Black Box: Yamaha RX5, RX7, RX8, RX11, RX15, RX21

1. Februar 2014

Analoge Drumcomputer sind begehrt wie nie zuvor. Fast vergisst man darüber, dass es in den 80ern eine Zeit gab, in denen die Sample-basierten digitalen Drumcomputer ihre analogen Vorgänger fast gänzlich verdrängten. Heute sind die digitalen Klopfgeister der 80er fast in Vergessenheit geraten und kosten auf eBay nur einen Bruchteil von TR-808, TR-909 und Co.

Aber nicht nur im Preis haben diese schönen Hardware-Schätzchen ihren Reiz, nein auch in Haptik, Bedienung und Sound lassen sich viele Vorteile erkennen, die nicht nur Sammler zu schätzen wissen, sondern auch immer mehr Musiker, die jene Vintage-Boxen vermehrt in aktuellen Produktionen oder live einsetzen.

König seiner Klasse - die Yamaha RX5

König seiner Klasse – die Yamaha RX5

Unsere Serie BLACK BOX widmet sich der Vintage-Drumcomputer-Fraktion und in diesem Special im Besonderen der digitalen, Sample-basierten RX-Familie Yamahas und damit einer der umfangreichsten Drumcomputer-Familien der Geschichte.

Wer kann heute schon noch aus dem Stegreif sagen, was eine Yamaha RX11 von einer Yamaha RX15 unterscheidet? Oder wieso der deutlich kleinere RX7 mehr Funktionen und Sounds besitzt als der RX5? Die Antworten auf alle Fragen nun hier in unserem Special.

Besonderes Augenmerk widmen wir dabei RX5 und RX7 und feiern in dieser Übersicht die kleinen RX-Kollegen danach ab.

1987: YAMAHA RX5

1987 wollten die Ingenieure bei Yamaha offensichtlich nicht mehr in der zweiten Liga mitspielen, sondern richtig klotzen! 12 Bit war das Maß aller Dinge bei den inzwischen beliebten Digital-Drumcomputern, die nach und nach die analogen Vorbilder abgelöst hatten, seit Roger Linn mit der LinnDrum bewiesen hatte, dass sich durchaus realistisch klingende Schlagzeugspuren (für damalige Verhältnisse wohlgemerkt) mit einem Klopfgeist programmieren ließen. Und so arbeitete auch die RX5 mit einer Sample-Auflösung von 12 Bit und verschiedenen Abtastraten.

RX5 Detail rechts

Der RX5 war die Offenbarung für viele Studios und Profis. Sie wurde schnell so etwas wie der Studio-Standard und löste selbst Klassiker wie die LinnDrum ab. Auch Roland und Korg hatten dieser Maschine lange Zeit nichts entgegen zu setzen – und so sind die markanten Sounds der RX5 in unzähligen Rock- und Pop-Produktionen deutlich zu hören.

Zwar gab es bei den Mitbewerbern durchaus auch vergleichbare Features, aber nicht verbunden in einem einzigen Gerät. Nur sampeln konnte die RX5 nicht.

Auch haptisch war die RX5 der König seiner Zeit mit 44 cm. Breite und 34 cm. Tiefe bei einem Gewicht von knapp 4 Kilogramm. Wer nur die Bilder kennt und die RX5 das erste Mal in Empfang nimmt, der kommt Angesicht der Größe sicher ins Staunen.

Auch die 12-stimmige Klangerzeugung, die Einzelausgänge, der eingebaute Audio-Mixer und die Erweiterung durch Sound-Cartridges (die wesentlich mehr Sounds boten als bislang üblich), war in seiner Gesamtheit ein Novum und weckte unter Musikern eine hohe Begehrlichkeit.

Die Anschlüsse der RX5

Die Anschlüsse der RX5

Hier die wichtigsten Features des RX5 im Überblick:

  • 24 Samples im internen Speicher
  • 28 Samples über Cartridges erweiterbar (eine Cartr. war im Lieferumfang enthalten)
  • eingebauter 12 Kanal Mixer mit richtigen Fadern
  • 12 Einzelausgänge plus Stereoausgang plus Metronom-Ausgang plus Kopfhörerausgang macht zusammen 16 Audioausgänge
  • natürlich MIDI-Trio
  • Sequencer Auflösung 1/96stel
  • sehr umfangreiche Edit-Möglichkeiten der Samples
  • Cassetten-Interface für Speicherung aller Daten auf MCs
  • Schacht für RAM-Cartridges zum Speichern aller Daten
  • 24 Triggertasten, deren Belegung sich in drei Soundsets abspeichern lässt
  • bis zu 100 Patterns speicherbar, die sich bis zu 20 Songs zuweisen lassen

RX5 Detail links

Einen echten Nachteil hatte die RX5 mit all seinen Vorgängern gemeinsam. Die Triggertasten reagierten nicht dynamisch. Die Stärke des Anschlags hatte somit auf die Lautstärke der gespielten Klänge keine Einwirkung. Über die Tasten ACCENT 1 und ACENT 2 ließ sich dieses Manko zwar teilweise beheben, wollte man aber einen wirklich dynamisches Drumloop in Echtzeit einspielen, musste man eine externe Tastatur mit Anschlagdynamik verwenden.

Im Klartext, die RX5 verarbeitet Anschlagdynamik, nicht aber über die eingebauten Triggertasten. Natürlich ließ sich die Dynamik der Schläge auch hinterher editieren.

RX5 seitlich

SOUNDS: Durch die mitgelieferte ROM-Cartridge brachte es die RX5 immerhin auf sagenhafte 52 verschiedene Samples. Über die nachfolgend beschriebenen Edit-Features ließen sich diese Samples umfangreich editieren und diese Eigenkreationen in 12 Speicherplätzen ablegen. Macht zusammen also 64 Klänge, auf die direkt zugegriffen werden konnte. Für damalige Zeit ein Novum!!!

Zu den internen Werksklängen gehörten nicht nur die typischen Drum- und Percussionsounds, sondern vor allem auch kurze Vocals wie „Hey“ und „Wao“ (inzwischen richtig kultig) sowie authentische FM-Sounds (Bass, Marimba, Orchestra-Hit und Clavi).

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Martin Tauchen

    Durchdacht,flexibel,multitimbral…unheimlich gut !
    Was auch immer sich die Ingineure bei Yamaha dabei
    gedacht haben,sie haben ihren Job gut gemacht !!!
    Einige Funktionen sind zeitlos,einige zeitgebunden wie zum
    Beispiel die Tapesynchronisation und nebenbei hat er
    auch noch Drumsounds…

    Gab es jemals einen opulenteren Rhythmusknecht ?
    Ich bin mir sicher !!! Nein…

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    emulator2hd

    Von den Sounds her klingen die RX Maschinen alle als hätten sie die gleichen Samples und zwar die der RX11

  3. Profilbild
    DietmarB

    Den stichhaltigen Beweis für die 12Bit Auflösung der RX11 liefert deren Schaltplan, denn da sieht man den DAC mit Namen YM3010 (wahrscheinlich wieder so ein Standardteil mit Yamaha-Label), welcher auch entsprechend angeschlossen ist.

    Gruß, Dietmar

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    Sepia

    Zitat zum RX7: „Die Sounderweiterung über Cartridges ist ebenfalls nicht mehr möglich.“

    Soweit ich erkennen kann, hat der RX7 hat ebenfalls einen Slot für Ram Cartridges.

    • Profilbild
      Tyrell RED 21

      Korrekt, aber eben nur RAM. Neue Sample-Sounds (ROM) wie bei der RX5 möglich, liesen sich damit nicht füttern.

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    Marko Ettlich RED

    ach ja die RX-5, :) einer meiner ersten Drumcomputer überhaupt. Die Kiste war echt nicht schlecht und wurde nicht zu Unrecht von einigen namhaften Größen verwendet. Erst als die Roland R-8 auf den Markt kam wurde es langsam wieder stiller um die gute alte RX-5.

  6. Profilbild
    Armin Bauer RED

    Hi Peter,

    schick, eine Würdigung an die alte RX 5, ist hier auch eingemottet, sollte ich vielleicht mal wieder auspacken?

    Ganz irre ist an dem Ding, natürlich neben den Einzelausgängen und den Editiermöglichkeiten, ist die freie Taktwahl. So ist es möglich, z,B, einen 8/6tel Takt zu programmieren. Braucht man´s? Naja, in meiner Experimentierphase habe ich das schon mal benutzt, um Drummer in den Wahnsinn zu treiben :-)

  7. Profilbild

    Zwei von den RX5 hab ich hier bei mir, und ich hole sie immer wieder gerne hervor und bastel stundenlang mit Ihnen rum. Es ist wirklich unglaublich, wie unterbewertet diese Kiste ist.
    Ich finde, jeder sollte eine haben, und zum Glück sind ja auch noch genug am Markt :)

  8. Profilbild
    falconi RED

    Der RX5 funktioniert offenbar so, wie es Gregor Scherer auf der Seite 3 seines lesenswerten Beitrages zum Akai S900/950 beschrieben hat:

    http://www.....sampler/3/

    Siehe auch:
    http://www.....f/rx5.html

    Es gibt im RX5 also ganze zwölf 12bit D/A-Umsetzer mit variabler Taktrate. Das Summensignal entsteht durch analoge Mischung und ist – wie die Einzelausgänge – taktratenunabhängig immer vergleichsweise arm an digitalen Artefakten.

    Der RX7 summiert die Stimmen bereits digital und hat daher nur einen Summenausgang. Das entspricht prinzipiell dem Stand der heutigen Digitaltechnik. Die Samples und der Pitchbereich sind identisch (bei deutlich mehr Samples), allerdings ist anzunehmen, dass bei extremen Tonhöhenvariationen digitale Artefakte zu hören sind, die durch die Rechenoperation des Resampling entstehen.
    Bei der Wiedergabe mit der nominellen bzw. „originalen“ Samplerate (die ich nicht kenne…ich vermute, sie liegt zwischen 22 und 32kHz) klingt er vermutlich etwas sauberer.

    Es gibt im Netz diverse Posts von Circuit Bendern, die den RX7 bevorzugen; dem RX5 sind keine interessanten digitalen Artefakte zu entlocken.
    Aus technik-historischer Sicht ist der RX5 mit seiner hybriden, digital-analog Bridge- (oder Krücken-) Technologie aber sicher der spannendere Sampleplayer…

  9. Profilbild
    gaffer AHU

    Aber Armin! Kann man doch kürzen: 4/3 :)

    Was immer mal wieder vergessen wird ist die Tatsache, dass erstens die Yamahas damals höher angesehen waren als die Rolands und auch eine bessere rhythmische Auflösung hatten. Ich leistete mir eine RX 15 für schlappe 1500. Die Sounds erkenne ich heute noch bei Grace Jones

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