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Black Box: Korg S3 Drummachine & Workstation

19. Oktober 2019

Die Korg M1 Drummachine

Als „all-in-one“ Rhythm-Workstation gedacht (Korg S3 von 1991)

Es gibt unsterbliche Workstations, wie die Akai MPC 60, die mit ihrem Workflow und Sound ganze Genres begründet haben. Doch nicht jede Drummachine hatte das Zeug, zu einem Klassiker zu werden, mit denen die Produzenten von heute auch noch gerne arbeiten würden. Zu diesen Instrumenten gehört die Korg S3 von 1991.

Die Geschichte der Korg S3 Rhythm Workstation

(von Peter Grandl)

Als sich 1988 abzeichnete, dass die Korg M1 ein enormer Erfolg werden würde, erschien überraschend ein MA-Prospekt, der eine Rhythm-Workstation unter der Bezeichnung Korg S1 ankündigte, die als ernstzunehmende Kampfansage an die Akai MPC 60 gedacht war.

  • „12-stimmiges 16 Bit Sampling-System, 44,1 kHz Sampling-Rate. Interner Sample-Speicher 1 MB, erweiterbar um 1,5 MB. Umfangreiche Sync-Möglichkeiten, darunter auch SMPTE mit allen üblichen Frames, dazu Stereo- und 8 Einzelausgänge. Neben dem integrierten Floppy waren optional noch SCSI, digitale Multi-Ausgänge und ein Anschluss für ein ASCII-Keyboard geplant. Sogar einen Video-Display-Connector sollte es geben.“

(siehe Artikel Korg M1 von Klaus-Peter Rausch)

Sogar ein verkleinertes Modell ohne Klangerzeugung und Sampling, unter der Bezeichnung Korg Q1, war in Planung. Beide Projekte wurden jedoch wieder eingestellt. Das (vorläufige) Ende der Hardware-Sequencer war durch den Atari ST und durch Software-Sequencer wie Track 24 oder Emagic Creator eingeläutet worden.

Nie erschienen: die Korg S1

So entschied sich Korg 1990 nur noch zu einer abgespeckten S1-Variante, die schließlich unter der Bezeichnung Korg S3 auf den Markt kam. Die Features beeindruckten dennoch, denn zum einen arbeitet die Klangestaltung auf Basis von Samples, raffinierter als die der meisten Wettbewerber, zum anderen war das umfangreich ausgestattete Effektboard in einem „Drumcomputer“ zu jener Zeit wirklich ein Novum.

Warum das Ganze dann doch nicht den durchschlagenden Erfolg hatte, lässt sich vielleicht aus dem folgenden Black Box Artikel von Sven Rosswog herauslesen. Für mich ist die Korg S3 aber bis heute ein echter Geheimtipp geblieben, der durchaus auch eine nähere Betrachtung wert ist. Daher diesmal also gleich zwei Bewertungen in unserer Randspalte. Einmal von mir und einmal von Sven.

Nun viel Spaß mit Svens Korg S3 Artikel:

Drumcomputer mal anders, die Korg S3

von Sven Rosswog

An dem Korg S1-Werbeprospekt (oben) kann man sehr schön sehen, dass sich die S1 und S3 sehr stark ähneln. Doch warum wurde die S3 trotz allem kein Erfolg? Das liegt mit Sicherheit daran, dass die Korg S3 1991 erschien. Es war das Jahr, in dem Korg mit legendären Neuerscheinungen glänzte. 1990/91 brachte Korg die Wavestation und den Korg 01/W  auf dem Markt. Die Wavestation ist bis heute ein legendärer Synthesizer, der in Zusammenarbeit mit Dave Smith entwickelt wurde.

Die weitaus größere Konkurrenz für die S3 war aber der Korg 01/W. Dieser Synthesizer ist ein aufgebohrter und verbesserter Korg M1 mit einem 16-Spur Sequencer. Dafür war die Korg S3 natürlich wesentlich billiger als ein Korg 01/W und das wäre mit Sicherheit ein Kaufargument für die S3 gewesen.

Wenn man sich aber mit der Korg S3 beschäftigt, wird deutlich, dass dieses Instrument nicht gerade einfach und intuitiv zu bedienen ist, während es da beim Korg 01/W eher wenig zu kritisieren gab. Außerdem wurde die S3 bei Erscheinen nur selten in Musikgeschäften gesichtet. Wenn man die Syntacheles Liste 1991 zu Rate zieht, erfährt man, dass sie im Synthesizerstudio Bonn nicht gelistet wurde und das, obwohl die Korg S3 eine Neuerscheinung war.

Auf der anderen Seite war sie mit den aufkommenden Budget Drummachines nicht konkurrenzfähig und konnte sich gegen eine Alesis HR16 oder Roland R5 / R8 nicht durchsetzen, weil sie ca. 3000 DM kostete. Die S3 wurde deswegen nur von 1991 bis 1993 produziert und dann verramscht.

Bis heute hat niemand gewagt, eine Controller-Software für die S3 zu entwickeln. Ein Software-Controller wird zwar schon seit geraumer Zeit von coffeesshopped.com in Erwägung gezogen, aber eine Entwicklung fand bis heute nicht statt. Ctrlr.org stellt eine Entwicklungsumgebung für Freeware-Controller bereit und so konnten schon vielen Instrumente in den Genuss eines Software-Editors kommen. Zum Thema S3 gibt es in deren Forum nur zwei Kommentare. Ein Zeichen dafür, dass sich die Begeisterung potentieller Nutzer in Grenzen hält. Heute wird sie gerne im Circuit-Bending-Sektor verwendet.

Ist die S3 vielleicht nur missverstanden, ist sie vielleicht ein Geheimtipp? Schauen wir sie mal genauer an.

Die äußeren Werte der Korg S3

Das Design der Korg S3 reiht sich nahtlos in das Design der M1, 01/W und Wavestation ein. Einheitslook hat damals bei Korg regiert. Die Korg S3 befindet sich in einem Plastikgehäuse.

Wie damals üblich, wird die Oberfläche nicht mehr von Reglern und Slidern bestimmt. Der Musiker wird zum „Musikant mit Taschenrechner in der Hand“, muss am Display über Taster und Jogwheel Daten eingeben. Keine sehr intuitive Methode, Musik zu machen.

Die Korg S3 verfügt über ein Display mit zwei Zeilen mit jeweils 24 Zeichen. Dies muss genügen, um dieses komplexe Instrument zu verstehen und zu bedienen.

Als Musiker ergreift einem beim ersten Kontakt mit den Pads das Grauen und Gruseln. Selbst geübte Fingerdrummer werden sich mit diesen Pads schwertun. Sie erinnern an Kinderspielzeug für Kleinkinder. Diese fürchterlichen Nervtöter, die mit jeder Taste ein Tiergeräusch erzeugen.

Die schlechtesten Pads aller Zeiten?

Man muss die Tasten wirklich tief drücken und sie fühlen sich wirklich unangenehm an. Sie sind nicht gummiert, bestehen aus Hartplastik. Es ist wirklich kein Vergnügen, auf diesen zu spielen, weil sie über keine Dämpfung verfügen und deswegen lautstark klappern. Die Entwickler müssen wohl vom Management den Auftrag bekommen haben, diese Pads zu verbauen. Wie kann man so etwas Furchtbares einem Rhythmus geübten Musiker antun? Jede billige Computertastatur hat eine bessere Anschlagdynamik.

Glücklicherweise kann man über MIDI einen Controller seines Vertrauens anschließen, sonst würde man die S3 irgendwann in einem Wutanfall an die Wand schmeißen.

Positiv zu vermelden ist die Menge der Anschlüsse, die die Korg S3 bietet. Darunter ein Stereo-Audioausgang und zusätzlich 4 Einzelausgänge. Das war 1991 eher eine Seltenheit:



Das Konzept der Korg S3

Genaugenommen ist die S3 nicht nur eine Drummachine, sondern eine Workstation, die Synthesefunktionen beherbergt und mit ihren umfangreichen Sequencer-Funktionen als Schaltzentrale für ein MIDI-Studio operieren kann.

Die Modi der Korg S3: und wieder drücken

Hierfür besitzt die S3 SMPTE-In/Out, einen MIDI-In und zweimal MIDI-Out. Die MIDI-Outputs lassen sich auf MIDI-Thru umschalten. Die Korg S3 verfügt über Stereo-Ausgangsklinke, vier Einzelausgänge und einen Kopfhörerausgang. Mit den zwei Footswitch-Anschlüssen wird die Möglichkeit, mit der S3 aufzutreten, erweitert. Mit Anschlüssen ist die Korg S3 wirklich üppig ausgestattet. Nicht schlecht.

Heute normal, damals heftig kritisiert: das externe Netzteil, das im Original Ziegelsteinqualitäten besitzt.



Sound-Grundlage

Da man mit der S3 nicht sampeln kann, konnte man zusätzliche Karten erwerben, um ihren Klangumfang zu erweitern. Hierfür stehen 2 PCM-Kartenschächte und ein RAM-Kartenschacht zur Verfügung.

Die internen Sounds erinnern an Rock und Popmusik, so dass es unbedingt notwendig ist, eine Dance-Karte zu besorgen, wenn man der S3 Klänge entlocken möchte, die an elektronische Musik erinnern. Das bedeutete für den Käufer natürlich auch, dass er zu den Anschaffungskosten noch den Kauf zusätzlicher Karten in Betracht ziehen muss, wenn er ein bestimmtes musikalisches Genre abbilden möchte.

Man muss der S3  bestätigen, dass die Factory-Sounds im Rahmen der Pop/Rock-Produktion der späten 80er frühen 90er wirklich Druck machen. Schlecht klingt das nicht. Die Bassdrum hat ordentlich Kick und die Snare knallt schön. 2019 klingt das alles natürlich altbacken, aber diese Sounds werden heute immer noch gebraucht. Sie sind nach wie vor im Schlager beliebt, aber auch Coverbands, die ein 80er Feeling erzeugen wollen, werden von ihr begeistert sein.

Klicken und drehen, der wahre Clickbait

Die S3 klingt eher clean und versucht sich edel zu geben. Analogen Schmutz und Verzerrung sucht man hier vergeblich. Braucht man auch nicht unbedingt für einen Drumcomputer aus dieser Zeit. Damals galt: Perfekter Look, cleaner bis antiseptischer Sound und digital ist besser. So war der Popsound dieser Zeit: Geprägt von Stock Aitken Waterman und Konsorten.

Die S3 verfügt über keine Filter, LFOs und somit scheint es nahezu unmöglich zu sein, eine Rockbassdrum in eine 808 Bassdrum zu verwandeln. Die S3 arbeitet immerhin mit 16 Bit/37,1 kHz Samples und verfügt über 75 PCM-Wellenformen. Die Sounds können sich aus 2 Samples zusammensetzten. Jedes Drumkit verfügt über 16 Sounds, die auf zwei Pad-Bänke aufgeteilt werden können, da die S3 nur über 8 Pads verfügt. 10 Drumkits kann man speichern.

Zur weiteren Soundgestaltung verfügt die S3 über 2 Effektprozessoren, die 28 Effekte beherrschen.

Der Sequencer

In der S3 können bis zu 30 Songs gespeichert werden. Der Sequencer verfügt über acht Spuren. Pro Song können bis zu 251 Patterns gespeichert werden. Pro Pattern stehen vier Spuren zur Verfügung, die jeweils über 99 Takte verfügen. Daraus ergeben sich unglaublich viele Möglichkeiten der Verarbeitung von Kompositionen.

Das Problem besteht darin, sich in diesem verschachtelten Instrument zurechtzufinden. Für die Realtime-Aufnahme ist es notwendig, „Pattern“ auszuwählen und dann auf Rec zu drücken. Man sieht sofort das rote Lichtlein blinken, was bei mir den Eindruck erweckt, dass die Aufnahme läuft. Doch zuerst muss  „Play“ gedrückt werden und dann startet auch das Metronom. Nun weiß man, dass die Aufnahme läuft.

Wie immer ist Klicken gefragt

Natürlich verspielt man sich auch mal während der Aufnahme und möchte die Aufnahme korrigieren. Dazu steppt man durch die Page-Tasten, bis man im Display „Pattern Erase“ liest und drückt die Taste S4. Eigentlich müsste man nach meiner Logik S3 drücken, weil die „S“-Tasten genau unter den Funktionen des Display sitzen. Erase sitzt eben unter S3 und trotzdem muss man S4 drücken. Nun kann man aus der Aufnahme Noten entfernen.

Da es keine graphische Darstellung gibt, löscht man alle Noten des gewählten Sounds. Den Sound wählt man aus, indem man das zugehörige Pad auswählt. Das ist sehr praktisch, wenn die Aufnahme unbrauchbar ist. Eine Note zu versetzen oder zu löschen, ist so nicht möglich.

Das Pad wird im Display übrigens als Note angezeigt, was sehr praktisch für externe MIDI-Bearbeitung ist. Wenn man das gesamte Pattern löschen möchte, muss man nicht jedes Pad löschen, sondern man kann über die Page-Taste „All Notes“ wählen und schon wird die Nachwelt niemals von dem nicht vorhandenen Rhythmusgefühl des Spielers erfahren.

Natürlich lassen sich die gespielten Sequenzen quantisieren und kopieren. Eine Swing-Funktion ist vorhanden und die Länge der Patterns lässt sich bestimmen. Außerdem lassen sich alle Patterns zu einem Song kombinieren und Controller-Daten lassen sich aufnehmen.

Natürlich lassen sich auch  Aufnahmen mit einem Stepsequencer verwirklichen, mit dem das Musikmachen noch mehr zum einem Verwaltungsvorgang wird. Am besten besorgt man sich für die Arbeit mit der S3 noch einen Arbeitskittel, um das Feeling eintöniger Arbeit perfekt zu machen.

Erschwerend kommt hinzu: Intuitiv erlernt man diese Vorgänge nicht. Für diese essentiellen Funktionen war der Blick in das Handbuch unausweichlich, sonst hätte ich niemals eine Aufnahme mit der S3 hinbekommen. Das liegt daran, dass Korg auf kryptische Abkürzungen setzt, die man erst einmal verstehen muss.

Es gibt mehrere Erase-Befehle. Was bedeutet zum Beispiel C-Erase? Werden nur die Noten auf C gelöscht? Werden die Commands gelöscht? Werden die Controller-Daten gelöscht? Letzteres stimmt. Später wird in diesem Text noch T1 bis T7 wichtig. Was das wohl bedeutet?



Einen Sound erzeugen

Über Oszillatoren verfüg die S3 nicht, aber über 75 gesampelte Schwingungsformen. Um auf diese Schwingungsformen zugreifen zu können, muss man den Timbre-Modus aktivieren. Wenn der Button rot leuchtet, hat man den richtigen Modus gefunden. Es wird zwischen Timbres und Schwingungsformen unterschieden. Aus tonaler Sicht unterscheiden sich beide Bänke nicht sonderlich. Timbres sollen angeblich den perkussiven Sounds das typische Klangverhalten liefern. Die Timbre-Presets können verändert werden, aber dazu muss man sie erst kopieren und dann am neunen Zielort editieren.

Arnold Modus

Jetzt werden die schon angesprochenen Ts wichtig. Im Modus T1 kann man eines von 79 Timbres auswählen und einen neuen Namen vergeben. Das funktioniert alles mit den S-Tasten. Mit der Page-Taste gelangt man in den T2-Modus (Arnold Modus), hier können wir nun eine der 75 Schwingungsformen hinzufügen.

Für T1 und T2 stehen die typischen Drumsamples zur Verfügung, aber auch tonale Schwingungsformen.
 Die Samples sind zum Teil geloopt. Um die Schwingungsformen zu modulieren, kann man bis zur Seite T7 steppen. Es steht z. B. ein Enveleope-Generator mit 8 Modulationspunkten zur Verfügung. Besonders wenn man „Release“ voll aufdreht, kann man unendlich lange Sounds generieren.

Man darf aber nun nicht denken, dass z. B. Attack oder Release in einer bestimmten Art gekennzeichnet sind. Man findet in der obersten Zeile die Nummern 1–8 und darunter 8 „x“, die anzeigen, ob der Modulationspunkt aktiv ist. Pro „x“ kann man Rate und Level bestimmen.

Envelope-Einstellung

Für die meisten Musiker wird ein Enveleope-Generator mit 4 Punkten (ADSR) zu ihrem musikalischen Alltag gehören. Für 8 Modulationspunkte ist Vorwissen notwendig, weil man über keinerlei graphische Darstellung verfügt. Im Handbuch wird’s erklärt, also ist mal wieder Lesestunde angesagt. Wer will schon Musik machen?

Weiter steht Auto-Bend zur Verfügung, um typische Pitch-Sounds zu erzeugen. Mit Modulation kann man dem Sound Pitchbend zuweisen. Außerdem lässt sich der Effektanteil bestimmen. Die erstellten Timbres lassen sich kopieren, um sie in anderen Sounds zu verwenden.

Tatsächlich lassen sich die Schwingungsformen auch für moderne Sounds verwenden. Die internen Schwingungsformen lassen eine fette Kickdrum zu. Das Problem ist, dass der ganze Edit-Modus einfach ermüdend ist. Man muss hin und her steppen, Werte mit den Tastern eingeben.

Der Vorgang erinnert eher an Verwaltungsarbeit und nicht an Sounddesign oder Musikmachen. So schön auch das Lied mit dem Musikanten und seinem Taschenrechner in der Hand ist, der subtrahiert und addiert: Daran ist schlicht und ergreifend nichts sexy, spontan und lustig. Man kommt auch in diesem Modus nicht ohne Handbuch weiter.

Im Handbuch wird zwar beschrieben, was die einzelnen Modi machen, aber nicht welche Tasten man drücken muss, um in die Modi zu gelangen. Mit der Zeit wird man das alles erlernen. Die Frage ist, ob man das wirklich will. Es gibt so viele Instrumente, die einfacher funktionieren und mehr Spaß machen.

Effekte

Die S3 verfügt über 16 Effekt-Programme. Ein Programm setzt sich aus 2 Effekten zusammen. Die 28 Effekte bilden das übliche Spektrum ab: Reverb, Delay, Chorus, Flanger, Phaser etc. Kombinationen aus diesen, wie z. B. Delay/Chorus oder Equalizer/Flanger gibt es natürlich auch.

Insgesamt gibt es 4 Betriebsmodi, mit denen die Effekte verwendet werden könne. Sie lassen sie sich z. B. auf einzelne Sounds legen oder auf die Stereosumme. Außerdem können die Effekte auch direkt verwendet werden und ein Send-Modus steht zur Verfügung.

So kann man z. B. Percussion-Sounds mit Send-Effekten veredeln und die Schlagzugsektion direkt mit Effekten bearbeiten. Jeder weiß, dass man so höchst interessante Effektorgien entstehen lassen kann.

Die Effekte lassen sich zum Teil auch auf den linken und rechten Kanal einstellen. Hier ist der Betriebsmodus entscheidend.

Immerhin klingen die Effekte nach 29 Jahren immer noch ganz brauchbar und lösen kein Entsetzen aus. Damit kann man sicher noch arbeiten und sie in einem Arrangement einsetzten. Sie sind eher hell, luftig transparent und ein bisschen kühl, bedeutet also, sie verfügen über viele Höhen.

Leider sind auch die Effekte nur durch Tastenkombination und Jogwheel-Orgien veränderbar. Man muss ewig am Jogwheel drehen, um die Delay-Zeit von 100 auf 200 ms zu ändern. Auch hier gilt: Das Handbuch ist dein bester Freund, intuitiv kommt man nicht weiter.

Die Korg S3 in der Praxis

Korg hat nicht mal einen einfachen Dot-Sequencer eingebaut, wie er z. B. in der Yamaha RX8 zu finden ist. Diese Yamaha Budget-Drummachine ist viel einfacher zu bedienen und deswegen macht sie trotz ihrer massiven Beschränkungen viel mehr Spaß.

Was helfen mir unendlich viele großartige Funktionen, wenn sie sich so unliebsam dem Musiker präsentieren? Es geht doch darum, die musikalischen Visionen eines Musikers wahrzumachen. Wo bewegen sich diese Ideen hin, wenn sie im Klick-Wahnsinn verloren gehen? Man muss sich der S3 in besonderem Maße anpassen. Das gilt natürlich für jedes Instrument, aber bei der S3 ist es aufgrund der unpraktischen Bedienung besonders ausgeprägt.

Immerhin hat Korg der S3 ein ausführliches Handbuch spendiert, das aber englische Sprachkenntnisse voraussetzt. Auch hier ist die Bedienung nicht immer einfach zu verstehen, weil Korg darauf verzichtet, die Tastenkombinationen zu beschreiben, die notwendig sind, um Funktionen auszulösen. Man klickt also mal hier und da hin und kommt an sein Ziel. Spaß sieht aber auch in diesem Fall anders aus.

Immerhin werden im Handbuch Listen mit Funktionen abgedruckt, denn über das Display wird man dank der Abkürzungen nicht immer schlau. Man spricht von Timbres, obwohl es sich um Samples handelt, macht das Ganze auch nicht einfacher. Heutzutage kann man in den großen DAWs zu jeder Funktion ein Hilfemenü öffnen. Es gab aber damals Instrumente, die sich dem Nutzer trotz ihrer Komplexität schnell erschließen können. Erwähnt sei z. B. die viel ältere Akai MPC 60.

Die Korg S3 klingt trotzdem recht anständig und macht gehörig Druck. Natürlich ist ihr Output nicht so heiß, wie man es von modernen Geräten kennt, aber es lässt mit dem Signal sehr gut arbeiten. Ein leichtes Hintergrundrauschen ist hörbar, dieses nimmt man besonders auf dem Kopfhörer wahr, fällt aber über Boxen kaum auf.

Die S3 kann viel mehr, die Workstation-Funktionen wurden nur angedeutet. Aber auch hier gilt: Was nutzt mir der ganze Funktionsumfang, wenn er sich so schwierig erschließt? Ein Software-Editor für die S3 wäre ein absoluter Pluspunkt. Je länger man sich aber mit der S3 beschäftigt, desto schneller versteht man, warum sich da noch niemand herangetraut hat. Die Funktionen in eine graphische Oberfläche umzusetzen, ist sicher eine Sisyphusarbeit. Aber: Je länger man sich mit der S3 beschäftigt, desto mehr fängt man an sie zu verstehen. Die Frage ist nur, ob man das wirklich möchte.

Ein persönlicher Brief an die S3

S3 was soll ich zu dir sagen? Du kannst viel, aber behältst erst mal viel von deinem Können für dich. Du gibst dich unnahbar und machst es deinem potentiellen Liebhaber nicht leicht. Ich könnte mir vorstellen, dass ich nach deiner Eroberung sehr schnell das Interesse an dir verlieren würde, weil du langweilig bist. Die Langeweile rührt aus deiner Bedienung.

Du stehst auf Musiker, die mit Herz und Seele Beamte oder Verwaltungsangestellte sind. Diese Musiker lassen sich auf merkwürdige Regeln ein und halten diese auch mit Freude ein. Sie folgen deinen Gesetzen und werden großartige Ergebnisse mit dir erzielen. Man hört es an den Demos, da geht schon einiges und du bist sicher eine großartige Kommandozentrale in einem Hardware-Verbund als Streuzentrale. Mit Rock ’n‘ Roll hast du aber nichts zu tun. Du weißt nicht mal, wie man das schreibt.

Ohne Handbuch kommt man dir nicht bei. Das Fehlen jeder grafischen Darstellung verlangt vom Musiker viel Vorwissen und Vorstellungskraft ab, um z. B. mit den 8 Punkten der Envelope-Kurve arbeiten zu können.

ROM-Cards

Wie bereits für die Korg M1, so wurden auch für die Korg S3 diverse Cards angeboten. Besonders weit verbreitet ist das Dance-Card-Set, das die S3 um einige gut klingende elektronische Sounds erweitert, die zum Teil wirklich überzeugen können und so manche Schwäche der internen ROM-Sounds ausbügeln.

Gebrauchtmarkt

Die Korg S3 ist am Gebrauchtmarkt nur noch selten zu finden. Wie auch bei vielen anderen Digital-Drummies steigt der Preis wieder von Jahr zu Jahr. Wer ein gebrauchtes Gerät erwerben möchte, sollte unbedingt darauf achten, dass alle Buttons und Slider funktionieren. Wenn ein Knopf den Geist aufgibt, kommt man auch nicht mehr im Display weiter und kann Funktionen nicht auslösen und erreichen. Unser Testmodell musste deshalb von Doc Analog komplett überholt werden.

Die Korg S3 on YouTube

Fazit

Die Korg S3 ist heute nur noch etwas für Liebhaber mit viel Geduld. Auf Grund der Möglichkeit, die 16 Bit Samples kreativ zu mischen, sie mit 2 Multieffekten zu veredeln und über 6 Audioausgänge abzugreifen, bietet sie dennoch ein großes Soundpotential und kann auch richtig Spaß machen.

Mal eben ohne Handbuch Beats und Sounds erstellen, ist aber erst mal nicht drin.

Ich würde die Korg S3 heute vor allem als MIDI-Soundexpander einsetzen, die dank ihres ganz eigenen Klangcharakters bei Vintage-Freunden immer noch für Abwechslung im Drum-Repertoire sorgen wird.

Plus

  • vollgepackt mit Funktionen:
  • umfangreiche MIDI-Anschlüsse
  • umfangreicher Sequencer
  • 2 Effekt-Prozessoren
  • SMPTE-Timecode
  • Pedalanschlüsse
  • Korg bietet das Handbuch immer noch zum Download an

Minus

  • kompliziert: unübersichtlich und teilweise unlogisch
  • das Handbuch dient als Erweiterung des Displays
  • Musik entsteht durch Drehen und Klicken
  • die schlechtesten Pads aller Zeiten
  • um den Sound zu erweitern, müssen Karten dazu gekauft werden

Preis

  • Laut Syntacheles-Liste Oktober 2019:
  • Korg S3: 100,- Euro
  • Korg S3 inkl. Dance-Card Set: 110,- Euro
  • Korg S3 inkl. 3 Card Sets: 155,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Korg S3, ein heißes Teil — ich werde nie vergessen, wie so ein Ding bei einer Session mit einem befreundeten Musiker plötzlich streng roch und dann abrauchte.
    .
    Die S1 hätte ich von der Herangehensweise interessant gefunden, den Klang aber wahrscheinlich eher nicht… war einfach nicht die beste Ära für digitale Klopfgeister in der Einsteigerklasse
    .

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Hi iggy_pop,

      den Song hätte ich gern mal gehört. Lief sie zu dem Zeitpunkt des Abrauchen und hatte das Auswirkungen auf den Sound? :-)

      Ja, sehr Schade und verschenktes Potential.

      Viele Grüße

  2. Profilbild
    mhagen1  

    Vielen Dank für den unterhaltsamen Beitrag! Ich habe schon seit Jahren eine S3 mit Dance Card im Regal stehen. Die Sounds und Effekte gefallen mir wirklich gut, auch das M1-Design finde ich attraktiv. Aber, ich kann Sven nur beipflichten, bedienen lässt sich das DIng wirklich nicht. Meine S3 hat darüber hinaus auch noch prellende Tasten, was die Bedienung so gut wie unmöglich macht. Ein Brandfleck am Gehäuse deutet darauf hin, dass der Vorbesitzer Raucher war. Für elektrische Kontakte sind Nikotin und Teer halt auch nicht gut. Ich werde es mal mit Circuit-Bending versuchen. Beim Zustand meiner Maschine kann man da nicht viel falsch machen. Wahrscheinlich wird dann ein Geheimtipp draus :-)

    • Profilbild
      Sven Rosswog  RED

      Danke mhagen1,

      ich habe die Schwingungsformen und Timbres gesamplet und habe sie mal in einen modernen Sampler gejagt. Damit bekommt man zwar nicht aufregendes, aber ein frühes 90er geprägtes Soundspektrum hin. Spannend auch wie unsauber geschnitten teilweise die Loops von Korg sind.

      Anhand der Gebrauchspuren des Testmodel kann ich sagen, dass es auch nicht liebevoll behandelt wurde. Doc Analog hat Sie aber wieder zum laufen bekommen, wenn du das möchtest.

      viele Grüße

      Sven

  3. Profilbild
    VEB Synthesewerk

    Habe damals die S3 für viel Geld neu gekauft.
    Und habe es kurze Zeit später bitter bereut.
    Das Teil ist das schlimmste elektronische Musikinstrument welches ich je benutzt habe.
    Die Bedienung ist so unfassbar katastrophal und dann noch die klapprigen Pads.
    Und für einen 10tel des Preises wieder verkauft.
    Ärgere mich heute noch über dieses Ding :-(

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