Blind Monk Navigator, polyphoner Analogsynthesizer

21. Dezember 2019

Klassisch poly analog trifft futuristisches Design

Auch kurz vor Weihnachten gibt es Synthesizer relevante News. Der relativ unbekannte Eurorack Modulhersteller Blind Monk Instruments hat heute überraschend den Navigator vorgestellt. Hierbei handelt es sich um einen neuen polyphonen Desktop-Analogsynthesizer. Was auffällt, ist das Design. Es ist anders und sieht schon fast futuristisch aus, als hätte das Team von Elon Musk (Tesla) den ersten Cyber-Synth gebaut. Für alle, die es lieben, mit vielen Knobs herumzuspielen, sollen jetzt nicht mehr weiterlesen. Navigator verfügt über einen Bildschirm und wird nur mit 6 Drehreglern und 2 Tasten bedient. Aber jetzt genug mit Knob-Fetisch.

Blind Monk Instruments verbaut im Navigator Synthesizer eine vierstimmige analoge Engine, die in Poly-, Duo-, Unisono- oder in anderen verschiedenen Mono-Modi gespielt werden kann. Diese ist weniger experimentell, sondern sehr klassisch. Jede Stimme besteht aus 2 Oszillatoren, genauer gesagt DCOs, die die folgenden Schwingungsformen besitzen: Sägezahn, doppelter Sägezahn, Rechteck/Puls und Rechteck + Sägezahn. Weiter gibt einen Sub-Oszillator und einen Ring Modulator pro Stimme. Die Ring Modulation befindet zwischen beiden Oszillatoren und lässt sich im Charakter verändern.

Blind Monk Navigator, polyphoner Analogsynthesizer

Interessant ist hier, dass jede Stimme des Navigators eine unabhängige Frequenz besitzt. Dies sorgt laut dem Entwickler für mehr Stabilität und erzeugt gleichzeitig einen „natürlichen analogen Klang“ und eine Phasenlage zwischen den Oszillatoren. Dann wandern die Klänge aus den Oszillatoren in ein zweipoliges voll resonanzfähiges Tiefpassfilter.

Weiter geht’s in die Modulations-Sektion wo drei LFOs auf den Programmierer warten. Diese besitzen Rechteck, Dreieck,  Sägezahn, Ramp, Sample & Hold und eine interessante vierfache Sinusschwingung. Der erste LFO kann auch zwischen allen Stimmen synchronisiert werden, freilaufend oder im Sync mit MIDI benutzt werden. Neben den drei LFOs gibt es auch zwei klassische ADSR-Hüllkurven, die in der Engine verbaut sind.

Desktop Analogsynthesizer

Neben einer analogen Engine besitzt der Navigator Synthesizer auch einen Step-Sequencer mit bis zu 64 Steps. Der Entwickler hat jedoch hier nicht nur einen einfachen Step-Sequencer verbaut, sondern ihn auch mit künstlicher Intelligenz aufgepumpt. Dazu stehen 10 verschiedene Sequencer-Algorithmen zur Verfügung, mit denen man per Knopfdruck neue Sequenzen generieren kann. Eine schöne Funktionen für Momente, in denen man keine musikalischen Ideen hat. Der Sequencer verfügt auch über MIDI-Sync. Das ist aber noch nicht alles. Neben den AI-Algorithmen gibt es auch Automationen zu fast allen Parametern im Sequencer, leider nicht alle gleichzeitig. So kann man beispielsweise den Filter-Cutoff auf dem Step 1 und die Filter-Resonance auf Step 2 verändern, aber nicht beide auf demselben Step. Schade.

Auch dabei ist eine Chord-Memory-Funktion, womit man einfach Chords designen kann. Bis zu 10 verschiedene Sequenzen oder Chords lassen sich intern abspeichern. Bis zu 150 verschiedene Sound-Patches lassen sich abspeichern. Das Besondere hierbei ist aber die Flexibilität der Stimmen. Laut dem Entwickler ist es möglich, für jede Stimme einen anderen Sound zu laden und diese zu crossmodulieren. Weiter sagt er, dass Dutzende Modulationsziele und Millionen von Sounds so möglich sind.

In der Engine gibt es auch Velocity-Kontrolle der Filter-Hüllkurve, Attacke und Glide. Sehr schön ist auch die komplette MIDI-CC-Implementation, mit der man den Synth bequem von jeder DAW,-Software oder anderen Hardware-Geräten steuern kann. Wer mehr als 6 Drehregler braucht, kann die Anzahl somit vergrößern. Auf der Rückseite gibt es sogenannte Programming-Ports für Software-Updates, volles MIDI In/Out, einen Miniklinken Monoaudioausgang und einen Netzteil-Eingang. Der Miniklinken Monoaudioausgang ist leider etwas enttäuschend, hier wäre Stereo auf zwei Großklinken sicherlich besser gewesen.

Navigator ist erstaunlich günstig, obwohl er von einem Indie-Entwickler stammt. Er ist sofort zu einem Preis von 595 USD inklusive Lieferung verfügbar.

Preis

  • 595 USD
Forum
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    Marco Korda  AHU

    Endlich sind wir bei Star Trek angekommen :-)… Tolle Kiste zu einem machbaren Preis. Das Design ist außergewöhnlich, für mein Geschmack gut gelungen. Ein paar mehr Regler hätten auf der Oberfläche aber auch keinem geschadet.

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    Joerg  

    OK
    Finde ich gut, wenn kleine Unternehmen was Neues auf den Markt bringen.
    Auch wenn es keine Neuerfindung von irgendwas ist.
    So kommt Schwung in die Bude

    Ich sehe ihn, von den Daten her gesehen, in der Nähe des Korg MinilogueXD. Wobei dieser derzeit noch mehr für einen ähnlichen Preis zu bieten hat.

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    WOK  

    Ein bisschen viel Platzverschwendung für so wenige Regler. Und die Markierungen auf den Knöpfen lassen auf Potis schließen – mit Endlosdrehgebern wäre es interessant gewesen, aber so hat man wieder die Parametersprünge. Ganz nett ist die Multitimbralität. Ansonsten sehe ich hier nicht so viel außergewöhnliches.
    Und nicht vergessen: auf den Preis kommen noch Zoll und Mwst drauf, dann ist man bei über 700€.

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    chardt  

    Zitat: „Interessant ist hier, dass jede Stimme des Navigators eine unabhängige Frequenz besitzt. Dies sorgt laut dem Entwickler für mehr Stabilität und erzeugt gleichzeitig einen „natürlichen analogen Klang“ und eine Phasenlage zwischen den Oszillatoren.“

    Mal ganz ehrlich: Wer von Euch hat verstanden, was damit gemeint sein soll? Ich jedenfalls nicht. (Bei analogen Synthis mit mehreren Oszillatoren haben diese – wenn nicht gesynct – eigentlich immer unterschiedliche Frequenzen. Ja, das sorgt für „natürlichen analogen Klang“, was so ungefähr das Gegenteil von „Stabilität“ ist.)

    • Profilbild
      Son of MooG  AHU

      Ein Blick auf die Website schafft etwas Klarheit:
      „With all other DCO synthesizers, each voice is locked to the same master frequency. In the Navigator, each voice has an independent frequency.“

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    Ashatur  AHU

    Also ich finde ihn, bis auf den Monoklinkenausgang, sehr chic. Er würde in der Enterprise NCC-1701 wohl kaum auffallen. Scotty beam me up! An ein paar Rädchen gedreht und ab geht die Reise.

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    Son of MooG  AHU

    Mit 3 LFOs und seinem Sequencer ist der Navigator sicher gut für abgedrehte Sounds; als klassisch Poly-analogen würde ich ihn nicht sehen. Dafür gibt es bessere Alternativen mit mehr Voices. Durch den Multi-Mode kann jede Voice einen anderen Sound bringen; da sehe ich die Stärken…

  7. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Das Bedienkonzept ist eigenwillig, aber nicht uninteressant. Die fehlende Beknopung finde ich nicht soooo schlimm, weil bei Leuten die so etwas kaufen sicherlich auch ein MIDI-Controller rumsteht.
    Der Preis ist noch OK, vor allem in Anbetracht des eigenständig bis eigenwilligen Sounds.
    Nur schön find ich ihn nicht.

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