Blue Box: ARP 2600

24. Januar 2009

ARP 2600 Synthesizer

Aus aktuellem Anlass trifft es sich sehr gut, nach dem MacBeth M5 nun einen Blick auf den ARP 2600 zu werfen. Beide Synthesizer sind sich in ihrer semimodularen Bauweise sehr ähnlich und – obwohl klanglich verschieden – das eine Instrument ebenso ein Klassiker wie das andere.

ARP 2600 Synthesizer

ARP 2600 Synthesizer

Allgemein

„The ARP Model 2600 Synthesizer is a compact, portable, integrated, dependable, rugged and supremely flexible synthesizer.“

Das Zitat aus dem im Februar 1971 erstmals gedruckten Handbuch zum ARP 2600 macht deutlich, worum es sich bei diesem Instrument handelt: Um einen kompakten und flexiblen Analogsynthesizer. Zudem unterscheidet er sich bis heute von fast allen seinen Konkurrenten (mit Ausnahme der Roland-Modularsysteme, MacBeths M5 und einigen wenigen anderen) durch die Verwendung von Fadern. Das Instrument ist extrem übersichtlich aufgebaut und durch die interne Vorverdrahtung der einzelnen Module äußerst effizient zu bedienen.

Ganz von ungefähr kam die gelungene Oberfläche des ARP 2600 natürlich nicht. Zum einen war es erklärtes Firmenziel, sich eindeutig von der Konkurrenz Moog zu unterscheiden. Da deren Instrumente mit Potis arbeiteten, setzte ARP auf Fader.

Eingebaute Lautsprecher machen den ARP 2600 autark...

Eingebaute Lautsprecher machen den ARP 2600 autark…

Zum anderen entsprach der benutzerfreundliche Aufbau den Bedürfnissen der von ARP zugedachten Zielgruppe: Schulen, sowie Studios und Universitäten mit kleinerem Budget. Das Instrument musste also zunächst pädagogischen Bedürfnissen gerecht werden, es sollte handlich sein, übersichtlich und verständlich. Schließlich wusste 1970 so gut wie niemand, was ein „Synthesizer“ eigentlich war. Pearlmans Erwartungen an die Allgemeinheit der Musiker waren auch dementsprechend gering – im Handbuch zum ARP 2600 gibt es diesbezüglich einige vergnügliche Textpassagen zu lesen! Mein persönlicher Favorit

„Don’t forget to TURN ON THE SYNTHESIZER. Often this is the reason why you get no sound out of it.“

ARP schaffte es, den neuen „Halbmodularen“ so zu konzipieren, dass er Übersichtlichkeit, pädagogische Hilfe (mittels kleiner Skizzen und der vorbildlichen Beschriftung), effiziente Arbeitsmöglichkeiten (durch die interne Vorverdrahtung) und – last but not least – einen extrem vielseitigen und musikalischen Soundcharakter in sich vereinte.

Pägagogisch durchdacht: Alle vorverdrahteten Audio/Spannungseingänge sind gut lesbar dargestellt

Pägagogisch durchdacht: Alle vorverdrahteten Audio/Spannungseingänge sind gut lesbar dargestellt

Der ARP 2600 wurde von 1971 bis 1981 gebaut. In dieser Zeitspanne verließen ca. 3000 Instrumente die Fertigungsstätte in Massachusetts.

Klangbeispiele
Forum
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    Axel Jungkunst

    Eigentlich ein 4-Sterne-Gerät, aber irgendwo muss die Grenze gezogen werden. Der 2600 gehört zu den vielseitigsten und klanglich interessantesten Synths, die jemals gebaut wurden. Dieses Gerät fasziniert mich heute noch, wenn der (Klang-)Forscherdrang durchbricht, und die Bandbreite des Möglichen ist enorm. Immer noch Hats Off To Mr.Pearlman!

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    Marc

    hört Euch Herbie Hancocks "Sextant" mit Patrick Gleason am ARP an! Spitze Sounds

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    Tom

    Aber klanglich geht es mit den, im Artikel genannten und derzeit erhältlichen, Alternativen sicherlich auch in die richtige Richtung. Der M5 klingt zwar etwas rauer, ist aber von der Haptik aus sehr gut. Kosten tut er soviel wie ein sehr gut erhaltener ARP. Wenn man ihn dann auch mal bekommt…

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      Bloderer  RED

      … mit etwas Glück kommt der MacBeth M5 sogar günstiger. In England wird der weiße M5N – zB bei RL Music – NEU für 2500 GBP + Versandkosten angeboten. Das macht je nach Wechselkurs um die 3000-3200 Euro. Das wäre schon ganz ok…

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    elektronalin

    Wirklich ein ganz Großer, der ARP2600. Anhand der Klangbeispiele hört man auch sofort den deutlichen Unterschied, zwischen Hardware und Plug-In. Besonders bei den percussiven, extrem durchsetzungsfähigen Klängen und nicht zu vergessen, gerade bei den Höhen. Da sind digitale meist ziemlich artefaktreich!

    Klar, der Preis und die Angst, dass so ein teures Instrument seinen Geist aufgeben könnte, sind da schon ein Gegenargument für den Großteil der Elektromusiker.

    Und zum guten Schluss wird die analoge Schönheit, eines solchen Instruments, oder eines teuren analogen Equipments sowieso zwangsweise wieder Kaputtgewandelt, um dem CD Standard gerecht zu werden.

    Gruß an Alle!!!

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    Markus Schroeder  RED

    Ach, da werden meine Äuglein feucht. Wenn ich an die Zeit zurückdenke als ich damit Musik Tutorien gehalten habe.

    mmmh… ist grade mal 4 Jahre her, trotzdem.
    Tolle Teil, Schluchz…

    ;)

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    iggy_pop  AHU

    Ich frage mich, wer der Vorbesitzer des oben gezeigten 2600 war. Ich hatte im April 1996 die Möglichkeit, einen 2600 mit Tonus-Logo und 3620-Tastatur mit aufgesetzter PPC in Berlin zu kaufen, habe aber von dem Kauf abgesehen, weil der technische wie auch der kosmetische Zustand den hohen Preis nicht rechtfertigte — der Vor-Vorbesitzer war ein bekannter Name aus der Däschnöh-Abteilung und bekannt für seinen doch recht, äh, lieblosen Umgang mit den ihm überlassenen Instrumenten. Schön, wenn dieses Instrument wieder zu neuem Leben erblüht ist.

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    iggy_pop  AHU

    Der hier abgebildete 2600 (mit Tonus-Logo) und dem modifizierten 3620-Keyboard mit PPC erinnert mich an ein Gerät, für das ich 1996 extra nach Berlin gefahren bin — das stand irgendwo in Charlottenburg in einer Küche auf einem wackeligen Bügelbrett und klang *furchtbar*. Völlig aus der Kalibrierung, im Prinzip unspielbar. Hat dafür ursprünglich wohl mal dem Doktor Wackler gehört… Ich habe diesen 2600 dann lieber stehenlassen und mir im Herbst 1996 einen fast nagelneuen in ausgezeichnetem Zustand zugelegt. Das habe ich nie bereut (sieht man von den Reparaturrechnungen für neue Buchsen und Slider einmal ab).

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