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Blue Box: Crumar BIT ONE, Bit 99, Bit 01, Synthesizer (1984)

3. Juli 2021

A little BIT crazy

Selten: der Crumar BIT 99 Synthesizer mit weißem Gehäuse

In Zeiten wie diesen muss man sich schon sehr nach der Decke strecken, um “gute” Vintage-Analoge zu bezahlbaren Preisen am Gebrauchtmarkt ausfindig zu machen. Die Klassiker wie Jupiter-8 oder Prophet-5 sind im Original nur noch zu Sammlerpreisen zu ergattern. Wer also unbedingt ein Vintage-Original erwerben möchte, der muss mehr und mehr auf die Suche nach Exoten gehen. Das klingt nach dem idealen Zeitpunkt, um sich den kleinen, unscheinbaren – aber klanglich erstaunlich guten – Synthesizern zu widmen. Crumar alias BIT ONE bzw. BIT 99/01 gehören in diese Kategorie.

Vielleicht hellt sich das Gemüt mancher “Ach ne, nicht C-r-u-m-a-r !!!”-Denker etwas auf, wenn der Name Mario Maggi fällt. Allen wohlbekannt als hoch geachteter “Vater” des Elka Synthex, hat Maggi auch die Crumar BIT-Serie entworfen. So wundert es auch nicht, wenn einige geniale Features wie der (Zufalls-) Stereo-Modus bei den BITs zu finden sind. Andere Dinge – wie z. B. den hohen qualitativen Standard der Synthex-Hardware – sucht man rund um die BITs hingegen vergeblich; auch das ist richtig …

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Die Geschichte hinter Crumar aus Italien

Crumar wollte das MIDI-Zeitalter in neuem Gewand beginnen. Zwar hatte der Crumar Spirit Synthesizer aus dem Jahre 1983 schon eine MIDI-Bohrung samt Beschriftung vorzuweisen, doch für MIDI selbst hatte es dabei nicht gereicht. So gibt es auch keinen Crumar-Synthesizer, der (werksmäßig) über besagte Schnittstelle verfügt.

Mit Einführung der ersten MIDI-Keyboards änderte Crumar seinen (offiziellen) Namen in BIT (wohl, um im professionellen Musiker-Lager vom Orgel-/Multikeyboard-Image loszukommen). Daher auch BIT ONE, BIT 99 und BIT 01.

Der Crumar Unique DBE Synthesizer

Zuweilen können diese Instrumente auch andere Bezeichnungen tragen, wie etwa “Unique” oder LEM, aber alles, was “klar und einfach” ist, wäre ja nicht italienisch.

Der Crumar BIT 01 in der Unique DBE Ausführung

Die Unique-Instrumente wurden unter besagter Bezeichnung in den USA verkauft, z. B. der Unique DBE (E für Expander) = BIT 01. Und nachdem Crumar in den späten 80er-Jahren zunächst von LEM aufgekauft wurde (die dann später von GEM alias GeneralMusic übernommen hat), produzierte man noch für einige Monate die BIT-Instrumente unter LEM-Namen weiter. So finden sich also eine Vielzahl von Namensbezeichnungen für ein und dieselben Instrumente. Angefangen hat die Geschichte mit dem …

Mit dem BIT ONE fing alles an

Der Crumar BIT ONE

Das erste Gerät der Serie erschien 1984 in Form eines Keyboards und trägt deutlich den Aufdruck BIT ONE, also nicht zu verwechseln mit der Rack-Variante BIT 01 oder der späteren Keyboardvariante BIT 99.  Der BIT ONE entsprach grundsätzlich in puncto Klangarchitektur allen weiteren BIT-Variationen. In Folge hat sich – neben wichtigen MIDI-Erweiterungen und ein paar anderen Details – klanglich nicht viel geändert. Der BIT ONE ist ein 6-stimmiger analoger Synthesizer auf DCO-Basis. Das 1984 auf den Markt gebrachte Instrument hat pro Stimme 2 DCOs, 2 LFOs, 1 VCF, 1 VCA sowie 2 ENVs vorzuweisen. Damit ist der BIT ONE (und, da es, wie gesagt, kaum strukturelle Änderungen gab, auch die gesamte BIT-Familie) in etwa mit einem Roland Juno-60/-106, Roland JX-8P, Matrix-6, Siel Opera-6 / Kiwi, Korg DW-6000/-8000 gleichzusetzen. Natürlich nur “in etwa”. Von den umfassenden Modulationsmöglichkeiten eines Oberheim Matrix ausgehend, wollen wir erst gar keinen Versuch eines Vergleiches wagen und auch die 16 Schwingungsformen eines DW-8000 können hier nicht “in ein Paket geworfen” werden. Doch die Richtung stimmt so ungefähr und das ist nun jenes Umfeld, in dem Crumar alias BIT sich zur Mitte der 80er-Jahre hin am Markt gegen ähnliche “hybride” oder “spät-analoge” Synthesizer durchsetzen musste.

Mit dem BIT ONE war zunächst kein Rennen zu gewinnen. Der Pferdefuß hieß “MIDI” und stellte den ersten BIT auf eine harte Probe. Das Instrument arbeitete ausschließlich im Omni-on-Mode (es wurden alle eingehenden Notendaten empfangen – MIDI-Kanäle gab es, so weit mein Gedächtnis noch reicht, nicht…) und umfassende MIDI-Hänger sowie andere Kinderkrankheiten waren keine Seltenheit. Schon ein Jahr später – 1985 – kam der Nachfolger auf den Markt.

Der Crumar BIT 01 im 19″-Gehäuse

Der Nachfolger BIT 99

Ebenfalls als Keyboard ausgelegt, verfügte der Crumar BIT 99 über bessere MIDI-Möglichkeiten (und generell: zuverlässigeres MIDI) und bot eine Sound-Chain-Funktion sowie andere kleine Neuerungen. ZWEI schöne Sachen des BIT ONE wurden jedoch weggelassen: Der an der Frontplatte platzierte Fader zum Verstimmen (De-Tuning) von DCO 2 sowie der Noise-Fader mussten dem Drehregler zum Einstellen der Velocity-Empfindlichkeit weichen.

Natürlich ist Velocity äußerst wichtig, doch den genialen De-Tune-Direkt-Fader des BIT ONE habe ich als besonderes Highlight noch gut in Erinnerung. Genau dieses eine Feature (zusammen mit dem Noise-Fader) hatte musikalisch sehr positive Auswirkungen. Dennoch wird man heute mit einem – in puncto MIDI sowie in anderen Bereichen – deutlich zuverlässigeren Instrument namens BIT 99 auch ohne (direkten) De-Tune- bzw. Noise-Regler wohl eher zufrieden sein. Wer die etwas billig anmutende Tastatur eines BIT allerdings gänzlich umgehen möchte, sollte eventuell die Rack-Version Crumar Bit 01 ins Auge fassen, die ebenfalls 1985 in die Musikläden kam.

Sehr schick: der BIT 01 in weiß

Die Rack-Version Bit 01

Dieses sehr handliche 19”-Synthesizer-Rack war in Studiokreisen äußerst beliebt. Wie auch bei der Keyboard-Version waren zwei Farbvarianten erhältlich: schwarz und weiß.

Während die weiße Version  des Keyboards etwas unpassend wirkt (ähnlich einem weißen Steinway-Flügel, ohne hier einen Prestige-Vergleich anstreben zu wollen), sieht Weiß bei der Rack-Variante sehr nobel aus. Auch sind die Buttons beim BIT 01 (aus verständlichen Gründen) deutlich kleiner, gleichzeitig aber auch besser zu bedienen. Sie haben zumindest einen exakten “Druckpunkt”, während die Schalter von BIT ONE /-99 deutlich zu groß geraten und wohl eher “wabbelig” als “exakt” zu bedienen sind. Man drückt hier eben etwas herum, und irgendwie erkennt das Instrument dann schon, was man will. Wirklich “professionell” fühlt sich das Handling bei den Keyboard-BITs nicht an, bei der Rack-Version hingegen schon.

Nun, da alle BIT-Synthesizer – so “Pi mal Daumen” – dieselbe Klangarchitektur haben, eröffnet sich die Frage nach den Specials bei der Klangerzeugung.

Die Besonderheiten der Crumar Bit Serie

Einige der frühen BIT-Instrumente hatten noch SSM-Filter integriert, die allerdings später von CEM-Chips abgelöst wurden. Doch das nur am Rande…

Der Stereo-Modus ist eines der echten BIT-Bonbons. Wie auch beim Elka Synthex zu finden, wechselt der Sound dabei zufällig den rechten/linken Kanal. Diese Funktion ist extrem einfach und klanglich äußerst effektvoll.

Eine weitere Besonderheit: Alle Schwingungsformen der DCOs lassen sich auf Wunsch gemeinsam aktivieren (obwohl, das ist dann doch ein alter Hut; kennen wir schon seit dem Sequential Prophet-5). Natürlich gibt es auch NOISE als Klangquelle. Hier komme ich nicht umhin, das BIT 99 User Manual (Juni 1985) zu zitieren:

„Rauschen – eine weitere Klangquelle, welche zwischen „0“ (wohltuende Ruhe) und „63“ (donnerndes Rauschen) mit den Zwischenstufen Säuseln, Zischen, Blätterwald und Meeresrauschen programmiert werden kann. […]“ Einfach genial.

Weiterhin wäre die Modulationsfähigkeit der LFO-Frequenz zu nennen. Das ist (selbst heute) nicht unbedingt Standard bei einem polyphonen Synthesizer und musikalisch natürlich sehr interessant. BIT 99/01 erlauben VC LFO Speed über Velocity. Zugegeben, das konnte auch schon der Yamaha CS-80, doch hier sprechen wir von deutlich günstigeren Crumar/BIT Synthesizern mit einem nicht annähernd so guten Ruf. Damit sind wir aber schon bei einem DER zentralen Besonderheiten der Crumar/BIT Serie angelangt, beim Thema Velocity:

Keyboard Velocity im Crumar BIT

Über die Tastatur (bzw. auch über MIDI, da Velocity-Werte empfangen werden!) lassen sich folgende Parameter steuern:

  • LFO 1 / 2 Speed
  • DCO 1 / 2 Pulse Width
  • VCF Envelope Amount (sprich: Steuerung Filter Frequenz)
  • VCF Envelope Attack Time (!)
  • VCA Envelope Amount (sprich: Steuerung Lautstärke)
  • VCA Envelope Attack Time (!)

Hier heftiges Kopfnicken meinerseits – das ist doch ganz ordentlich, oder? Die Veränderung der Attack-Zeit über die Tastatur ist zudem eine Besonderheit, die (ebenfalls bis heute) nicht allzu viele Instrumente vorzuweisen haben. Vor allem die Verbindung von Attack- und Filter-Frequenz-Steuerung hat es – gerade für ausdrucksstarke Solosounds – in sich. Damit also endgültig zur Frage nach dem …

Der Sound der Crumar BIT Synthesizer

Nun, ich finde die BITs erstaunlich exzellent. Etwas Grundrauschen ist zuweilen mit dabei, das stimmt, aber zu einem gewissen Teil ist das gar nicht so unangenehm und sehr “retro”. (Auch kann man mit moderner Studiotechnik Grundrauschen im Audiopfad leicht unterdrücken). BIT ONE/99/01 klingen sehr voluminös, sehr “rund” und vor allem “warm”. Nachdem es Double Layer-Sounds gibt, MUSS man natürlich auch darauf zurückgreifen. Zu den schönsten klanglichen Erlebnissen im gesamten Universum zählen ja schließlich zwei minimal unterschiedliche (analoge) Sounds im Stereo-Bild. Zwar reduziert sich dadurch die Polyphonie der BIT-Synthesizer auf schlanke 3 Stimmen, aber ok – die Frage ist, was man daraus macht.

Für funkige und groovige (monophone) Sequencer-Linien reicht es allemal! Besonderheiten wie VC Attack und VC LFO Speed erweitern den Horizont dann natürlich noch um ein paar zusätzliche Grade. Hier ist es vor allem der eigenen Experimentierlust und dem eigenen Forscherdrang zuzuschreiben, welche Ergebnisse und Entdeckungen möglich sind. Lebendige Sequencer-Arpeggio-Sonstwie-RHTYHM-Sounds gehören sicher zur Stärke der BIT-Synthesizer. Das sehr angenehme Verhalten der (schnellen) Hüllkurven kommt hier der Musik noch weiter positiv entgegen – die angefügten Klangbeispiele sollen das verdeutlichen.

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Flächensounds können (gerade im Double-Modus und bei unterschiedlich eingestellten VC-LFO-Werten rechts/links) sehr dynamisch kommen. Natürlich nur mehr 3-stimmig, etwas schade. Dennoch sind die musikalischen Ergebnisse meist äußerst gelungen.

Nun, Allrounder ist der BIT ONE/99/01 dennoch keiner. Sehr mager sieht es in der Effektkiste aus. FX-Sounds zählen also nicht so sehr zu den Stärken (bei einem Großteil der Konkurrenz aber – Oberheim ausgenommen – auch nicht). Pfiffige Brass-Soli gelingen auf Roland und Korg Synthesizern leichter, zumal hier die wichtigen Controller-Elemente wie Pitchbender oder Joystick effektiver einzusetzen sind. (Die etwas unüblich, da übereinander, angeordneten Wheels der BIT-Synthesizer waren seit jeher ein Lieblingsthema von Kritikern.)

Und damit sind wir schon bei der Hardware angelangt.

Die Verarbeitung der Crumar BIT Synthesizer

Beide Keyboard-Versionen BIT ONE und BIT 99 zeichnen sich durch etwas hartgängige und “wabbelige” Buttons aus. Das Pitch-Wheel “rastert” sehr hart im Mittelpunkt ein und „springt“ dann beim Überwinden der Nullstellung förmlich in seine neue Position. Vielleicht liegt es ja an meiner mangelnden Feinmotorik, doch scheint mir dieser Controller nicht unbedingt leicht bzw. sensibel steuerbar. Auch wird die Tastatur in puncto Ausgewogenheit niemals einen Preis gewinnen und so kann als Resumée gelten: Die Keyboard-Versionen der BITs werden dem italienischen Ruf betreffend mittelmäßiger Hardware wahrlich gerecht!

So überrascht es auch nicht, dass die Rack-Version BIT 01 heute sicherlich zu den meistgesuchten Stücken der BIT-Familie zählt. Technisch gesehen sind BIT-Instrumente größtenteils “ziemlich” zuverlässig. Auch ein Siel Opera-6, Korg DW-6000/8000 oder Oberheim Matrix-6 stellt keinesfalls hardwaremäßige Höchstleistung dar und so reihen sich die BITs ohne viel Aufsehen in die Riege der “Mid-80s-Durchschnitts-Instrumente“ ein.

Die BIT-Familie heute

Ein BIT 99/01 kostet über Versteigerungen ca. 600,- Euro. Bei Festpreis-Angeboten und Händlern liegt leider auch die BIT-Serie inzwischen eher bei 1.000,- Euro. Das größere Problem ist eher die Verfügbarkeit, denn im Jahr 2021 sind auch die Crumar Bits nur noch selten auf den einschlägigen Online-Märkten zu finden. Die Frage nach der “ultimativen” Hardware wird dadurch ohnehin in den Hintergrund gestellt.

Wer leistbare analoge Vintage-Klangerzeugung mit viel Charisma in seinem Studio haben möchte, sollte einen Crumar/BIT 99 bzw. BIT 01 auf jeden Fall in Betracht ziehen. Zugegeben, die Programmierung aller Parameter mittels nur zweier „Value Up/Down“-Buttons ist nicht die eleganteste Lösung für kreative Musiker und auch die zuweilen sehr grobe Rasterung von MIDI-CC-Werten in nur wenigen Stufen sieht nach heutigen Maßstäben nicht nach „Profi-Liga“aus.

Dennoch: Musikalisch bringen die Instrumente angenehme Wärme, viel “analogen Charme” und teils sehr inspirierende “Electronic-Textures” ins Studio. Wer daraus genug kreatives Potential schöpfen kann, wer die musikalische „Tiefe“ seines BIT-Synthesizers erkennt und selbiges Instrument fortan gerne als festen Teil des Studio-Equipments betrachtet, der sollte die Gunst der Stunde nützen und sich vielleicht gar noch ein Zweitgerät zulegen. Ersatzteile werden rar und zwei lauffähige Modelle garantieren “zumindest ein funktionierendes“ Instrument – auf sehr lange Sicht gesehen. So hätte man für ca. 600,- Euro charmanten, polyphonen analogen Sound (gepaart mit MIDI) als fixen Bestandteil im Studio und zwar “lebenslänglich” (bzw. fast, wir drücken jedenfalls fest die Daumen).

Die Crumar Bit-Serie on YouTube

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Fazit

Großartiger, polyphoner Vintage-Synthesizer mit eigenem Charisma. Die Bedienung ist etwas hakelig, der Sound überzeugt dafür umso mehr.

Die Preise am Gebrauchtmarkt steigen zwar ebenfalls deutlich von Jahr zu Jahr, aber noch kann man sich als Vintage-Liebhaber einen Crumar Bit „leisten“ – im Gegensatz zu den großen Klassikern.

Plus

  • toller Sound
  • MIDI
  • Besonderheiten bei der Klangerzeugung
  • Rack- und Keyboard-Ausführung

Minus

  • umständliche Bedienung

Preis

  • ca. 600,- Euro am Gebrauchtmarkt
  • ca. 1.000,- Euro bei Vintage-Händlern und Festpreisen
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Soundreverend  AHU

    Danke für den Test, schön zu lesen! Ich hatte das Bit One Keyboard, leider mit einigen Macken. Und gerostet hat das Gehäuse auch noch, kannte ich vorher von keinem anderen Synth, aber ich hatte ihne auch gebraucht gekauft und keine Ahnung wo der vorher gelagert war. Klanglich fand ich ihn nicht soooo überzeugend und dann war er irgendwann hinüber und ich habe ihn verschenkt :)

    Aber das Design fand und finde ich immer noch toll, ich habe noch ein MMKB Masterkeyboard hier mit echt tollen Funktionen, leider aber auch der gleichen schlechten Tastatur wie die des Bit One.

  2. Profilbild
    Herr_Melin  

    Sehr schön zusammengetragen!

    Für mich kamen die Bits schon aus ästhetischen Gründen nie in den Status eines irgendwie anbetungswürdigen, gar als Kaufkandidat in Frage kommenden Instruments. Das mögen andere anders sehen, aber für mich lagen die Bits in der Hitparade der hässlichsten Instrumente der 1980er ganz weit vorne. Und da gab es nun wirklich genug Mitbewerber. Die weiße Rackversion sieht nach Intensivstation aus. Sowas möchte man höchstens in Reichweite sehen, wenn man vollverkabelt froh ist, überhaupt am Leben zu sein.

    Jetzt zu lesen, dass sich die Keyboard-Variante bedienen lässt wie ein altes Kaugummi, bestätigt meine Befürchtungen. Ist das jetzt italienisches Design oder der feuchte Traum eines Kostenrechners?

    Aber (fast) egal, wenn der Sound überzeugt. Danke für den schönen Bericht!

  3. Profilbild
    MartinM.

    War der Crumar BIT one nicht sogar einer der ersten Synthesizer mit anschlagdynamischer Tastatur? Wenn ich mich recht erinnere, kam er für etwa 2500 DM auf den deutschen Markt und kostete damit weniger als die Hälfte des Yamaha DX 7, des einzigen anschlagdynamischen Modells, das mir für 1984 außerdem einfällt. Ich meine, es gab sogar in der Fachpresse die Meinung, man könnte sich den BIT one als MIDI Masterkeyboard anschaffen.
    Ansonsten erwartete der Zeitgeist dank Instrumenten wie Fairlight CMI oder dem DX 7 wirklich neue Klangdimensionen. Den sattsam bekannten Analogsound hätte damals absolut niemand als Vintage bezeichnet. Entsprechend desinteressiert war man am BIT one, der vom Design und der Namensgebung zwar irre digital daherkam, aber diese Erwartung nicht erfüllte.

  4. Profilbild
    Moogfeld  

    Ich habe den Bit 01 schon seit Ende der 80er in meinem Studiorack drin und obwohl ich durchaus auch Phasen hatte, in denen ich Teile meines Geräteparks sprichwörtlich wie die Unterhosen wechselte, soll das schon was heißen. Leider entwickelt mein Bit nach den vielen Jahren in letzter Zeit ein gewisses Eigenleben, ich glaube da ist jetzt mal ein kompletter Service mit gezieltem Teiletausch notwendig….was wohl auf alle Bits früher oder später zukommen wird, das sollte man bedenken.
    Ansonsten kann ich die klangliche Beschreibung nur bestätigen, ein uneingeschränktes Vintage-Erlebnis im noch bezahlbaren Rahmen.

  5. Profilbild
    PaulusS  

    Wow, der weiße BIT ONE auf den Fotos schaut ja fast neuwertig aus.
    Wenn ich mal einen in den 90ern angeboten bekam, dann war das so ein verkratztes Ding mit Defekten.

    Er klingt jedenfalls recht gut. An den Sound kann ich mich leider nicht mehr erinnern.
    Vielleicht hatte mich die Bedienung damals auch nicht sonderlich zum Experimentieren eingeladen.

  6. Profilbild
    weinglas  

    Danke für die schöne Zeitreise. Ein wirklich gut klingender Synth.

    Zwei Dinge habe ich aber noch anzumerken:
    1. Der unter der Bildunterschrift Bit ONE präsentierte Synth ist ein 99, kein Bit ONE. Der ONE hat neben dem Display zwei zusätzliche Slider für Detune und Noise statt des Keyboard Sensitivity Potis.

    2. Als er neu war, lies er sich über die Tasten eigentlich sehr gut bedienen. Man wusste jederzeit über alle Parameter und ihre Einstellungen Bescheid.

    • Profilbild
      Tyrell  RED 111

      Vielen dank für den Hinweis.
      Hast du zufällig ein Foto vom ONE für uns? Das wäre natürlich praktisch. :)

      • Profilbild
        weinglas  

        Leider nicht! Von meiner damaligen „Musikerkarriere“ und dem verwendeten Gear habe ich leider keine Bilder mehr.

  7. Profilbild
    Full Bucket  

    Die Seitenteile meines Bit One waren aus Metall, da hab ich mir immer schön den kleinen Finger der linken Hand aufgekratzt. Und eine kalte Lötstelle direkt an einem der CEM3328 hat für erratische Aussetzer dieser einen Stimme geführt… goldene Zeiten! ;-)

  8. Profilbild
    fanatic  AHU

    Der Klang erinnert mich etwas an die Akai VX Synths. Jedenfalls find ich die BIT Reihe klanglich UND optisch sehr sexy.

  9. Profilbild
    swissdoc  RED

    Die BIT Synths leiden gerne an schlechter Verarbeitung der Elektronik. Bei Defekten empfiehlt sich ein Blick auf Kontakte und Lötstellen.
     
    Eines der wenigen Instrumente (ausser dem Ensoniq Mirage und ein paar anderen Exoten) mit Curtis 3328 Filter. Dazu das spezielle Design der Oszillatoren – digitale Treppenspannungsgeneratoren für SAW mit nur 5 Bits und analoger Ableitung von SQR und TRI daraus, die aber von analogen VCOs geclockt werden. Detune und Pitchmodulation erfolgt an den VCOs. Bei einigen Sounds hört man im Bass das gewisse Britzeln.
     
    Beim Synthex sind die Oszillatoren übrigens sehr ähnlich, aber mit 8 Bits und es britzelt dort auch nicht mehr.
     
    Es gibt von Tauntek eine neue Firmware, die CC Steuerung ermöglicht. Details hier, auch für die Trimmer im Gerät:
    https://bit.ly/2SIzwII

    Hier kann man fertige EPROMs kaufen:
    https://bit.ly/3huWFXE

  10. Profilbild
    TobyB  RED

    Der Sound hat was. Schöne Kiste.

    Wer mag sollte dem Bit mit CEM Chips ein Upgrade gönnen, https://bit.ly/3hbNXP1 , ich hab das meinem Matrix 1000 spendiert. Ich finds schon lässig den M1000 mit einem Touchpad zu tweaken :-)

  11. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ich erinnere mich noch an meine erste Begegnung mit dem BIT bei Amptown in Hamburg, Ende der 1980er — meine Frage, wer wohl auf den Gedanken gekommen ist, die beiden Wheels übereinander anzuordnen, hat mir bis heute keiner beantworten können (ein echter Hartmann?).

    Ein praktisches Gerät — selten so viel Platz zum Abstellen eines Kaffeebechers oder einer Atari-Tastatur gesehen. Ob man so eine schlecht verarbeitete Rostlaube heute wirklich noch braucht…?

  12. Profilbild
    gaffer  RED

    War einer unserer vielen Synths in der damaligen WG. Fast alles kann ich bestätigen. Lausige Verarbeitung und Bedienung, guter Sound (One). Mir gefiel er optisch. Wäre alles auf höherem Niveau umgesetzt worden, wäre das ein gutes Instrument geworden.

  13. Profilbild
    NicGrey  

    Ich habe meinen weissen BIT mit Original Case vor ca. 3 Jahren als «Beifang» zu einem Roland Soundmodul erstanden. Der Verkäufer war ahnungslos und dachte wohl es sei ein Midi-Masterkeyboard. Wie auch immer, das Teil ist sauschwer und mit Case zieht es dir den Arm ganz schön runter. War optisch sehr gut in Schuss aber technisch revisionsbedürftig. Der Sound war okay aber die Bedienung ala Korg Poly-61 nicht gerade anwenderfreundlich. Hab ihn dann günstig weiterverkauft.
    Zurzeit wird wiedermal einer in der Bucht für rund 1500 € angeboten. 🤣

  14. Profilbild
    imogen

    Die ganze Gerätereihe ist schon komplett „quirky“ aber irgendwie vom Sound her manchmal eigenwillig genial, auch das Design (meiner Meinung nach) – es fällt leicht in nationale Stereotypen zu verfallen :-) Meine Liste von Beanstandungen beim Bit One ist lang (kein Mixer für die 2 Osc, kein PWM, wilde Architekturprobleme wie Bend verändert das Detune, beim Double/Stack wird die Modulation eines Sounds auf beide angewendet (!), die Filterhüllkurveninvertierung invertiert auch den Offset gleich mit (warum?) :-\ etc.) aber dann außerirdische Features wie Velocitymodulation von Attack (aber ohne eine hochwertige Tastatur, die solche Performancefeatures rechtfertigen würde). Trotzdem: die Klangqualität ist sehr gut, durchsetzungsfähig und deutlich andersartig. Es gibt zudem wenige unmusikalische Parameterranges. Beim Bit One hat man „detune“ als Regler direkt im Zugriff – das macht für mich viel vom Bit One aus. Allerdings: meine Angaben kommen von einem Bit One und ohne Vergleiche, d.h. vielleicht ist manches nicht mal reproduzierbar (so ähnlich wie bei meinem Fiat Panda damals 1988 :-))

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