AMAZONA.de

Blue Box: Akai AX80, AX60, Analog-Synthesizer


Polyphon, Analog und von AKAI.

Geschichtlicher Überblick

Ein Jahr bevor AKAI-PROFESSIONAL mit dem S612 seine legendäre Erfolgsgeschichte als „Sampler-Hersteller“ zündete, versuchte sich der japanische Hi-Fi-Konzern, der vor allem zu jener Zeit für seine Tonbandgeräte bekannt war, 1984 mit dem AKAI AX80 ein vollkommen neues Marktsegment zu erobern. Den Markt der Musiker.

Ein Jahr zuvor hatte der Yamaha DX7 für frischen Wind in der Welt der analogen Klangerzeuger gesorgt. Die Zeit der Analog-Boliden von Oberheim, Moog und Co. war vorüber. Kleinere und preisgünstigere „Analoge“ rangen um die Marktherrschaft der übermächtigen, digitalen DX-Reihe.

Für die Hersteller gab es damals quasi nur zwei Möglichkeiten (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Entweder in Lizenz von Yamaha den FM-Chip zu erwerben oder weiterhin auf „analog“ zu setzen. AKAI entschied sich für Letzteres, versuchte dem AKAI AX80 aber den Look & Feel eines „Digitalen“ zu verpassen. Statt Fader zeigten leuchtende Balken den Parameter-Status an und die Eingabe geschah zum Großteil über Folientasten, wie sie der DX7 hatte. Für uns heute kaum nachvollziehbar, aber die Markenstrategen bei AKAI waren offensichtlich vollends überzeugt, dem Erfolg des DX7 nur so nacheifern zu können.

Sie irrten sich. Der AKAI AX80 und auch sein kleinerer Bruder AX60 wurden an Markt kaum wahrgenommen und floppten. AKAI wendete sich dann im Anschluss dem Thema Sampling zu, hatte seinen Einstand mit dem AKAI S612 und seinen ersten Durchbruch mit dem Keyboard-Sampler X7000 im Jahre 1986. In diesem Jahr kam übrigens ein letztes Mal der AKAI AX80 marketingtechnisch ins Spiel. Der AKAI X7000 Sampler ließ sich über ein spezielles Kabel (DD-X1513) direkt mit dem AKAI AX80 (aber auch AX60, VX90) verbinden, um für die Editierung der 12 Bit Sample-Sounds die komplette Nachbearbeitung des AKAI AX80 einsetzen zu können. Selbst aus heutiger Sicht, eine extrem spannende Kombination.

Der Artikel wurde nochmals um einige Informationen, Videos und vor allem neue Bilder vom AKAI AX80 ergänzt, die unser Leser Michael Rudolph extra für diesen Report erstellt hat. Ein dickes Dankeschön dafür!!!

Nun wünsche ich viel Spaß beim Blue-Box Report von Moogulator.

Blockkraft

Der AX80 ist recht klassisch aufgebaut. Seine Struktur ähnelt der des Roland JX8P und bietet ähnliche Funktionen, jedoch gibt es mehr als ein paar Details, die ihn von diesem unterscheiden.

Das Gehäuse ist schlank und sogar noch für heutige Augen recht modern. Es fehlt weder der Fußschalter zum Weiterschalten der Klangprogramme noch alle anderen üblichen Anschlüsse. Die MIDI-Buchsen sind jedoch nicht allein, es befinden sich auch Kassetten-Anschlüsse an Bord. Der Grund dafür ist, dass der AX80 keine System-Exklusiven MIDI Informationen versteht und daher seine Klangprogramme per Audiosignal „Hardbitrock“, wie man das von Heimcomputern kennt, auf ein Medium sichert. Das lässt sich heute mit einem Audiosequencer (DAW), einem Smartphone oder jedem anderen Audiogerät erledigen.

Die 64 Sounds sind per MIDI zu sichern und die Aussicht auf einen Editor sind damit leider unmöglich gemacht worden. Typisch für die Zeit des AX80 ist das Prinzip der Eingabe von Parameterwerten. Man hat sich jedoch optisch und funktional über das etwas behäbige Konzept von Konkurrenten wie dem Roland JX8P, den Korg Poly- und DW-Serien sowie dem Oberheim Matrix-6 als auch dem Crumar/DBE Bit Serie abgehoben. Das Display zeigt sehr übersichtlich jeden Wert als Balken an. Welcher Wert gemeint ist, wird über 32 Folientaster vom Typ „alter brauner DX7“ vorgewählt. Anschließend kommt das klassische Prinzip, den Wert über ein Eingabepoti festzulegen. Mit ihm werden alle Werte eingestellt. Die Taster sollten beim eventuellen Kauf auf Funktion geprüft werden. Generell ist die Bedienung nicht so umständlich, wie es seinerzeit üblich war, jedoch sie auch nicht ganz so flüssig wie ein Gerät mit ausreichend Bedienelementen. Die Balkenanzeigen befinden nicht exakt unter den Tasten. Die Bedienung ist somit akzeptabel und die angenehme Balkenoptik hilft dabei, ältere Klänge im Überblick zu halten. Es handelt sich in jedem Falle um einen Kompromiss.

1 2 3 4 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    swissdoc RED

    Zitat „Retro-Freaks werden jedoch bemerken, dass die früheren Curtis-Chips auch oft „voluminöser“ klangen, so wie etwa der Unterschied zwischen einem Oberheim Matrix-6 zum deutlich höher integrierten Matrix-1000 oder dem noch mit VCOs ausgestatteten Xpander.“

    Der Unterschied zwischen Matrix-6 und Matrix-1000 liegt nicht am Curtis Chip, der ist bis auf die Gehäusebauform (Wide-Body vs. Narrow Body) der gleiche. Es liegt an der unterschiedlichen Erzeugung der Clocks, die via Teiler die Freuquenz der DCOs/Waveform-Konverter bestimmen. Beim 6er sind das 3 hochfrequente Schwingkreise, beim 1000er ein Quartz.

    • Profilbild
      drbach

      Genau, Der Unterschied zwischen M1000 und M6 ist meiner Meinung nach marginal (habe beide hier), der M1000 ist halt immer in tune, der M6 kann etwas driften. Ich gehe eher davon aus, dass die grössten Klangunterschiede bei Curtis-Synths eher von der externen Beschaltung der Chips ausgeht, beim M6 und M1000 ist aber auch da kaum ein Unterschied festzustellen (ausser der Clock, wie erwähnt)

    • Profilbild
      moogulator RED

      absolut richtig, die Beschaltung ist extrem wichtig, der VX600 hat den gleichen CEM wie Xpander und nicht halb so „gut“ im Sinne von „gut“ ;)

      Es gibt so viele Fraktionen, die dem CEM viel zu schreiben, die Puristen sagen böse weil nur diskret (ohne Chips) klingt und andere reden ewig lang über DCOs ..

      Es ist einfach so, dass die Beschaltung mehr eine Rolle spielt und deshalb muss man einfach jeden Synth extra bewerten, das kann man auch rein technisch tun, aber das wäre dann das härteste Nerdgeschoss was man finden kann.

  2. Profilbild
    Theo M

    Aufgrund seines zeitlos schönen Designs wirkt der Akai AX80 auch heute noch attraktiv, und er klingt in seinem Rahmen auch wirklich wunderschön analog! Leider weist er einige Schwachpunkte auf, die schon bei seinem Erscheinungsdatum wie ein schlechter Scherz anmuteten und ihn für verzichtbar erklärten: 1.) es fehlt der Rauschgenerator (Noise), 2.) keiner der insgesamt vier LFOs kann den VCA modulieren (!) und 3.) ist die Stärke der Pulsbreitenmodulation nicht regelbar, es fehlt schlicht der „Depth“-Parameter. Sync und Crossmodulation sind zwar vorhanden, jedoch im Vergleich mit den VCO-Boliden von damals in ihrer Auswirkung wenig berauschend (DCOs). Insgesamt lässt sich der AX80 dennoch sehr dynamisch spielen. Hierzu sollte man neben den im Test beschriebenen Spielhilfen die (programmierbare) Anschlagdynamik der Tastatur und unbedingt auch das Eingaberad als gleichwertige Spielhilfe nutzen. Meinen AX80 habe ich im Jahr 2000 erworben und im gleichen Jahr wieder für DM 650,- verkauft, heute liegt er bei (T)EUR 650,-. Mehr sollte man für ihn nicht ausgeben. Auf Youtube gibt es einige schöne AX80-Demos, meine hört man auf: http://sou.....ce-analog/

    P.S.: Die Knöpfe links auf Deinen AX80-Fotos sind nicht die Original-Knöpfe, die stammen vermutlich von einem Jupiter 4 oder Promars.

Kommentar erstellen Kommentar erstellen Leser-Story erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

AKAI AX80

Bewertung: 4 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 4
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Hersteller-Report Akai

AMAZONA.de Charts

Aktion