmt romantisierter beschreiben, als es am Ende war. Ich hatte einen Post auf Facebook gesehen: Die DJ-Redaktion von AMAZONA.de würde Verstärkung suchen. Ich war damals ganz klassisch fleißiger Leser der Testberichte. Also schrieb ich kurz eine Nachricht. Damals lag die Redaktionsleitung in DJ-Bereich noch bei Stephan Spieker, der selbst auch viele Tests geschrieben hatte.

Schnell hatte ich dann mein erstes Gerät auf dem Tisch – als Test eines Tests quasi. Das war der Faderfox 4 TrackTrigger – ein wahres Monster. Und mit dem habe ich mich dann durch den ersten Testbericht gequält.

Zwei Jahre später habe ich dann von Stephan den Bereich DJ redaktionell übernommen und war acht Jahre lang Teil der AMAZONA.de-Redaktion. Es war eine geile Zeit! Klar, einen „richtigen“ Job gibt es auch noch. Er ist ebenfalls in dieser Branche und mit einem Job-Wechsel wuchs dann die Verantwortung. Also habe ich die Leitung der DJ-Sparte an zwei tolle Autoren „meines“ Teams abgegeben und bin seither „nur noch“ Autor. Aber nach wie vor bin ich unglaublich begeistert von spannenden Produkten.

Vinyl Bolle

2020 in meiner alten Wohnung. Platten sortieren im Wohnzimmer, welches regelmäßig zum Lagerraum für Reparatur-Geräte genutzt werden musste.

Bereits seit 2015 war ich im Vertrieb tätig, zuerst für DJ-Equipment und Veranstaltungstechnik im B2B-Bereich. Zwei Jahre gab es da Pause und ich sprang recht spontan in einen Flieger als Tourmanager und Techniker on Tour mit Richie Hawtin. Hier übernahm ich die Verantwortung für die CLOSE-Shows, also die Live-Shows.

Das vermisse ich sehr, dennoch kam 2018 der Entschluss, das Tour-Leben gegen einen festen Wohnsitz und einen Nine To Five-Job einzutauschen. Ich ging zurück in den Vertriebsbereich und wechselte dort 2022 zur Kern & Stelly / der Midwich Gruppe – dem weltweit größten Vertrieb im AV-Markt. AV steht dabei für Audio-Visuell. Für mich persönlich ein sehr spannender Schritt, denn die Projekte, die ich derweil betreuen darf, sind nicht mehr nur rein auf das Thema Audio bezogen, sondern sie umfassen ausspielende Medien wie beispielsweise LED-Wände, das gesamte Signalmanagement, Steuerung, Kamera-Szenarien oder die Netzwerktechnik dahinter. So bringt jeder Tag neue Herausforderungen und mir damit wirklich immer wieder sehr viel Spaß. Es ist eine tolle Branche voller Fach-Nerdies, in der Visionen zum Glück auch immer wieder ihren Platz haben.

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Vinyl: eine Leidenschaft, die früh begann

Sonja:
Magst du uns etwas über deine musikalische Entwicklung erzählen?

Bolle:
Meine musikalischen Einflüsse waren schon immer sehr breit gefächert gewesen und sind es immer noch. In der Jugend haben mich vor allem Hip-Hop und unterschiedliche Formen des Rocks geprägt. Bei Letzterem waren es ganz klassisch Hardrock und Punk, primär aber vor allem Hardcore.

Früher inspirierte mich auch noch Jazz, denn die Faszination für Musik begann eher mit der Begeisterung für das Gerät des Plattenspielers an sich als mit Musik, die von den Schallplatten kam. Und so wurde gespielt, was da war und das war primär Jazz. Von diesem Zeitpunkt an begann die Entwicklung.

Plattenläden

Reisen heißt immer auch, Plattenläden zu checken, Paris 2020

Mit dem Auflegen haben sich irgendwann auch House und Techno hinzugesellt. Nach wie vor ist die musikalische Bandbreite bei mir sehr groß, wobei eine Konstante geblieben ist: Ich höre zu Hause ausschließlich Vinyl.

Was sich tatsächlich ebenfalls durchzieht ist, dass ich mich auf der abspielenden und hörenden
Seite immer wohler gefühlt habe, als auf der produzierenden. Ich habe einige Zeit produziert
und auch einige Auftragsproduktionen für Corporate-Kunden gemacht, aber ich fand Auflegen
und DJ-Equipment und vor allem das „daran rumschrauben“ immer spannender, als im Studio
zu sitzen. Auch das hat sich bis heute durchgezogen und nach wie vor bin ich großer
Musikgenießer, aber kein Musiker.

Sonja:
Dementsprechend finden wir dich in welchem Bereich bei AMAZONA?

Bolle:
In der DJ-Redaktion.

Sonja:
Hobby, semi-professionell oder professionell – wie können wir uns deine Aktivitäten im Bereich Musik vorstellen?

Bolle:
Professionell. Ich bin in der glücklichen Situation, in allen Bereichen meiner Arbeit, sei es vertrieblich, als DJ, als Techniker, Autor oder als Reparatur-Service für DJ-Equipment, das große „A“ der Audio-Branche wiederzufinden.

DJing mit klar definiertem Setup

Sonja:
Wie sieht dein Setup aus?

Bolle:
Das ist über viele vergangene Jahre sehr definiert geworden. Ich bin fokussiert auf digitales DJing mit einigen wenigen Spielereien abseits davon. Das heißt, ich habe gerne zwei Pioneer CDJ-2000NXS2 oder 3000er.

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Allen & Heath Xone 96
Allen & Heath Xone 96
Kundenbewertung:
(78)

Als Mixer im besten Fall einen Allen & Heath XONE:96 oder XONE:92. Alternativen dazu wären ein PLAYdifferently Model 1, ein Union Audio Elara 6 oder – falls es nicht anders geht – ein Pioneer DJ DJM-V10.

Ansonsten gern Rotary-Mixer unterschiedlicher Art, wobei ausgiebige Arbeit in Frequenzbändern notwendig sein muss (daher der Wunsch nach 4-Band-EQ und Filtern).

Zu den CDJs kommt ein Pioneer DJ Toraiz SP-16, von dem ich mir jeweils zweimal acht Tracks summiert auf zwei Spuren zum Mixer schicke. Als Outboard-Equipment gibt es immer ein Eventide Time Factor, das ich unglaublich liebe.

Dazu kommt ein selbstgebautes Effektgerät, das hinter den 8 Spuren des Toraiz SP-16 hängt und wunderbare, durch einen LFO gezogene WahWah-Effekte erzeugt. Außerdem verwandelt es Vocals und Synthie-Samples in wabernde Flächen, bis man keine Ahnung mehr hat, wie das Original-Sample eigentlich klang. Großartig.

Allen & Heath

Schon Tradition zum Sonar Festival in Barcelona: Richie spielt for free am Skate Agora. Schnappschuss mit Pro Audio Spanien und dem Team Audio-Technica / Allen & Heath.

Das Effektgerät war eher ein schiefgelaufener Prototyp, noch immer in einem provisorischen Metallgehäuse. Und ehrlich gesagt tut das Ding überhaupt nicht das, wofür es geplant war, aber das, was es tut, ist manchmal absolut unvorhersehbar und organisch. Gelegentlich treibt es mir beim Spielen ein dickes Grinsen ins Gesicht, wenn ich merke, dass vier oder fünf Fader oben sind und es ist alles so dermaßen ineinander verwoben ist, dass ich selbst kurz den Überblick verliere. Und genau aufgrund dieser unvorhersehbaren Komponente ist das Gerät nach wie vor ein fester Bestandteil.

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Decksaver Playdifferently Model 1
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(2)

Und genau diese teils unplanbare Komponente ist für mich in Hybrids etwas, worin ich mich komplett verlieren kann. Was mich dann regelmäßig rettet, sind übrigens in Rekordbox vorgesetzte Auto-Loops am Ende des Tracks. Ich liebe diese Funktion.

Je nach Lust und Laune wird das Ganze dann noch um eine 303 erweitert durch den Toraiz gejagt, um dort die Kompression mitzunehmen.. Um die ganzen Signale im Griff zu behalten – so schließt sich der Kreis – ist dann ein A&H XONE, ein Model 1 oder der Elara 6 perfekt.

Sand auf der Schallplatte? Gear für die einsame Insel.

Sonja:
Welche drei Instrumente/Geräte würdest du auf eine einsame Insel (mit Stromversorgung) mitnehmen?

Bolle:
Einen Plattenspieler mit einem Vorrat an Vinyl, einen Verstärker und Lautsprecher.

Sonja:
Welches Gerät hättest du unheimlich gerne?

Bolle:
Eigentlich habe ich alles, was mich glücklich macht. Klar, man kann sich überlegen, ob man neben XONE:92 und XONE:96 noch den Elara 6 braucht. Das ist im Moment mein größtes „Take my money“-Risiko.

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Allen & Heath Xone 96
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Aber wer braucht drei Mixer? Vor allem, wenn man dann auch noch einen Rotary hat. Und noch einen alten Vestax. Und … lassen wir das.

Superbooth

Superbooth 2017 mit Florian Meindl.

Hier gilt: N+1. Das Gute bei DJ-Equipment im Vergleich zu Synthies und Co. ist, dass man eigentlich nur ein Gerät zurzeit nutzen kann und der „Den brauche ich auch noch“-Effekt geringer ist.

Was ich noch machen werde, ist, meinen ersten Technics SL-1210 mit einem Rega-Tonarm auszustatten – samt komplett neuer Verkabelung und allem, was dazu gehört. Aber aktuell nutze ich zum Hören von Vinyl ohnehin immer die Geräte, die ich zur Reparatur bei mir habe. Und auch das ist eher so ein Ding, das ich mal gemacht haben möchte.

DJ Bolle im Interview: Visionäre beeindrucken mich

Sonja:
Erzählst du uns etwas über das Erlebnis, das dich in deinem Leben als Musiker am meisten beeindruckt hat?

Bolle:
Oh, da gibt es zu viele Geschichten aus Clubs oder dem Tour-Leben. Generell beeindrucken mich immer wieder wirklich professionelle Künstler und Künstlerinnen – Personen, die für das brennen, was sie tun. Visionäre und Visionärinnen, die die Grenzen weiter pushen und speziell im technologischen Bereich immer wieder neue Wege gehen. Menschen, die Altbewährtes aufbrechen und immer wieder überraschen. Die, die wirklich etwas nach vorne bringen, anstatt sich nur auf Social Media zu präsentieren.

Sonja:
Wie hat deine Arbeit für AMAZONA dein Leben als Musiker beeinflusst?

Bolle:
Nun, nach über zehn Jahren kann man sagen, dass sich dadurch viel ergeben hat. Ich habe unglaublich tolle Menschen kennengelernt. Dazu viele, viele Messen, Events besucht und Herstellerkontakte geknüpft. Und natürlich habe ich auch die Möglichkeit, an verschiedenen Stellen Einfluss auf Produkte und oder deren Funktionen nehmen zu können.

Ibiza Music

Ushuaia Ibiza, 2018 – wilder Zirkus diese Insel

Das ist ja in gewisser Form auch das totale Spielparadies, wenn man alles testen und ausprobieren kann. Es ist quasi ein Bällebad auf Lebenszeit. Und nach wie vor ist es Teil meines privaten wie beruflichen Lebens. Und in diesem trifft man so herrlich viele Nerdies aller Couleur – und das ist so genial.

Sonja:
Was würdest du den Lesern und Leserinnen von AMAZONA gerne sagen?

Bolle:
Bleibt nerdig. Bleibt geil.

Vielen Dank, lieber Bolle für dieses wunderbare Interview und ich bin gespannt, wie deine Platten den Ausflug auf eine einsame Insel überstehen würden.

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Eventide TimeFactor
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Forum
  1. Profilbild
    svebur

    Danke für dieses und die anderen Interviews, Sonja.

    Nun bin ich aber echt neugierig auf Bolles Effektgerät geworden. : )
    Kann man das irgendwo mal sehen oder hören?

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Im Ushuaia aufgelegt? Das ist ja die nicht mehr die Königsklasse, sondern der Kaiserthron. Guetta, AvB und Co. Nicht schlecht!

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