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Blue Box: ARP Quadra, Analog Ensemble-Synthesizer

Die Hüllkurve des Leadsynthesizers ist sehr viel flexibler, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Im Verbund mit den Presettastern erhält man eine zweite Attack-Phase.

ADSASR

Wie schon beim Polysynthesizer gibt es wiederum einen Fader, der bestimmt, wie stark die Hüllkurve den Filterverlauf moduliert. Der Blick auf die VCA-Hüllkurve sorgt zunächst einmal für Ernüchterung. Was – nur ADR? Kein Sustain? Doch hier kommen wieder die grünen Folientaster ins Spiel, namentlich die „Sustain Low“-Taste.

Das Ganze resultiert in einer Attack-Decay-Sustain-Attack-Sustain-Release-Hüllkurve. „A very complex envelope“, wie das Handbuch ganz ohne falsche Bescheidenheit anmerkt. Im Prinzip ergänzen sich hier Preset-Einstellungen und frei wählbare Hüllkurvenabschnitte zu einem ziemlich differenzierten Lautstärke- und Filterverlauf mit einer zweiten Attack-Phase. In musikalische Sprache übersetzt lässt sich so beispielsweise ein überzeugendes Sforzando erzeugen.

Tja, da beginnt langsam der Diamant zu funkeln. Denn dazu kommt noch die Tatsache, dass sich der Lead-Synthesizer per Touch Sensor „anschlagdynamisch“ spielen lässt. Das hatte bereits dem ARP Pro Soloist zu unglaublicher Lebendigkeit verholfen. Mittels Tastendruck können Lautstärke, Filteröffnung und Tonhöhe (Bend up only) sehr subtil und musikalisch sinnvoll beeinflusst werden. Die Touch-Sensoren befinden sich allerdings nur unter den Tasten der oberen drei Oktaven.

Vom ARP Pro Soloist hat der Quadra den Aftertouch übernommen

Der Lead-Synthesizer im ARP Quadra klingt einfach unglaublich fett. Tony Banks witzelte später in einer Werbebroschüre für den Korg Oasys, dass er seinen alten Klang ganz einfach simulieren könnte: Schließlich bräuchte er nur einen Sägezahn mit etwas Portamento zu veredeln. (Ton-yB und Costello an dieser Stelle unisono: Hahaha!) Diesem „Bankstatement“ muss entschieden widersprochen werden: Seine Soli klangen nie zuvor und vor allem zu keinem späteren Zeitpunkt so gut wie auf dem ARP Quadra.

Triller mir mal was

Auch die Modulationsmöglichkeiten sind ziemlich außergewöhnlich. In manchen Forumsbeiträgen liest man auch, sie seien „weird“ – also schräg oder sonderbar. Das gilt natürlich nicht für das einfache Vibrato, das der LFO an die Oszillatoren abliefert.  Anders sieht es mit der Trill-Funktion aus, die den eingebauten Computer nutzt, um Intervalle zu speichern. Der Quadra „trillert“ dann fröhlich vor sich hin – auf Wunsch in wahnsinniger Geschwindigkeit. Verbindet man das mit dem Arpeggiator, klingt es garantiert „weird“.

Auch ohne „Trill“ lässt sich „Intervall Write“ gewinnbringend einsetzen, vor allem in Live-Situationen. Wer nicht ganz so griffsicher ist wie Tony Banks, der kann beim Solosound von Abacab auf Intervall Write zurückgreifen.

Die Modulationsabteilung des Quadra mit der eigentümlichen Trill-Funktion. Man beachte bitte auch den einsamen Folientaster für das Intervall Write.

In der Abteilung „VCO Pitch Modulation“  ist außerdem der Hold/Flat-Taster wichtig. „Hold“ blendet im Zusammenspiel mit einem Fußschalter die Leadstimme aus einem komplexen Arrangement ein und aus (was ja nun eindeutig kein Pitcheffekt ist).  Anders „Flat“, das die Stimmung der Lead-VCOs oder der Poly-Sektion einen Halbton absenken kann, um dann den Klang effektvoll wieder auf seine ursprüngliche Tonhöhe zurückfedern zu lassen. Damit ergänzt dieser Effekt das durch Aftertouch gesteuerte Pitchbending nach oben. Etwas gewöhnungsbedürftig – diese Kombination aus Fußtaster und Aftertouch fürs Pitchbending.

Phasendreher

Für die klangliche Ausgewogenheit der vier Quadra-Bereiche sorgt der Output Mixer. Aber es sind ja fünf statt vier Fader? Was haben wir übersehen? Alles klar, der ARP Quadra bietet auch die Möglichkeit, ein externes Signal einzuschleifen und in der Lautstärke mit den Quadra Sounds zu mischen. Und noch eine Besonderheit: Der Mixer hat Send/Return-Funktion. Darauf kommen wir im Abschnitt über die Ein- und Ausgänge des Quadras noch einmal zurück.

Ein besonderes Highlight des ARP Quadras ist der Phase Shifter

Nachdem die einzelnen Bereiche möglicht „heiß“ abgemischt sind – für einen guten Rauschabstand – gibt es natürlich noch einen Master-Regler. In der Mischerabteilung wartet ein weiteres Highlight des ARP Quadras: der Phaser. Lange bevor uns die Workstations mit „Rundum-Sorglos-Effekt-Paketen“ verwöhnten, gab es Synthesizer mit eingebauten Effekten. So besitzt der ARP 2600 einen Federhall, der viel zum Vintage Sound des Instruments beiträgt. Der Korg Trident hat einen sehr coolen Flanger an Bord. Und beim ARP Quadra kommt ein genialer Phase Shifter zum Einsatz. Nicht so ein vergleichsweise braver Phaser wie später beim Korg Polysix, mit dem sich immerhin ein Orgel Leslie halbwegs realistisch simulieren ließ. Sondern ein richtig dramatisches Phasing. Ist der Resonanzregler auf Maximum gestellt, dann gurgelt und blubbert der Sound, dass es nur so eine Freude ist. Für noch mehr Variation sorgen die Modulationsmöglichkeiten – per Pedal, Preset-Hüllkurve, sogar Sample and Hold ist möglich.

Der Effekt kann für alle Sektionen des ARP Quadra einzeln ausgewählt werden. Ein leicht angephaster String-Brass-Sound à la „Shine on you cracy diamond“ und darüber ein trockener Leadsound – kein Problem.  Und das Ganze in Stereo. Ein „stereo animator“ sorgt dafür, dass das Phasing-Signal in Abhängigkeit von der gewählten Sweep-Geschwindigkeit zwischen den Lautsprechern hin- und herwirbelt.

Links neben der Tastatur befinden sich die beiden Portamento-Fader für VCO 1 und 2. Außerdem wird hier das Triggerverhalten des Polysynthesizers eingestellt.

Doppelter Glideeffekt

Links und rechts neben der Tastatur befinden sich ein paar weitere Regler. Zur linken kann mit einem einfachen Umschalter das Triggerverhalten des Poly- und Leadmodus des ARP Quadra verändert werden. In der Multiple-Stellung löst jeder Tastenanschlag ein neues Triggern der Hüllkurve aus. In der Position „Single“ können bei Legato-Spielweise neue Triggerimpulse vermieden werden. Oder eben bewusst ausgelöst, um einzelne Töne zu akzentuieren. Hochinteressant sind die zwei Portamento-Fader. Tatsächlich kann jedem der beiden Lead-Oszillatoren eine eigene Portamento-Geschwindigkeit zugeordnet werden – very nice. „Dadurch entstehen Schwebungen im Attack, die erheblich zum fetten Klang der Lead-Sounds beitragen“, schwärmt Ton-yB. Das erinnert fast schon an das polyphone Portamento der großen Oberheim Synthesizer. Na gut, fast.

Rechts der Tastatur wird der Aftertouch und der Arpeggiator aktiviert. Letzterer kann im Zusammenspiel mit der Trill-Funktion für Effekte verwendet werden, die dann tatsächlich nach Sequencer klingen.

A wie Aftertouch, a wie Arpeggio

Wechseln wir auf die rechte Seite: Hier wird die Aftertouch-Funktion aktiviert. Der zweite Schalter ist etwas hochtrabend mit Sequencer beschriftet. Tatsächlich handelt es sich um einen Arpeggiator, der auf den Lead-Synthesizer wirkt. Möglich sind Auf- sowie Auf- und Abwärtsbewegungen. Über die bereits beschriebene Trill-Funktion wird das Arpeggio-Tempo variiert. Durch die verschiedenen Triggermöglichkeiten des ARP Quadras kann der LFO mit dem Wechseln der Akkorde synchronisiert werden. Mittels Fußschalter kann das Arpeggio gehalten werden, so dass man beide Hände frei hat für den Bass- und Polybereich. Bei cleverer Programmierung der Intervall- und Trillerfunktion können tatsächlich Sequencerartige Effekte erzeugt werden. „When you combine this sequence with the other Quadra sections, the result can be overwhelming.“ Da kann man den ARP-Autoren nicht einmal Übertreibung unterstellen.

Quadra-Anschlüsse erster Teil: Pedale, Fußschalter und separate Ausgänge für jedes der vier Quadra-Instrumente.

Please connect me

Die Rückseite des ARP Quadra ist mit Buchsen nur so gepflastert. Pedale, Fußschalter, Stereoausgänge, Line Mono und XLR. Dazu eigene Quad-Ausgänge, um jedes beliebige Signal des Quadras unabhängig von den anderen zu mixen. So könnte etwa dem Leadsynthesizer ein spezieller Echoeffekt zugemischt werden. Hier wartet noch ein besonderes Schmankerl: Die Quad-Outs haben eigene integrierte Effektschleifen! Mit einem Insert-Kabel lassen sich direkt für jede Quad-Section einzeln Effekte einschleifen und dann mit dem Phaser/Mixer zusammenmischen. Vor allem können aber auch externe Signale mit dem Monster-Phaser bearbeitet werden! Denn es gibt einen eigenen Eingang für ein Fremdsignal, das in der Mixersektion abgemischt werden kann.

Dazu kommt noch die volle Ausstattung mit CV-, Gate- und Trigger-Ein- und Ausgängen, um den Lead-Synthesizer entweder durch einen Sequencer oder anderen Synthesizer zu steuern. Oder ihn seinerseits zum Ansteuern externer Geräte zu nutzen. Und als ob das noch nicht genug wäre, besitzt auch der Bass-Synthesizer eigene CV- und Gate-Buchsen – In wie Out.

Leider gibt es keinen gesonderten Triggereingang, um den Arpeggiator zu synchronisieren. Die großzügig bemessenen Verbindungen mit der Außenwelt sind umso willkommener, als der ARP Quadra natürlich noch nicht über MIDI verfügt.

Und Quadra-Anschlüsse zweiter Teil. Allein die CV- und Gate-Anschlüsse für Lead- und Bass-Synthesizer sind ein Fest!

ARP Quadra – Mehr als die Summe seiner Teile

Das Geheimnis des ARP Quadra liegt in zwei Dingen begründet: Die ARP Ingenieure haben ein ziemlich intuitiv zu bedienendes Instrument geschaffen und dabei alles weggelassen, was man eigentlich nicht braucht. Das ist der große Unterschied zu ARPs echtem Polysynthesizer Rhodes Chroma, wo es sich gerade umgekehrt verhält.

Zweitens haben die Konstrukteure ein Gesamtinstrument geschaffen, das tatsächlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Es ist ein Genuss, den ARP Quadra zu spielen, er klingt einfach majestätisch: „Very ARP and in yer face.“ Selbst in seinen Unvollkommenheiten, die er natürlich auch ganz klar hat, kann er als die Quintessenz dessen gelten, was ARP ausmacht. Das haben die Liebhaber, die diese Firma  immer hatte – gerade auch in ihrer Abgrenzung zu Moog – dann auch irgendwann erkannt.

Teuer und anfällig

Diese Zuneigung drückt sich auch direkt in den Preisen aus, die Quadra Liebhaber bereit sind zu zahlen. Der ARP Quadra ist sehr rar. Und es darf als Riesenglücksfall gelten, einen gut erhaltenen Quadra zu erwischen. Es wurden keine großen Stückzahlen produziert zwischen 1978 und 1981. Und manches Exemplar ist in den bald vier Jahrzehnten, die seither vergangen sind, auf der Strecke geblieben.

Auf die anfällige Tastatur haben wir bereits hingewiesen. Das Blechgehäuse des Quadra ist nicht starr genug und kann sich beim Transport leicht verwinden (siehe Interview). Bei schlechter Behandlung können sich schnell unschöne Dellen und Beulen bilden. Aus Spargründen wurde zunächst darauf verzichtet, das Metallgehäuse des Quadra zu grundieren. So brauchte es nicht viel, damit die Beschriftung sich ablöst. Die Seitenteile wurden mit Linoleum-Bodenbelag bezogen und sind anfällig für Kratzer oder lösen sich gerne von den Kanten her ab.

Den Folientastern blieb ARP auch bei der Entwicklung des Rhodes Chroma treu

Als besonders anfällig sollten sich die Folientaster erweisen, für die es bei Ausfall nur schwer Ersatz gibt. Im Prinzip ist es aber machbar, wie Ton-yB im Interview erläutert. Im Internet ist auch ein Beispiel dokumentiert, wo ein vollständiger Austausch der Mylar-Folie gegen konventionelle Schaltertechnik vollzogen wurde. Eine Wahnsinnsarbeit, die dem Look des Instruments nicht unbedingt gut tut.

Ach ja, und dass die Fader mit zunehmendem Alter schwergängig bis unbenutzbar werden, ist jedem ARP Besitzer nur zu geläufig. Das freilich lässt sich beheben. Der größte Risikofaktor ist wohl der Ausfall des Mikrocontrollers. (Auch dazu mehr im Interview).

ARP Quadra – der etwas andere Polysynthesizer

Costello:
Meine Begeisterung für den ARP Quadra resultiert ganz klar aus der Bewunderung für Tony Banks und Genesis. Wie ist das bei Dir? Warum hast Du den Quadra Deiner Sammlung zugefügt?

Ton-yB:
Den Begriff Sammlung mag ich eigentlich nicht so. Auch wenn man natürlich leicht in das Sammelfieber abrutscht. Ich arbeite ernsthaft daran, immer nur Instrumente zu behalten, die ich auch regelmäßig spiele oder die meinen Klangfundus eindeutig erweitern. Was den Quadra angeht, ist das bei mir ähnlich wie bei Dir. Tony Banks war der Held meiner Jugend.  Für mich gehören Banks Kompositionen und seine eigenständige instrumentale „Stimme“ auf Synthesizer, Hammond und Mellotron zumindest abschnittsweise noch immer zum Berührendsten, was die Menschheit an musikalischem Output produziert hat.

 Costello:

Jetzt wissen wir auch, was es mit Deinem Pseudonym auf sich hat. Ton-yB = Tony Banks. Und auf dem Quadra kamen Tonys Soli ja nun besonders fett rüber.

Ton-yB:
Ich würde zwar nicht sagen, dass mir die Quadra Soli unbedingt besser gefallen als seine Pro Soloist oder die späteren Synclavier Leadsounds, die haben alle ihren eigenen Reiz. Aber die auf den Abacab/Mama/Invisible-Touren live mit dem Quadra gespielten Soli klingen schon unglaublich durchsetzungsstark, kraftvoll und definitiv wunderschön. Interessant sind aber nicht nur die monophonen Leadsounds, sondern z.B. auch die Stakkato-Akkorde im Song „Mama“, die Banks einfach auf dem Quadra hält  und von einer LinnDrum triggern lässt. Oder die „Abacab“ Intervalle, bei denen ein Poly-Synth Preset des Quadra durch einen Verzerrer geschickt wird. All diese Sounds sind der ursprüngliche Grund für die Anziehungskraft, die der ARP Quadra auf mich ausübte und die mich letztendlich zum Kauf bewogen hat. OK, ein bisschen haben es mir auch das schräge Konzept und das durchgeknallte Design angetan.

Auf dem Genesis-Album Abacab ist der ARP Quadra prominent vertreten. Auf dem Titeltrack setzt Tony Banks den Chord Memory-Effekt ein.

Costello:
Nun liegen die Dinger ja leider nicht auf der Straße rum.

Ton-yB:
Du sagst es. Ich habe jahrelang, ach was, jahrzehntelang nach einem gut erhaltenen Quadra gesucht. Die wenigen Angebote, die es über die Jahre gab, habe ich immer wieder verworfen, weil die Kisten entweder runtergerockt waren oder mir zu teuer erschienen. Irgendwann begannen die Preise langsam anzuziehen und ich habe dann nach dem Motto jetzt oder nie bei einem Angebot in den USA zugeschlagen. Aus heutiger Sicht war das auch mit Zoll und Transportkosten zwar noch günstig, aber es hätte auch richtig schiefgehen können.

Costello:
Da lässt man Nerven.

Ton-yB:
Absolut. Der ARP ist sehr empfindlich und es ist ein langer Weg über den großen Teich zu mir. Als die Kiste dann endlich da war, funktionierte auch so einiges nicht. Es stellte sich aber dann heraus, dass ich ein richtiges Dornröschen-Expemplar erwischt hatte, welches einfach seit der Herstellung ungespielt im Flightcase gelagert war.

Costello:
Ohne Worte, davon kann man ja nur träumen.

Ton-yB:
Alle Verschmutzungen und Schäden, die auf den Fotos erkennbar waren, stellten sich als Spuren von aufgelöstem Flightcase Schaum heraus. Nicht mal ein Kratzer. Noch nicht mal an den Schrauben neben der Tastatur, die man zum Öffnen des Gehäuses löst, ist der Lack abgeplatzt. Das hatte ich in all den Jahren noch nie gesehen. Also nix abgerockt, sondern frisch aus der Zeitmaschine.

Costello:
Wo hast Du den Quadra technisch aufarbeiten lassen?

Ton-yB:
Ich habe einen kurzen Check durchgeführt und eine Grundreinigung und dann habe ich das Schätzchen für eine elektronische Frischzellenkur zum heiligen Eric nach Holland geschickt.

Costello:
Der gute Saint Eric in Dordrecht. Er ist wirklich der ARP Papst und ein super netter Typ. Ich habe ihm damals meinen Pro Soloist persönlich vorbeigebracht. Von Brüssel aus war das nur ein Katzensprung. Aber zurück zu Deinem Quadra …

Ton-yB:
Das Verschicken war nochmal eine Zitterpartie, aber seither läuft der Quadra wie ein Träumchen. Ich glaube nicht, dass es auf der Welt noch allzu viele Quadras in einem solch guten Zustand gibt.

Costello:
Was schätzt Du an dem Instrument?

Ton-yB:
Seine schräge Einzigartigkeit. Wenn man ohne viel nachzudenken drauflosspielt, klingt es eigentlich sofort wie ein Genesis Track aus den späten 70ern. Der Quadra ist sowas wie die „auf-Knopfdruck-glücklich-analog-Workstation“  für in der Vergangenheit hängengebliebene Art-Rocker wie mich. (lacht)

Costello:
Das hast Du jetzt hübsch gesagt…

Ton-yB:
Na ja, mit den ganzen Spielhilfen und Eigenarten kommt man auch immer auf neue, kranke Ideen. Nicht zuletzt kann man von einem Keyboard aus ohne irgendwelche Menütauchereien ein ganzes Arrangement lostreten (oder besser losfingern) und es erklingt immer im großartigen Breitwand-Analogformat.
Ein weiterer, ganz entscheidender Punkt sind für mich die beiden Frequenzteiler-Sektionen: Strings und Polysynth. Ich finde klassische Polysynths mittlerweile oft recht langweilig.

Costello:
Diese Einschätzung wird die Prophet-5 Besitzer unter uns sicher freuen…

Ton-yB:
Ok, es gibt da schon großartige Kisten, aber der Sound ist doch auch recht ausgelutscht.  Frequenzteiler-Synths galten immer als Orgeln oder Notlösung. Aber neben dem etwas untypischen Klang sind sie eben vollpolyphon und man kann endlich mal mit 10 – oder mehr – Fingern und Pedal spielen. Das geht auch mit einem P10 oder CS80 nicht oder klingt dann nicht besonders. Auf Synths mit diskreter Stimmarchitektur klingen komplexe, vollgriffige Akkorde oder Cluster eben schnell unangenehm und schräg oder einfach too much. Auf dem Quadra klingt sowas geil.

Costello:
Wofür setzt Du den Quadra aktuell ein?

Ton-yB: 
Einfach dransetzen und Spaß haben! Dann als so eine Art Synth-Taschenmesser im Studio mit all seinen Einzelfunktionen beim Arrangieren und Aufnehmen: Bass, String Machine, Phaser etc. und als unerschöpfliche Inspirationsquelle beim Soundschrauben. Gerne dann mit externen Effekten, geschichteten Sounds und CV-Experimenten.

Costello:
Was macht für Dich seine Einzigartigkeit aus?

Ton-yB:
Einige Punkte habe ich ja bereits angesprochen. Aber wenn man es auf den Punkt bringen muss, sind es eigentlich seine Schwächen. Die ARP Leute mussten mit technisch einfachen Mitteln eine eierlegende Wollmilchsau auf die Beine stellen, um ihre Firma vor dem Bankrott zu bewahren. Das ging letztendlich nur, indem sie jede Sektion des Synths auf das Nötigste reduziert,  und dann durch einfache Tricks – also Spielhilfen, Schaltfunktionen, Mixer, Phaser – das Ganze vor der Trivialität gerettet haben.  Ich vermute, dass die Klanggewalt des Quadra auch durch die relative Einfachheit der jeweiligen Signalwege zustande kommt, die ja dann alle kombiniert doch wieder ordentlich komplex sind.

Costello:
Was würdest Du umgekehrt als Schwächen sehen?

Ton-yB:
Die Schwächen sind seine Stärken. Solange man nicht erwartet, dass der Quadra klingt wie ein Memorymoog oder Prophet-5.

Costello:
Wie sieht es mit dem Thema Maintenance aus? Du lächelst so vielsagend. Ist es so schlimm?

Ton-yB:
Wie man’s nimmt. Das Gehäuse zum Beispiel ist zwar wirklich futuristisch schön, aber eben aus recht dünnem Blech gefertigt. Wenn man den Quadra nicht an beiden Enden gleichmäßig anhebt verwindet er sich beim Transport. Das kann zu Verknotungen der elektronischen Innereien führen. Also von Kontaktproblemen über gebrochene Lötstellen bis hin zu Platinenbrüchen.

Costello:
Das will man nicht haben.

Ton-yB:
Das braucht man wirklich nicht. Andererseits sind Profis wie Joe Zawinul damit Jahrzehntelang auf Tour gewesen. Sooo empfindlich isser dann wohl doch nicht, wenn man Ihm nicht mal aus Versehen die Zähne – also Tasten – ausschlägt. Bis auf ein paar Details sind Reparaturen am Quadra ziemlich unproblematisch, es gibt zwar ein paar ICs, die man etwas suchen muss, aber alles keine blauen Blumen.

Costello:
Probleme mit den Folientastern scheinen nicht so leicht zu beheben zu sein.

Ton-yB:
Die Folientaster sind bei normaler Benutzung ziemlich haltbar. Die reagieren ja schon auf leichtes Antippen. ARP bezeichnet sie ja daher auch als „Tap-Touch Switch“. Wenn da aber über Jahre ein Grobmotoriker zugange war, können die schon mal den Geist aufgeben.

Costello:
Und was dann?

Ton-yB:
Dann wird es etwas unangenehm. Entweder man tauscht sie gegen normale Taster aus, wobei man das sicher auch eleganter machen kann, als in dem von Dir (im Blue Box-Report) beschriebenen Beispiel,  oder man lässt sich eine neue Tasterfolie anfertigen. Das ist im Maschinenbau ein ganz übliches Verfahren. Lohnt sich aber leider nur bei größerer Stückzahl. Ich hatte mal interessehalber ein Angebot angefragt, das lag bei ca. 3000,- Euro für eine einzelne Folie.

Costello:
Das klingt nach einem Schnäppchen.

Ton-yB:
Gefährlicher wird es nur bei der CPU, die die Taster verwaltet. Das ist eben ein Mikrocontroller, d.h. das Quadra „Betriebssystem“ ist fest in den Chip integriert. Wenn der flöten geht, ist Ende Banane. Ein Händler aus den Niederlanden hat mal Ersatz CPUs angeboten. Ich habe mir damals zur Sicherheit ein Backup gekauft. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Teile sehr haltbar sind. Bisher läuft meine original CPU einwandfrei. Ich nehme an, dass man den Mikrocontroller mit den heutigen technischen Mitteln auch clonen könnte. Grundsätzlich gilt für mich: Technik lässt sich immer irgendwie reparieren.

Komplexe Angelegenheit: der Schaltplan des Microcomputers

Costello:
Für wen macht der Quadra aus deiner Sicht heute Sinn?

Ton-yB:
Tja, für wen macht das Teil Sinn?! (Schmunzelt)  Also erstmal für jeden, der sich in den göttlichen Sound verknallt. Dann hilft’s eh nix. Dann natürlich für Musiker, die ihren Synth wirklich im Sinne einer Instrumental-Performance spielen wollen. Die ein elektronisches Instrument suchen, welches Übung beim Spielen und Experimente bei der Verkabelung mit externen Effekten oder CV-Kisten mit immer neuen, unerwarteten Soundentdeckungen belohnt. Klar, wer ‘ne gute String Machine, eine Moog Taurus Alternative, eine Polymoog Alternative, den Über-Phaser oder den fettesten ARP-Lead sucht, der könnte auch fündig werden. Aber für die Einzelaufgaben sind die Quadras dann wohl doch schon ein bisschen zu teuer geworden.

Costello:
Auf alle Fälle ist der Quadra zu schade für die Vitrine.

Ton-yB:
Sammler und Spekulanten lassen sich hoffentlich von den technischen Eigenheiten, dem „odd ball“-Image oder dem Begriff „Frequenzteiler“ abschrecken. Wär doch schade drum.

Costello:
Das finde ich auch. Vielen Dank, Ton-yB, dass Du uns den Quadra mit so viel Begeisterung und Kenntnis nahe gebracht hast.

Klangbeispiele

Es gibt einige schöne YouTube-Videos zum Quadra, speziell von Marko Ettlich. Ganz ohne Klangbeispiele wollten wir aber auch diesen Blue Box-Report nicht veröffentlichen. Ton-yB hat die filigrane „Quadra-Improvisation“ beigesteuert, die jenseits der Portamento-Leads die Raffinesse des Quadras zeigt. Keine Overdubs, alles in einem Durchgang mit Pedalen und Fußschaltern gespielt. Ton-yB war auch so nett, den Polyfilter-Sweep (70% Resonanz) mit Phaser noch einmal einzuspielen. Mit bewusst niedriger angesetztem Pegel, weil dieser Sound gerne mal Verzerrungen produziert, die dann vor allem bei der MP3-Wandlung virulent werden. Den Rest der Beispiele habe ich on the fly während einer Session in Ton-yBs Studio eingespielt, während Ton-yB das Programming übernahm und die Aufnahmekette zum Laufen brachte (siehe unten).

Joe Zawinul war der erste, der den neuen ARP Quadra testete. Der Keyboarder von Weather Report war auch wichtiger Werbeträger für ARP.

Zu hören sind die typischen Leadsounds und der Bass des Quadra. Je ein Beispiel ist dem Arpeggiator, zu dem der Trill-Effekt dazukommt, dem Intervall Write und dem doppelten Portamento gewidmet. Letzteres ist beim Pulslead-Sound zu hören, nur subtil eingesetzt, um den Klang anzufetten. Bei diesem Beispiel hört man auch das mit Aftertouch gesteuerte Pitchbending. Zwei Beispiele bringen das Zusammenspiel von Bass, Strings (einmal mit Phaser) und Leadvoice zu Gehör. Und es gibt einen – oben bereits erwähnten – Filtersweep mit reichlich Phasing garniert. Über Notebook-Lautsprecher ist das nur eine halbe Sache; am besten wirklich über die Stereoanlage hören.

Die Aufnahmekette: Quadra (Stereo Out) -> 2x Stage Acompany SA20 Di-Box -> 2x Amek 9098 EQ/Pre (nur Preamp) -> Euphonix CS2000/3000 -> PrismSound Dream ADA-8-> Cubase. Bei zwei Soundbeispielen ist eine LinnDrum dabei, als Hall kam ein Lexicon 224 zum Einsatz. Bei der Improvisation war es wohl ein Quantec QRS und beim Phaser Beispiel ein 480L. Letzteres wurde über eine Lake People DI direkt ins Pult gespielt. Sonst ist alles neutral: kein EQ, kein Kompressor oder sonstige Effekte.

YT-Videos von RetroSound

Hier drei wunderschöne YT-Videos von AMAZONA.de-Autor Marko Ettlich auf seinem YT-Channel RetroSound

Fazit

Wer sich auf das Abenteuer ARP Quadra einlässt, sollte also genau wissen, was er tut. Oder wie es ein Profi-Keyboarder aus Dänemark ausgedrückt hat: „Better go and dig your garden or grow biodynamic vegetables or take more care of your small child or your wife, instead of dreaming of sounding like Tony Banks 30 years ago.“

Wer sich den ARP schließlich angelt, wird mit analogem Klang allerfeinster Güte belohnt. Mancher trennt sich von seinem Prophet, Oberheim, Roland oder Ehepartner. Aber praktisch niemand von seinem ARP Quadra – das muss doch seinen Grund haben.

Plus

  • fetter ARP-Sound
  • Arpeggiator
  • zweistimmiges Portamento
  • Monster-Phaser
  • vielfältige Anschlüsse
  • großartiger Look

Minus

  • Folientaster und Mikrocontroller sind anfällig
  • eingeschränkte Speicherbarkeit
  • kein echter Poly-Synthesizer

Preis

  • ARP Qudra: ca. 4.600,- Euro
  • ARP QUADRA defekt aus USA: ca. 3.400,- Euro (Mai 2017 )
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Upps, den kannte ich bisher ja noch überhaupt nicht. Wusste zwar, dass Carpenter nicht selten ARPs einsetzte, aber dieser hier?

    Hmmm, der hat bei fast allen Klangbeispielen ’nen brassigen Touch. Der ideale Brasssynthesizer aus damaliger Sicht vermutlich. Kategorie Strings höre ich da auch raus, aber weniger prägnant.

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      TobyB  RED

      Hallo Wellenstrom,

      besorg dir mal the Lost Themes I und II in den Booklets kannst du die Gearliste von Carpenter einsehen, Avatar, Moog System 15 und eben Quadra, siehe auch hier http://bit.ly/2vxWIHV Ich hab auch noch irgendeine Doku auf DVD wo Carpenter beschreibt wie er mit dem Moog15 und später mit dem Quadra seine Horrorbrass Sounds macht. Hab den Titel aber vergessen. Ich denke das war aber bei den den Bonus-Material zu The Thing, wobei der Score von Morricone ist.

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        AMAZONA Archiv

        Ah, thx… sehr interessant

        die Alben kenne ich zwar vom Streaming her, aber nicht die Booklets. Sehr interessant, was Du da schreibst. Hätte da auch meinen Allerwertesten drauf verwettet, dass Carpenter den für viele seiner Brasssounds genutzt haben wird (jetzt, wo ich dat Dingen hier gehört habe). Vermutlich sprang ich deswegen auch auf diesen „brassigen“ Sound an.

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          TobyB  RED

          Hallo Welle,

          deinen Wettbobbes kannst behalten :-D , meine bessere Hälfte nennt mich den König des nutzlosen Wissens. ;-) Also Carpenters Einfluss auf die elektronische Musik wird in Deutschland/Europa gerne mal unterschätzt. Man mag von seinen Filmen halten was man will, aber die Scores von The Fog, Assault, u.a. waren stilbildend nd bei etlichen Hollywoodkomponisten hörst du die Anleihen und Zitate an Carpenter. Die Arps wurden gerne bei Synthscores eingesetzt. Von Doctor Who bis Unheimliche Begenung der dritten Art. Da sind überall ARPs zu hören. Carpenter muss man zu Gute halten, das er in Hollywood ein junger, unabhängiger Wilder war, der seine Filme als Gesamtkunstwerk betrachte und obwohl er keine Noten lesen oder schreiben konnte zumindest mit dem Synth supermusikalische Ergebnisse erzielen konnte. Und da er von der Korngold Schule nix hielt, hat er das alles selber umgesetzt. Sieht man von Ausnahmen und Big Budget Produktionen ab. The Thing, aber Hier war Morricone clever genug, seinen Stil zurückzunehmen.

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            AMAZONA Archiv

            Jau,Toby…. ich LIEBE Carpenters komplettes Werk der 70er und 80er (von einer Ausnahme mal abgesehen), filmisch und musikalisch. Mittlerweile tourt er ja auch mal ab und zu durch Clubs mit ’ner kleinen Band (er am Synth) und präsentiert dort seine Soundtracks. Kleine Randnotiz zum „Thing“. Sein erster (und wohl auch einziger – weil Flop dank E.T.) großbudgetierter Film, dessen Budget für Filmmusik höher angesiedelt war, als die Budgets für die vorigen Filme jeweils INSGESAMT. Als Musiker ist er nicht ganz so unbeleckt…. er tourte zur Truppenbelustigung in den 60ern u.a. auch in Deutschland rum mit ’ner Band. Meine, er war dort Bassist. Sein Vater war Musikprofessor. Er bekam auch hochwertigen Musikunterricht. Der Soundtrack zu „Assault on Precinct 13“ wurde übrigens innerhalb von EINEM Tag in einem Mietstudio (nur ein Tag wegen chronischen Geldmangels) ruckizucki komponiert und aufgenommen. Der Mann ist ein Genie. Komplett!

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                TobyB  RED

                Ich verneige mich vor dem Kaiser ;) Was „The Thing“ betrifft. Carpenter meinte in der 4teiligen Doku The History of SciFi, das er auf lange Sicht mit The Thing einen Erfolg hatte. Er aber immer er Meinung war, wenn Alien auf die Erde kommen, „treten sie uns in den A….“ Und noch anders betrachtet, ET wirkt heute niedlich, während The Thing nichts eingebüßt hat, da ist immer noch die Magie, da ist immer noch der Spirit und in der DVD Fassung ist der Soundtrack so wie Carpenter und Alan Howarth den haben wollten. Guck dir mal Guardians of the Galaxy Vol2 an. Während sich mit Kurt Russel und einigen Lines vor JC und Starman verbeugt wird, zieht man ET in einer Szene derbe durch den kosmischen Kakao. Insofern :-D

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                  AMAZONA Archiv

                  Hahaha…. yep! Muss ich mir mal angucken.
                  Was einem gar nicht sooo geläufig ist, ist, dass E.T. seinen Kinostart gerade mal 2 Wochen vor „The Thing“ hatte. Und…. gestern erst realisiert…. „The Thing“ startete exakt am gleichen Tag in den Kinos wie „Blade Runner“. So scheiße kann es laufen, dass ein hervorragender Sci Fi Film unter die Räder kommt, weil das Timing (aus kommerzieller Sicht) schlecht gerät.
                  Ja, „The Thing“ lief dann später im Consumervideomarkt gut. Vielleicht auch noch lizenzrechtlich (Game usw.) einiges rausgeholt.
                  Auch schon allein wegen der Arbeit des damals noch sehr jungen Rob Bottin, der sich an dem Film bis zur Erschöpfung abarbeitete, ein zeitloser Hit. Da sieht man gut, dass am Computer generierte FX nicht alle Lücken füllen kann, und vieles „handgemachte“ besser aussieht.

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                    AMAZONA Archiv

                    So’n Shit…. da schwärmt man gerade von alten Soundtracks aus dem Sci Fi und Horrorgenre und schon muss man lesen, dass wieder ein großer Name aus dem Genre (nach George A. Romero vor einigen Wochen) just verstorben ist.
                    Tobe Hooper hat es nu auch erwischt. Erwähnenswert ist in diesem Forum vielleicht, dass auch er an der „Musik“ zu einem (seiner) Klassiker beteiligt war (m.E. einen der besten Soundtracks in dem Genre). Und zwar am Soundtrack zu „The Texas Chain Saw Massacre“. Aber hier spielte der ARP Quadra mal keine Rolle. Den gab es da noch nicht.

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              costello  RED

              Dam dada da dam! :-) Einen Supersoundtrack hat Assault. Und: Gehe nie zum Eismann zurück, weil er Dir die falsche Sorte in die Waffel getan hat.

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                AMAZONA Archiv

                Hahaha… jau, eine Szene für die Ewigkeit. Brennt sich sofort in den Schädel.
                Wie auch das ewige Geschnorre von Napoleon Wilson nach ’ner Kippe: „Got a smoke?“

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      costello  RED

      Beim letzten Soundbeispiel – der Quadra-Improvisation – kann man den reinen Stringsound schön heraushören. Aber die Brass-Sounds sind schon recht prominent vertreten;-)

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        AMAZONA Archiv

        Jo, macht ja nix. Klingen ja gut, wie auch die Strings…visuell beschrieben haben die Strings Tanga Format…. ;-)

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          Ton-yb  

          Das mit dem String-Tanga täuscht vielleicht (wenn ich den Tanga Bezug richtig interpretiere). Bei der Quadra Impro hatte ich die String Section mit den Fusslagenschlaltern absichtlich ausgedünnt. Ich wollte den Pianoanschlag-artigen Sound aus der Poly-Synth-Section nicht zu sehr wegdrücken. Grundsätzlich kann das Teil so FETT klingen wie eine Arp Solina oder ein Omni. Also Oma’s Merino Unterhose, wenn es sein muss.

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            AMAZONA Archiv

            LOL… ja, nee, hier war Tanga eher mit „sexy“ gleichzusetzen. Schlank aber durchaus hörenswert. Hab mir seitdem ja auch noch hier und da andere Beispiele angehört. Nee, keine Sorge, den Strings mangelt es an nix. Nur bei den ersten hier gehörten Beispielen dachte ich tatsächlich eher an einer guten, sprich – speziellen Eignung für Brass Sounds. Ist aber schon ein Allrounder.

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              Ton-yb  

              Ah, verstehe, ok, dann hatte ich den (String-) Tanga wohl doch schon zu konkret vor dem geistigen Auge ;))

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    lightman  AHU

    Interessantes Teil, danke für den ausführlichen Bericht. Ich höre da tatsächlich ein bißchen Escape From New York mit einem Schuß The Fog, analoge Schwebung mit Eiseskälte im Hintergrund… sehr schön. Ich kann mir durchaus vorstellen, warum manche Musiker den Quadra so lieben, das ist ein Instrument, mit dem man alt werden kann, wenn man den „orgelartigen“ Setup mal akzeptiert hat. Würde ich unheimlich gern mal live ausprobieren.

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      costello  RED

      Hallo lightman, das hast Du schön beschrieben: analoge Schwebungen und gleichzeitig etwas Kühles. Das macht den Unterschied zum Moog aus. Wirklich ein fantastisches Instrument. Ich konnte mich nach der Session in Ton-yBs tollem Studio auch nur ganz schwer wieder losreißen.

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    AMAZONA Archiv

    Sehr schöner Bericht Costello der dem Quadra mehr als gerecht wird. Danke dafür. Der Quadra ist ein sensibler Riesenrochen mit ganz eigenem Charakter. Die Klangpalette ist auf den ersten Blick recht klein, man muss sich Zeit nehmen die Möglichkeiten zu erforschen die das Instrument bietet. Es ist ein riesiges Synthesizer Performance System und die ARP Entwickler haben sich sehr viele Gedanken dazu gemacht, wie der Bühnen-Keyboarder so viel wir nur möglich an Sounds zusammen spielen kann um große Keyboardburgen zu vermeiden. Die Burgen hat das nicht vermieden. ;) Neben Tony Banks, John Carpenter hat auch die New Wave Gruppe Joy Division den Quadra oft eingesetzt. Ein wunderschönes Instrument in meinen Augen aber auch wirklich sehr anfällig. Ich habe meinen Quadra in wochenlanger Kleinarbeit restauriert. Der ist jetzt wie neu. Von dem würde ich mich zuletzt trennen, wenn es sein müßte. Hier ist noch ein ein kleiner Track mit dem Quadra passend zum Sommerwetter. https://soundcloud.com/retrosound-ii/arp-quadra-rainy-afternoon

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      AMAZONA Archiv

      Schönes Beispiel. Klarer, transparenter und weicher Sound. Wieso gibbet den denn nicht als Emulation? Wäre sofort gekauft (vorausgesetzt, die Emu käme an die 90 % Authentizitätsmarke dran).

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          AMAZONA Archiv

          Thx. Gugge mal an…. nicht schlecht. Bin nur kein sooo großer Fan von samplebasiertem Zeugs… wobei, authentischer geht ja kaum.

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      krautkopf  

      sehr schöner song, Marko!!!!
      gefällt mir mit am besten, von dem was ich bisher von Dir gehört hab!
      Liebe Grüße und n schönes Wochenende!

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          AMAZONA Archiv

          New Order, klar…. aber bei Joy Division fingen sie gerade erst mit den Synths an und da durfte es nicht allzu komplex sein. Martin Hannett spielte die Synths im Studio wohl ein. Der „Legende“ nach war es tatsächlich der Omni. Ist der nicht auch im Originalvideo von „Love will tear us apart“ zu sehen?
          Denke, dass der Quadra in der Joy Division Phase nicht wirklich ’ne Rolle spielte.

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          AMAZONA Archiv

          Also… gerade noch mal klug gemacht…. auf den Quadra haben sie erst zum „Movement“ Album „geupgradet“ (Aufnahmen und Veröffentlichung 1981). Da waren sie schon New Order.

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      costello  RED

      Dankeschön Marko, Du kennst den Quadra ja in- und auswendig. Dein Feedback ist mir deshalb besonders wichtig. Es ist ja nicht ganz einfach, über ein Instrument zu schreiben, was nicht die ganze Zeit vor einem steht. Aber die Zusammenarbeit mit Ton-yB war einfach nur klasse und ich finde es schön, wenn auf diese Weise mal wieder eine Lücke bei den Vintage-Synthesizern geschlossen werden kann.

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        AMAZONA Archiv

        Der Bericht ist erstklassig und einer der besten die ich hier je gelesen habe. Von der Ausführung wie auch vom Inhalt top. Der Quadra ist es wert so ausführlich behandelt zu werden.

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    Atarkid  AHU

    Superinteressant zu lesen, hab’s direkt verschlungen! Ein Wahnsinns-Instrument. Schade dass er so anfällig ist. Cooles Interview, schöne Klangbeispiele..
    Costello, echt tolles „blue-boxing“!

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    TobyB  RED

    Sehr geil Costello und ton yB, die Referenz zu ABACAB finde ich sehr passend. Auf wenn viel mit dem Album ein Problem haben, stilistisch empfinde ich das als epochal, insofern als das Genesis hier die Brücke schalgen zwischen dem zuweilen zisseligen Artrock der 70er und dem etwas zurückgenommem Spiel der 80er, auf der einen Seite und auf der anderen Seit der Syntheinsatz und auf der anderen Seite die Bläsersektion von Earth, Wind & Fire geben dem Album seinen Reiz. Genesis der Nachfolger lieferte zwar Hits, war aber konzeptionell schwächer und geprägt vom gedaddel auf der Linn Drum und nicht ganz ausgefeilter Synthlines.

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      costello  RED

      Hi Toby! Für die Klangbeispiele haben wir noch tiefer in die Klamottenkiste gegriffen ;-) In the cage und Colony of Slippermen von The Lamb lies down on Broadway werden zitiert. Das kommt davon, wenn zwei unverbesserliche Genesis-Fans einen Abend zusammen Musik machen :D

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    Son of MooG  AHU

    Aus den erwähnten Gründen hat mich der Quadra nie besonders interessiert, außerdem finde ich ihn immer noch total hässlich. Nichtsdestotrotz habe ich den Artikel mit wachsendem Interesse gelesen; ich kann jetzt gut nachvollziehen, wie die kreativen Kräfte mit diesem Teil geweckt werden können.

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      costello  RED

      Hallo Son-of-MooG, wenn wir Dir als Quadra-Skeptiker ein wenig von der Faszination des ARP’s vermitteln konnten, freut uns das besonders. Schönes Wochenende!

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    mdesign  

    richtig schöner bericht. höchst interessant und ansprechend geschrieben. hatte den quadra bisher nicht auf dem schirm.
    ein widerspruch sei mir erlaubt: das ding ist richtig hässlich.

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      costello  RED

      Merci mdesign! Das Design des Quadra scheint doch stärker zu polarisieren, als wir gedacht hatten. Mir gefällt’s :-)

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    AMAZONA Archiv

    Farbgebung der Elemente, „Überbiss“ der Tasten…. richtig hässlicher Pottwal…. aber ein absoluter Hinhörer…. was zählt, sind ja die inneren Werte, wichtig für ’ne langlebige Beziehung. ;-)

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      AMAZONA Archiv

      Tja über Geschmack läßt sich trefflich streiten. Ich mag die Farbgebung und den Überstand der Tasten gerade. Einfach zeitlos. Für mich ist es der schönste Synthesizer überhaupt. Ich mag es aber auch bunt. ;)

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          AMAZONA Archiv

          Ich finde auch den Moog Source wunderschön. :)

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          costello  RED

          Genauso ist es! Wäre ja auch schrecklich, wenn wir alle auf die selben Synthesizer abfahren würden. Den ARP finde ich aber wirklich hübsch. Ende der 70er gabs wirklich hässliche Synthesizer – den Jupiter 4 zum Beispiel. (Der Sound ist natürlich über jeden Zweifel erhaben)

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    AMAZONA Archiv

    Ein Hammer Teil! Gratulation dazu! Auch schöne Soundbeispiele. Trotzdem sollte man das Ding mal einfach einem George Duke vorsetzen um zu hören was dieser Spezialist rausholt.

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    costello  RED

    Vielen Dank für euer freundliches Feedback! Ich bin gerade auf Zypern im Urlaub und habe jetzt ein bisschen Internet-Verbindung auf der Hotel-Terrasse;-)
    Auch Ton-Yb ist an diesem Wochenende unterwegs. Sonst hätten wir uns natürlich schon früher in die Diskussion eingemischt.

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      AMAZONA Archiv

      Wie Urlaub? Was ist denn das für eine faule Ausrede? ;)
      Viel Spass und schick mal nen Ouzo rüber. :D

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    swissdoc  RED

    Sleeping Beauty, danke fürs Aufwecken. Das Frontpanel Artwork (Design würde ich es nicht nennen wollen) ist wirklich bemerkenswert und der JP8 Vergleich trifft es recht gut.

    Die Soundbeispiele zeigen schön, dass ein guter Synth durch gute Effekte veredelt wird. Bei Martin Hollinger im Synthorama steht ein Quadra, den spielt man über einen kleinen Amp direkt in mitgebrachte Kopfhörer. Da kann man dann vom Sound nur eine leichte Ahnung mitnehmen.

    Viel Spass auf Zypern, immer schön Mezze essen, gegrillten Halloumi nicht vergessen und klau Dir mal eine Zitrone direkt vom Baum. Unvergleichlich.

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      costello  RED

      Ton-yBs Auswahl an Vintage-Hallgeräten ist wirklich vom Feinsten. Und danke für die Zypern-Tipps. Derzeit reifen auch die Granatäpfel.

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    phil_dr110  

    Traumsynth. Nicht, dass ich ihn brauche, aber einfach ein wundervolles Instrument. Und ein schöner Bericht.

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      costello  RED

      Wirklich ein Traumsynth und ich bin happy, ihn jetzt mal kennenlernen zu dürfen. Hoher Anschaffungspreis bei gleichzeitig großer Anfälligkeit würden mich aber selbst als Quadra-Fan vom Kauf abhalten.

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        AMAZONA Archiv

        In so’nem Fall sind hochwertige Emulationen schon lobenswert. Zumindest für’s Studio.

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    k.rausch  RED

    Super Artikel und angemessene Audio Tracks für ein Instrument, das wahrscheinlich kaum einer selber mal unter den Fingern hat, so selten ist der anzutreffen. Meine erste Begegnung ist lange her, allein die Strings hatten mir es auf Anhieb angetan und waren fortan Benchmark. Hab den dann vor gar nicht langer Zeit endlich mal genauer untersuchen können. Deine Hommage trifft so ziemlich genau meinen aktuellen Eindruck. Und die Lines mit viel Portamento sind so Banksy, schön :)

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      costello  RED

      Die Strings würde man mit der Solina oder dem Omni wohl auch hinbekommen. Aber der eigentliche Traum ist das Schichten und Überlagern der einzelnen Bereiche. Und ob es nun am doppelten Portamento liegt: der Leadsynthsizer klingt einfach anders als die anderen ARP-Synths. Tolles Instrument!

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    t.bechholds  AHU

    „Viel ProgRock dabei, der Ende der 70er Jahre seinen Zenit schon überschritten hatte“…

    Ich glaube, die aktuelle „The Wall“ Tournee hatte 4,3 Mio Besucher.

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      costello  RED

      An other brick in the wall war ja damals schon ein Diskothekenknaller. Aber sonst wanderten seinerzeit die Prog-Platten weiter nach hinten in den Plattenregalen. Man hörte Police, Clash, Cure und natürlich Synthpop.

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      swissdoc  RED

      Den Jump von ProgRock zu Pink Floyd kann ich gerade nicht so richtig nachvollziehen?

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    Viertelnote  AHU

    sehr schöner Test und gute Soundbeispiele.
    Die Entwickler haben sich damals ja echt mal Gedanken gemacht. Nur wie die Tastatur verbaut ist, finde ich zum Abbrechen und beschädigen gefährlich.
    Ich bleibe bei den VermonaStrings, sozusagen Stringsounds für Arme:) wobei
    diese wieder ihren eigenen Charakter und Stärken haben.
    liebe Grüße

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      costello  RED

      Die vorstehende Tastatur ist ja leider die Krankheit der ARP-Synthesizer aus der orangenen Periode. Bei der Korg -Neuauflage des Odyssey MK III wurde das zwar behoben. Nur der Klang ist halt nicht derselbe. Vermona Strings sind doch eine feine Sache. Ich helfe mir mit dem Moog Opus 3. Schöne Grüße vom Pool bei 38 Grad. :-)

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    Moogfeld  

    Klasse Bericht und ein cooles Flaggschiff dazu…….ich mag Teile zum Anfassen ebenso lieber als einen Mauszeiger hinter einer Glasplatte zu schubsen. Der Quadra erinnert mich vom Grundkonzept her stark an den Korg Trident, den ich auch immer schon mal haben wollte. Doch meine Angst vor dem täglich möglichen Geräteexitus bei Vintage-Geräten ist heute einfach zu groß. Auf alle Fälle immer wieder super, dass es Leute gibt, die derartige „Kulturschätze der elektronischen Musikgeschichte“ am Leben halten, egal ob aus Sammelleidenschaft, als Geldanlage, oder einfach nur zum Musik machen!

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      k.rausch  RED

      Trident, korrekt. Der sich klanglich mit dem Quadra messen kann. Es war die große Zeit der Ensemble Keyboards und Quadra sowie Trident als Top-Modelle, im Mittelfeld Yamaha SK30, darunter Siel Cruise. Ein gutes Konzept für Live Keyboards.

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        costello  RED

        Der Trident ist super: tolle Strings, toller Flanger und sogar ein echter Polysynthsizer. Aber genau der fällt gegen den zweistimmigen Leadsynthesizer im Quadra deutlich ab. Ich müsste mich sehr täuschen; aber meiner Erinnerung nach besitzt der Trident kein Portamento. Und dieser Effekt ist das Salz in der Prog-Suppe :)

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          k.rausch  RED

          Dass Portamento ein Segen für Prog darstellt, wurde damals wohl noch nicht vollständig erfasst. Wie sträflich, das nicht mitzuliefern, ts ts. Yamaha hat beim SK30 dagegen einen wunderbar zugänglichen Time Slider für Portamento eingebaut. Dafür gibts ganz klar einen Rick Wakeman Bonuspunkt :)

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    anttimaatteri   1

    Das Design ist wirklich elegant, aber die Tastaturanordnung geht sowas von gar nicht . Die sieht aus wie ein extremer Vorbiss…

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      AMAZONA Archiv

      Vielleicht hatten die Designer ja ’ne Art „Freddie Mercury“ Custom Synthesizer im Kopp und das blieb übrig. ;-)

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      Ton-yb  

      Ich finde die hervorstehenden Tasten super.
      Wenn man den Quadra spielt scheinen die Tasten ein wenig vor einem zu schweben.
      Muss man selber entdecken. Auf Fotos kommt das nicht rüber.
      Das Design ist eine Geste: Etwa so als ob ein Butler, einem etwas auf einem silbernem Tablett entgegenreicht. Der Synth reicht einem die Tasten zum spielen. Sehr elegant. Unpraktisch ist es nur für den Transport, aber mit dem richtigen Flightcase ist auch das ok.

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    Ton-yb  

    Danke auch von meiner Seite für die vielen positiven Kommentare. Freut mich, daß der Artikel hier so viel Resonanz findet. Es hat viel Spass gemacht, costello beim Schreiben des Artikels zu unterstützen :)

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      costello  RED

      Hallo Ton-yB, auch von mir an dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön. Von Deinem spontanen Angebot hier auf der AMAZONA.de-Seite, einen Report zum Quadra zu unterstützen, über viele Mails mit wichtigen Korrekturen und Details aus der Praxis bis zu der gemeinsamen Session (bei der wir bangen mussten das Pult anzuschmeißen, weil wegen Sintflutartiger Regenfälle die Luftfeuchtigkeit so hoch war), war das eine tolle Zusammenarbeit. Die positive Resonanz zeigt, dass der Aufwand sich auf alle Fälle gelohnt hat :-)

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    fritz808  

    toller bericht – wirklich sehr schön geschrieben. ich war nie ein quadra-freund, aber ist auch schon lange her, dass ich ihn gespielt habe. nun hast du mir richtig lust darauf gemacht. schon merkwürdig, wie man sich so leicht beeinflussen lässt :-)

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      costello  RED

      Freut mich, wenn der Artikel Dir gefallen hat. Aber selbstverständlich will ich niemanden „beeinflussen“, sondern vor allem informieren. Der Quadra ist ein Supersynthesizer, keine Frage. Aber wenn man einfach nur den ARP-Sound liebt, kommt man mit einem Axxe, Solus, Odyssey oder Avatar vielleicht auch schon ans Ziel. Das schont auf alle Fälle die Geldbörse und auch die Nerven ;-)

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    Tyrell  RED 3

    Der fehlt mir noch in meiner Sammlung (zusammen mit 100 anderen).. wenn ich doch nur Platz, Zeit und Geld hätte (oder war die Reihenfolge anders herum?

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      AMAZONA Archiv

      Kann man ja alles aufteilen….

      einer spendet das Geld dafür, ein anderer die Zeit und ich stelle den Platz zur Verfügung. ;-)

      Ja, nee, spassemacht…. mir reichen die virtuellen…

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      costello  RED

      Nicht sammeln, Peter, sondern sich nur hinstellen, was man wirklich zum Musikmachen braucht. Sonst geht man irgendwann nur noch mit dem Feudel zwischen den Keyboardständern herum und staubt die Instrumente ab ;-)

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    Synclavier  

    Hey Costello,
    das ist ein sehr schöner und ausführlicher Bericht. Vielen Dank dafür! Der Quadra scheint trotz gewisser Einschränkungen eine richtige Wucht zu sein. Ich finde ihn optisch auch sehr ansprechend. Aufmerksam wurde ich erstmals auf den Quadra durch Genesis bzw. Tony Banks. Man hört ihn ja vor allem auf „Abacab“ heraus. Auf der „Live at Wembley Stadium“ kann man den Einsatz ja sehr gut erkennen. Dieser sägende Leadsound des ARP Quadra Synthesizers ist prägend und bleibt für mich unverwechselbar im Zusammenhang „Abacab“. Vielleicht klingt der Leadsound zuerst nervig, aber gerade das macht „Abacab“ und auch das gesamte Album aus. Daneben kam er u.a. auch beim „Mama“ und seinem zweiten Soloalbum „The Fugitve“ zum Einsatz. Tony schien sowieso immer ein ARP Fan (Arp ProSoloist, ARP 2600 und eben den ARP Quadra) gewesen zu sein. Den ARP 2600 hat er ja mit der „Duke“-Tour durch den Quadra ersetzt.

    Danke auch für die Klangbeispiele – als alter Genesis-Fan hatte ich meine Freude daran. ;-)

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      costello  RED

      Hallo Synclavier, ich finde Banks „Ätzsound“ auf dem Titel Abacab ziemlich genial, gerade weil er die Hörerwartungen an fette Sägezahnsoli mit Portamento damit so schön konterkariert hat. Ich habe die Alben nach „Wind and Wuthering“ damals zunächst gar nicht gemocht; aber inzwischen ihre Qualitäten entdeckt. Man kann ja auch nicht ständig „Supper’s ready“ hören ;-)

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          Ton-yb  

          Guter Link! Hatte das Konzert früher mal auf VHS und habe es ewig nicht mehr gesehen.
          Im Instrumentalteil grooven die Jungs (auf die feine englische) wirklich unglaublich. Das war damals die Antwort von Vollblutmusikern auf die ersten Casting Bands…also auf die von Malcolm McLaren erfundene „Punk“ Mode ;)
          Man kann auch gut sehen, daß der ABACAB sound Preset „10“ auf dem Quadra ist. Wie ich Mr. Banks einschätze, ist das ein leicht angepasstes Werkspreset. Anhand des Videos kann man den Sound also gut nachbauen. Muss ich bei Gelegenheit mal versuchen :)

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            AMAZONA Archiv

            Naja, lassen wir mal die Kirche im Dorf. Malcolm McLaren als „Macher“ des Punks zu bezeichnen ist in etwa so stimmig wie wenn man Ringo Starr als den Hauptsongwriter der Beatles bezeichnen würde.
            Und das Beispiel mit der Spielkunst hapert daran, dass es eigentlich umgekehrt lief… erst waren die Schnörkeleien von Genesis und Co. da und DANN kam der Punk mit seiner reduzierten Spielweise.

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              AMAZONA Archiv

              Der Singsang mit Zwergen und Elfen und mäandernde, feine Klanglandschaften hatten nichts mehr mit der Lebenswirklichkeit in den tristen Städten Großbritanniens Mitte der 70er zu tun.
              http://www.....40026.html
              Darin liegt viel eher der Ursprung des (britischen) Punk als in den modetechnischen und vermarktungsheischenden Spielchen eines Malcolm McLaren. Prog- und Artrock trafen einfach nicht mehr die Lebenswirklichkeit der Jugend, die hatten ganz andere Sorgen und Wünsche. Die Identifikationsfiguren mussten zwangsläufig andere werden.

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              Ton-yb  

              Nicht Ringo Starr. McLaren war für den Punk, Epstein und Martin in einer Person. Erst durch ihn wurde der Punk ein erfolgreiches Kommerzprojekt. Vorher war das reine Subkultur. Und klar, das schrieb ich ja, die Reihenfolge stimmt schon: Genesis haben mit Abacab ihren alten Art-Rock Stil begraben um eine Antwort auf den Punk zu finden weil sie sich selbst nie als Prog-Rocker verstanden haben und die Schublade leid waren. Aber das führt hier vielleicht auch zu weit vom Thema weg.

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                AMAZONA Archiv

                Naja, die Schublade haben sie über viele Alben bestens bedient…. zum Punk… da gibbet noch ein Paar mehr Namen, die Punk in den Mainstream führten, vermarktungstechnisch, in Sachen Produktion, in Sachen Songwriting etc. …. und auch aus dem Punk erwuchs neues… aber du hast recht… belassen wir es bis hierhin… es macht nur keinen Sinn, etwas verkürzt darzustellen und persönliche Vorlieben und Abneigungen als unumstößliche Wahrheiten zu deklarieren.

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                  Ton-yb  

                  Jo, ich hab das absichtlich provokant formuliert. Aus dem Punk ist in der Tat viel Gutes, Neues entstanden.

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          costello  RED

          Hi dilux, das fand ich bei Tony schon immer ein bisschen snobby: Sich einen Prophet 10 hinzustellen, um dann im Layermodus mit den vier Oszillatoren pro Stimme vier Fußlagen für eine einfache Hammondorgelregistrierung nachzubilden. Aber klar, wenn man’s hat ;-)

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            dilux  AHU

            vielleicht hat er dabei an die roadies gedacht, so ein prophet 10 wiegt wahrscheinlich nur 1/3 einer hammond ;)
            aber stimmt schon, ich könnte mir damit auch spannendere sounds vorstellen…

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      costello  RED

      Danke für den Link! Bei 2:48 sieht man Zawinul an die rechte Geräteseite greifen und den Arpeggiator aktivieren.

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      TobyB  RED

      Hallo Wellenstrom,

      Meine Gegenargumente zum Quadra bei New Order/Joy Division sind hier versammelt und niedergeschrieben.
      http://bit.ly/2iKdEtJ

      Und werden hier am Beispiel Blue Monday erläutert.

      Ich persönlich höre bei New Order / Joy Division Arp Omni, Solina, Oddy. Der Bass bei Blue Monday ist ein sequenzter Moog Source getrieben vom Powertran 1024 Sequencer. Die Strings im Background klingen nach Logan mit Omni oder Solina. Das die Maschinen Drums von einer DMX kommen ist klar.

      Generell gehts im Guardian Artikel auch eher um lernen von Technik um begrenzte Möglichkeiten auszureizen und zu erweitern. Siehe Powertran DIY Sequencer.

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        AMAZONA Archiv

        Ja, nee….. das passt schon mit dem Arp Quadra bei New Order…. bei Joy Division hatten sie ihn nicht…
        in dem Artikel geht es ja um Reproduzierbarkeit auf der Bühne, Livegeschichten und so…New Order ist ’ne ziemlich üble Live Band, haben dann auch viel midifiziertes Zeigs verwendet, alles, was sich gut synchronisieren ließ usw. und an einem bestimmten Punkt erwies sich der Quadra vermutlich als eher unpraktisch für sie in Sachen Bühne.
        Aber zumindest in ihrer frühen Phase haben sie den Arp Quadra live verwendet. Siehe hier ab 3:56, da ist er sehr gut zu erkennen.
        https://www.youtube.com/watch?time_continue=237&v=3lPS571tppA

        Generell muss sich der ARP Quadra noch zumindest bis 1985 in ihrer Equipmentliste befunden haben.

        Aus „gearslutz“:

        Equipment listed in an interview with New Order in the March
        | 1985 issue of Electronics & Music Maker:
        |
        | Seq Circuits Pro One
        | Powertran Transcendent 2000 w/ Powertran 1024 Seq
        | ARP Omni
        | ARP 2600 w/ ARP Seq
        | Simmons SDS2
        | ARP Quadra
        | Moog Source
        | Boss Dr Rhythm
        | Prophet 5 w/ Seq Circuits PolySequencer
        | Oberheim DMX
        | Emu Emulator
        | Octave Plateau Voyetra

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    iggy_pop  AHU

    „Der Quadra gehört mit zu den begehrtesten Vintage-Synthesizern überhaupt.“ — Ja, das stimmt. Aber warum nur, um Himmels willen?
    .

    „Die Streicher seien „pure Solina“, der Bass „madness itself“.“ — Eine Äußerung wie diese fände ich bei einem absoluten Novizen, der zum ersten Mal eine alte Gurke hört, absolut verständlich und angemessen. Steht aber auf einer der Fundamentalisten-Websites für altes Geraffel, muß also stimmen. Aber Solina? Das hier ist ein Omni auf Steroiden, und der Omni klingt nunmal sch… — Joy Division hin oder her. Joy Division klangen ja auch sch.. aber über die Toten nichts Gutes (oder so).
    .

    Es war auch nicht unbedingt der Avatar, der sich als Flop erwies — er war vielleicht nur der berühmte Tropfen, der das Faß und so weiter.
    Was ARP ins Straucheln brachte, war neben dem unausgegorenen Centaur-Prototypen die Maßlosigkeit des Managements und die maßlose Selbstüberschätzung der eigenen Marktposition.
    .
    Wie sagen unsere angelsächsischen Nachbarn so schön? „Opinions are like arseholes — we all have one“. Recht haben sie. Und wer die aktuellen Marktpreise für sowas wie einen Quadra zahlt, hat einfach zuviel Geld zu einfach verdient und einfach zu wenig Ahnung, wofür er es ausgeben soll, so einfach ist das.
    .
    Over and out.

    • Profilbild
      costello  RED

      Das ist mal wieder ein echter iggy. I love it, ist das Salz in der Suppe von Amazona.de.
      Am Ende kommt aber nur rüber, dass Du den Quadra nicht sonderlich magst und dafür keinen Cent ausgeben würdest. Aber Vintagegeräte zu benutzen, entzieht sich doch ohnehin rationaler Beurteilung. Ob jemand tausende von Euro für ’nen Jupiter 8 oder ARP 2600 ausgibt, für einen Korg der PS-Serie oder ein Modularsystem von Moog ist doch völlig schnuppe. So lange es der Musik dient, inspiriert und Spaß macht. Bei den begeisterten Zitaten nenne ich ja die Quelle, da kann sich jeder selbst seine Meinung bilden. Übrigens sitze ich gerade an einer Story, wo Du höchstselbst zitiert wirst. Natürlich machst Du das bewusste Instrument gnadenlos nieder. Wäre ja sonst kein iggy ;-)

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        iggy_pop  AHU

        Da bin ich mal gespannt, welchen Apparat ich da mal wieder nicht mochte — ich liebe alte Synthesiser, aber wo viel Licht ist, gibt es noch mehr Schatten. Und genau da, ganz tief im Schatten, steht so ein Quadra. Direkt neben einem Trident und einem Synthex.
        Wenn Du mich zitierst: Bitte nichts aus dem Zusammenhang reißen :). Ansonsten liefere ich immer gerne Zitierfähiges und Bonmots.

        • Profilbild
          costello  RED

          Hi Iggy, natürlich wirst Du sauber zitiert und nichts aus dem Zusammenhang gerissen. Das versteht sich doch von selbst. Interessant, dass Du auch den Elka als Schwachmaten einstufst. Marko Ettlich ist vom Klang auch nicht so überzeugt; aber manche nennen ihn ja in einer Reihe mit den ganz Großen. Einer der wenigen Polysynths, die ich nie selbst ausprobieren konnte.

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            iggy_pop  AHU

            „Schwachmat“ hast Du gesagt — ich sage „Scheinriese“ (wie bei der Augsburger Puppenkiste, Du weißt schon).
            M. b. M. n. ist der Klang nicht überzeugend genug, um mich diese Unsummen rausholen zu lassen („b“ steht für „bescheiden“).
            Für 3.500 Euro würde ich ihm vielleicht eine zweite Chance geben, nicht für 7.500 Euro aufwärts. Da fasse ich eher den Chroma ins Auge.

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              costello  RED

              Okay, dann nimmst Du beim Synthex aber doch vor allem eine Abwägung vor – Leistung im Vergleich zu den aktuellen Preisen. Diese Abwägung fällt aber bei vielen Vintage-Geräten eher ungünstig aus. Deshalb ja meine Rede – das ist wie bei Oldtimern und anderen Antiquitäten nicht nur eine rationale Geschichte. Gilt auch für den Quadra: Natürlich kann man sich das, was der ARP leistet, auch irgendwie anders zusammenbasteln. Mit Ausnahme freilich des Lead-Synths und wohl auch des Phasers, die „unique“ sind. Aber wie ich im Report schrieb: Das Gerät ist mehr als die Summe seiner Teile. Es ist vor allem ein wunderbar Performance-orientiertes Instrument. Du hast da Akkorde im Mittelfeld, obendrüber eine schöne Melodielinie, unten knarzt der Bass. Und Du hast gefühlte 100 Fußschalter, den Klänge ein- und auszublenden und zu verbiegen, schaltest mal eben den Arpeggiator dazu. Den Phaser. Und alles wird homogen zusammengehalten. durch den wunderbaren ARP-Filter. Wie gesagt – wie viel Geld das einem am Ende wert ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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                AMAZONA Archiv

                Ich kann nur immer wieder sagen, die Welt ist bunt. So bunt wie ein Quadra. :D Zum Glück mögen wir nicht alle dasselbe. :)

                Der Quadra ist unglaublich gut, wie auch der Crumar Performer. :D

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      Ton-yb  

      Interessanter Standpunkt.
      Klingt als ob Du das Teil aus emotionalen Gründen nicht leiden kannst. Vielleicht wegen der hohen Gebrauchpreise oder dem Hypefaktor?
      Würde mich wirklich interessieren, ob Du den Quadra mal selbst gespielt hast, oder /und über eine gute Abhöre gehört hast.???
      Ich bin im gesteigerten Maße audiophil und schaffe mir nur Synths an die mich von ihrer klanglichen Grundessenz her voll überzeugen. Abseits meiner stilistischen Präferenzen klingt der Quadra immer noch beeindruckend euphonisch, druckvoll, kräftig und angenehm. Ich habe noch niemanden erlebt, der den Klang nicht so empfand.
      Wie gesagt, interessanter Standpunkt.

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        Polymono  

        Moin Dirk Matten

        Ich hatte Gestern mehrfach meine Abhöre überprüft (Kopfhörer BD dt880 pro an Tablet) und auch nach mehrfachen Umschalten auf eine andere Quelle (YT Kanal )keinen Fehler gefunden.

        Heute funktionieren beide Kanäle.

        Lässt sich für mich jetzt nicht mehr reproduzieren.

        Wahrscheinlich hat auf meinem Tablet was gesponnen.

        !!! Danke für den Hinweis !!!

        Der Quadra ist toll, ein wunderschöner und\oder krasser Klang, genau wegen diesem Charakter liebe ich meinen Odyssey , mittlerweile sogar mehr als den Minimoog Model d (büschn ;) )

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