Beschallungs-Workshop: Feedback on Stage vermeiden

31. Januar 2019

Killer-Pfeifen auf der Bühne?

Beschallungs-Workshop: Feedback on Stage vermeiden

Beschallungs-Workshop: Feedback on Stage vermeiden

Neulich im Kino: Ein Sprecher tritt ans Mikrofon. Er klopft kurz auf den Mikrofonkorb, danach ist ein spitzes Pfeifen zu hören: Feedback. Jetzt weiß auch der Kinozuschauer, das Mikrofon ist eingeschaltet. Diese Szene findet sich immer und immer wieder in allen mir bekannten Filmen und Serien, in denen ein Sprecher an ein Mikrofon tritt. Offenbar sind die beiden Themen Mikrofon und Feedback mittlerweile so sehr miteinander verknüpft, dass Menschen das als normal empfinden: Wo ein Mikrofon eingeschaltet ist, gibt es Feedback. Punkt.  Doch eigentlich sind diese Rückkopplungen doch etwas, was man gar nicht hören möchte. Willkommen beim Workshop „Unerwünschtes Feedback vermeiden“.

Feedback

Was bedeutet eigentlich Feedback? Feedback, zu Deutsch Rückkopplung, ist ein Vorgang, bei dem ein Schallsignal die Kette Mikrofon – Mischpult – Endstufe – Lautsprecher einmal durchlaufen hat und wieder an den Anfang der Kette zurückgeführt wird. Es entsteht eine Rückkopplung des bereits verstärkten Signals vom Lautsprecher auf das Mikrofon. Man kann diesen Vorgang ungefährlich simulieren, indem man einen Delay-Effekt mit Feedback nimmt. Der Feedback-Regler bei einem Delay macht nämlich nichts anderes als das Effektsignal zurück auf den Eingang zu führen. Stellen wir nun die maximale Feedback-Rate ein, schicken ein Signal ins Effektgerät und drehen dann langsam die Delay-Zeit auf ein Minimum zurück, erhalten wir einen dauerhaft klingenden Sinuston.Workshop: Unerwünschtes Feedback on Stage vermeiden Das Signal steckt dann in einer Schleife fest, aus der es nur noch durch Unterbrechung der Feedback-Schleife wieder heraus kommt. Aus der eigentlich an beiden Enden offenen Signalkette ist nun für bestimmte Frequenzen ein Schwingkreis, ein Oszillator, geworden. Wer nun an Synthesizer denkt, liegt im Prinzip richtig, denn unser unwillentlich gebastelte Oszillator erzeugt schöne Sinus-Töne. Anders als beim Synth möchten wir diese unerwünschten Feedbacks aber nicht haben. Ausnahmen bestätigen die Regel: Gitarristen dürfen ungestraft Feedbacks erzeugen.

Keine Macht dem Feedback

Aus der oben stehenden Definition lässt sich schon eine Handlungsanweisung zur Vermeidung von Feedback ablesen: Das Ende der Signalkette darf nicht auf ihren Anfang zurückgeführt werden. Klingt leicht, ist es in der Realität aber nicht immer. Das hat mehrere Gründe, von denen die zwei wichtigsten das Richtverhalten von Lautsprechern beziehungsweise Mikrofonen und Reflexionen des Raumes sind.

Workshop: Unerwünschtes Feedback on Stage vermeiden

Feedback vermeiden: Mikrofone gehören hinter die PA, um die Gefahr von Feedbacks vor allem im mittleren und höheren Frequenzbereich zu verringern.

Schall wird nicht über den gesamten Frequenzbereich gerichtet abgestrahlt. Ein Lautsprecher strahlt hohe Frequenzen stark gebündelt, also gerichtet ab, tiefe Frequenzen werden jedoch leicht um das Gehäuse herum gebeugt und werden somit kugelförmig abgestrahlt. Ähnlich verhält sich das bei Mikrofonen: Für hohe Frequenzen besitzt das Mikrofon eine gute Richtwirkung, während es für tieferen Frequenzen nahezu Kugelcharakteristik besitzt. Daraus folgt, dass für hohe Frequenzen eine gute Mikrofon- und Lautsprecheraufstellung die meisten Rückkopplungen bis zu einer gewissen Lautstärke wirkungsvoll verhindern kann. Bei den tiefen Frequenzen, zum Beispiel den Signalanteilen, die von einem Subwoofer abgestrahlt werden, sieht es hingegen schon anders aus. Hiervon gelangt ein erheblicher Anteil auch auf die Bühne. Die hier aufgestellten Mikrofone besitzen für die tiefen Frequenzen auch nahezu eine Kugelcharakteristik. Tiefe Bassrückkopplungen können die Folge sein. Mikrofone gehören hinter die PA. Kennt man den Abstrahlwinkel der Lautsprecher für den mittleren und hohen Frequenzbereich, ist eine gezielte Aufstellung im „toten Winkel“ der Lautsprecher möglich.

Feedback on Stage vermeiden im FoH-Weg

Dennoch kommt es öfter trotzdem zu Rückkopplungen über den FoH-Weg. Warum? Neben einer zu hohen Lautstärke im Raum sind es vor allem die Reflexionen von Wänden, Decke oder Boden, die für Rückkopplungen sorgen können. Treffen diese wieder auf das Mikrofon, können Rückkopplungen entstehen. Neben den unschönen Verfärbungen des Klangbilds, die diese dem Direktschall zeitlich nachgelagerten Reflexionen mit sich bringen, sind in akustisch sehr aktiven Räumen Rückkopplungen eher ein Problem als in sehr trockenen Räumen. Durch eine gute Auswahl der Lautsprecherkomponenten und auch der Richtcharakteristik der Mikrofone wird die Rückkopplungsgefahr stark minimiert. Lautsprecher sollten stets auf das Publikum ausgerichtet sein. Das erklingt zunächst logisch, denn schließlich ist das die zu beschallende Zielgruppe. Für die Praxis bedeutet das aber, dass ein Lautsprecher einen passenden vertikalen und horizontalen Öffnungswinkel für den jeweiligen Raum haben sollte, der Reflexionen von Decke und Wänden möglichst gering hält. Da das Publikum (sofern vorhanden) den Boden bedeckt, ist dieser in diesem Fall unkritisch. Zwei Lautsprecher mit je 110° horizontalem Öffnungswinkel in einem schmalen und langen Saal machen also keinen Sinn, denn man fängt sich unweigerlich starke Reflexionen der Seitenwände ein. In einem sehr breiten Raum oder im Freien hingegen sind sie genau richtig. Ein gerade und nicht auf das Publikum ausgerichteter Lautsprecher mit großem vertikalen Öffnungswinkel sorgt für starke Reflexionen von Decke und Rückwand. Diese machen, aufgrund der Laufzeit, nicht nur den Klang kaputt, sondern sorgen auch gerne für ein ungünstiges Rückkopplungsverhalten. Durch Schrägsteller für das Lautsprecherstativ ist eine passende Ausrichtung auf das Publikum möglich.

Feedback on Stage vermeiden im Monitorweg

Wesentlich häufiger als über den FoH-Weg treten Rückkopplungen über den Monitorweg auf. Das liegt darin begründet, dass der Lautsprecher den Musiker beschallen soll, der in seinem Wirkungsbereich nun einmal das Mikrofon hat, dessen Signal er abhören möchte. Der Teufelskreis ist also vorprogrammiert. Doch auch hier sind unerwünschte Feedbacks gut in den Griff zu bekommen, wenn einige Regeln beachtet werden.

Die meisten Bühnenmikrofone besitzen die Richtcharakteristiken Niere, Superniere oder Hyperniere. Lavalier- oder Kopfbügelmikrofone können auch schon mal eine Kugelcharakteristik besitzen und seien zunächst einmal ausgeklammert. Die Richtcharakteristiken unterscheiden sich im Wesentlichen darin, wo die für eintreffenden Schall unempfindlichen Stellen liegen. Es sei noch einmal betont, dass die Richtwirkung frequenzabhängig ist und für tiefe Frequenzen nahezu einer Kugel entspricht. Für mittlere und hohe Frequenzen haben Mikrofone mit Richtwirkung also einen „toten Winkel“. Bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik liegt dieser bei 180°, also direkt auf der Rückseite des Mikrofons. Bei stärker richtenden Mikrofonen mit Hyperniere oder Superniere hingegen gibt es zwei tote Winkel bei ca. 110° bis 125° beziehungsweise 235° bis 250°. Was bedeutet das für unsere Thematik?

Monitore sollten stets auf den „toten Winkel“ zielen. Bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik steht der Monitor zum Beispiel direkt im Rücken des Mikrofons und zeigt auf dessen 180°-Achse. Der Monitor steht also vor dem Musiker.

Feedback_Aufbau_Monitore

Feedback vermeiden: Bei Mikrofonen mit Nierencharakteristik „zielt“ der Monitor direkt auf die Rückseite des Mikrofons.

Bei Mikrofonen mit Super- oder Hypernierencharakteristik steht der Monitor schräg zum Musiker und sein Schall trifft von schräg links hinten und/oder schräg rechts hinten auf das Mikrofon. In diesen Fällen werden oft zwei Monitore verwendet.

Feedback_Aufbau_Monitore_Superniere

Feedback vermeiden: Für Mikrofone mit Supernieren- oder Hypernierencharakteristik verwendet man zwei schräg zum Mikrofon aufgestellte Monitore.

Mikrofone mit starker Richtwirkung (Superniere, Hyperniere) sind zudem rückkopplungsfester als Mikrofone mit Nieren- oder gar Kugelcharakteristik, weil sie für den frontseitigen Schall (0°-Achse) empfindlicher sind und hier stärker bündeln als ein Mikrofon mit Nierencharakteristik. Die beste Rückwärtsdämpfung bei gleichzeitig hoher Bündelung bezogen auf die 0°-Achse besitzt die Superniere. Sie ist der Hyperniere, die zwar eine stärkere Bündelung bei 0° besitzt, aber bei 180° eine nur sehr geringe Rückwärtsdämpfung, vorzuziehen. So erhalten wir ein sehr gutes Verhältnis aus Direktsignal (Nutzschall) und Störschall/Reflexionen.

Forum
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    hauserj

    Danke für den informativen Workshop! Das Wesentliche und das auf den Punkt gebracht.

    Als Gitarrist (mittlerweile) ohne Amp auf der Bühne habe ich aber in der Regel das umgekehrte Problem :( Es pfeift einfach nicht mehr. Werde mir jetzt entweder ein Digitech Freqout zulegen oder mit nem kleinen Personal Monitor aushelfen. Hoffe dann jault die Gitarre endlich wieder.

    Gibts da Erfahrungen? Reicht ein 5″ Lautsprecher direkt vor der Gitarre aus um kontrolliertes Feedback zu erzeugen? :)

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        Markus Galla  RED

        Den hatte ich mal…..übel. Klingt sehr statisch. Nichts geht über das echte Freedback mit dem Amp. Mit günstigen Pickups geht das sogar leise 😂

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          Armin Bauer  RED

          Klar geht nix über echtes Feedback, aber auch nix über einen echten Röhrenamp.
          Da stellt sich das Problem dann gar nicht.
          Habe übrigens beides benutzt, den Feedbacker für die kontrollierten Sachen und wenn man das Signal etwas moduliert hat er durchaus seinen Reiz.

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    tonvibration  

    Vielen Dank für den Workshop – ham mer noch was gelernt! Ich mische hier für einen Kulturverein ab und zu Bands ab. Bei Soundchecks haben wir manchmal Feedback Probleme (nackter 4 eckiger Raum ohne Leute), bei Konzerten (mit Leuten als Schallabsorber) eigentlich nicht. trotzdem, werde das mal probieren mit dem parametrischen EQ. Danke!

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      Armin Bauer  RED

      Parametrischer EQ im Monitorweg brauchst du wirklich nicht. Ein grafischer 31- Bänder genügt da.
      Grundvoraussetzung: Du lernst die Frequenzen zu hören, nur dann bist du fit genug für ein schnelles Eingreifen, wenn es doch mal feedbackt. Für eine Para-EQ mit der entsprechenden Güte brauchst du schon das absolute Gehör, also vergiss es.
      Monitor ist auch nicht FOH, da ist nicht Hi-Fi angesagt, sondern was setzt sich für den Musiker sinnvoll durch. Wird oft falsch gemacht/gedacht.
      Vergiss ebenso die lustige Grundregel: Nierenmikro -> 1 Monitor in Front, Hyperniere -> 2 Monitore im 90° Winkel zueinander. Funktioniert natürlich nur, wenn sich der Sänger absolut nicht bewegt. Wer dem Scouter 2 Mons spendiert kann davon ausgehen, dass er auf der Bühne rum tobt. Der Weg muss also still sein, selbst wenn sich der Künstler vor den Monitoren wälzt.
      Ohne jetzt auf die Kacke zu hauen: Habe, neben dutzenden anderen Acts, vor Jahren in einer Höllenlautstärke als Monitor Engieener MONSTERMAGNET zu vollster Zufriedenheit betreut. Gute Monitore ( KS CM215), ordentliche 31-Band Grafik EQ´s und ein geschultes Gehör, mehr braucht es nicht.
      Wenn eine Komponente nicht zur Verfügung steht wird´s halt schwierig, da hilft auch ein parametrischer EQ nix mehr.

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        Markus Galla  RED

        Hmmm, für mich alte Schule. Kann man machen, sollte man aber nicht. Das mit dem absoluten Gehör kann ich so nicht bestätigen. Wie will man denn mit einem Terzband-EQ genau die Frequenz, bei der es pfeift, treffen? Und selbst dann, wenn man sie wüsste, zieht man immer mindestens ein Band von der Breite von einer bis zwei Terzen raus. Bei zwei bis drei Rückkopplungsfrequenzen auf dem Monitor hat man aber schon ordentlich was versaut. Klar, hat man früher gerne so gemacht und verkauft, ist doch aber seit der Digitaltechnik überholt und das nicht ohne Grund. Und die Grundregeln haben schon ihren Sinn. Sollte man beherzigen, dann braucht man weniger Terzband-EQs. Aber es sollte jeder so machen wie er es mag und kann.

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          calvato  

          …wie man die Frequenz trifft? Übung ;) Ich hab früher auch oft am Monitorpult gesessen, da haben wir auch ganz klassisch vorm Gig die Monis eingepfiffen. Das ging ziemlich gut, hatten eigentlich immer nen (sehr) guten & lauten Monitorsound auf der Bühne. Oldschool? Sicher. Ich kann mir schon vorstellen, dass es mit nem Parametrischen und und engerem Q gut funktioniert, bin aber leider so schnell & routiniert mit dem Terzband-EQ, dass ich die Zeit nicht investieren werde, mich umzustellen. Dazu ist es vor dem Gig doch meist zu knapp.

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            Markus Galla  RED

            Hi,
            es geht hier eher darum, dass bei der Breite von einer Terz es kaum möglich ist, DIE Frequenz zu treffen. Da eine Terz mit zunehmender Frequenz einen immer breiteren Frequenzbereich umfasst, filtert man z. B. bei einer Kopplung um 6 kHz extrem viel mehr mit einem GEQ raus als bei einer Kopplung bei 300 Hz. Bei einem PEQ ist das eben nicht so. Geschwindigkeit? Im AUX-Zweig alle Filter des PEQ auf Notch setzen, bei einer Rückkopplung Filter Gain auf Min. Gain und mit dem Frequenzregler einen fixen Sweep machen. Man muss noch nicht einmal langsam sweepen. Dann Filter Gain wieder langsam erhöhen bis man knapp unter der Koppelgrenze liegt. Beim Einpfeifen kann man auch mit angehobenem Filter Gain arbeiten und dann sweepen. Aber im Prinzip muss man bei den heutigen Digitalpulten eh nicht mehr hören, weil man die Frequenz, die koppelt, angezeigt bekommt. Der PEQ macht halt naturgemäß weniger vom Sound kaputt als die Notch-Filter.

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              Guernica

              Hmm,

              mit ansteigendem Frequenzbereich werden bei einem Terzequaliser mehr Frequenzen bearbeitet aber nicht ein breiterer Frequenzbereich bearbeitet. Da scheint ein grundlegendes Missverständnis/ Verständnisproblem vor zu liegen. Terz ist Terz, also 1/3 Oktave.
              Die Aussage dass man bei heutigen Digitalpulten nicht mehr hören muss da man ja alles optisch sieht ist für einen Tontechniker eine absolut disqualifizierende Aussage. Malen nach Zahlen hat weder mit Kunst noch mit Können das geringste zu tun, sorry.

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                Markus Galla  RED

                Physikalisch betrachtet ist ein musikalisches Intervall im oberen Frequenzbereich breiter als im unteren. Beispiel Oktave: 440 Hz-880 Hz sind eine Oktave, 10000 Hz-20000 Hz aber auch.

                „durch die Notch-Filter“ wäre richtig. Sorry.

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              Guernica

              „Der PEQ macht halt naturgemäß weniger vom Sound kaputt als die Notch-Filter“
              ??????????????????

  3. Profilbild
    Robocob11  

    Schöner Artikel. Bin zwar nicht der Mann am FOH, aber jetzt kann ich da wenigstens mal mitreden, wenn es mir bei den Proben wieder die Ohren raushaut.

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