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Blue Box: ARP Solus, Analogsynthesizer

Kleiner Synth mit großem Sound.

19. April 2014

ARP Solus – der kleine große Bruder

Der Solus war einer der letzten hergestellten Synthesizer der Firma ARP. Er erschien erst im Jahre 1980 und wurde nur ein Jahr bis zur Insolvenz von ARP produziert.

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ARP-Solus-03

Äußerlich

Der ARP Solus ist ein sehr kompakter und leichter Synthesizer, der technisch irgendwo zwischen einem abgespeckten Odyssey oder einem aufgeblasenen Axxe angesiedelt ist.

Es lässt sich auf einen Blick erkennen, dass der Solus in erster Linie als Live-Synthesizer für die Bühne konzipiert wurde. Die gesamte Technik wurde bereits werksseitig allseits gut geschützt in einem kompakten Transportcase verbaut. Das Gehäuse ist rundherum mit Kunstleder überzogen und an den kritischen Stellen mit Metallecken verstärkt, ein stabiler Tragegriff rundet das Ganze ab.

Ungewöhnlich aber durchdacht: Alle Anschlüsse sind im oberen Bereich direkt auf dem Bedienpanel montiert, bei geschlossenem Deckel sind somit nicht nur alle Schalter und Potis, sondern auch die Klinkenbuchsen gut vor Schmutz und Staub geschützt.

Ein altbekanntes Problem bei vielen ARP-Modellen war die unschön über das Gehäuse stehende Tastatur. Nicht selten kam es vor, dass sich eine Taste beim Transport oder auf der Bühne ausgehängt hat – oder noch schlimmer – gleich komplett abgebrochen ist. Nicht wenige Musiker haben diese Erfahrung mit Odyssey, Axxe & Co machen müssen und so mancher ist beim Abrocken auch schon mal mit seiner Gürtelschnalle am Keyboard hängen geblieben.
Bei der Konstruktion des Gehäuses vom Solus hat man dieses kleine Manko erkannt und entsprechend abgeändert.

Die 3-Oktaven-Tastatur (37 Tasten von C bis C) fühlt sich zwar etwas klapprig an, ist aber noch gut spielbar und dürfte den meisten Anwendern bei einem Solosynthesizer gut ausreichen.

Gruppenbild mit ARP SOLUS, AXXE und ARP ODYSSEY

Gruppenbild mit ARP SOLUS, AXXE und ARP ODYSSEY

Synthese

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Das Layout des Bedienpanels ist entsprechend der altbewährten ARP-Tradition absolut vorbildlich und erklärt sich weitgehend von selbst. Ähnlich ergonomisch wie bei einem Minimoog entspricht die Anordnung der Regler in den einzelnen Baugruppen dem Signalfluss und verläuft logisch von links nach rechts.

Alles Schiebung! Natürlich hat die Firma ARP auch beim kleinen Solus wieder die altbewährten Fader statt konventioneller Drehpotis eingesetzt. In diesem Punkt spalten sich oft die Meinungen, denn jeder hat sicherlich so seine ganz persönlichen Vorlieben, was die Bedienung betrifft. Aber Schieberegler sind unbestritten übersichtlicher als die üblichen Drehregler und machen beispielsweise bei einem Envelope-Generator durchaus Sinn. Sofort und auf einen Blick lässt sich an den Reglerpositionen der komplette Verlauf der Hüllkurve „ablesen“.

Der ARP Solus ist monophon spielbar und bietet zwei Oszillatoren mit stufenlos mischbaren Schwingungsformen. Sie verfügen jeweils über Sägezahn, Rechteck und Puls mit regelbarer Pulsbreite. Auch Sinus ist möglich, um den zu generieren, muss man jedoch das Filter rückgekoppelt nutzen und den Signalweg mit einem Klinkenstecker oder Blindkabel am externen Eingang unterbrechen.

Auf dem Bedienpanel ganz links befindet sich ein Fader für das Mastertuning, daneben ein 3-stufiger Schiebeschalter zum Transponieren sowie darunter noch der Drehknopf für Pitchbend. Der Schalter transponiert den Frequenzbereich um jeweils eine Oktave nach oben oder nach unten, alle drei genannten Regler wirken immer auf die Frequenz von beiden Oszillatoren. Der Pitchbend-Knopf hat zwar keine Mittenrasterung, verfügt jedoch über einen ausreichend großen neutralen Bereich, in dem sich die Grundstimmung nicht verändert. Somit lässt sich der Solus schnell wieder in die korrekte Stimmung tunen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon und die PPC (Proportional Pitch Control) aus einigen anderen späteren ARP-Modellen, hätte dem Solus sicher besser gestanden.
Wer es nicht kennt: Die PPC besteht aus drei druckempfindlichen Gummipads, die auf die Fingerposition und den Fingerdruck reagieren. Sie sind normalen Pitchbend- und Modulations-Wheels weit überlegen und ermöglichen ein sehr ausdrucksstarkes Spielen.

VCO

Der zweite Oszillator verfügt über einen eigenen Fader für das Tuning und einen weiteren dreistufigen Schalter, beides beeinflusst jedoch nur den zweiten Oszillator.
Dieser Schiebeschalter kann den VCO 2 nochmals zusätzlich um 2 Oktaven nach oben transponieren. Der VCO 1 hat somit einen gesamten Spielbereich über 5 und der VCO 2 über 7 Oktaven. Der VCO-2 wurde zusätzlich mit einem eigenen Regler für Frequenz-Modulation ausgestattet. Eine der großen Stärken des ARP Solus ist wohl auch die VCO-Sync-Funktion, sie sorgt für besonders bissige und schneidende Klänge.

Ein einfacher Ringmodulator ist ebenso mit an Bord, er kann auch mit externen Signalen gefüttert werden.

Filter

Verbaut wurde im Solus wieder das hervorragend klingende 4-Pol Filter, ein typisches ARP-VCF der späteren Generation (24 dB Low Pass Filter). Das Filter geht auch schön in die Resonanz, da bleiben klanglich eigentlich keine Wünsche mehr offen.

Der LFO ist mit den Schwingungsformen Sinus und Rechteck ausgestattet und kann von weichem Vibrato bis hartem Tremolo stufenlos gemischt werden, was für die meisten Anwendungen gut ausreicht. Er kann über diverse Schalter als Controller für alle wichtigen Funktionen zugewiesen werden: Frequenzmodulation, Pulsbreite, Filterpunkt, Hüllkurven-Trigger usw.

Der Envelope-Generator bietet eine komplette ADSR-Hüllkurve (positiv und negativ). Auch hier ist alles vorhanden, was das Synthieschrauberherz begehrt.

ARP-Solus-04

Kommunikation

An Anschlüssen für die Außenwelt ist soweit alles vorhanden, was man zur Integration in ein Setup benötigt:

CV-IN, CV-OUT, Gate-IN Gate-OUT, Trigger-IN, Trigger-OUT, Pedal-IN, Ext-Audio-IN, Low-Audio-OUT, High-Audio-OUT.
Der Solus marschiert ganz brav an einem üblichen Sequencer, z. B. von Synthesizers.com, Moonmodular usw. mit und lässt sich auch umgekehrt als kompakte Steuerzentrale für ein Modularsystem einsetzen.
Wer nicht auf die MIDI-Schnittstelle verzichten mag, kann diese auch nachrüsten lassen, wobei man natürlich auch fast jedes externe MIDI-to-CV-Interface dafür verwenden kann.

ARP-Solus-02

Sound

Der ARP Solus hat einen sehr durchsetzungsfähigen und kräftigen analogen Klang.
Besonders die Sync-Sounds sind sehr „knackig“ und druckvoll, der Solus bleibt dabei aber von seiner Charakteristik doch immer ein ARP.
Zarte sanfte Klänge für den Kindergeburtstag kleiner Mädchen sind sicher nicht seine große Stärke. Das ist eher ein Synthesizer für richtige Männer, die abgrundtief böse, kratzige, kräftige und aggressive Sounds brauchen, um sich auf der Bühne gegen eine Horde lauter Gitarristen und Bläser durchsetzen zu können.

Seine Stärken liegen aber auch im experimentellen Bereich. Abgedrehte Effektsounds, Vogelgezwitscher, Sci-Fi-Klänge, Gezwirbel und Geblubber, metallische Klänge vom kleinen Glöckchen bis zum Schlag mit einem Hammer gegen einen leeren Stahlcontainer, das alles deckt der Kleine locker ab.

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Fazit

Wer auf Sample&Hold, einen Noise-Generator, Duophonie und eine zweite, halbe Hüllkurve (nur AR) verzichten kann, der muss nicht unbedingt gleich nach dem größeren und deutlich teureren ARP Odyssey schielen oder zum kleineren ARP Axxe mit nur einem VCO, greifen.

Der ARP Solus könnte daher eine günstige Alternative für alle ARP-Fans sein. Aufgrund der geringen produzierten Stückzahlen ist der Solus nicht ganz so bekannt und unterliegt daher (noch) nicht dem derzeitigen Hype. Preislich findet man ihn irgendwo zwischen dem  Axxe und dem Odyssey.

Besonders für Keyboarder, die sich auch gerne mal von der Masse abheben wollen und gelegentlich einen klassischen Vintage-Synthesizer mit auf die Bühne nehmen möchten, bietet sich der Solus geradezu an.

Plus

  • bühnentauglich und gut transportabel, da er relativ leicht ist und im Case montiert wurde
  • sehr guter druckvoller analoger Sound
  • schnelle einfache Bedienung
  • noch recht günstiger Preis für einen echten Vintage Synthesizer

Minus

  • leicht klapprige Tastatur
  • Regelbereich im Bass etwas zu gering, reicht nur bis ca. A0 herunter
  • Sample&Hold und Noise-Generator fehlen

Preis

  • Mittlerweile ist es schwierig, noch ein gut erhaltenes Exemplar unter der Tausend Euro Grenze zu bekommen. Im Mittel liegt ein Solus derzeit zwischen € 1.300 und € 1.800 mit steigender Tendenz.
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich finde auch, dass die Sounds etwas krude gewählt worden sind; er kann wirklich deutlich netter klingen :)
    Ansonsten aber ein sehr schöner Artikel über diesen doch fast schon vergessenen Gesellen.
    In der Tat ist es jedoch schade, dass die Preise mittlerweile so abstrus hoch fliegen, wenn man nicht unbedingt ein Gerät haben möchte, auf das irgendein Techno-Honk in den 90ern Zigaretten auf den Tasten abbrennen ließ oder literweise Red Bull ins Gehäuse geschüttet hat.
    Diese Techno-Live-Gigs haben die ohnehin teils dünne Bestandsdecke arg strapaziert; es ist manchmal unglaublich, wie die Geräte vergewaltigt worden sind.
    Aber zurück zum Solus: Sicherlich ein schönes Synth mit schönen Arp’schen Filter, aber für die im Artikel ausgerufenen Preise doch eher etwas für absolute Sammler. Musikalisch kann er durch andere Brüder meiner Meinung nach locker ersetzt werden.

    • Profilbild
      Bernd-Michael Land AHU

      Das man immer weniger gut erhaltene Vintage-Synthies findet, ist sicherlich nicht den Technoproduzenten zu verdanken. Viele Geräte sind heute in Sammlerhänden und bei so manchem Synthesizer brennen auch irgendwann die Teile durch. Angebot und Nachfrage bestimmen nunmal den Preis. Billiger werden solche Klassiker eher nicht mehr und gut erhaltene Schnäppchen sind selten.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke für diese Blue-Box Folge, die sehr lesens- und hörenswert ist!

    Wenn ich mir allerdings die Kommentare durchlese, muss ich mich doch echt immer wieder wundern, wie wenig Respekt gegenüber „Anderen“ und wie viel geduldete Diskrimierung von Vertretern der frühen EM hier abgelassen wird.

    Wenn ich von „Techno-Honks“ lese, fühle ich mich nämlich keineswegs geschmeichelt! Und nur weil es ein paar durchgeknallte Personen gibt, die ihre Synthies live vergewaltigen, ist das noch lange kein Grund so herablassend über eine ganze Generation an Musikern zu reden, zu denen ich nun mal auch gehöre! Also ein bisschen mehr „Feingefühl“ bitte, beim verfassen solcher Äusserungen. Danke!

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Hallo Marius.

      Ich wollte weder eine ganze Generation, geschweige denn dich oder jemanden anderes persönlich mit der von dir zitierten Bezeichnung angehen.
      Sieh es eher als Terminus Technicus für eine ganz spezielle Art von Leuten, die eben übel mit den Geräten umgegangen sind.
      Es geht mir hier nicht um Bashing oder um Konfrontation; ich wollte nur eben diese Spezies ansprechen, die es ohne Frage gab und vielleicht sogar noch gibt. Eher anekdotisch als malizierend.
      Und falls du mal im Überschwang live ein altes analoges Schätzchen mißhandelt haben solltest, sei versichert: Ich nehm es dir nicht übel :)
      Denn schließlich hast du recht: Jeder hier macht Musik, und das ist a priori schon mal positiv.

    • Profilbild
      Bernd-Michael Land AHU

      Hi Marius!
      Ich hatte die Äußerungen von Andreaz nicht als negativ empfunden, sondern mehr als ein Beispiel von vielen.

      Das Musikinstrumente oft böse malträtiert werden gab es auch schon früher.
      So mancher Gitarrist hat heute Tränen in den Augen, wenn er sich alte Videos anschaut, wo eine wunderschöne Gibson oder eine Stratocaster böse auf der Bühne zerkloppt wird und was haben sich die braven Orgelfuzzis darüber aufgeregt, wenn Keith Emerson ein Messer zwischen die Tasten seiner B3 genagelt hat. So respektlos geht man doch nicht mit einer echten Hammond um!

      Aber…
      Ein Synthesizer ist doch eigentlich „nur“ ein Werkzeug!
      Ein einfacher analoger Synthie, wie ein MS-20 oder ein Minimoog, hatte doch vor 20 Jahren lange nicht diesen hohen ideellen Wert, das konnte sich noch jeder leisten und niemand hätte geahnt, das da mal so ein riesiger Hype draus wird.

      Ein Synthesizer darf durchaus auch Spuren haben und jedem zeigen, was er alles erlebt hat. Mich stört das alles überhaupt nicht, solange er technisch gut funktioniert.
      Ich habe ja kein Museum und wenn auf einer alten Kiste noch ein abgegrabbelter Bandaufkleber von 1975 draufpappt, dann werde ich diesen sicher nicht entfernen. Das gehört für mich zur „Legende“ des Gerätes einfach dazu.
      Wir waren damals so mutig und haben bei unseren beiden nagelneuen Akai MPC-2000 die gesamte Schrift auf der Frontplatte abgeflext. Das sah so richtig böse aus. Heute würde so manch einer unverständlich den Kopf schütteln -wie kann man nur.
      Aber das ist eben auch etwas Show, Livemusik machen ist Entertainment und die Leute fanden es früher cool.

      Bei alte Autos ist „Patina“ und ein bischen Rost sogar etwas ganz besonderes und Gitarristen zahlen gerne mal etwas mehr für ein Relic-Modell das deutliche Gebrauchsspuren aufweist.
      Haben wir nicht alle auch eine verwaschene Jeans im Schrank?

      Liebe Grüße in die Runde

      Bernie

  3. Profilbild
    TobyB RED

    Morsche Markus,

    Ja ne klar, man muss sich doch austauschen :-) wie der Arp Solus klingt, wissen wir doch, da bleibt Zeit für ein Pläuschen, ich hab neulich ne RE-1 für meine M3r erstanden, von der Kirchenpräses der Evangelischen Kirche in Waldegk Kurhessen, da hab ich gelernt, das die M3r sehr gerne in Kirchenhäusern eingesetzt wurde. :-) Ich hab mir mal den Pöhsen Purschen verkniffen :-)

    So und wenn es so weitergeht, sample ich gleich wirklich ne Flex, vorher höre ich mir noch mal Tommy Stumpf an.

  4. Profilbild
    Track75

    Hallo zusammen!
    Kleiner Nachtrag zum Solus. Wenn ich die Oszillatoren über den Audio Mixer mische, habe ich einen Lautstärkenverlust, den ich dann irgendwie kompensieren muss. Das ist der grösste Nachteil auf meinem Solus. Ist das bei euren Modellen auch so?
    Ansonsten ist das Gerät ein super Analog-Notfall-Set für alle Fälle.

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