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Blue Box: E-Mu Emax I, Sampler & Synthesizer (1986)

21. Mai 2021

E-Mu for the Masses

Vorwort der Redaktion

Meinen allerersten E-Mu-Sampler erwarb ich 1989 einst im legendären Synthesizerstudio Bonn, Zweigstelle München. Es war ein vollausgestatteter E-Mu EMAX II, der mich mein gesamtes Erspartes gekostet hatte. Für stolze 13.400,- DM wechselte diese Wunderkiste in mein kleines Homerecordingstudio.

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Ein Freund, der den Vorgänger besaß, wurde nur noch müde belächelt. Erst Jahre später, mit mehr Erfahrung und Urteilsvermögen in Bezug auf Sample-Klänge, wurde mir bewusst, dass Speicherplatz und Samplerate eben doch nicht alles sind. Und dann war ich es, der längst keinen Emax II mehr besaß, wohl aber nach einem Emulator II oder einem Emax Ausschau hielt. In den letzten 10 Jahren konnte ich dann tatsächlich beide erwerben und war  von der Kombination aus digitalem Sampling und analoger Nachbearbeitung (die der Emax II nicht besaß) hellauf begeistert.

Wie sich aber herausstellte, waren in meinen Ohren, die Klänge von Emax und Emulator II nur sehr schwer auseinanderzuhalten. Klar gab es Unterschiede, aber eben wirklich minimal. Da es sich bei meinem Emax um die SE-Variante inklusive SCSI, neuem Display und SD-Laufwerk (kein Floppy Emulator) handelte, verkaufte ich den Emulator II wieder, der im Gegensatz zum Emax während der letzten 5 Jahren gleich zweimal zur Reparatur musste. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut. Der Emax ist und bleibt einer meiner Lieblingssampler in meinem Setup.

2018 hat uns Costello zu diesem ikonischen Sampler einen exzellenten Artikel verfasst, den ich euch heute nochmals ans Herz legen möchte. Anlässlich dieses Re-Releases möchte ich euch auch einen neuen Mitarbeiter in der Redaktion vorstellen, Florian Koczy. Florian unterstützt die Redaktion seit Anfang des Monats mit exzellenter Bildbearbeitung und professionellen Studiofotos. Mit den ergänzenden Aufnahmen zu diesem Report (gut zu erkennen am dem türkisen Hintergrund auf Steinboden) hat er sozusagen seinen gelungenen Einstand gegeben.

Nun aber viel Spaß mit dem wunderbaren Artikel von Costello zum E-Mu Emax.

Euer Tyrell

PS: Für die Wiedergabe meiner persönlichen Emulator II Library sorgt heute übrigens ein Oberheim DPX-1, der seinen Job wirklich erstaunlich gut macht.

Nicht gerade eine Stilikone – dafür bezahlbar: Der Emax präsentiert sich im schlichten grauen Design mit ein paar dezent farbigen Gummitastern

Die Geschichte des E-Mu EMAX

Als ich den E-Mu Emax 1986 zum allerersten Mal in einem Berliner Musikgeschäft sah, schoss mir nur ein Gedanke durch den Kopf: „Der Wal hat den Buckel verloren“. Der Vorgänger E-Mu Emulator 2 besaß eine ikonische Formgebung, die auf jeder Bühne sofort identifizierbar war – mit der charakteristischen Ausbuchtung an der linken Seite für das Disketten-Laufwerk. Aber durfte man überhaupt beim Emulator 2 vom Vorläufer und beim Emax vom Nachfolgemodell sprechen?  Schon der Name machte klar – das ist keinesfalls der E-Mu Emulator III. Emax – das klang irgendwie frecher und  auch weniger respektheischend. Er war ja auch ein gutes Stück billiger als der Emulator. Dafür sah der Emax halt nicht so cool aus wie der E2, er hatte deutlich abgespeckt, klar, die Hardware war reduziert worden. E-Mu-Chef Dave Rossum fing damals an, eigene DSP-Chips zu konfigurieren. Im Emax werkelt der erste dieser Chips – Typ E, dem dann noch der eine oder andere Bug ausgetrieben werden musste. Es galt den damals aufkommenden Billig-Samplern Paroli zu bieten. Rossums Unternehmen war gezwungen, mit den Ressourcen ökonomisch umzugehen, um die E-Mu-Technik erschwinglich zu machen: „Emax is a responsive, low cost, surprisingly easy to use musical instrument with staggering creative possibilities.“ (Handbuch zum Emax)

Keiner von Dave Rossums Lieblingen

Nun ist „low cost“ eine relative Aussage. Denn wirklich preiswert war der E-Mu Emax I (den wir uns erlauben, hier mit einer „I“ zu versehen, damit auch Google unsere beiden Emax-Artikel differenzieren kann), der für knapp 3.000 US-Dollar angeboten wurde (und in der Rackversion für 2.400 US-Dollar), tatsächlich nur in den USA. In Deutschland mussten Interessenten wegen des Dollar-Umtauschkurses tatsächlich immer noch tief in die Tasche greifen. Die Kosten bewegten sich in der Größenordnung eines ausgewachsenen Polysynthesizers. Zum Glück ahnten die Käufer auch nicht, dass Dave Rossum damals nicht zu 100 Prozent hinter seinem Produkt stand: „The Emax was reasonably successful – it made a profit – but because it was a ‚low-cost‘ design, it wasn’t as inspiring as E-mu’s flagship, breakthrough products. As the Emax went from a chip project to a full-blown synth, my focus turned to G and H chips, and I always felt a little apologetic for the limits of the Emax.“ (Dave Rossum-Interview auf AMAZONA.de)

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Schon der etwas kecke Name Emax machte klar, dass es sich hier keinesfalls um den ebenbürtigen Nachfolger des Emulator 2 handelte.

E-Mu Emax – mehr als eine Billigversion des E-Mu Emulator II

Die Emax-Käufer dagegen warfen eine Diskette ein, hörten die vertrauten Arco Strings und waren happy. Dank der Brillanz der E-Mu-Entwickler war der Emax zum Glück doch mehr, als nur eine abgespeckte Billigversion des Emulator II. Am Ende macht sich ja (fast) alles am Klang fest. Und ja: Es gibt Soundunterschiede zwischen beiden Instrumenten. Beide machen mächtig Druck, aber der Emax klingt insgesamt etwas weicher. Der Emulator-Sound ist dagegen direkter, härter, mit viel Punch speziell im Low End-Bereich.  Für meine Ohren klingen beide Sampler ausgezeichnet und das liegt vor allem auch am Einsatz eines resonanzfähigen analogen SSM-Tiefpassfilters (24 dB/Okt). Feinschmecker (besser „Feinhörer“) verweisen gern auf  die unterschiedlichen Filtertypen: Im Emulator 2 werkeln acht dezidierte Tiefpassfilter SSM 2045, während im Emax acht SSM 2047 ihren Dienst verrichten, die zusätzliche VCA- und Panning-Aufgaben übernehmen müssen. Der gemeinsame Klangcharakter der SSM-Filter ist aber nicht zu überhören.  Sehr viel deutlichere Klangunterschiede ergeben sich dagegen im Vergleich zu späteren E-Mu-Samplern, die mit Digitalfiltern ausgerüstet wurden.

Immer noch eine Zierde für jede gepflegte Synthesizersammlung: Der Emulator 2 mit dem charakteristischen „Buckel“ für das Diskettenlaufwerk. (Mit freundlicher Genehmigung von Marko Ettlich)

Heute ist der relative Preisunterschied zwischen Emulator 2 und E-Mu Emax I zwar zusammengeschnurrt, aber immer noch erheblich – 800 bis 1.000 Euro zu etwa 3.000 Euro. Und so ist der Emax nach wie vor die günstigste Möglichkeit, sich den frühen E-Mu-Sound in die eigenen vier Wände zu holen.

Diskettenlaufwerk auf Diät gesetzt

Die schlankere Erscheinung des E-Mu Emax I ist vor allem auch dem Umstieg von den etwas unhandlichen 5 1/4’’ Disketten des Emulators auf  3 ½’’ Disketten geschuldet. Das Emax-Diskettenlaufwerk fand bequem Platz an der vorderen Geräteseite, direkt unter den beiden Rädern für Tonhöhe und Modulation. Der Buckel war schlicht unnötig geworden.

Auch bei den Wandlern auf den ersten Blick ein Fortschritt: Der Emax arbeitet bereits mit 12-Bit-Technik, während der Emulator II noch als reiner 8-Bit-Sampler gilt. Dave Rossum hat allerdings im Gespräch mit Peter Grandl ausgeführt, dass bereits der Emulator 2  tatsächlich feiner auflöste: „Although the sounds were still 8 bits, our companded sigma-delta encoding scheme gave us better than 12 bit fidelity in most cases.“ Und umgekehrt muss man beim Emax einschränkend hinzufügen, dass dieser die Samples intern auch nur mit 8 Bit abspeichert.

Insgesamt machte der Emax mit seinem stabilen Plastikgehäuse, wenn schon keinen spektakulären, so doch einen soliden Eindruck. Die anschlagdynamische 5 Oktaventastatur (C1-C6) ist zwar nicht gewichtet, lässt sich aber angenehm spielen.

Die Tastatur des Emax geht völlig in Ordnung. Aftertouch beherrscht sie allerdings nicht. Dafür muss eine externe MIDI-Tastatur angeschlossen werden.

Aftertouch nur per MIDI

In manchen Beschreibungen des Emax wird Aftertouch erwähnt, was etwas verwirrend ist. Denn über die Emax-Tastatur konnte ich kein Aftertouch auslösen. Ich dachte zunächst an einen Tastaturfehler, wofür etwa der Sequential Circuits VS berüchtigt ist. Doch dann stieß ich eher zufällig in der Bedienungsanleitung auf den Hinweis, dass der Emax tatsächlich Aftertouch besitzt – das man freilich nur über eine externe MIDI-Tastatur nutzen kann.

Der E-Mu Emax I ist – wie der Emulator 2 – zwar nur achtstimmig, trotzdem sind Doublesounds möglich, ohne die kostbare Polyphonie zu opfern. Denn einer Voice können zwei Sample-Klänge zugeordnet werden,  die – gegeneinander verstimmt – für einen fetten „detuned“ Sound sorgen.

Monosampler mit Stereoausgängen

Auch eine Verteilung der Klänge im Stereopanorama ist möglich. Denn im Gegensatz zum Emulator 2 besitzt der Emax sogar Stereoausgänge. Der Sampler kann außerdem multitimbral eingesetzt werden und da trifft es sich gut, dass er über acht Einzelausgänge verfügt.

Neben den Stereoausgängen besitzt der Emax auch acht Einzelausgänge. Ganz links der monophone Sample-Eingang.

Das Sampeln selbst ist beim E-Mu Emax I wie beim Emulator II allerdings nur in mono möglich. Stereosampling bot erst der Emax II. Der interne Speicher des Emax I fasst ganze 512 Kilobyte. Das ist wahrlich nicht viel und kann nachträglich auch leider nicht erweitert werden. Genau aus diesem Grund wurde die maximal mögliche Samplerate von 42 kHz wohl eher selten genutzt. Viele Produzenten entschieden sich für 28 kHz als vertretbaren Kompromiss aus Klangqualität und Samplezeit. Bei geringeren Sampleraten fängt es schnell an zu klingeln und auch die Wärme des Klangs leidet.

Arco Strings und Shakuhachi

Eines der stärksten Argumente für den Emax galt 1986, so wie es im Jahr 2018 gilt – die phantastische Sound Library. Natürlich macht es Spaß, seine eigenen Samples zu erstellen. Aber die großartigen Arco-Strings (Instant Pet Shop Boys) oder der bekannte Liquid Stack sind einfach unnachahmlich und inspirieren augenblicklich zum Spielen. Die zahllosen Chöre, das druckvolle Schlagwerk – für manche die perfekte Alternative zu einer  E-Mu SP-12 – oder auch die New Age-Atmosphäre von „Loon Garden“ mit ihrem Wassergeplätscher und Glöckchengebimmel machen den besonderen Reiz des Emax aus. Hier findet sich auch die berühmte Shakuhachi-Flöte, die Peter Gabriels Megahit Sledgehammer einleitet.

Stiff Competition

Mitte der 80er Jahre wurde Sampling bezahlbar. Der erste Preisbrecher war im Jahr 1985 der Ensoniq Mirage, der für umgerechnet 5.800,–DM verkauft wurde. Der Erfolg des Mirage war der Grund, warum sich Dave Rossum überhaupt in die Niederungen des Budget-Segments begeben hatte: „One of my biggest mistakes was not to use crappy technology. When the Ensoniq Mirage came on the scene, it used ‚drop sample‘ pitch shifting … I figured there was no way that serious musicians would use it, because it sounds awful. Boy was I wrong, and Ensoniq sold more $ worth of Mirages in their first year that E-mu probably ever did of all Emulators combined.“ (Interview mit Dave Rossum auf theEmus.com)

Er war „schuld“ am Emax. Mit dem preiswerten Sampler Mirage setzte Ensoniq den Konkurrenten E-Mu mächtig unter Druck. (Mit freundlicher Genehmigung von Retrosynthads)

Rossum musste erkennen, dass sich Musiker damals sehr wohl auch mit bescheideneren technischen Lösungsmöglichkeiten zufrieden gaben, wenn sie sich dadurch einen der so heiß begehrten Sampler leisten konnten. Sie träumten zwar von einem Emulator 2, kauften aber am Ende einen Mirage. 1986 folgte Korg mit dem DSS-1, Sequential Circuits schickte den Prophet-2000 ins Rennen, AKAI brachte den S900 und Roland den S-50 auf den Markt.

Marktanteile an AKAI verloren

Es war also ein durchaus „toughes“ Umfeld, in dem sich E-Mu‘s Emax I behaupten musste, zumal er sich mit 3.000 US-$  am oberen Ende des Preisfeldes bewegte. Mindestens in Europa hat das den Emax Marktanteile gekostet: „Emax’s sold well in the US, and to a more limited degree in Europe… Although it was overshadowed by Akai’s S900/950 rack sampler in Europe, where US music products were expensive.“ (theEmus.com)

Ein weiterer scharfer Konkurrent für E-Mu war die Firma AKAI.

Trotzdem war die Musikwelt ganz Ohr und voller freudiger Erwartung, als der Emax herauskam. Denn das Unternehmen von Dave Rossum hatte einen ausgezeichneten Ruf: Der Emulator II war zu so etwas wie dem Industriestandard für Sampler geworden. Ein hochprofessionelles Gerät, das sich im Gegensatz zu den großen Fairlight und Synclavier-Systemen auch mittlere Studios leisten konnten. Und auch einige Musiker – selbst wenn sie nicht Peter Gabriel hießen. Ein ausgebauter Fairlight CMI III, wie er ab Mitte der 80er zur Verfügung stand, brachte es schnell auf 100.000 Dollar.

Teurer geht immer. Anzeige aus dem Jahr 1982 für das Fairlight CMI-System. Preiswert war nur die Demo-Kassette für 1 US-$ (Mit freundlicher Genehmigung von Retrosynthads)

Das macht der Chefredakteur

Nicht verwunderlich also, dass beim hochrespektierten Magazin „Sound on Sound“ seinerzeit Chefredakteur Ian Gilby sich höchstpersönlich das erste Testexemplar krallte. Zwei Wochen ging er mit dem Emax in Klausur, bevor er einen regelrechten Hymnus veröffentlichte: „It is capable of producing very high quality sound samples which, in tandem with its versatile keyboard assignment and easy to use multi-sampling facility, results in probably the most authentic reproduction of instruments you will achieve this side of the Synclavier or Fairlight Series III.” (Sound on Sound, Januar 1987)

Der gute Mann stand damals nicht unter Einfluss einer psychogenen Substanz, als er den Emax scheinbar in einem Atemzug mit dem Rolls Royce und dem Bentley des Samplings nannte. Man beachte die drei Worte “this side of” – Der SoS-Rezensent hat das Preisniveau des Emax durchaus in seine Betrachtungen miteinbezogen. Trotzdem müssen wir heute natürlich schmunzeln, wenn wir etwas von “most authentic reproduction of instruments” lesen. Denn 2018 sind wir ein ganz anderes Niveau an Authentizität  gewöhnt, als es der Emax-Sampler 1986 bieten konnte. Selbst im Vergleich zu meinem Roland S-760 16-Bit-Sampler aus den 90er Jahren liegen bereits Lichtjahre in der Klangqualität.

Der Emax zeichnet sich durch Lofi-Charme und ein sehr gutes analoges Filter aus.

Emax I – ein verkappter Analogsynthesizer

Aber wenn wir ehrlich sind, wäre der E-Mu Emax I heute nicht besonders spannend, wenn er klingen würde wie eine Kronos-Workstation oder meinetwegen die EastWest Hollywood Strings. Sondern es ist gerade der Lofi-Sound in Verbindung mit einem sehr genialen analogen Filter, was die Faszination eines solchen Samplers aus den Achtzigern heutzutage ausmacht.

Bereits der SoS-Rezensent hatte damals erkannt, dass man den Emax nicht auf die Reproduktion von Stringsounds reduzieren sollte: „Instrument emulation is not just what Emax is about“. Das eigentliche Potential des Emax liege vielmehr in seinen analogen und digitalen Bearbeitungs- und Steuerungsmöglichkeiten. Marko Ettlich geht mit seiner Einschätzung des Emax und seines berühmten Vorgängers sogar noch einen Schritt weiter: „Emulator II und Emax besitzen erstklassig klingende analoge Filter und analoge Amps. Im Prinzip handelt es sich um analoge Synthesizer mit auswechselbaren digitalen Wellenformen und digitaler Steuerung.“ (Sequencer.de-Forum, 2016)

Der Emax verfügt über zwei klassische Wheels, die aber nicht auf Tonhöhe und Modulation festgelegt sind, sondern über eine Matrix vielfältig beschickt werden können.

Der geht auch für live

1986 dürfte viele Musiker aber noch ein anderes Argument überzeugt haben. Der Emax war ein absolut livetaugliches Instrument: “Unlike many samplers which are confined to studios, Emax should soon be visible on many stages and in many clubs.” (Sound on Sound, Januar 1987)

SoS-Chefredakteur Gilby sollte mit dieser Einschätzung recht behalten: So setzten Depeche Mode das zuverlässige Arbeitstier E-Mu Emax I HD bei ihrer „Music for the Masses“-Tour ein und ließen den klanglich überlegenen, aber auch anfälligeren Emulator II im Studio stehen.

Wir werden später noch ausführlicher auf den Einsatz des Emax bei Depeche Mode aber auch bei Bands wie Nine Inches Nails oder Faith No More eingehen. Nicht zu vergessen das Sample-Meisterwerk schlechthin – der Hiphop-Klassiker Pauls Boutique von den Beasty Boys.

Der wegen reduzierter Hardware als recht zuverlässig geltende Emax war in der Ausstattung mit Harddisk auch ein bewährtes Instrument für Live-Auftritte.

Die Stimme des Verbrauchers

Wie immer habe ich einen Zug durch die Gemeinde gemacht und mich in den einschlägigen Foren informiert, was man in Musikerkreisen so spricht über den Emax. Und meistens habe ich da sehr warmherzige Beschreibungen gefunden, voller Sympathie für den Lofi-Sampler: “Not only do you get the superbly warm E-mu output converters, so that kik drums and the like are big and fat with plenty of punch; but the E-max also functions as a superb keyboard synth !! (dancetech.com)

Gerne wird das Lob für den Emax mit einem kleinen Seitenhieb auf die Konkurrenz verbunden. “Excellent old-vintage sampler – just for those of us who like vintage-deep-fat and hot sound: excellent filters…if you want more RAM and less terribly expressive sounds, buy an AKAI!” (Sonicstate 2003)

Wer wird denn gleich zum AKAI greifen?

Manch einer darf sich sogar zu den stolzen Erstkäufern zählen: “Der E-MU Emax 1 war mein erster Sampler und damals schweineteuer wenn auch günstiger als der EMU II. ich war stolz wie Bolle und fühlte mich wie ein Adoptivbruder von Depeche Mode.“ (Neo auf Sequencer.de, 2016)

Kein Einzelfall – offensichtlich spricht der Emax die Fans einer bestimmten Elektronik-Band ganz besonders an: “I love the sound, perfect for Depeche Mode style stuff which is what I’m into.” (Sonicstate)

Genau diesen Typus Emax-Player, der auf die 80er und Retro-Mucke steht, hat Rob Zar („Professional user from USA“) auf dem Kieker. Seinen etwas rustikalen Humor mag man lustig finden oder auch nicht: “bomb ass low-fi sampler!!! – used nowaydays by creative-cool producers and musicians – I’ve heard of some lame asses with mullets still using them like ‘proper’ instruments just using old library disks – probably playing some gay-ass stupid new age or 80s rock – ha ha ha!!” (Sonicstate 2003)

„Mullets“ musste ich übrigens erst nachschauen: Bedeutet soviel wie „Vokuhila“.

Der Emax ist erste Wahl für Depeche Mode-Fans aber auch für „creative-cool producers“.

Die Freuden des Multisampling

Neben einem von manchen als nicht mehr zeitgemäß empfundenen Retro-Einsatz des Emax, der einen leider aus dem illustrem Kreis der „creative-cool producers und musicians“ ausschließt  (warum fühle ich mich da bloß auf den Fuß getreten), gibt es natürlich auch Stimmen, die meinen, das ganze Instrument sei nicht mehr up to date: “However, no one has seemed to comment upon the fact that like the Emulator II, the Emax forces you to multisample if you’d like to have a sound transposed along the entire keyboard.” (Sonicstate)

Das machte dann erst der Emax II besser. Wir ahnen schon: das Multisampling ist eine mühsame, langwierige Angelegenheit. Und deshalb sollte man auch nicht mit den falschen Ansprüchen an den Emax I herangehen: “If you’re looking for a cheap way to rip loops, sample realistic acoustic sounds, sound like a popstar, etc. This is NOT the choice for You. This is a MANGLERS synth.“ (Sonic State, 2001)

Aber was hilft das alles, wenn man sich in den Sound verliebt hat? “For straight sampling & production, you’d be nutz to not go for a larger memory unit…. but the emax has a serious sound that is upfront as fuck and warm….. and most of it’s sounds are excellent.” (dancetech.com)

Mögen einige der zitierten Stimmen inzwischen auch ein Jahrzehnt und mehr auf dem Buckel haben. Das Fazit fällt in diesen Tagen nicht grundsätzlich anders aus: „Es ist der Klang! Diesen Druck und die Wärme sucht man bei heutigen Instrumenten vergeblich.  Mein Emax SE war der beste Kauf der letzten Jahre.“ (Marko Ettlich auf Sequencer.de, 2014)

Und dann lassen wir den Marko doch gleich mal ein bisschen spielen :-)

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Wer den Emax einmal sein eigen nennt, der rückt ihn so schnell nicht wieder raus: „Wonderful wonderful machine ヽ(´―`)ノ have had the Emax SE model since forever and will never part with it. lovely sound of restriction.“ (Vintagesynth, 2012)

Das möchte ich als frischgebackener Emax-Besitzer gerne unterschreiben. Dabei galt bei mir lange Zeit der Leitsatz: Ein Sampler kommt mir nicht noch mal ins Haus.

Never say never again

Ich persönlich dachte ja, dass ich mit dem Thema „Sampler“ durch bin. Für nichts hatte ich in meinem Musikerleben bisher mehr Geld ausgegeben und daraus weniger musikalischen Nutzen gezogen, als aus meinem Roland-Sampler S-760. Der zugegebenermaßen sehr schön klingt. Aber leider auch kompliziert ist. Sehr kompliziert. Das Gerät hat mich total frustriert, weil es mir meine Unbedarftheit so drastisch vor Augen führte. Es war Balsam für meine Seele, als ich auf Sweetwater lesen konnte:”The S-760 Digital Sampler is probably one of the most complex musical instruments Roland has ever designed. Because of this, sampler novices and in some cases hardcore sampler users find the S-760 difficult to grasp.” Dieser Artikel trug die passende Überschrift  „The Roland S-760 Demystified“. War ich in meiner Unbedarftheit wenigstens nicht der einzige ;-)

Also wie gesagt – eigentlich hatte ich mit dem Thema Sampler komplett abgeschlossen. Doch dann passierte mir das hier …

Analog-Allergie

Neulich gehe ich in mein Keyboardzimmer, schalte den Oberheim OB-8 an und möchte ein analoges Vollbad nehmen. Spiele ein paar fette Bläsersounds an und denke nur – wie bräsig. Wechsle genervt zum ARP, doch die seidenweichen Streicher entlocken mir nur einen sarkastischen Kalauer: „Na, das klingt aber eher lasch denn lush“. Schaue Richtung Jupiter-4 und der spürt meine schlechte Laune schon, hat darauf gar keinen Bock und macht einen auf „verstimmt“.  Oh je, was ist denn auf einmal los mit mir?

Wenn der Jupiter-4 nur noch Unlustgefühle auslöst, liegt etwas schwer im Argen. Klarer Fall von DDD!

Eine Krankheit namens DDD

Also zum Arzt meines Vertrauens, erzähle was Sache ist, es folgen ein paar kurze Tests und dann höre ich die Diagnose: Ich leide an Digital Deficiency Disease – kurz DDD. Zu deutsch: digitale Mangelerkrankung. Ich sehe den Arzt fragend an, er klärt mich auf: „Der Erreger wurde Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal beobachtet. Wissenschaftler konnten bald schon eine Vielzahl von Stämmen identifizieren. Sie hatten Namen wie DX7, E-Mu, PPG, D-50, M1. Während einige Erreger wie CMI und NED eigentümlicherweise nur sehr reiche Musiker und Produzenten infizierten, breitete sich etwa der DX und Mirage-Virus epidemisch auch unter weniger betuchten Musikern aus.“

Faszinierend. Wie äußerte sich diese Krankheit denn, will ich wissen.

Ein Axxe im Sperrmüll

„Genau wie bei Ihnen“, antwortet der Arzt. „Allen davon Betroffenen war gemeinsam, dass sie ihre bis dahin hochgeschätzten Prophet-, Moog- und Roland-Synthesizer auf einmal nicht mehr hören konnten. Und stattdessen nach Klängen lechzten, die sägten, raunten, röchelten oder metallisch schepperten. Die Folge war ein regelrechter Kehraus: Der Memorymoog oder Juno-60 flogen aus dem Studio raus, Digitalsynthesizer und Sampler zogen dafür ein.“ Der Doktor runzelt die Stirn: „Eine schreckliche Verwirrtheit der Sinne: Man soll damals ARP Axxes aus dem Sperrmüll  gezogen haben. Zugegeben, das sind Gerüchte, aber ich halte sie nicht für übertrieben.“

Analog-Revival

„Und was passierte dann?“, frage ich ungeduldig.

„Irgendwann ist die Fieberkurve wieder abgeflacht. DX-Glöckchen lösten auf einmal dieselbe Reaktion hervor wie zuvor die Streicherteppiche vom Oberheim. Überdruss und allergische Abstoßungserscheinungen waren die Folge. Der DX7 wurde an den Neffen verschenkt. Aber auf ein  Polysix-Inserat  in den Kleinanzeigen meldeten sich auf einmal wieder 20 Leute. Den Rest der Geschichte kennen Sie. Roland Jupiter-8, nearly Mint Condition, 14.000 Euro. Eigentlich wundert es mich gar nicht, dass sich auf dem Höhepunkt des Analog-Retro-Hypes die DDD zurückmeldet.

Ich nicke stumm. Schweißtropfen perlen auf meiner Stirn. „Und was soll ich nun machen?“,  frage ich zitternd, Verzweiflung im Blick.

Zu schade auch – den Emulator 2 zahlt die Kasse nicht ;-)

Einen Emulator II zahlt die Kasse nicht

Der Arzt mustert mich einen Augenblick lang nachdenklich und antwortet dann: „Ganz einfach, Sie kaufen sich etwas, das sägt, raunt, röchelt und – ganz wichtig – metallisch scheppert, wie ein Mülleimer, der gerade die Kellertreppe runterfällt.“

Dann lacht er, klopft mir aufmunternd auf die Schulter: „Nun gucken Sie doch nicht so dumm aus dem Anzug. An DDD ist noch niemand gestorben. Das lässt sich alles behandeln. Hatten Sie denn schon einmal einen E-Mu-Sampler? Den Emulator II gibt’s leider nicht für Kassenpatienten. Aber für den Emax I könnte ich Ihnen ein Rezept schreiben. Der hat die ganzen Digitalsounds drauf, besitzt aber auch ein wunderschönes analoges Filter. Dadurch sind auch die Risiken und  Nebenwirkungen viel geringer. “

„Risiken und Nebenwirkungen?“, höre ich mich fragen.

„Ja, wir wollen doch nicht, dass Sie am Ende noch ein ADS niederstreckt. Ein anaphylaktischer digitaler Schock.“

„Danke, vielen Dank!“ rufe ich, umarme den Doktor und bin schon raus aus der Praxis, stehe auf der Straße und atme die frische Luft des Frühherbstes ein. Ich fühle, wie meine Lebensgeister zurückkommen. Jetzt brauche ich nur noch einen Emax, dann werde ich wieder ganz gesund.

Niemand muss mehr Hunderte von Floppy Disks aufbewahren. Der Floppy Disk Emulator ersetzt heute das Diskettenlaufwerk.

Die Medizin

Es hat dann noch ein bisschen gedauert, bis ich zum Zuge gekommen bin. Mit der Aussicht auf Besserung vor Augen konnte ich aber geduldig warten, Angebote in Ruhe vergleichen. Und da war er plötzlich in den Kleinanzeigen: mein Emax in der Nähe vom Frankfurter Tor, wo im Schatten stalinistischer Zuckerbäckerarchitektur heute die Friedrichshainer Jeunesse dorée residiert. Ausgerüstet ist mein Emax mit allem, was man sich wünschen kann. Einem Lotharek Floppy Disk Emulator, einer großen Library auf SD-Karten (Depeche Mode ist auch dabei, wie’s sich gehört), niegelnagelneuem OLED-Display und – SE.

Leicht am Sticker zu erkennen: SE wurde bei diesem Emax erst nachträglich aufgespielt.

SE muss sein

So genau weiß ich zwar noch nicht, wofür SE gut sein soll. Aber wenn schon einen Emax, dann aber bitteschön mit SE. Bei meinem Gerät wurde SE nachgerüstet. Deshalb ist die Namensergänzung auch nicht aufgedruckt, sondern als Sticker aufgeklebt. Der Vorbesitzer ist E-Mu-Enthusiast.  Er besitzt noch einen E III, einen Emax II als Rack und diverse andere E-Mu-Teile wie eine SP-12. Eigentlich würde er am liebsten alles behalten, aber manchmal muss man Geld flüssig machen für andere wichtige Dinge im Leben. Wer kennt das nicht. Er hat die komplette Aufrüstung meines Emax vorgenommen und am Computer eigenhändig die SD-Karten zusammengestellt , dafür auch Emax II-Soundbänke konvertiert. Das weckt Vertrauen beim Kauf eines Gebrauchtinstruments.

Das Design des Emax ist nicht spektakulär wie beim Emulator 2, aber durchaus ausgewogen.

Bist Du des Emax würdig?

Emax-Besitzer der ersten Stunde, die noch mit zittrigen Händen eine 3,5“-Disk in den Sampler gesteckt haben, werden sagen, Costello, das hast Du eigentlich gar nicht verdient. Dir fehlt die Ehrfurcht vor dem Gerät. Aber ich denke, wenn ihr mich gesehen hättet, als ich zum ersten Mal die berühmten Arco-Strings aufrufe und ein verklärtes Lächeln meinen Mund umspielte. Ihr hättet mir Absolution erteilt und die Worte gesprochen: Bruder, Du bist des Emax würdig.

Der Arzt hatte völlig recht: Das sägt, raunt, röchelt und scheppert metallisch, wie ein Mülleimer, der gerade die Kellertreppe runterfällt. Wobei – ein Sound fehlt mir. Ich vermisse ihn geradezu schmerzlich. Den habe ich bei Retrosound gehört. Die phantastischen Emax-Videos von Marko habe ich mir immer wieder angehört. Wie hieß der Klang doch gleich? Richtig – Liquid Stack.

Ein Klassiker – die Arco Strings. Aber wo verflixt und zugenäht ist der Liquid Stack?

Wo zum Teufel steckt der Liquid Stack?

Eigentlich ein Emulator II-Werksklang, den es aber auch für den Emax gab. Viele der Sounds auf den Disks klingen ja absolut großartig, keine Frage. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich die SD-Karten durchsteppe. Und da plötzlich vernehme ich einen metallisch-silbrigen Klang, gestackt mit einem weichen, analog klingenden Pad. Das muss er sein. Er befindet sich auf einer OMI-Disk und heißt hier „Expensive“.  Wie passend – dieser Klang ist mir tatsächlich lieb und teuer. Und endlich, endlich überkommt mich eine tiefe Gemütsruhe.

Endlich glücklicher Emax-Besitzer!

Rasierklinge gegen UHU-Pickel

Und nun kann ich auch den einzigen sichtbaren Makel meines Emax beseitigen. Ein großer Tropfen gehärteten Klebers verunziert die graue Frontseite des Emax. Der Vorbesitzer wollte da nicht ran, aus Angst sich statt des Kleberpickels eine tiefe Schramme einzuhandeln. Ich spreche ein kurzes Mantra, setze die Rasierklinge an und entferne in einer kaum merklichen, blitzschnellen Bewegung den störenden Buckel. Meine Hand streicht zärtlich über die jetzt makellose Oberfläche. Emax – jetzt bist Du wirklich mein.

Alle Elemente sind von links unten nach rechts oben geordnet. Das gibt dem Emax-Spieler das Gefühl auf dem aufsteigenden Ast zu sitzen.

Dynamische Linienführung

Das Design des Emax strahlt Dynamik aus. Die Bedienungselemente sind leicht schräg angeordnet. In einer von links nach rechts ansteigenden Linie, was psychologisch wichtig ist, weil wir diese Linienführung als aufstrebend empfinden. Bestes Beispiel – das Logo der Deutschen Bank. Wobei deren Bilanzen eher in die entgegengesetzte Richtung weisen. Aber das ist ein anderes Thema.

Es gibt ein zweizeiliges Display, dessen Leuchtkraft mit den Jahren zu verblassen droht. Nicht so bei meinem Emax, dessen neues OLED-Display noch sattblau strahlt  Daneben befinden sich zwei Slider. Einer für die Lautstärke, der andere für die Dateneingabe. Hier können zum Beispiel die Werte für einen Hüllkurvenverlauf programmiert werden. Genauso lässt sich damit aber auch das Filter in „real time“ öffnen und schließen.

Bedient wird der Emax über eine Reihe farbiger Gummitaster, die nicht unbedingt einen besonders wertigen Eindruck machen.

Blassgrüne Plastiknippel

Für einfache Ja/Nein bzw. Ein/Aus-Abfragen stehen alternativ zwei zartrosafarbene Plastiktasten zur Verfügung, die übrigens farblich wunderbar mit dem pinkfarbenen Schriftzug des nachtschwarzen Nachfolgers Emax II harmonieren würden. Beim Emax I betonen sie eher noch das dezente (man könnte auch sagen langweilige) Grau des Chassis. Die anderen Plastiknippel kommen auch nicht gerade knallig daher. Sie sind verwaschen grau, blassgrün und babyblau. Schon beim Erscheinen des Emax monierte der SoS-Kritiker die Knöpfe , „which look rather cheap and nasty, but they work and help keep the overall cost down, so who cares?”

Rechts daneben befinden sich zwei Gummitaster, die für eine der wichtigsten Operationen am Emax überhaupt zuständig sind – das Laden von Sounds. Das kann beim Originalgerät von einer Floppy Disk geschehen, beim späteren Emax HD von einer internen Harddisk, oder – ebenfalls erst ein später zugefügtes Feature – über ein externes Laufwerk, das über SCSI angeschlossen wird. Bei meinem Gerät wird damit ein Sound vom internen SD-Kartenleser in den Speicher des Emax befördert. Wobei immer zuerst auch das Betriebssystem geladen wird. Das war bei den Floppy Disks auch schon so. Ein weiterer Taster erlaubt das schnelle Transponieren.

Nach dem Einschalten verlangt der Emax erstmal nach einer Disk, die ihn bootet.

Noch mehr Gummitaster und die Welt der Module

Neben den Slidern befindet sich ein numerisches Tastenfeld. Darüber zwei Cursortaster. Mit den kleinen Gummitastern kann schnell ein Untermenüpunkt aufgerufen werden. Direkt rechts daneben liegen zwei in einer aufsteigenden Linie gruppierte Reihe von je 6 Gummitastern. Die linke (blassgrün) ist für die Bedienung des internen Sequencers reserviert. Mir der rechten (babyblauen) rufen wir die einzelnen Bedienmenüs auf, in denen wir dann mittels des numerischen Zahlenfeldes und des Sliders navigieren können. E-Mu spricht von sieben „Modulen“. Schauen wir uns an, was ihre Aufgabe ist.

Birdrun

Im Master-Modul lässt sich die Tonhöhe des Instrument anpassen, eine Floppy Disk formatieren oder kopieren oder auch die Anschlagempfindlichkeit der Tastatur einstellen. Die sicher populärste Funktion ist hier aber der sogenannte Birdrun. Eine Prüfroutine, während der ein Emu (ja, der Vogel) durchs Display flitzt.

Genau hinschauen – dann erkennt ihr links im Display einen kleinen Vogel.

Dem Tester des Magazins Electronics & Music Maker, Paul Wiffen, fehlte dafür seinerzeit der nötige Humor. Der Birdrun machte ihn angesichts des knappen Speicherplatzes des Emax regelrecht kirre: „I’m not sure exactly why it does this, nor am I sure why it’s there at all. But I am sure E-mu could have made better use of the memory and processing power Bird Run takes up.“

Programmierer wollen halt auch ab und an ihr Spässeken haben ;-)

Flexible Samplingraten

Das Sample-Modul ist sozusagen der eingebaute digitale Kassettenrekorder des Emax. Hier können Samplelänge und Abtastrate eingestellt werden. Im Gegensatz zur fix eingestellten Sample-Rate des Emulator 2 von 28 kHz ist beim Emax Flexibilität angesagt. Es gibt sechs verschiedene Sample-Rates von 10 kHz bis 42 kHz. Mit der niedrigsten kann ein Sample von 52 Sekunden Länge aufgenommen werden. Die höchste reicht noch für 12,4 Sekunden. Der Kompromiss für viele Emax-Nutzer liegt – ich erwähnte es schon – bei 28 kHz, was einer Samplezeit von 18,8 Sekunden entspricht. Was zeigt: Die Sample-Rate des Emulator 2 war schon sehr praxisnah ausgewählt

28 kHz – der ideale Kompromiss zwischen Samplezeit und vernünftiger Klangqualität. Wobei auch 10 kHz auf Drumsamples ihren Reiz haben können ;-)

Das Sample-Modul des Emax erlaubt außerdem eine Verstärkung oder – wenn erforderlich – auch eine Abschwächung des Aufnahmesignals: Es ist schließlich ein Unterschied, ob wir den tiefsten Gong von Thailand sampeln wollen, oder das Rascheln von Herbstlaub. Das Display verwandelt sich in einen „peak hold“ VU. Eine akustische Kontrolle, ob das, was man da gerade aufnimmt, eher rauscht oder clippt, gibt es nicht. Nur diese kleinen Balken.

Hier wurde eine 10 dB-Anhebung des Sample-Sounds gewählt. Der Balken ganz rechts bleibt einen Moment stehen und zeigt den momentanen Peak an.

Enjoy the silence

Anschließend müssen wir noch entscheiden, wie die Aufnahme ausgelöst werden soll. Es gibt die Möglichkeit, die Aufnahme von Hand zu starten. Noch eleganter ist es, einen Schwellenwert vorab einzustellen. Sobald am Aufnahmeeingang ein Signal anliegt, das diesen Schwellenwert übersteigt, nimmt der Emax auf. Diese Methode erspart einem später das Abschneiden ungewollter Stille vor dem Ton. Als Voreinstellung legt der Emax das neue Sample auf dem unteren G ab und bedient zugleich alle Töne bis zum unteren C und bis zum eingestrichenen H. Wenn’s nicht hingehauen hat – nicht verzagen. Einfach einen neuen Versuch starten. Der Emax behält die einmal voreingestellten Werte bei und überschreibt die missglückten Versuche. Erst wenn’s passt, drückt man einmal auf „0“ und schreitet zum nächsten Sample fort, das der Emax dann automatisch auf die nächste freie Oktave mappt.

Hier ein wirklich tolles Tutorial zum Emax-Sampeln, das auch zeigt, wie viel leichter es einem der Emax II macht. Wenn er doch nur auch ein Analogfilter besäße.

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Die technische Ausrüstung des Emax macht es praktisch unmöglich, zum Beispiel ein Klavier Ton für Ton über alle 5 Oktaven zu sampeln. Die Alternative wäre höchstens eine Art „verschärftes“ Multisampling, bei dem jeder Ton lediglich einen Halbton nach oben und einen nach unten transponiert wird. Aber wer möchte sich das um alle Welt antun? So viele verregnete Herbstwochenenden gibt es doch gar nicht. Ich denke, heute werden die allermeisten Emax-Besitzer Drumsounds samplen, Stimmen, Naturklänge, perkussive und experimentelle Klänge und vor allem interessante Stacksounds ihrer Synthesizer. Und dafür reicht es definitiv.

Samples maßschneidern ohne Knackser

Obwohl der Emax über verschiedene Routinen verfügt, die aus jedem Sampling-Versuch ein halbwegs brauchbares Resultat fabrizieren, beginnt die Königsdisziplin des Sampling erst mit der Veredelung. Und die geschieht im Modul Digital Processing. Hier wird aus dem Rohmaterial eine Voice maßgeschneidert. Mit der Truncate-Funktion lässt sich das Sample akkurat zurechttrimmen. „Taper“ verhilft zu einem Fade In/Fade out. Damit kann das klanglich nicht so schöne „Glitchen“ des Sounds beim Loopen vermieden werden.

Mal ganz grundsätzlich: So funktioniert ein Loop.

Und ohne Loopen geht’s nun mal nicht. Ein 2-Sekunden-Sample dauert – genau: 2 Sekunden. Völlig gleichgültig, wie lange ich die Taste drücke.  Also: Sobald man Sustain-Klänge spielen will, kommt man ums Loopen nicht herum.  Beim Emax kann sowohl die Sustain- als auch die Release-Phase eines Klanges geloopt werden. Vorwärts wie rückwärts – um den Effekt eines rückwärts laufenden Tonbandes zu simulieren. Wer Mitte der 80er sich mit dem Thema Loopen herumschlagen durfte, war leidgeprüft, “as obtaining a seamless loop with no annoying glitches can prove the hardest task in the world on some sound sources (and on some samplers!)“ (Sound on Sound)

Im Autoloop

E-Mu hat dem Emax deshalb eine Autoloop-Funktion spendiert, die sich auch schon beim Emulator II findet. Eine halbwegs vernünftige manuelle Annäherung an die Loop-Points vorausgesetzt, macht das Autoloopen einen guten Job. Mit Crossfade lassen sich die Loop-Punkte zusätzlich verschmieren. Eine anderes Feature heißt Splice. Es verbindet zwei verschiedene Sample-Klänge zu einem. Wiederum lässt sich die Schnittstelle mit Crossfade geschickt kaschieren.

Mit der „Splice“-Funktion können zwei Klänge aneinandergehängt werden. Das funktioniert besonders effektiv mit einem perkussiven Sound und einem Sustain-Klang.

In der Praxis habe ich mich beim Durchhören der zahllosen Presets gewundert, dass doch einige der damals von kommerziellen Anbietern erstellten Samples vernehmlich knacksen. Manchmal kann man schlicht auch die Wiederholung des Loops heraushören. Da war durchaus nicht alles Gold, was mit einem berühmten Namen glänzte.

Für Strukturalisten: So ist der Emax organisiert.

Presets verwalten und definieren

Das Preset Management stellt sozusagen das Housekeeping für die Presets dar. Roh-Samples, die durch Bearbeitung zu Voices veredelt wurden, werden in Presets gespeichert.  Jedes Preset nimmt bei Menüpunkt 3 seinen Ausgangspunkt: „Create Preset“. Vorher läuft gar nichts. Was können wir hier noch anstellen? Laden, speichern, kopieren und Namen vergeben (Buchstaben und Sonderzeichen liegen übrigens auch auf der Tastatur, was oft schneller geht als mit dem Slider). Wir können Presets auch löschen oder einfach mal eben schauen, wie viel von unserem kostbaren Speicherplatz das Preset auffuttert.

Der Emax sorgt rührend dafür, dass man nicht aus Versehen etwas löscht oder unwiderruflich verändert. Er fragt immer noch mal nach.

Das Modul Preset Definition erlaubt uns, die Parameter eines Presets zu verändern. Wir begeben uns hier auf die Unterebene der „Voices“, aus denen erst ein Preset gebastelt wird. Voices können auf das Keyboard verteilt, kopiert, gedoppelt und auch gelöscht werden. Und da es möglich ist, dass Voices sich überlappen, lässt sich hier zum Beispiel ein Crossfading definieren.

Mit Velocity Crossfading können zwei verschiedene Voices abhängig von der Anschlaglautstärke gespielt werden. Bei normalen Spiel ist zum Beispiel ein softes Saxophon zu hören, ein harter Anschlag aktiviert das zweite Layer mit einem überblasenen Saxofon.

Will ich ein Preset editieren, fragt der Emax, ob ich die erste, die zweite oder gar beide Voices verändern möchte

Warum sind Double-Sounds mal vier- mal achtstimmig?

Eine wichtige Funktion des Emax, die im Modul Preset Definition kontrolliert wird, ist Dual Voice. Beim Herumklimpern war mir schnell aufgefallen, dass es Presets gibt, bei denen zwei Sounds gleichzeitig zu hören sind und ich trotzdem über die volle Anzahl von 8 Tönen verfüge. Dann wieder gibt es Double-Sounds, die ganz wie man es vom OB-Xa, OB-8, vom Jupiter-8 oder Prophet T8 kennt, die Zahl der Stimmen halbieren. Im Double-Mode ist das Instrument nur noch vierstimmig. Der Unterschied war mir zunächst unklar, das Manual bietet Aufklärung, macht freilich auch ein wenig Aufhebens um die Angelegenheit: „This one is going to take some study. Sit back, relax, be patient, and absorb the following.“

So wild ist es am Ende gar nicht. Jeder Emax-Kanal kann zwei Samples abspielen. Voraussetzung ist, dass eine erste und zweite Stimme zugewiesen und „Dual Voice Mode“ angewählt ist. Die Tonhöhe und Lautstärke kann für jede Voice frei eingestellt werden. Aber – und das ist nun der entscheidende Punkt: Die beiden Voices teilen sich einen gemeinsamen Ausgang. Alle Veränderungen bei den Hüllkurven, Filtereinstellungen, LFO-Settings wirken auf beide Voices ein. Der große Vorteil: Man behält die achtstimmige Polyphonie. Schalte ich „Dual Voice“ nicht ein, dann kann ich beide Voices komplett unabhängig bearbeiten – um den Preis, dass ich pro Klang nur noch vier Stimmen zur Verfügung habe.

Neben dem MIDI-Duo bietet der Emax Clock In und Out, ein Compute- Interface und Anschlussmöglichkeiten für ein Pedal und zwei Fußtaster

Matrix für die Controller

Ebenso werden in diesem mächtigen Modul die MIDI- und Arpeggiator-Settings festgelegt. Der Emax-Arpeggiator ist übrigens ein ziemliches Hammerteil. Wir werden auf ihn gleich noch gesondert eingehen.

Bleiben wir noch einen Augenblick im Preset Definition-Modul. Hier sind wir auch an der richtigen Adresse, wenn wir Spielhilfen wie Pitchbending und Modulationsrad für einen bestimmten Sound anpassen wollen. Und es geht noch mehr: In einer Art Matrix können außerdem ein Pedal, zwei Fußschalter, die Anschlagstärke sowie zwei Midi-Controller den verschiedensten Klangparametern zugewiesen werden: Tonhöhe, Lautstärke, Filteröffnung, drei verschiedene LFO-Funktionen, Panning, Crossfading, Sustain und Release um nur einige herauszugreifen.

Der Arpeggiator kann über MIDI-Clock gesteuert werden.

You’re going to love this arpeggiator

Der Arpeggiator ist ziemlich ausgefuchst und entschädigt einen für den Emax Sequencer, der von den Entwicklern eher stiefmütterlich behandelt wurde. Die Emax-Entwickler wussten wohl auch selbst, dass ihnen hier ein kleines Meisterwerk gelungen war: „You’re going to love this arpeggiator: It does a lot and it’s easy to set up.“ (Manual, S. 81)

Arpeggios werden beim Emax im Preset mit abgespeichert, so dass verschiedenen Klängen komplett unterschiedliche Arpeggio-Muster zugewiesen werden können.  Sehr clever, denn beim Emax ist es nun wirklich nicht damit getan, wie seinerzeit bei einem Polysix oder Juno-60 einfach den Arpeggiator anzustellen. Da wollen eine Menge Parameter programmiert werden. Das Tempo kann zwischen 40 und 240 bpm frei gewählt werden. Vor allem ist der Arpeggiator aber auch extern per Click (24, 48, 96) oder MIDI-Clock steuerbar. Der Bereich, in dem das Arpeggio läuft, kann ebenso definiert werden, wie der Wert der arpeggierten Noten. Der reicht von halben Noten bis zu (believe it or not) Sechsundneunizgsteln. Alles, was dazwischen liegt, wird auch triolisch angeboten.

Ziemlich abgefahren: Der Arpeggiator ergänzt zum Grundton vorher festgelegte Intervalle. Hier eine verminderte Quinte.

Ein harmoniesüchtiger Arpeggiator

Es gibt 6 verschiedene Arpeggio-Muster (up, down, up/down, forward assign (man gibt die Notenfolge selbst ein), backward assign (die vorgegebene Notenfolge wird umgedreht) und natürlich darf auch „Random“ nicht fehlen. Okay, den Zufallsmode hatte der Jupiter-8 auch schon. Aber bei den Intervall- und Harmony-Features des Emax hätte er passen müssen. Dabei spielt der Emax  zu den angeschlagenen Noten zusätzliche vorher definierte Intervalle. Oder ergänzt bei Harmony den angeschlagenen Grundton zum Mehrklang. Die Cruz Control halbiert abhängig von der Zahl der gespielten Noten deren Wert, wobei die Länge der Sequenz immer gleich bleibt. Habe ich Achtel vorgewählt, spielt mein Einfinger-Arpeggio eben Achtel. Füge ich eine zweite Note hinzu werden daraus Sechzehntel, bei dreien Zweiunddreißigstel.

Es folgt ein absolutes Highlight: Das Modul Analogue Processing ist der Grund, warum der Emax auch 2018 noch Begehrlichkeiten wecken kann. Und deshalb behandeln wir die analogen Möglichkeiten, in den Sound einzugreifen, gleich noch ausführlich. Und schauen zunächst auf eine Funktion des Emax, die weniger gelungen scheint – den eben schon erwähnten Sequencer.

Eine ganze Reihe Gummitaster nur für den Sequencer – aber bei den Features wurde etwas gespart

Der etwas veschenkte Sequencer

Gleich zwei Module sind dem Sequencer des Emax gewidmet: Sequencer Set-up und Sequencer Manage. Der Emax hat einen 16-Spur-Sequencer an Bord. Dieser stellt – da waren sich schon die ersten Rezensenten einig – nicht das stärkste Kaufargument für den Sampler dar. Es gibt kein Step-Editing, kein Punch-In, keine Quantisierung. Wenn Du Dich verspielt hast: Play it again. Nicht einmal eine Metronomfunktion war vorgesehen. Das Tempo kann von 40-240 bpm variiert werden. Es ist möglich den Sequencer über MIDI extern zu steuern. Im Sequencer Set up-Mode kann ein Super Mode gewählt werden, der es erlaubt, den Inhalt eines externen Sequencers in den Emax zu laden. Das ist ein interessantes Feature. Aufs Ganze betrachtet scheint der Emax-Sequencer aber doch eher als musikalisches Notizbuch zu funktionieren.

Sequenzen werden übrigens – wie auch Arpeggio-Pattern – im Preset gespeichert. Hat man also eine alte Library vorliegen, kann man aus Spaß mal ausprobieren, ob herstellerseitig Sequenzen programmiert wurden. Das diente seinerzeit vor allem Vorführzwecken. Da perlen plötzlich Bach-Fugen, Streicher stimmen „My little town“ an, oder ein Funk-Rock-Gewitter bläst aus den Boxen. Auf irgendwelchen Disks müssen auch die bei Erscheinen des Emax populären Titel-Melodien der TV-Serien Dynasty und Dallas schlummern und auf ihr erneutes Abspielen warten. Das macht durchaus Spaß, sich diese Demos einmal reinzuziehen.

Sehr praktisch: Alles was man wissen muss, um sich auf dem Emax zurechtzufinden, steht auf dem Chassis

Steht alles auf dem Gehäuse

Selbst bei diesem gerafften Überblick über die Funktionen der einzelnen Emax-Module ahnt man schon, welche Menütieftauch-Wettbewerbe hier lauern. Lauern könnten, muss ich sagen. Denn E-Mu hat  – wie schon beim Emulator II – die einzelnen Untermenüpunkte direkt auf dem Panel schriftlich aufgelistet. Klasse Idee! Das bedeutet nun keineswegs, dass man mit der Bedienungsanleitung den Kohleofen füttern kann. Aber für eine erste Orientierung ist die Beschriftung absolut ausreichend. Ein Problem ergab sich allerdings bei OS-Updates, denn die neuen Funktionen standen natürlich nicht auf dem Chassis.

Der Emax wurde in den USA übrigens auch in einer Lizenzausgabe vertreiben – von der Firma Baldwin. Und bei dieser Version wurde auf die Beschriftung leider verzichtet. Das nur am Rande bemerkt, denn die Verbreitung der Baldwin-Geräte blieb meines Wissens komplett auf den US-amerikanischen Markt beschränkt.

Analog Processing – hier geht der Spaß richtig los!

Analog Processing = Analog Heaven

Die Beschriftung verleitet beim Original-Emax unmittelbar dazu, gleich mal den Menüpunkt „Analog Processing“ aufzurufen. Und hier, wage ich mal zu behaupten, wird sich die Nummer 13 besonderer Beliebtheit erfreuen. Mit dem Slider kann ich nun unmittelbar das 4-Pole-Tiefpass-Filter bedienen. Mit dem Cursor ein Häuschen weiterrücken und die Resonanz einstellen bis es pfeift, direkt daneben den Einfluss der Hüllkurve einstellen, dann das Keyboardtracking. Anschließend wechsle ich in Hausnummer 14 und bin in der Filter-Hüllkurve. Sehe, dass diese sogar 5-stufig ist. E-Mu hat nämlich zwischen Attack und Decay noch eine Hold-Phase eingebaut, die die Länge des Peak-Levels bestimmt.

Zwischen Attack und Decay hat E-Mu noch eine Hold-Phase in die Hüllkurve geschmuggelt.

Die Bedienung geht wirklich ratz-fatz, auch wenn man jetzt nach der Veränderung des Decay-Wertes vielleicht noch mal an die Resonanz ran möchte. Und anschließend (Hausnummer 12) in der VCA-Hüllkurve noch die Release-Zeit etwas verlängern. Man fliegt förmlich zwischen den Untermenüpunkten hin und her. Das war bei meinem Roland leider ganz anders.

Das Editieren der Filter-Parameter geht mit dem Slider schnell von der Hand. Für den Live-Einsatz würde man sich Cutoff wohl auf eines der Räder legen.

Endlich wieder ein Solid State im Haus

Das Filter haut einen schlicht um!  Es trägt tatsächlich ganz entscheidend zum charismatischen Emax-Sound bei. Ein Oberheim-Sample klingt nach fettem Analogsynthesizer, beim berühmten Streicherpad-Sound „1000 mm lens“ gibt das Filter ganz viel Wärme. Oops, genau davon wollte ich mich doch eigentlich kurieren, schießt es mir durch den Kopf. Andererseits denke ich: endlich wieder ein SSM-Filterchip in der Familie – wie schön. Seit ich meinen Polysix ausgemustert habe, tummeln sich hier ja nur noch CEMs. Beim Emax handelt sich um einen SSM 2047, den Solid State Micro Technology als „Voicing System“ bezeichnete. Der 2047 ist nämlich mehr als ein reiner Filterbaustein. Zusätzlich sind drei Output VCAs und ein mischbarer links/rechts Stereoausgang dabei.  Schaut man ins Datenblatt des 2047 stehen da lauter feine Sachen: 92db Dynamikumfang, Class A-Signalpfad, niedrige Verzerrung, nur 6db Signalverlust des Filters bei Selbstoszillation und als letzter Punkt: ‘fat“ sound‘. Yep!

LFO mit Random-Effekt

Auch die übrigen Funktionen sind von jedem Analogsynthesizer her vertraut. Der LFO ist recht simpel gehalten. Er bietet eine Sinuswelle für typische Vibratoeffekte an. Außer auf die Tonhöhe kann er auch auf Lautstärke, Filter Cutoff und das Stereo Panning einwirken. Wobei der LFO mit einer Überraschung aufwartet: „In addition to having true, one LFO-per-Voice polyphonic modulation, Emax also has a great feature called variation“. Mit „Variation“ lässt sich für die Frequent des LFOs ein Zufallsgenerator in 15 Stufen einstellen. Bei Maximaleinstellung bekommt jede neu getriggerte Note ein komplett unterschiedliches Vibrato zugeteilt, ein witziger Effekt. Mittlere Einstellungen sollen die Lebendigkeit eines Orchesters simulieren, in denen auch keine zwei Spieler exakt das gleiche Vibrato intonieren.

Auf dem Emax können überlappende Keyboardzonen eingestellt werden. In diesem Beispiel bestimmt die Anschlagsstärke darüber, welche Voice wie laut zu hören ist.

Abgerundet wird das Modul Analog Processing durch die Möglichkeit per Anschlaglautstärke Lautstärke, Filteröffnung, Filter-Resonanz oder Tonhöhe zu steuern. Per Velocity vermag ich ebenso ein schnelles Attack für Filter- und VCA-Hüllkurve auszulösen oder das Stereo-Panning zu steuern. Zu guter Letzt gibt es hier auch einen Chorus, der eine Voice einfach verdoppelt und leicht gegeneinander verstimmt. Die achtstimmige Polyphonie bleibt dabei erhalten. Irgendwo habe ich gelesen, dass der Chorus-Effekt mal mehr und mal weniger gut sich einem Preset anpasst. Das würde ich so bestätigen wollen ;-)

E-Mu hat dem Emax während seiner Produktionszeit einige Updates spendiert

Updates für den Emax

Der Emax hat später verschiedene Updates erhalten. Größtes Manko war natürlich der interne Speicher mit einer Größe von nur 512 kB. Man konnte eine Bank mit maximal 100 Presets  (0-99) laden. Das klingt ja erstmal toll. Aber die beschränkte RAM-Größe schmälert die Aussagekraft ganz erheblich. Meist passten eben nur ein paar Presets in den Speicher und bis die drin waren, vergingen knapp 30 Sekunden.

Deshalb wurde vor allem von Musikern, die den Emax live einsetzen wollten, die HD-Version begeistert begrüßt. Die interne Harddisk bot 20 MB, konnte den Inhalt von 36 Floppy Disks in separaten Bänken aufnehmen und hatte eine sensationelle Ladezeit von nur dreieinhalb Sekunden.

1989 setzte E-Mu mit der Plus-Version noch eins drauf. Die verfügte neben der Harddisk noch über eine SCSI-Schnittstelle. Damit konnte der Emax dann noch auf viel größere Soundmengen auf CD-ROM zurückgreifen. Die erste für den Emax maßgeschneiderte CD-ROM hat meines Wissens OMI (Optical Media International) angeboten.

Die additive Synthese SE war musikalisch sicher die interessanteste Erweiterung.

Synthesis Enhanced

Zuvor hatte E-Mu aber bereits den Emax aufgerüstet mit SE. SE steht für Synthesis Enhanced. Anscheinend wollte Tony Dean, ein Tüftler aus dem E-Mu-Team, ein paar Fingerübungen in der Programmiersprache C machen. Dave Rossum erinnert sich:  „Tony found it easy and fun to write the SE synth. His demonstration convinced us it was a nice, simple enhancement to the product. It was originally called Spectrum Interpolation Digital Synthesis. But at the time, there was a major health concern in the US, Sudden Infant Death Syndrome. So we had to avoid calling it “SIDS”, instead it was generally called “Spectrum Synthesis”. (Interview auf AMAZONA.de)

Nach Einführung von SE wurden alle Emax-Sampler automatisch damit ausgestattet. Bei früheren Instrumenten – so wie bei meinem – konnte SE über ein Software-Update hinzugefügt werden. SE rüstet den Emax mit additiver Synthese aus. Während bei der subtraktiven Synthese durch Filtern dem Klang etwas „weggenommen“ wird, baut die additive Synthese aus einfachen Sinusschwingungen einen komplexen Klang auf. Der Emax bietet 24 Sinusschwingungen als „Oszillatoren“, die durch mehrstufige Frequenz- und Lautstärkehüllkurven geformt werden können. Das ist aber noch nicht alles: „You can also set the pitch of the sound’s fundamental and the pitch ratio for each of the remaining harmonics.“ (Bob O’Donnell: „Emax SE HD“ in Music Technology, Juni 1988)

Von Marko Ettlich gibt es ein sehr verdienstvolles Video, das zeigt, wie die Sache in der Praxis läuft.

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Den PPG eingespart

Weil es nervtötend sein kann, so viele Parameter einzeln einzugeben, hat E-Mu dem Emax ein paar Hilfestellungen mit auf den Weg gegeben, die „Spectrums“ und „Time Splices“ heißen. Der Emax SE bietet 95 Spektren an, in denen von der Frequenz, über die Amplituden bis zu den Oberschwingungen alles schon enthalten ist. Wer mag, kann sich auch seine eigenen Spektren erstellen.  Time Slice bringt nun zusätzlich den Faktor Zeit ins Spiel. Dadurch können die Spektren dynamisch verändert werden. Ein bisschen erinnert mich das an das Durchfahren der Wavetables beim PPG: „You could put a sine wave Spectrum at Time Slice 1 and a more colourful brass-like Spectrum at Time Slice 24, then select the Interpolate Function from the 10-option Spectrum Synth menu and the Emax will do all the dirty work of filling in the other 22 Time Slices for you.“ (Bob O’Donnell: „Emax SE HD“ in Music Technology, Juni 1988)

Mit der Spectrum Synthese kann der Emax Klänge erzeugen, die sehr an die PPG-Wavecomputer erinnern

Die Emax-Librarys enthielten für Käufer der SE-Version reichlich Material, um sich anzuhören, wie das klingt. Und ja, es klingt ausgezeichnet. Nicht nach Sampler, nicht nach herkömmlichen Synthesizer, sondern es geht tatsächlich sehr in die Richtung PPG-Wavecomputer oder auch Vektorsynthese. Vor allem Metallisches und Glockenähnliches ist da zu hören. Die Bedienung über das Zweizeilen-Display ist allerdings alles andere als komfortabel. Zeitaufwändig ist es auch. Ein weiteres Feature „Transform Multiplication“ bäckt zwei verschiedene Samples quasi zusammen, wobei alle Frequenzen, die beide Samples gemeinsam haben, verstärkt und die anderen unterdrückt werden. Die „Backzeit“ kann schon mal 40 Minuten betragen, und das Ergebnis steht in den Sternen…

Manche Funktionen beim Emax dauern auch gerne mal etwas länger als nur einen Moment

Emax – Music for the Masses

Am 18. Juni 1988 fand im Rose Bowl-Stadion von Pasadena das legendäre 101. Konzert von Depeche Modes „Music for the Masses“-Tour statt. Zum letzten Konzert der Tournee pilgerten mehr als 60.000 Fans (andere Quellen sprechen gar von über 70.000). Der Auftritt lieferte für Dylan-Filmer D.A. Pennebaker das Material für die Konzertdokumentation „101“. Alle drei DM-Keyboardspieler können in dem Live-Film mit ihren Emax in HD-Ausführung bewundert werden.

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Alles eine Soße?

Pennebaker ist berühmt für seinen Film „Don’t look back“ aus dem Jahr 1967, der Bob Dylans Großbritannien-Tournee aus dem Jahr 1965 zeigt. Es waren die letzten Konzerte auf denen Dylan als reiner Akustikmusiker auftrat. Ein größerer Gegensatz ist wohl kaum denkbar: Vom Freewheelin‘ Bob Dylan zur elektronischen Musik Depeche Modes. Andererseits: The times they are a-changin‘. Als Dylan damals kurz danach die Eletroklampfe in die Hand nahm, wurde er erst einmal ausgebuht. Ein rundes Vierteljahrhundert später ersetzten nun Sampler herkömmliche Instrumente. Pennebaker wusste mit den Depeche Mode-Songs zunächst nur wenig anzufangen. Freimütig räumte er ein: „Am Anfang klang für mich alles gleich“. Immerhin gelang es ihm, das Konzertfilmklischee zu brechen, indem er eine Gruppe Jugendlicher begleitete, die von der Ostküste im Bus zum Konzert anreisten.

Einmal quer durch den Garten

Und die Fans hätten den Vorwurf „Einheitsbrei“ wohl weit von sich gewiesen: Die Tournee bot einen formidablen Überblick über das Schaffen der Band, ihren Reifungsprozess und ihre Veränderungen im Sound. Die Setliste variierte zwar im Laufe der Tournee. Der Schwerpunkt des Konzerts lag aber eindeutig auf dem 1987 erschienenen Album “Music for the Masses”, von dem die Band  nicht weniger als acht Titel darbot: “Never let me down again”, “The things you said”, “Behind the wheel”, “Pimpf”, “Pleasure little treasure”, “Nothing” “Sacred” und “Strangelove”.  Vom 86er Album “Black Celebration” gab es das gleichnamige Eröffnungsstück des Albums zu hören, weiter “Stripped”, sowie die zwei Fragezeichen: “A question of time”, “A question of lust” . Auch das 84er Album „Some great reward“ war recht prominent vertreten mit “Somebody”, „Blasphemous Rumours“, „Something to Do“, „Master and Servant“ und “People are people”.

Erinnerungen an das Jahr 1988. Depeche Mode hat das 101 Konzert aus Pasadena auch als CD herausgebracht.

Analog hat ausgedient

Auf dem Album “Construction time again“ von 1983 hatte sich Depeche Mode erstmalig mit der damals noch recht neuen Sampletechnik beschäftigt. Der Emax musste hierzu die Sounds von  “Everything counts“ und „Pipeline“ (letzteres Stück war nur am Anfang der Tournee im Programm) wiedergeben. Ursprünglich waren diese Songs auf dem Emulator I und einem NED Synclavier II  eingespielt worden, das Daniel Miller, Chef des Mute-Labels, angeschafft hatte. Die einzige Komposition, die nicht von Martin Gore stammte, war der Depeche Mode-Evergreen „Just can’t get enough“ von Vince Clarke. Der Song stammt vom Debutalbum „Speak & Spell“, auf dem Depeche Mode noch ausschließlich mit Analogsynthesizern arbeiteten. Aber auch die berühmte Melodielinie von „Just can’t get enough“, die Vince Clarke ursrpünglich auf einem Roland SH-1 gespielt hatte, wurde digitalisiert und in den Emax-Speicher geladen. Analog war damals halt nicht so besonders angesagt.

Der Emulator war das Arbeitstier, dem Depeche Mode auf ihrer ausgedehnten Music for the Masses-Tournee vertrauten.

Alan Wilders Emax-Sounds

Diese Sounds sind heute auf dem Markt erhältlich und unter Emax-Fans heißbegehrt: Alan Wilder hat 2011 in einer Auktion zwanzig durchnummerierte und handsignierte Zip Disketten versteigert. Gestopft voll mit den Klängen, die er auf der „Music for the Masses“-Tour und später auf der „Devotional“-Tour von 1993 eingesetzt hat. Auf dieser späteren Tournee war das Instrument freilich nicht mehr der Emax I, sondern der 1989 erschienene Nachfolger Emax II.

In den Anmerkungen zur Auktion beschreibt Wilder, wie viel Arbeit die Vorbereitung auf eine solche Tournee bedeutete. Viele Klänge entstanden ja erst durch langes Tüfteln im Studio, durch Schichten von Sounds und ausgiebiges Processing: “I spent many hours (days!) programming each member’s keyboards for the tours, painstakingly trying to recreate as accurately as possible the sounds we formulated and used on the records. The Emax was a perfect tool for the live re-creations.”

Tutorial für Background-Sänger

In einigen Fällen scheinen die Klänge direkt von den Mastertapes der Alben extrahiert worden zu sein. In der Regel sind mehrere Sounds über das Keyboard des Emax gemappt. Wurde ein bestimmter Perkussionssound nur über einen eingeschränkten Bereich von fünf Tönen benötigt, dann finden sich auch nur genau diese 5 Töne im Preset. So lässt sich perfekt nachvollziehen, wie die Arbeitsteilung bei Depeche Mode damals lief: “This collection covers most of my own sounds for the two tours, although I did play live drums on some songs. I tried all these out recently and discovered how much fun it is to work out the various parts we all used to play.”

Einige Parts wurden sogar speziell nur für Probenzwecke auf die Sampler aufgespielt: “I even found some guide sounds which weren’t actually performed live but were used to demonstrate parts to others. For example, I discovered some guide vocals for Condemnation which were sampled to help routine our girl backing vocalists during the rehearsals.”

Alan Wilder hat übrigens nicht nur ein paar Sounds versteigert. In einem beispiellosen Kehraus hat er sich von Instrumenten wie einem Steinway-Flügel von 1915  und zahllosen Vintage-Synths (vom Minimoog über ARP Odyssey bis zum OB-8) getrennt, dazu Tonnen an Mikrofonen, Outboard, Memorabilia wie goldene Schallplatten und Bühnenklamotten: „My needs have altered a bit since laptops, soft synths and plug-ins have come to the fore, and even though I’m emotionally attached, passing on some vintage gear and historical items seemed like a good way to start“.

Ich hege stille Bewunderung für den Mann…ich stecke immer noch in der Jäger & Sammler-Phase.

Ein Meilenstein des Hip-Hop: Pauls Boutique. Der Emax war das Hauptarbeitsmittel. Auch wenn sich die Produzenten etwas anderes gewünscht hätten.

Pauls Boutique und das goldene Zeitalter des Samplings

Es sage niemand etwas gegen Kompilationen in der Art von „1001 albums you must hear before you die“ oder „Rolling Stone – die 500 besten Alben aller Zeiten“. Ich bin dadurch in Vor-Spotify-Zeiten auf eine Menge Musik aufmerksam geworden, die ich sonst wohl links liegen gelassen hätte. So auch das zweite Studioalbum der Beasty Boys „Pauls Boutique“ aus dem Jahr 1989. Die Beasty Boys hatten auf ihrem Erstling „Licensed to Ill“ Rap mit rauen Beats und Hard Rock-Riffs gemixt. Es war das erste Rap-Album, das in den US-Charts ganz an die Spitze kletterte. Die Beasty Boys waren zu clever, für ihr zweites Album die gleiche Formel noch einmal hervorzukramen. Sie probierten einen kompletten Imagewechsel: Die Ära der krakelenden Party-Rapper ließen sie hinter sich und legten als Nachfolgewerk „eine psychedelische Collage voller funky Beats und krasser stilistischer Brüche“ vor. (Rolling Stone, 2015).

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Hilfe von den Dust Brothers

Dabei bekamen sie Hilfe: von den Dust Brothers, einem Produzentenduo, das Spaß am Samplen gefunden hatte. Mike Simpson („E.Z. Mike“) erinnert sich: „Every once in a while we put something together that seemed just too dense and too busy and too crazy for a rapper to rap on, and we put these tracks aside as instrumental Dust Brothers tracks. Then the Beastie Boys wandered into the studio, and heard one of these tracks, and they loved it. That’s how the album got started.“ (Paul Tingen: „The Dust Brothers. Sampling, Recording & the Boat Studio“ in SoS, May 2005)

Bis dahin war die Sample-Technik in Hip-Hop-Produktionen eher sparsam angewandt worden, etwa für Drum-Loops. Das bahnbrechend Neue war, dass auf dem zweiten Album der Beasty Boys „Pauls Boutique“ komplette Songs aus Samples zusammengesetzt wurden. Die kreative Arbeit bestand zu einem Gutteil darin, Hunderte von Platten durchzuhören, um verwendbare Teile zu identifizieren. „Everything was a collage. There was one track on which the Beastie Boys played some instruments, but apart from that everything was made of samples.“

Dabei half den Musikern und den Produzenten ein wahrhaft enzyklopädischer Überblick über die populäre Musik. Dass Samples von den Commodores, den Isley Brüdern, Curtis Mayfield, James Brown, Sky & the Family Stone in einen Hip-Hop-Kontext passen, leuchtet unmittelbar ein. Aber auch Led Zeppelin, Pink Floyd und sogar die Beatles wurden abgesampelt. Das hatte sich noch niemand getraut. Es gibt heute ganze Webseiten, die sich der akribischen Erforschung und Auflistung der verwendeten Samples widmen.

Mit einem simplen Emax I HD produzierten die Dust Brothers die Samples für das Jahrhundertalbum der Beasty Boys. Insgeheim träumten sie von einer DAW.

Lieber Pro Tools als Emax

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass  E.Z. Mike bei der Arbeit an den Samples nie wirklich happy war: „We did all of Paul’s Boutique on an Emax HD, which was mono and 12-bit and had a 22 kHz sampling rate. So we had plenty of experience of the primitive domain of early sampling: low bit rate and low sampling rate. But we’ve never been in love with the degraded sound of those early machines, we were always trying to make samples sound better.“ (Paul Tingen: „The Dust Brothers“, in SoS, Mai 2005)

Da könnte man meinen, die Beteiligung an diesem phantastischem Album würde dem Emax allein schon einen Platz im Keyboard-Olymp sichern. Doch die Beteiligten sahen das wohl etwas differenzierter. Die gesamte Produktionssituation hatte etwas von einer Bastelstunde. So kam eine primitive Sequencer-Software namens Texture zum Einsatz; eine genauso primitive JL Cooper PPS1-Sync-Box sollte Computer und Band im gleichen Takt laufen lassen. Dazu gesellte sich noch ein Allen & Heath-Mixer mit rudimentärer Automation. Im Prinzip liefen auf allen Kanälen die Samples volles Rohr – und wurden dann je nach den Erfordernissen des Songs über die Mute-Funktion stummgeschaltet.

Davon träumten die Dust Brothers insgeheim, als sie sich mit dem Emax abquälten

E.Z. Mike zieht ein ernüchterndes Fazit: „We had Pro Tools in our heads before it even existed. Since both John and I came from a computer background, we knew what computers were capable of, and we were kind of bombed that the samplers were still so lo-fi or hard to use.“

Das Album schlug zunächst nicht wie eine Bombe ein, die Plattenfirma verbuchte es als Flop. Tatsächlich entfaltete Pauls Boutique seine Wirkung erst langsam.

Ein gefundenes Fressen für Urheberrechts-Anwälte

Und natürlich wurde die Frage aufgeworfen: Kann man sich so ungeniert quer durchs musikalische Gemüsebeet bedienen. Tatsächlich war nur bei einem Teil der Samples die Rechte vorher geklärt worden. Erst im Jahr 2015 wurde eine Klage der Plattenfirma TufAmerica gegen die Beasty Boys endgültig abgewiesen. Es ging um ein illegales Sample der Band Trouble Funk. Die Klage wurde aus rein formaljuristischen Gründen eingestellt. Klar ist: Heute könnte das Meilensteinalbum „Pauls Boutique“ schlicht nicht mehr entstehen. Urheberrechtsfragen werden inzwischen sehr ernst genommen. Eine solch genialisch-anarchische Sampleorgie würde heute von hochspezialisierten Anwälten für geistiges Eigentum sofort stranguliert werden. Und das Einholen der Lizenzen würde die Produktionskosten für ein solches Album in astronomische Höhen treiben. So bleibt Pauls Boutique ein Unikat und der Emax der Sampler, mit dem es produziert wurde. Auch wenn die Macher dabei Blut, Schweiß und Tränen vergossen und von einem noch nicht erfundenem Zauberwerkzeug namens Pro Tools geträumt haben.

Die Produktion von „The real thing“ lief leicht chaotisch ab. Faith no more bescherte das Album gleichwohl mit Epic seinen größten Hit

„Plinky chords“ vom Emax – Faith no more

Ein weiteren Auftritt hat der E-Mu Emax I auf „Faith no more’s“ drittem Album „The real thing“. Das Album wurde weltweit vier Millionen mal verkauft und kletterte in den USA bis auf Platz 11. Faith No more war damals eine Garagenband, die Produktionsbedingungen ein wenig chaotisch. Der neue Sänger Mike Patton hatte ganze zwei Wochen Zeit, die Songtexte zu schreiben. Produzent Matt Wallace soll – den Tränen nahe – seine Mutter angerufen haben, ob sie ihn nicht im Immobiliengeschäft unterbringen könnte.

Die Equipmentliste der Band hätte zwar jeder High Schoolband zur Ehre gereicht. Aber für eine Studioproduktion? “They had Bordin’s Yamaha drum kit and Wallace’s Slingerland Radio King snare drum, Gould’s Gibson Grabber bass going through a Peavey guitar head, Martin’s Gibson Flying V guitar and half-stack Marshall amp, Bottom’s E-mu Emax keyboard and the studio’s piano. ‘We had no options,’ Wallace said. ‘That was it.’” (Classic Track: Epic, Faith no more“, Mix, 2. Juli 2015)

Immerhin drei Tage der teuren Studiozeit verwandte die Band auf die Produktion des Songs “Epic”: „In the final recording, the piano outro is Bottom playing the miked-up studio piano for the melodic top end, and Gould playing plinky chords on the direct-recorded 8-bit sampling Emax keyboard.”

Die Singleauskoppelung „Epic“ sollte der größte Hit der Gruppe werden.

Nine Inches Nails haben praktisch alle Drumsounds auf „Pretty hate machine“ mit dem Emax aufgenommen. Ein Emulator 2 stand auch im Studio.

E-Mu Emax I – Liebling der Industrialbands

Nine Inches Nails sind eine weitere Band, die den Emax eingesetzt haben. „Pretty Hate Machine“ aus dem Jahre 1989 gehört zu meinen absoluten Lieblingsalben aus dieser Zeit. Trotz der massiven Gitarrenparts war es eigentlich ein verkapptes Synthpop-Album. Und Trent Reznor war der „king of the goth dance floor“. In einem Video erinnert sich Chris Vrenna an die Aufnahmen: „We had an Emulator 2, Emax, PPG Wave, Oberheim Expander…“  Vrenna teilte sich damals mit Trent Reznor das Sampeln sowie das Programmieren der Keyboards. „On ‚Pretty Hate Machine‘, all the drums were sampled from other people’s records using an E-Max.” (Bob: Gourley: „Nine Inches Nails“, Chaos Control Digizine 1992)

Clock DVA verwendete den Emax auf dem 1989er Album „Buried Dreams“, um die düsteren Songs mit Klang- und Sprachsamples aus Filmen wie „THX 1138“, „RoboCop“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“ anreichern zu können.

Auch die Liner Notes zu St. Etiennes erstem Album Foxbase Alpha verweisen auf den Emax. Pete Wiggs spielt neben einem Sequential Prophet-5 einen Emax I Sampler. Die britische Band mixte auf dem 1991 erschienen Album Houseklänge mit einem Schuss 60er Jahre-Pop und verband die Songs mit Samples aus Filmen.

1993 wird der E-Mu Emax I auf der Equipmentliste zu Tom Waits Album „The Black Rider“ erwähnt. Die Liste lässt sich fortsetzen: Japan, Los Prisioneros, Meat Beat Manifesto, Cabaret Voltaire, Mouse on Mars, Orbital, Skinny Puppy, Steve Roach, Tony Toni Tone, U2 und KMFDM – sie alle haben den Emax eingesetzt.

Aber auch im Video von Eurodance-Star Ice MC zu „Easy“ kann der Emax bewundert werden. „Easy“ ist jetzt nicht mein Lieblingssong, aber der Keyboarder sieht cool aus.

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Und wie schlägt sich nun der Emax am Ende?

Schlussbetrachtung: Emulator II, Emax & und Emax II

Die Position des Emulator II bedarf keiner Klärung: Er ist eine Legende, sitzt im Synthesizer-Olymp zwischen Fairlight, Synclavier, Jupiter-8, Prophet-5 und den großen Oberheim-Synths, schlürft Ambrosia und sonnt sich in seiner Berühmtheit. Er klingt bombastisch, sieht toll aus und wirklich jeder Keyboarder, der in den 80er Jahren Rang und Namen hatte, besaß einen oder auch zwei davon.

Meister aller Klassen ohne Abstriche in der B-Note: Der Emulator 2.

Wer den E-Mu Emulator 2 will, der kauft ihn, und der legt auch ohne Murren und Klagen dafür 3000 Euro auf den Tisch. Höchstens das Thema Maintenance könnte früher oder später virulent werden.  Marko Ettlich schreibt in seinem Blue Box-Report: „Böse Zungen sagen, der EII sei ein IC Grab und ganz Unrecht haben sie damit nicht. Ein EII ist nichts für ängstliche Gemüter, die ständig Sorge haben, dass ihr Schätzchen beim nächsten Einschalten sich mit einem lauten Knall und aufsteigendem Rauch verabschiedet.“

E-Mu Emax I – eine gute Alternative

Beim Emax I ist die Hardware reduziert, die Bugs am E-Chip längst behoben und das Floppy-Laufwerk, das gerne mal den Geist aufgab, vermutlich schon gegen einen modernen Floppy Drive Emulator ausgetauscht. Sein Design ist schnörkellos-schlicht, eine Stilikone wie der Emulator II ist er nicht – will er auch nicht sein. Der Emax kann auf die gleiche wunderbare Soundbibliothek wie der Emulator zurückgreifen und er ist deutlich billiger. Der Klang ist ausgezeichnet und dem des Emulator II sehr ähnlich.

Marko besitzt sie beide: „Es gibt natürlich ein paar klangliche Unterschiede zum EII, aber die fallen eigentlich nur im Direktvergleich auf.“ (Blue-Box: Emulator II) Bei seinem Youtube-Vergleich gibt es natürlich viele Kommentare, die den Emulator vorne sehen, einige, die den Emax bevorzugen, aber auch Stimmen die sagen: Manches macht der eine besser, manches der andere. Denen würde ich mich anschließen wollen.

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Etwas merkwürdig berührt es natürlich, dass der Emax für Dave Rossum ein ungeliebtes Kind war, für das er sich fast ein bisschen schämte. Bei der Produktpräsentation musste sein Team ihn vermutlich gefesselt und geknebelt in einem Nebenraum verstecken, damit er den Kleinen nicht öffentlich runterputzte. Der Emax war ihm aufgezwungen worden, weil Ensoniq ihn so frech mit dem Mirage angegriffen hatte. Die Entwicklung des E-Chips interessierte ihn noch und dann aber weg damit.

E-Mu Emax II – Papas Liebling

Tatsächlich war für Dave Rossum erst der E-Mu Emax II wieder ein würdiger Sampler aus dem Hause E-Mu. Von ihm sagt er, dass er mit dem ersten Emax eigentlich nur das Gehäuse gemeinsam gehabt hätte: „The Emax II was a great product, popular and exceedingly reliable. Unlike the Emax, felt like we delivered everything we promised and more.“ (Dave Rossum-Interview auf AMAZONA.de, Part 3) Rossum berichtet, man habe ihm gesagt, die Namensgebung „Emax II“ sei ein kapitaler Fehler gewesen. Gerade so, als ob Ford einen Pinto II herausgebracht hätte. Der Pinto war ein wenig prestigeträchtiges Auto der unteren Mittelklasse. Da möchte ich aber gern dagegenhalten: Anders als beim Pinto konnte bei einem verunglückten Emax wenigstens kein Benzintank beschädigt werden und Feuer fangen.

Im Emax II erkannte Dave Rossum die Tugenden seiner Firma wieder. Ein phantastischer Sampler, freilich mit digitalen Filtern.

Peters Favorit

Der Emax II lässt in vielerlei Hinsicht tatsächlich den Ur-Emax weit hinter sich: Verdoppelte Stimmenzahl, 16-Bit-Sampling, Stereo-Sampling, interner Speicher bis auf 8 MB aufrüstbar. Ein Sound konnte auch ohne Multisampling aufs ganze Keyboard gelegt werden. Noch Fragen? Peter Grandl nahm 1989 sogar einen Kredit auf, um die verlangten 13.400 DM auf den Tresen der Münchner Filiale des Synthesizerstudio Bonn zu legen. In seinem Green Box-Report zieht er ein begeistertes Fazit: „Der E-Mu EMAX II ist ein einmaliges Kreativwerkzeug, das dank seiner hervorragenden Filter, Synthesen und des einzigartigen Arpeggiators, wirklich immer noch ein spannendes und zeitloses Instrument für Elektronik-Musiker ist.“

Markos Verdikt

Das hervorragende Filter freilich war nicht mehr von SSM. Dave Rossum hatte alle seine Genialität in die Aufgabe gesteckt, die analogen Filtereigenschaften digital in einem DSP-Chip nachzubauen. Ob ihm das gelungen ist? Marko Ettlich hat diese Frage für sich klar beantwortet:  „Hier wurde ein Digitalfilter verbaut und das hört man auch deutlich. Im Gegensatz zum ersten Emax klingt er langweilig und undifferenziert obwohl beide 100% klangkompatibel sind. Fazit: Die Filter färben den Klang schon extrem und das macht hier den Klang aus.“

Manchmal kann der Marko in seinem unbestechlichen Urteil ja ganz schön hart sein. Was mache ich denn jetzt bloß, wenn ich vielleicht auf der nächsten Superbooth mit beiden ein Bier trinken möchte? Okay, versuchen wir es mal auf die salomonische Art: „Trotz der unbestrittenen zahlreichen Vorteile des Emax II liegt aufgrund des Analogfilters rein klangmäßig der Emax I doch noch ein gutes Stück näher am Sound-Ideal des E2“.  Puh, die Kurve gerade noch mal gekriegt. Wenn’s auch ordentlich gequietscht hat :-))

Mit einem Floppy Disk-Emulator ist der Emax für künftige Einsätze gut gerüstet

Den Emax auf Vordermann bringen – Interview mit Mark-Ephraim Kretschmer

Wer sich fürs Oldschool-Sampling interessiert ist vielleicht schon mal auf den Online-Shop „rawndry“ aufmerksam geworden. Rawndry bietet alles an, um Vintage-Sampler zu erhalten und in heutigen Studioumgebungen optimal nutzbar zu machen. Im Gespräch mit Peter Grandl hatte Inhaber Mark-Ephraim Kretschmer schon verraten, wie sich der Laden richtig ausspricht. „raw ‚n‘ dry“. Das bedeutet „roh und trocken“. Und genauso müssen für Mark Drum-Samples klingen.
Unser Blue-Box-Report zum Emax ist ein willkommener Anlass, wieder einmal mit Mark zu sprechen.

Bei Mark-Ephraim Kretschmer steht der Emax ganz oben in der Gunst.

Costello:
Hallo Mark, das Gespräch mit Peter liegt jetzt ein gutes Jahr zurück – was hat sich seither bei dir getan?

Mark:
Ich hab jetzt auf jeden Fall mehr Anfragen wegen Reparaturen und Aufrüstungen. Das läuft sehr gut und regelmäßig. Ansonsten versuche ich weiterhin kontinuierlich MPCs und andere Sampler aufzuarbeiten und an den Mann zu bringen.

Costello:
Bereits Peter hattest Du verraten, dass Du ein absoluter Fan von 12-Bitsamplern bist. Da müsste der Emax ja ganz oben in deiner Gunst stehen?

Mark:
Auf jeden Fall! Der Emax steht mit der SP1200 ganz oben bei mir.

Costello:
Soundmäßig gibt es auch eine Schnittmenge zum berühmten Emulator 2.

Mark:
Leider hatte ich bisher nur einen EII in den Händen, der auch noch defekt war. Somit hab ich leider kaum Erfahrung mit dem Sound. Der EII ist zwar 8-Bit, aber der Sound ist dennoch vergleichsweise gut, vor allem beim Pitchen. Weniger Aliasing als der Emax, soweit ich das richtig gehört habe.

Costello:
Bevorzugst du beim Emax eigentlich die Rack-Variante oder die Keyboard-Version?

Mark:
Rack, einfach nur wegen dem Platz. Ich bin ja auch kein Keyboarder, sondern Beatmacher.

Die Rack-Variante des Emax bringt es auf drei HE

Costello:
Alles was nach dem Emax von E-Mu kam, war in gewisser Hinsicht um Längen „besser“ – was die Polyphonie angeht, den Speicherplatz, teils auch das Handling. Lohnt es trotzdem aus deiner Sicht heute noch, in einen Lofi-Sampler wie den Emax zu investieren?

Mark:
Das kommt darauf an was man will. Ich als Beatmacher mit Hang zum Lo-Fi will den coolen Sound der Kiste, daher lohnt es sich für mich auf jeden Fall, weil ich genau den Sound haben will und ihn nirgendwo anders bekomme. Als Keyboarder hat man vielleicht andere Prioritäten. Aber sicherlich weiß jeder selbst warum er grade einen Emax haben will. Wer einfach einen Sampler haben will, ohne bestimmte Vorlieben, sollte eher was moderneres nehmen. Ist einfach viel komfortabler und außerdem leichter reparier- oder ersetzbar.

Costello:
Wie steht es um die Zuverlässigkeit der frühen Emax-Geräte?

Mark:
Normale „Verschleißteile“ wie z.B. Diskettenlaufwerke, Buttons, Slider, Netzteil, Tastatur sollten auf jeden Fall erneuert, überholt und gereinigt werden, damit die Geräte weiterhin zuverlässig laufen. Das ist auch alles kein Problem. Kritisch wird’s nur wenn Defekte auftreten, die irreparabel sind, weil bestimmte alte Bauteile nicht mehr zu bekommen sind.

Costello:
Gehen wir mal davon aus, jemand hat noch einen Emax im Urzustand. Mit ausgeblichenem Display und ausgeleiertem Floppy Disk-Laufwerk. Welche Frischzellenkur würdest du dem Emax verordnen?

Mark:
Da würde ich auf jeden Fall das komplette Programm empfehlen: Reinigung, OLED-Display, HxC Floppy Emulator, neue Slider, Buttons überarbeiten. Wenn SCSI vorhanden ist würde ich auch noch einen SCSI-Cardreader als Festplattenersatz empfehlen. Beim Keyboard sollten außerdem die Tastenkontakte gereinigt werden.

Costello:
Was muss man ungefähr anlegen, wenn man seinen Emax entsprechend überarbeiten lassen will?

Mark:
Ca. 600-700 Euro.

Costello:
An dem Mini-Speicherplatz von 512 MB ist aber nix zu löten – oder?

Mark:
Das wäre schön. Kann ich leider nicht anbieten.

Costello:
Spätere Emax-Modelle besaßen auch einen SCSI-Anschluss. Macht das Sinn, nach einem solchen Gerät Ausschau zu halten oder ist diese Technik durch die Floppy Disk-Emulatoren mehr oder weniger obsolet geworden?

Mark:
Beim Emax macht es nicht so einen großen Unterschied, weil man ja eh nur einen kleinen Ram hat. Aber im allgemeinen ist SCSI schneller und praktischer. Beides im Emax zu haben ist optimal. Man kann dann Floppy Disk-Images benutzen aber auch von dem schnellen SCSI profitieren.

Costello:
Du bietest auf deiner Seite auch das EmuSer-Set an. Was hat es damit auf sich?

Mark:
Der Emuser ist eine weitere Speicherlösung als Alternative oder Ergänzung zu Floppy-Emulator und SCSI-Cardreader. Man kann damit Banks direkt in den Speicher des Emax hochladen und auch runterladen. Benutzt man dafür z.B. ein kleines Netbook ist es im Prinzip wie ein externer Speicher. Wenn der Emax kein SCSI hat und man sein altes Floppy-Laufwerk behalten will, ist der Emuser eine sehr gute Lösung, denn man kann praktisch eine unbegrenzte Anzahl von Sounds auf dem PC verwalten.

Ein Emax, der über ein EmuSer-Kabel an einen PC angeschlossen ist. (Mit freundlicher Genehmigung von Mark-Ephraim Kretschmer)

Costello:
Dein EmuSer-Set und die dazugehörige Software ist auf einen PC und Windows zugeschnitten. Gibt es etwas ähnliches für Mac-Nutzer?

Mark:
Es gibt eine Software namens SMAX mit der es funktionieren soll. Ein Kunde hat damit gearbeitet.

Costello:
Mark, du bietest ja ausdrücklich auch Stil-Beratung an. Nach dem Motto: Welcher Sampler passt zu mir? Wem würdest du den Emax ans Herz legen?

Mark:
Auf jeden Fall jedem mit Interesse an einem Sound, der markant vom Sampler gefärbt wird.

Costello:
Herzlichen Dank für das Interview und weiter viel Freude und Erfolg mit deinem Rawndry-Shop. Für interessierte Leser: Die Website des Rawndry-Onlineshops findet ihr in der Linksammlung.

Neben eigenen Samples macht der Zugriff auf die große Klangbibliothek einen entscheidenden Vorteil des Emax aus

Klangbeispiele E-Mu Emax I

In den  Mini-Kompositionen mit stilistischen Anleihen u.a. bei PSB, DM und Japan habe ich etwa 50 verschiedene Sounds untergebracht,  die hier in der Reihenfolge ihres Auftauchens im Stück genannt werden. Zusammen mit den Einzelbeispielen und Markos Videos erlauben sie einen recht umfassenden Überblick über das Klangspektrum des Emax.

A Question of Sound: Horror Breath, Multi Synth (Stacksound), Chor, Spectrum Synth II (Bass), Marimba, Whoosh, Fantasia (D50-Sample), Brite Keys, Reed Instruments, Perky (Sequential VS-Sample) und eigenes Sample Obi 8-Digital.

Baby would you drive my car: Car Sounds, E-Bass, Funk Guitar (zwei verschiedene Licks) Wahwah Guitar, Rap Brass und diverse Stimm-Samples, die ich über TC VoiceLive verfremdet habe. Disclaimer 1: Ich bin nicht der Ansicht, dass Frauen schlechter Autofahren als Männer. Disclaimer 2: Ich habe gar kein Auto :-)

Kamakura: Koto, Drumloop vom Kurzweil mit 10 kHz abgesampelt, auf zwei Tasten gemappt und so immer wieder neu getriggert, eigenes Fretless-Sample vom RD-500, Bizarre Bell, Mallets, Sample mit traditionellem japanischen Gesang, eigenes OB-8-Sample „Detuned“, Bottle flute, Gong.

Dancing through my life: City Ambience, Children, Car Horns, Arco Strings, High Strings, Synclavier (Stacksound), Spectrum Synth I (Bass), Expensive (besser bekannt als  “Liquid Stack”), Pop Brass, Horn, Voices.

Wells Fargo: Boeing 747 Überflug, Percussion, Alembic Bass, Berimbau, Horses (Pferdegespann, Schnauben, Wiehern), Gibson Tremolo, Guitar Noise, Cow Bell, Piano, Construction Site (Hämmern)

Weitere Beispiele bringen u.a. „Loon’s Garden“ mit der berühmten Shakuhachi-Flöte zu Gehör, das Preset „1000 mm lens“, die Spectrum Synthese, die Arco Strings sowie „Expensive“ (Liquid Stack oder zumindest ein naher Verwandter), sowie einen Filtersound mit Panning.

An eigenen Samples gibt es einige Klänge vom Oberheim OB-8 und OB-1 zu hören (Digital,  Brass,  Fluty, Detune mit Filter,  OB-1-Bass) sowie vom Kurzweil (Bass, Metallic, Brass, Cow Bell, Lofi-Drum-Loop aufgenommen mit 10 kHz Samplefrequenz). Mit dem Mikrofon habe ich die Stimm-Samples bei „Drive my car“ aufgenommen. Vom Roland RD-500 habe ich den Fretless Bass auf „Kamakura“ und einen Voice-Sound gesampelt.  Es macht durchaus Sinn Rompler abzusamplen. Der relativ harmlose Hauchsound vom RD-500 klingt plötzlich nach Fairlight. Allen Klängen prägt der Emax seinen ganz eigenen Filterstempel auf.

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Fazit

„I think what musicians loved most about the E2 was the effectiveness of the analog voice, with velocity sensitive envelopes and filters, in giving the samples organic, musical dynamics.“ Daves Rossums Eloge bezieht sich auf den Emulator 2. Doch wenn man ehrlich ist, gilt sie natürlich genauso für Rossums ungeliebtes Baby E-Mu Emax 1 Sampler. Das Kernstück des E2 – das großartige Analogfilter – und die intuitive Bedienbarkeit der gesamten Analog-Sektion hat der Emax von seinem großen Vorgänger geerbt. Und das hebt den Emax tatsächlich von allen späteren E-Mu-Samplern ab. Diese waren technisch perfekter und komfortabler im Handling – an den organischen, dynamischen Klang des Emax reichen sie nicht heran. Emulator 2 und Emax I sind tatsächlich eher nahe Verwandte der großen polyphonen Synthesizer.  Die vorhandenen Klangunterschiede zwischen beiden sind nicht so gravierend, als dass man nicht auch auf Dauer mit dem Emax glücklich werden kann. Es wird aber von Fällen berichtet, da diente der Emax als Einstiegsdroge. Und später wurde dann doch noch ein Emulator 2 angeschafft ;-)

Plus

  • druckvoller Klang
  • hervorragendes analoges Filter
  • große Klangbibliothek
  • altes Floppy-Laufwerk lässt sich gegen SD-Cardreader tauschen
  • sehr guter synchronisierbarer Arpeggiator
  • additive Synthese über SE-Erweiterung

Minus

  • geringe Polyphonie
  • umständliches Multisampling
  • sehr kleiner interner Speicher
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Synchead  

    Samstag morgens BlueBox zurück in die 1980er. Für mich der schönste Teil des Wochenendes. Oft schau ich schon um 5.00 Uhr ob etwas neues in der Blue Box ist. Die heutige Ausgabe ist besonders schön. Kompliment an den Verfasser!

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      costello  RED

      Danke! Du kannst aber getrost ein Stündchen länger schlafen. Die Blue Box-Artikel am Samstag werden immer um 6 Uhr morgens veröffentlicht ;-)

  2. Profilbild
    Der_Brechreiz  

    Ich wollte eigentlich eine Sp1200 aber konnte mir nur einen Emax leisten…Das war das Beste was mir passieren konnte..

    -Ruhig mal Übersteuern beim Samplen..
    -Die niedrigen Frequenzraten bringen herrliche Artefakte zum Vorschein
    -Flächen reinsample n und Filter &Chorus druff (Ultranova klingt schön kalt!!)
    -42khz ist erstaunlich sauber
    -Herrman seib hat auf seiner Webseite Unmengen von Emax Images
    -Ruhig mal die Demosongs der Factorydisks abspielen…

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      costello  RED

      Danke Numitron! In den E-Mu Libraries habe ich ganze Vogelvolieren entdeckt, aber auch afrikanische Raubtiere von der Tüpfelhyäne bis zum Löwengebrüll. Man kann sich stundenlang wegträumen in den Amazonas-Urwald oder die afrikanische Savanne :-)

  3. Profilbild
    lightman  AHU

    Der Mirage war mir damals wegen seines rauhen Klangs lieber. Anhand der Einlassung von Dave Rossum sieht man, daß ihm Ensoniq seinerzeit ganz schön zugesetzt hat, weshalb er auch kein gutes Haar am Mirage ließ. E-Mu hieß für mich damals Emulator, und das hieß viel Geld, das ich nicht hatte. Den Emax hatte ich erst später auf dem Schirm, als er in einem Laden vorgeführt wurde, er klang edler als der Mirage und man hatte bei der Bedienung nicht so das Blindflug-Gefühl, was vor allem am auf dem Gehäuse aufgedruckten Funktionsfluß lag, ansonsten reizte er mich nicht wirklich zum Kauf.

    Ensoniq behielt bei mir die Oberhand, bis der E-MU ESI-32 rauskam, den ich intensiv im Studio benutzte, danach gings dann mit den Akais weiter. Allerdings… der ESI-32 und die ersten Akais sind alle schon längst wieder weg, der Mirage ist geblieben.

    Würde mich gerne mal mit einem Emax und meinem Mirage hinsetzen und die beiden einstigen Konkurrenten in schöner Eintracht miteinander vergleichen. Leider sieht man die Emaxen nicht so häufig im Gebrauchtverkauf.

    • Profilbild
      costello  RED

      Hi Lightman, ohne Mirage kein Emax, soviel steht fest. Fand ich bei meinen Recherchen auch spannend, wie Dave Rossum gezwungen war, sich mit „crappy technology“ auseinanderzusetzen. Ich glaube beim Drumulator hat E-Mu auf das geschmähte „drop sample pitch shifting“ dann selbst zurückgegriffen, wenn ich mich nicht irre.

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        lightman  AHU

        Crappy oder nicht, der Mirage hat den Etablierten ganz schön was vorgezwirbelt. Ich finde mich in seinem Sound wieder, das Gerät ist mir ans Herz gewachsen und wird nach wie vor verwendet. Muß ihm mal einen Floppy-Emulator spendieren, lange wird’s das alte Laufwerk nicht mehr machen (verrichtet nun schon seit über 30 Jahren seinen Dienst und hat ab und zu Dropouts).

        Ich vergaß, mich für deinen wirklich gelungenen und schmissig geschriebenen Artikel zu bedanken. Alte Sampler aus der Mirage-, Emulator- und Emax-Generation haben es mir angetan, die Technologie hat mich damals fasziniert und tut das auch heute noch auf eine gewisse Art, ich würde niemals meine Hardwaresampler durch Software ersetzen. Ich mag es, hart am Eisen zu arbeiten.

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          AMAZONA Archiv

          Moin lightman!
          Deine Liebe zum Mirage teile ich sehr. Ich hatte den Vogel hier ein paar Jahre Anfang der 90er in meinem „Jugendzimmer“ stehen. In trauter Eintracht mit Amiga, Fostex 4-Spur, Poly61 und RX11. Auf dem Mirage war ein ROtterdam Termination Source Sticker. Das trifft den Sound des Sampler imho sehr gut. Druckvoll und erdig. Warum der Mirage gehen musste weiss ich heute nicht mehr. Dafür waren einfach irgendwann zu viele Geräte im Umlauf….;)
          Ensoniq hat ganz viel richtig gemacht. Ein Jammer die Übernahme und das Aus der Firma. Den ASR-X nutze ich vorrangig noch als Sampler im Jahr 2021. Der Unterschied eines Drumsamples von Vinyl zwischen dem Import direkt in Logic oder in den Ensoniq Sampler ist krass. Glaubt niemand.
          Viel Spass mit dem Mirage weiterhin. Geiles Teil.

          @Costello
          Super Bericht, traumhaft schöner Sampler. Ich durfte als Schüler ein paar mal bei Amptown Hamburg darauf spielen. (während der Schulzeit));)
          Mein Traum damals war aber eindeutig der Emulator ll

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            costello  RED

            Der Emulator II war auch mein Traum – schon wegen Tony Banks. Aber der Emax ist ein durchaus würdiger Ersatz, macht nicht ganz so viel Druck, aber das SSM-Filter klingt auch sehr schön.

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              AMAZONA Archiv

              Den emax beobachte ich immer mal wieder in der Bucht und auf reverb. Reizt mich trotz der alten Schmachtliebe zum Ell. (nur wegen dm live, keine rationalen Gründe damals;)

              Kleine Randnotiz; deine Audiofiles sind weit und breit die charmantesten hier. Immer bemüht alle vermeintlichen Wünsche des Lesers zu bemühen und trotzdem stilvoll. Groß. Danke

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                AMAZONA Archiv

                Natürlich NICHT „zu bemühen“ sondern: zu erfüllen!!

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    AMAZONA Archiv

    Mal wieder ein Knallerartikel Costello! …und mit Sicherheit die beste und ausführlichste Würdigung der Emaxe, die im Netz zu finden ist.
    Wäre mal interessant zu erfahren, wer das grossartige Industriedesign der Gehäuse zu verantworten hatte. Beim Emulator 1 war es ja das berühmte Büro „Frog Design“, das auch den Apple II entworfen hat. Das Farbthema beim Emax ist leider etwas speziell aber beim Emax II kommt dann das grossartig gestaltete Gehäuse voll zur Geltung. Meiner Meinung nach eine echte Schönheit.
    Ich muss zugeben, dass ich als stolzer EII Eigner die Emax Sampler lange aus dem Blick verloren hatte. Nachdem ich bei Freunden aber die Gelegenheit hatte meinen Klangeindruck aufzufrischen, muss ich sagen Emax und Emax II sind grossartige, charakterstarke und inspirierende Musikinstrumente. Diesbezüglich zeihe ich den Emax II sogar dem EIII vor, der mir zu aalglatt und langweilig klingt.
    In einem Punkt muss ich Dir aber widersprechen: Die Reparatursituartion sieht für den EII erheblich besser aus als für die Emax Sampler. Der EII ist aus einzelnen standard Bauteilen aufbaut, die sich recht einfach ersetzen lassen. Die Emaxe beinhalten, wie Du richtig schriebst, Emu’s custom Chips. Wenn die abrauchen hilft nur ein weiteres Spendergerät. Das “ Abrauchen“ ist zwar unwarscheinlich aber nicht ausgeschlossen und mir sind keine anderen Ersatzteil Quellen bekannt. Ich empfehle also den Emax Fans sich über einen backup Emax Gedanken zu machen. Sonst könnte die Freude ein jähes Ende nehmen.

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      costello  RED

      Vielen Dank! Das mit dem Apple Design ist sehr interessant, war mir bisher nicht bekannt. Bei der Reparatur-Situation beim EII hatte ich mich ja auf die Einschätzung von Marko bezogen („IC-Grab“). Und im Interview mit Mark Kretschmer kam ja auch raus, dass es einzelne spezielle Bauteile gibt, bei denen es schwierig wird. Aber das gilt ja auch für andere wunderbare Instrumente wie den ARP Quadra. Ich bin da fatalistisch. Spaß an der Kiste haben, solange sie läuft, wenn was kaputt geht zusehen, ob man’s reparieren kann. Und wenn nicht…auch gut. Alle Instrumente doppelt anschaffen, käme mir nicht in den Sinn. Die Erfahrung hatte ja schon Tony Banks bei seinen Tourneen gemacht, bei denen er für die wichtigen Keyboards immer Ersatz mitführte: „Das Original funktionierte wunderbar, das Ersatzinstrument dagegen war defekt.“ :-)

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        AMAZONA Archiv

        Hey Costello, habe mal kurz recherchiert, man findet leider keine näheren Infos zu den Frog Design Arbeiten für E-mu. War wohl ein zu kleiner Kunde.
        Deine Einstellung sich keine Sorgen um Defekte zu machen und die Kisten einfach zu nutzen kann ich gut nachvollziehen und ich finde sie weise :)
        Das mit dem EII als IC-Grab ist Schwachsinn, der Herr Ettlich kennt sich mit Elektronik anscheinend nicht aus. Ist ja auch nicht schlimm, aber Gerüchte sollte man dann nicht in die Welt setzen. Der EII ist sehr überschaubar aufgebaut. Das Einzige was schwer zu bekommen ist, sind die Filter und das gilt gleichermassen für den Emax wobei hier noch S&H ICs (SSM2300) hinzu kommen. Die Eulen sind nicht was sie scheinen ;)

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          costello  RED

          Markos Emulator II-Artikel ist ja ein Lobgesang auf dieses tolle Instrument. Beim Thema „Erhaltung“ mahnt er halt etwas Realitätssinn an und den finde ich eigentlich bei jedem Vintage-Instrument sehr gerechtfertigt, zumal wenn es 3.000-3.500 Euro kostet. Er zitiert ja auch lediglich „böse Zungen“ und formuliert recht vorsichtig „ganz unrecht haben sie damit nicht“. Soweit ich weiß, restauriert er seine Instrumente selbst und deshalb denke ich mal, dass er – anders als ich zum Beispiel – auch von der technisch-elektronischen Seite etwas versteht. Ja, für die SSM-Chips gibt’s anders als für die CEM-Chips noch keinen modernen Ersatz. Aber das Risiko ist mir der Emax einfach wert :-)

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            AMAZONA Archiv

            Ja, klaro, ist das bei vintage Kisten immer ein Problem. Da sieht es aber beim EII eher besser aus als bei anderen Boliden der gleichen Grössenordnung. Der EII ist eines der Instrumente um die ich mir diesbezüglich am wenigsten Sorgen mache. IC-Grab klingt im Bezug auf den EII nach ’ner Bild Schlagzeile als nach einem Fachkommentar. Daher meine Vermutung, dass er sich nicht auskennt. Was sollen denn da Besitzer echter digitaler IC-Gräber wie z.B. K250, GS-1, DX-1, Acxel, Synclavier oder Fairlight sagen ? ;)

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    AMAZONA Archiv

    Hehehe, wenn der Costello schreibt, und man das liest, dann ist das in etwa so, als wenn man als Fußballfan vom Sessel anno 2018 direkt in die Endspielstadien der WMs von ’54. ’74,’90, ’14 versetzt würde. Diese Leidenschaft in der Schreibe ist einmalig. Er könnte mir selbst ’ne Yamaha Tischhupe vom Trödel als Steinway Piano verkaufen. Tolle Gabe! Auch wieder einmal hervorzuheben die Klangbeispiele, mit viel Augenzwinkern, Musikalität und Humor.
    Wieder sehr umfangreich und gut aufgearbeitet, mit viel Infos und ohne unnötige Längen.
    Zum Emax. Potthässlich, aber (zumindest aus damaliger Sicht) absolut brauchbar.

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      costello  RED

      Vielen Dank Wellenstrom! Das Design polarisiert. PSV-DDV schreibt von „großartigem Industriedesign“, Du nennst das Ding „potthässlich“. Ich würde sagen, es ist zweckdienlich und das ist ja schon eine Menge wert. Beim zweiten Punkt würde ich Dir aber widersprechen wollen. Ein Emax ist wie ein Emulator auch heute noch brauchbar und ergänzt mit seinen Klängen wunderbar analoge und hybride Synthesizer. Er bringt Atmosphäre in den Song, kann aber auch sehr prägnant sein. Und wenn man nunmal auf diesen „gay-ass stupid new age or 80s rock“ (Zitat Rob Zar) steht, gibt es nichts Schöneres als einen Emax :-)
      P.S.: Die Soundpalette von „Tin Drum“ ist da auch mit dabei ;-)

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        Na ja, schön finde ich nur den Emax II. Beim Emax ist leider das Farbkonzept und die Gehäusegraphik etwas im Zeitgeist hängen geblieben. Ich vermute mal das trägt massgeblich zum „Potthässlich“ kommentar bei. Laien unterscheiden erstmal nicht zwischen Form, Farbe und Graphik sondern sehen das Objekt als Ganzes. Eine Fähigkeit die unter Design Profis oft schmerzlich vermisst wird.

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          costello  RED

          Hatte mich auch schon gewundert. Dieses Einheitsgrau und die blassen Plastiknippel machen den Emax I wirklich nicht zu einer Stilikone. Aber arbeiten kann man damit ganz gut. In diesem Sinne: zweckdienlich.

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            AMAZONA Archiv

            Das Design der E-mu Sampler finde ich seit jeher faszinierend. Es ist ungewöhnlich für Elektronische Musikinstrumente von extrem hoher gestalterischer Qualität und zieht sich vom erwähnten Emulator I über den EII bis hin zum EIII, dessen Rackversion ich als eines der schönsten Rackinstrumente überhaupt sehe. Danach wird es langsam duster um das E-mu Design. Der EIIIXP ist noch ok aber dann kommen schlagartig nur noch medioker gestaltete Geräte von Emu.
            Die Emax Sampler sind hervorragend entworfen, ihrem Platz im Portfolio entsprechend nur etwas einfacher und spielerischer um den Platzhirschen EII, EIII nicht zu nahe zu kommen. Man schaue sich beim Emax nur mal die Integration der Buchsen in die rückseitigen Lüftungsschlitze an, die versetzten Rillen der Diskettenablage oder die elegante Seitenansicht, die das Paneel visuell trennt und den Emax schlanker macht. Die vielkritisierten Knöpfe sind auf keinen Fall „billig“ das sind Sonderanfertigungen, speziell für den Emax die sich meiner Meinung nach auch funktional sehr gut schlagen. Nur bei der Emax Rackversion kamen einfache Standardknöpfe zum Einsatz. Wie auch immer irgend jemand bei E-mu hatte ein tolles Gespür für Design.

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          AMAZONA Archiv

          @psv-ddv
          „Laien unterscheiden erstmal nicht zwischen Form, Farbe und Graphik sondern sehen das Objekt als Ganzes. Eine Fähigkeit die unter Design Profis oft schmerzlich vermisst wird.“
          Also, wenn deine Fähigkeiten, Songs zu schreiben, zu mischen und zu veröffentlichen, deinen arroganten Aussagen in etwa nahe kommen, dann müsstest du mehr Hits haben als die Beatles und Michael Jackson zusammen genommen. Wüsste nicht, dass ich ein Laie wäre. Solch eine Aussage verbitte ich mir. Natürlich kann ästhetisches Empfinden IMMER contra rein funktionalem (Design) Aufbau eines Gerätes stehen. Da muss man nix schön reden oder Andere abqualifizieren. Hier gibt es einige Kritikpunkte (Buttons, Anordnung und Farbgebung der Schrift, Displayfragen etc.)

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            AMAZONA Archiv

            :))) Dachte ich mir schon, das Du das in den falschen Hals bekommst. Entspann Dich mal. Nicht Industriedesign o.Ä. studiert zu haben ist ja nun wirklich keine Herabwürdigung in einem Musikerforum.
            Das Du den Begriff Laie als eine solche empfindest lässt allerdings tief blicken.
            Wenn Du mal abseits von Selbstwertdefinitionen liest was ich schrieb, erkennst Du vielleicht, dass ich lediglich eine vernünftige Erklärung für Deinen undifferenzierten und seinerseits durchaus arroganten „potthässlich“ Kommentar geliefert habe.
            Aber der Artikel von costello ist viel zu schön um sich hier rumzustreiten. Da bin ich raus.

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        AMAZONA Archiv

        @ costello
        Der Emax I selbst wird von Japan aber zu Zeiten ihres offiziellen Bestehens nicht benutzt worden sein. Kam ja auf dem Markt, Jahre nachdem sich die Band auflöste. Könnte allerdings sein, dass er aktiv beim Rain Tree Crow Projekt zum Einsatz kam, bei diversen Barbieri Projekten etc.

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          costello  RED

          Das stimmt. Rain Tree Crow ist die richtige Spur: „Along with his Ensoniq VFX and Prophet 5, Barbieri used an Emax, D50 and the System 700. All were set up as if for a live performance – routed through various effects processors and then to the studio desk.“ (Music Technology, Mai 1991) https://bit.ly/2qstoTo

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    Sudad G  

    Toller Bericht, der mich an meine Teenagerzeit und meine ersten Samplingversuche erinnert.
    Voller Ehrfurcht durfte man auf jeder Frankfurter Musikmesse die neuesten Samplerboliden aus dem Hause Emu bewundern. Irgendwann hat es dann wenigstens zu einem gebrauchten Ensoniq EPS gereicht, den ich heute manchmal noch vermisse und der – ähnlich wie der Emax I – trotz 12 Bit einen extrem druckvollen Sound hatte.

    Die Sampler von damals hatten einfach einen eigenen und dennoch genialen Sound. Oftmals waren sie mit besseren D/A-Wandlern, analogen Filtern und OPs am Ende der Signalkette bestückt als die gehypten Workstations aus jener Zeit. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie oft wir Klänge aus der Korg M1 oder aus einem Roland U-110 in den Emax, EPS oder DSS-1 gesampelt haben und anschließend darüber wieder abgespielt haben, weil die Sounds dann einfach mehr Druck und Punch hatten.

    Für die „Depeche Mode und Emax Freunde“ unter uns hier noch ein wirklich schönes Video über den Emax mit Alan Wilder, der Jahre später Disketten in seinen Emax lädt und sich an alte Zeiten erinnert:

    https://www.youtube.com/watch?v=-3_0zGw3gj8

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback und den Video-Link! Was Du da schreibst über abgesampelte Rompler wie M1 und Roland U-110-Klänge deckt sich komplett mit meiner Erfahrung. Ein paar harmlose Synth-Klänge von meinem alten Roland RD-500-Piano bekommen plötzlich richtig Punch und über die gratis dazu gewonnenen Artefakte eine ganz besondere Aura.

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    fritz808  

    wunderbare samstags-lektüre. ich freue mich inzwischen regelrecht darauf am samstag vormittag die neueste vintage-story lesen zu dürfen. an den Samstagen, an denen ein neuer blue-box-artikel ausbleibt, wird zumindest im amazona-vintage-archiv gestöbert.

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      costello  RED

      Merci Fritz 808! Langsam werden die noch nicht vorgestellten Vintage-Geräte allerdings rarer. Ein paar Geschichten kann ich noch erzählen ;-) Aber warum nicht bei dieser Gelegenheit einen Aufruf starten: Wer in Berlin wohnt und zum Beispiel einen Prophet T-8 oder Prophet 10 besitzt oder auch einen Multimoog (das wären einige der großen Kisten, die im Amazona-Vintage-Archiv noch fehlen) und Lust auf eine Zusammenarbeit hätte, kann sich gerne bei mir melden.

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        Numitron  AHU

        In wien wurde vor ein paar Jahren ein Prophet 10 bei der klangfarbe (größtes musikgeschäft in Österreich) verkauft. Vielleicht können die weiterhelfen und der Besitzer schreibt einen Artikel.

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          costello  RED

          Ach Numitron, schon wenn jeder Amazona.de-Leser hier seine Schätze vorstellen würde, dann würde es garantiert bald keine Lücken im Archiv mehr geben. Dann würde Lightman zum Beispiel über seinen Mirage schreiben usw. Aber viele scheuen dann doch den Aufwand. Und sind dann ganz froh, wenn Recherche und Schreiben ein anderer übernimmt. Aber etwas zu ihrem Instrument erzählen, eigene Sound-Files beisteuern und einen Nachmittag dransetzen für die Fotosession – das ist schon viel eher möglich. Siehe Amazona.de-User Ton-yb mit dem Synclavier und dem ARP Quadra.

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    swissdoc  RED

    Ich suche noch einen Ersatz-Volume-Knopf für meinen EMAX. Sollte jemand einen übrig haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der einen übrig hat, bitte melden. Vielen Dank!

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    AMAZONA Archiv

    Schöner Artikel, hast Dir viel Mühe gegeben :-)

    3 Synthiefavoriten habe ich: Korg 800DV, Logan Vocalist und den Emulator II. Und dazu die SP-1200.
    Sehr aussergewöhnliche bis obskure Klänge sind mit diesen Instrumenten möglich, die sich vor allem vom Einheitsbrei heutiger Kisten stark unterscheiden. Hoffentlich liest das mal der Uli Behringer ;-)

    Die Bedienoberfläche des Emulator II finde ich – wie bei der SP-1200 – bedeutend attraktiver. Einen übersichtlichen Sampler, mit vielen Editierfunktionen, und dies möglichst ohne aufwendige Menüverschachtelungen, ist seit jeher ein Megawunsch von mir. LoFi mag ich sehr. Aber auch Multitimbral.
    Vielleicht könnte man so einem ja Stereo-Option und einen großen modernen Speicher spendieren.

    Ich würde ja gerne mal wissen, wieviele Leute sich so einen Klon wünschen würden. Bestimmt nicht wenige Leute, oder? ;-)

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      costello  RED

      Danke Venusianer! (Die Sprachkorrektur wollte daraus gleich Venezianer machen ;-)
      Der Logan Vocalist ist wirklich ultrarar. Marko Ettlich hat glaube ich einen in seiner Sammlung oder hatte ihn zumindest. Ja, das wäre ein Traum: Ein Instrument mit dem Soundcharakter eines Lofi-Sampler aber großem Speicher, Stereo etc. Wenn Dave Rossum doch einfach bei den späteren Geräten nicht auf digitale Filter gesetzt hätte…

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        AMAZONA Archiv

        Ich fände es ja toll, wenn z.B. über Amazona tolle Ideen zu einem Klon zusammengestellt würden, so dass man nicht nur einen 1:1 Klon bekommt, sondern sogar eine Kopie, die ganz nahe am alten Sound dran ist, aber dennoch mit Zusatzfunktionen aufwartet, so dass man sagen könnte, dass der Klon sogar das Original übertrifft ;-)

        Das Gleiche beim Logan Vocalist. Fantastische Klänge, aber wenn man dieses Gerät mit Zusatzfunktionen aufwerten könnte, wie sie z.B. in der Software von Synth Magic gegeben sind, dann könnte das eine Wahnsinnsjahrhundertmaschine werden. Um die Software nutzen zu können, braucht man die Vollversion von Kontakt 5.21 oder höher. Hat nicht jeder. Besitze ich zwar, bin selber aber mehr Hardwarefan, muss handfest fummeln können. Bin aber in diesem genialen Fall auch für Hybrides empfänglich.

        Vielleicht löst so eine spezifische Konstruktionsdebatte ja einen zusätzlichen Hype aus, so dass auch nicht so bekannte Synthies, die aber superbes Soundpotenzial besitzen, auch bei den Herstellern wieder Begeisterung und Mut zur modernisierten Neuauflage Anreize schaffen. Gerade Behringer kann da mit humanen Preisen für Begeisterungsstürme sorgen ;-))

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    Soundreverend  AHU

    Danke Costello auch von mir! Auch danke dafür, dass ich nun meinen Emax, den ich gerade erst in den Keller geschafft hatte, wieder hochholen muss :-) Hatte eh kein gutes Gefühl dabei.

    Ich finde das Design übrigens gelungen und schön. Und halt E-mu. Der Emax II ist fällt für mich aus der Reihe weil eben nicht E-mu grau. :-) Eigentlich komisch. Proteus, Drumulator, SP12 etc, alle grau…

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      costello  RED

      Danke für Dein nettes Feedback. Da konnte ich mit meinem Artikel ja noch das Schlimmste verhindern: Emax im Keller! Kopfschüttel!! Hole das gute Stück wieder an die frische Luft und nehm gleich paar neue Samples auf :-))

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      AMAZONA Archiv

      @ Soundreverent: Da hast Du recht, der Emax II fällt aus der Reihe. Der ist zwar schon grau aber eben sehr dunkel, fast anthrazitgrau. Ähnlich dem Proteus I. Ich glaube E-mu wollte damals weg vom klassischen Grau um moderner zu wirken. Der Übergang in die 90ger Jahre zeigte schon Wirkung. Der Emax II hat ja ansonsten exakt das gleiche Gehäuse wie der Emax. Da musste man sich was einfallen lassen um das Gerät auch auf der Bühne klar unterscheidbar zu machen. Die Wiederauflage der SP1200 wurde ja dann auch schwarz.

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        costello  RED

        Diese Unterscheidbarkeit von Emax I und II war Dave Rossum extrem wichtig. Der Emax I war für ihn ja eine Art Ausrutscher, für den er sich fast schämte. Der Emax II dagegen wurde als würdiger Spross der Familie angesehen. Da war die andere Farbgebung tatsächlich entscheidend. Im Nachhinein hat sich Rossum ja sogar geärgert, nicht gleich auch den Namen geändert zu haben.

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          AMAZONA Archiv

          Macht Sinn, wobei ich Dave Rossum da in seiner Ablehnung auch nicht so ganz verstehe. Meinem Eindruck nach ist der Emax II eine ganz klare, gradlinige Weiterentwicklung des Emax. Digitale Filter hin oder her.
          Ich musste mich übrigens neulich, nach einer Jam Session mit dem Emax II, wirklich sehr stark zusammenreissen ihn mir nicht zuzulegen…die Vernunft hat vorerst gesiegt.

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            costello  RED

            Dann ist für Dich das digitale Filter kein K.o.-Kriterium? Als Tack-Gerät nimmt er auch gar nicht so viel Platz weg ;-)

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              AMAZONA Archiv

              Hör auf, hör auf, sonst muss ich mir doch noch einen zulegen :)
              Nee, der digitale Filter des Emax II gefällt mir sogar gerade gut. Ich will das hier nicht weiter im Detail öffentlich ausführen, sonst treiben wir die Preise nur noch weiter hoch ;))

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    Son of MooG  AHU

    Toller Artikel, und auch der Mirage wird als Initiator des Low-Cost-Samplings gebührend erwähnt, über den ich auch sehr gerne einen solchen Artikel lesen würde. Als langjähriger Immer-noch -Sampler erfahre ich immer mehr, was ich nicht über diesen Sampler weiß. Wurde der Emax ll nicht auch von Orbital genutzt (auf „Snivilisation“ & „Inside“ und live)?
    Der Begriff „Mullets“ bezieht sich wohl eher auf die gleichnamige Comic-Strip-Serie:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Mullets
    oder eine Sitcom-Serie:
    https://en.wikipedia.org/wiki/The_Mullets

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      costello  RED

      Danke Son of Moog! Stimmt, über den Mirage gab’s auf Amazona.de noch keinen Artikel. Kann ja noch werden…Mit Snivelisation und Emax II liegst Du wohl richtig. Diverse Gearlists aus dem Jahr 1994 listen sowohl die Keyboard- als auch die Rackversion des Emax II für Orbital auf. Und bei den „Mullets“ bezieht sich der Name der Comicserie eben genau auf diesen Frisurtyp. Musst Dir nur mal die beiden Helden ansehen – haben die allerschönste Vokuhila-Frisur.

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        AMAZONA Archiv

        Mullet ist mit Vokuhila umgangssprachlich korrekt übersetzt.

  12. Profilbild
    wolftarkin  AHU

    Gebt mal „emax“ in die Bildersuche einer Suchmaschine ein. eww.. :-O Muss ich dieses Jahr auch noch hin.
    Sach mal costello, eigentlich hätte ich wichtigeres zu tun. Und dann kommt hier wieder so ein Artikel.
    Zu lang und zu gut. ;-) Danke!

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      costello  RED

      Ist doch schön wenn der Sampler einen zugleich an die perfekte Zahnhygiene erinnert :-)) Danke wolftarkin, und ich gebe Dir völlig recht: Der Artikel ist definitiv zu lang. Ich hätte den Teil mit der Analogallergie weglassen können. Aber der hat mir halt besonders viel Spaß gemacht ;-)

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    Sudad G  

    Was ich an Vintage-Samplern auch oft mag, ist die Einfachheit und Reduktion auf das Wesentliche beim Editieren von Samples. Mangels Graphik-Display mussten da teilweise recht intelligente Algorithmen für das Auffinden von Nulldurchgängen für Schneiden und Loopen implementiert werden. Die Autoloop-Funktionen beim Emax und auch die beim EPS (Bidirectional-Crossfade-Loop) waren echt der Hammer. Damit konnte man Strings und Pads loopen, die man heute mit Kontakt nur schwer gelooped bekommt.

    Was ich mir heute als Remake eines Vintage-Samplers wünschen würde, wäre ein einfach zu bedienender Sampler mit analogen Filtern und einem druckvollen Sound.
    Anstelle eine Floppy-Laufwerkes eine USB-to-Device Schnittstelle und schöne Autoloop-Funktionen.
    So eine Arte Emax I, Prophet 2000 oder Ensoniq EPS in neu und ohne Schnick-Schnack.
    Vielleicht macht das ja mal ein Hersteller.
    Die heutigen Geräte können so viel, dass man oft den Überblick verliert und das Intuitive Arbeiten oder Musizieren oftmals behindert wird. Anstatt 2-3 Spezialisten zu entwickeln hauen die meist alle Kundenwünsche (Anm: Von denen sie meist der Überzeugung sind, dass sie das sind) in eine Kiste mit dem Ergebnis, dass in vielen Studios dann doch immer noch die einfacheren Kisten von damals stehen wegen des Sounds und der Bedienung.

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      costello  RED

      Dave Smith hätte mit dem Prophet X die Chance gehabt, genau so ein Instrument abzuliefern. Stattdessen hat er es nur zu einer Abspielstation für eine bestehende Sample-Kollektion gemacht. Sehr schade. Mit der Einfachheit und Beschränkung auf das Wesentliche gebe ich Dir absolut recht. Vieles beim Emax läuft fast schon intuitiv. Das war genau mein Kummer mit dem Roland-Sampler, auch weil ich nach der Speichererweiterung kein Geld mehr für einen Bildschirm übrig hatte, der die Bedienung sicher vereinfacht hätte. Aber selbst das Booten und Anwählen des CD-ROM-Laufwerks ist beim S-760 eine echte Aktion. Beim Emax habe ich dagegen richtig Lust darauf, alles auszuprobieren und auszuloten.

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        AMAZONA Archiv

        Da hast Du Recht, costello. Der Prophet X ist leider kaum mehr als ein Sampleplayer geworden, der vor allem durch die Softwaresounds besticht. Und das für solch einen hohen Preis.
        Wenn Behringer hier mal ansetzen und das umsetzen würde, was er hätte sein können: ein echter Sampler mit tollen Editiermöglichkeiten für die Hälfte des Preises.
        Einen umfangreich/sinnvoll und dennoch leicht zu programmierenden Sampler (Spaß muss die Editieroberfläche machen!) wünschen wir uns doch alle. Sowas steht noch aus!
        Den Waldorf Quantum kann ich mir leider nicht erlauben, aber falls Behringer da mal was Eigenes entwickeln will… am besten in Absprache mit dem Zielpublikum. Ein kostengünstiger Sampler mit einer superben Bedienoberfläche, wahlweise LoFi- und HiFi-Qualität, Stereo-Option, Multitimbral, analoge Filter….
        Eine Kiste, die die alten 80er Sounds kann, aber auch möglichst Neuartiges, Fremdartiges, Gespenstisches, Vocoder und dergleichen, alles untereinander mischbar. Musik für Leichenhallen und Geisterstädte, wie auch für exotische SciFi-Großstädte, in denen die Autos fliegen, Beamer zum Alltag gehören und ausserirdische Monster-DJs zu hypnotischen Ritualwaves meditativ einladen.
        Uli Behringer, bitte übernehmen!

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    lightman  AHU

    Im Prinzip wünsche ich mir einen Mirage oder Emax mit Echtzeiteingriffsmöglichkeiten. Hifi brauche ich nicht unbedingt, dafür gibts andere Geräte (Akai, usw.). Beim Mirage kann ich beispielsweise das Filter durch den LFO modulieren, was auch prima klingt, aber eben nicht wirklich über die Oberfläche. Klar, ich kann die Funktion Filter Cutoff anwählen und dann die HEX-Werte mit den + und – Tasten verändern, aber da sind dann natürlich dicke Stufen drin, das geht in manchen Tracks, in den meisten anderen aber nicht.

    Echtzeiteingriff, jeder Regler sendet CCs, informativeres Display, vielleicht noch eigener Sequenzer/Looper. Original Sound ohne reingeschwiemelte Konzessionen, aber knackig-schneller, moderner Zugriff, das wär’s für mich.

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      costello  RED

      Das ist beim Emax ähnlich: Eine Veränderung des Filters Cutoffs und speziell der Resonanz über den Daten Slider geht mit Stufen einher. Das kann man bei Klangbeispiel 7 „Emax Filter “ auch hören. Allerdings kann man das Filter auch auf eines der Räder legen und dann gibt’s keine Stufen (Beispiel 2, Emax 1000 mm lens). Freilich hat man dann nur noch ein Rad übrig und muss sich zum Beispiel zwischen Modulation oder Tonhöhenkontrolle entscheiden. Allerdings kommen dann noch die Fußkontroller dazu, deren Zahl ich allerdings gerne klein halte, sonst wird’s am Boden unübersichtlich ;-) Aber jede Menge Echtzeiteingriffe – dazu ein moderner großer Speicher und ein Display mit mehr als nur zwei Zeilen, das wär’s doch.

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      Numitron  AHU

      Vielleicht nicht 100% was du suchst, aber hast du einmal die sp404 (sx) [a] probiert?
      Start- und Endzeit über potis ähnlich wie beim s612, viele gute Effekte (bitcrusher ist mein Favorit), bis zu 120 Sounds parallel verwendbar (12 Pads x 10 Bänke), lange samplezeiten, kompakt, batteriebetrieben. Besonders in der fingerdrumming und LOFI-Fraktion beliebt. Die sp 303 könnte auch interessant sein, aber man sollte schauen dass eine Smart Media Karte dabei ist.

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        costello  RED

        Die Roland Sample Player sind schon feine Geräte aber doch in erster Linie für Drum-Samples, lange Loops und One- Shots geeignet. Ich will auf meinen Sampler ja in Pet Shop Boys-Strings schwelgen ;-)

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      Son of MooG  AHU

      Ja, das wäre auch meine Wunschvorstellung für den noch ausstehenden Behringer-Sampler, ein Mirage mit Deepmind12-ähnlichem Panel. Die Krönung wäre dann noch ein Disketten-Laufwerk, das wie der Oberheim DPX Emu- & Mirage-Samples laden kann. Ich habe hier kistenweise Disketten mit eigenen Samples, die ich nicht erst noch wandeln und kopieren will, aber damit gehöre ich wohl zu einer schwindenden Minderheit…

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        lightman  AHU

        Nee, ist bei mir genauso, da türmen sich Datenträger für S2000, Mirage, XP-80, Atari ST, usw… sind alle zusätzlich als Images auf dem Laptop gesichert, man weiß ja nie. Jau, ein Nachbau mit Diskettenlaufwerk wäre echt der Knüller, aber ich glaube nicht, daß uns jemand den Gefallen tut. :)

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    Numitron  AHU

    Hab wieder das daft punk album „discovery“ gehört. Dort sind ja viele Samples mit sehr niedriger Bit- und Samplerate drauf. Ich schätze die haben auch noch alte lofisampler verwendet.

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      costello  RED

      Hi Numitron, auf Discovery war wohl auf alle Fälle die E-Mu SP-1200 beteiligt. An anderer Stelle las ich, dass Daft Punk von E-Mu auch den E III einsetzten. Sogar mein etwas ungeliebter Roland S-760 gehörte zum Equipment von Daft Punk, Unmengen von Analog-Synthesizern, E-Pianos von Rhodes und Wurlitzer, aber das alles wurde durch Tonnen an Outboard geschickt und oft stark verzerrt, so dass das ursprüngliche Instrument teilweise gar nicht mehr herauszuhören ist.

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        AMAZONA Archiv

        Das möchtet ihr so denken wollen aber Discovery ist ein Emagic Logic Produkt. Klar kam hier und da Outboard zum Einsatz aber zu mindestens 80% ist es Logic. Der Rest ist Ensoniq DP4, Talkbox und der ein oder andere Kompressor. Das wurde aus meiner Erinnerung heraus sogar so kommuniziert und die beiden haben es genossen eine moderne Produktionsumgebung zu haben. Man hört es auch aus dem Album heraus. Mit „Human After All“ wollten die wieder mehr „Old School“ gehen aber das Album war ein Satz mit X. Schon eine Ironie das deren bestes Album mit größtmöglicher Computerunterstützung gelungen ist und angeblich alles sooo nerdig gewesen sein soll. Das war mit Homework bestimmt noch so aber die haben damals darüber null nachgedacht sondern ihren Spaß gehabt. Es lebe der Punk!
        P.S. Es gab sogar ein Logic Discovery in Version 3, ein Schelm wer böses darüber denkt. :)

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          costello  RED

          Ja, Emagic Logic (ab 2002 dann Apples Logic) war bei den Daft Punk-Alben wohl immer dabei. Aber auch jede Menge analoger Kram. Das erwähnte Wurlitzer 200 A ist auf Digital Love zu hören. Ein VP 330 auf Human after all etc. “On ‘Digital Love,’ you get this Supertramp vibe on the bridge,” remarks de Homem-Christo. “We didn’t sample Supertramp, but we had the original Wurlitzer piano they used, so we thought it would be more fun to have the original instrument and mess around with it. We use mainly vintage synthesizers…“ Ich glaube Daft Punk gehört zu den Bands, die wirklich jedes Stück Analog Gear, dessen sie habhaft wurden, irgendwann verwurstet haben ;-)

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            AMAZONA Archiv

            Ich kann dir nicht widersprechen und natürlich entstammen einige „Signature Sounds“ aus deren Sammelsurium. Genau das wird bei Daft Punk aber total überbewertet und Gearheads werden eines Tages noch eine Religion darüber gründen. :) Viel wichtiger ordne ich die verwendeten Samples ein und die konnte man mit Logic ganz einfach verwursten. Ich fand Discovery sehr gut aber auch hochglanzproduziert. Hier mal die Samplelist zur Erinnerung:
            https://www.youtube.com/watch?v=3XaqDcg8KEo

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              costello  RED

              Ich mag Daft Punk auch sehr gerne, bin aber absolut kein Experte für diese Band. Aber mit dem Hang zur Mystifizierung und dem Name-Dropping haben Du und Lightman sicher recht. Das fand ich bei der Recherche zu den Beasty Boys und den Dust Brothers auch sehr aufschlussreich – dass die über die Limitierungen ihres Loft-Samplers geflucht haben und sich eigentlich nach so etwas wie ProTools sehnten. Da wird heute sich er auch vieles glorifiziert, was die Musiker damals eher unpraktisch fanden. (Ich finde meinen Emax trotzdem toll :-)

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              TobyB  RED

              Hallo Hector,

              die letzte Popreligion waren die The Justified Ancients of Mu Mu.
              https://bit.ly/2zoS0jS

              Ich find Daft Punk ehrlich gesagt banal. Das ist für mich einfach stumpfes Abgesample und Verwurstung. Dann doch lieber JAMMs :D Aus einer Idee drei Alben zu machen, muss man erst mal können.

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            lightman  AHU

            Jo… da ist viel Legendenbildung mit dabei, auch bei so manchen anderen Acts. In der Bio lesen sich obskure alte Synths, Sampler und Drummies halt besser als Logic oder Cubase, und auch wenn ich nicht abstreiten will, daß Daft Punk & Co. sowas mal verwendet haben, wird das Wesentliche wohl in der Box erledigt.

            Name-dropping und Mystifizierung hat schon immer mit zum Spiel gehört, gerade Letzteres haben die Dafties mit ihren Masken nahezu perfektioniert. Tja, Kiss haben das schon weit vorher gemacht und sind auch ganz gut damit gefahren, wa… :)

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    iggy_pop  AHU

    „Mullets“ — in Berlin hätte man die früher wahrscheinlich „Jenickschußbremse“ genannt.
    .
    Emax war für mich damals in egal welcher Ausführung unerschwinglich, so wurde es dann (ein nur unwesentlich weniger unerschwinglicher) Prophet 2000.
    .

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      costello  RED

      „Genickschussbremse“ – den Ausdruck kannte ich noch nicht :-) Kannst Du Dich eigentlich noch erinnern, was der Emax damals tatsächlich in DM gekostet hat? Ich habe – anders als beim Mirage – leider keine Angabe gefunden. Müssten aber beim damaligen Dollarkurs mindestens um die 7000 Märker gewesen sein.

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        k.rausch  AHU

        Preise Emax: Für Emax II wurde im November 1990 ein Verkaufspreis von 6.380,– notiert (Keyboards Keyboard-Börse), der Emax steht im „Key Report“ (Ausgabe 1992) mit Listenpreis 6.000,– drin. Alles Deutsch Mark natürlich :)

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          costello  RED

          Danke für die Info, Klaus. Das ist ja ein Anhaltspunkt. Der Dollar-DM-Kurs hat sich Ende der 80er immer mehr in Richtung 1 zu 2 entwickelt. Das kommt also hin. Die HD-Geräte waren dann sicher teurer. Was mich nur wundert sind die über 13.000,– DM die Peter für seinen Turbo Emax II mit interner Festplatte ausgegeben hat. Aber Speicherplatz war damals verdammt teuer. Ich erinnere mich, dass der Preis für meinen Roland S-760 durch die Speichererweiterung damals auch in schwindelnde Höhen rückte.

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            iggy_pop  AHU

            Ich wollte es gerade schreiben, irgendwas um die 7.000 DM — das war weit jenseits von Gut und Böse für mich.
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            Mein Prophet 2000 kostete 1990 gebraucht 1.490 DM — dafür ging die Kohle, die ich zwei Jahre lang gespart hatte, komplett drauf, genauso wie das Geld zum 18. Wenigstens bekam ich von Klaus Hoffmann-Hoock Kopien seiner wirklich hervorragenden P2000-Library.
            .
            Interessanterweise stieß Klaus seine 2000/2002 um 1991 ab und ersetzte sie durch einen Emax 2. Lange ist’s her.

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              costello  RED

              Und hast Du ihn noch – den Prophet 2000? An dem dürfte ja einige nostalgische Erinnerungen hängen. Vom Bedienungskomfort schätze ich mal, dass der 2000 eher in die Richtung von meinem ollen Roland-Sampler geht.

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                iggy_pop  AHU

                Für dieses Maß an Nostalgie hatte ich irgendwann keinen Platz und auch keine Lust mehr übrig… das war mit einer der Gründe, weshalb ich seiner überdrüssig geworden war (Nostalgie hin oder her — er ist dokumentiert, das muß reichen). Ich habe mir vor dem Verkauf die wichtigsten Klänge in den E4 gesampled, das muß reichen.
                .
                Der Bedienungskomfort des 2000 geht eher in die Richtung einer Prostatauntersuchung. Kann man mögen, muß man aber nicht.

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                  costello  RED

                  Amazona.de wandelt sich langsam zur zweiten Medical Tribune: Von Zahnbehandlung (Wolftarkin) bis zur Urologie alles dabei ;-)

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            k.rausch  AHU

            Peters damaliger Kaufpreis kann wegen des teuren Zubehörs zustandegekommen sein. Masterbits bot die 2 MB Expansionboards für Emax II für 1498 Mark an, das summiert sich dann bei voller Ausbaustufe. Dazu vielleicht noch weitere Anschlüsse plus Festplatte und CD-ROM Player, und zack war man mit der Verdoppelung des ursprünglichen Einstandspreises dabei :)

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              Dirk Matten  RED

              Preisliste Synthesizerstudio Bonn
              1. September 1989

              EMAX II TURBO
              16-Bit Digital Sampling System
              Keyboard oder Rack-Version
              32 Audio Kanäle, 16-stimmig stere0
              4 MB Speicher, 40 MB Harddisk

              DM 13.400,-

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    AMAZONA Archiv

    Super schöner Bericht über den Emax Kollege Costello. Ich lese deine Reviews immer mit großer Freude. Der Emax ist es auch wert so ausführlich behandelt zu werden.
    Emulator II und Emax sind beide toll. Ich würde nicht den einen über den anderen stellen wollen.
    Was die Meinungen über den Emax II betrifft, da will ich nicht streiten. Das sind subjektive Geschmacksfragen. Beide haben Vor- und Nachteile. Du kannst also mit Peter und mir einen trinken gehen ohne dass wir uns die Synths um die Ohren hauen werden. Aber, für mich bitte eine Faßbrause. ;)

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      costello  RED

      Danke, lieber Marko! Ich hoffe, gerade auch durch die Einbeziehung Deiner schönen Videos ist es eine ganz runde Sache geworden und man bekommt eine Vorstellung von den Möglichkeiten des Samplers. Mir macht der Emax einfach nur Freude, inklusive Samplen und Klänge verbiegen – und das war bei meinem Roland S-760 leider gar nicht so. Dann freue ich mich auf einen Superbooth-Frühschoppen bei Pils und Fassbrause :-))

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        AMAZONA Archiv

        Der Emax macht einfach Spass. Ich sample mit ihm oft meine analogen Saurier und verwurste die Sounds dann. Die Arbeit mit den Emus ist ungeheuer inspirativ. Ich freue mich dass du jetzt auch einen hast. Superbooth Frühschoppen geht klar. :)

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            AMAZONA Archiv

            Ich glaube Peter liebäugelt mit allem was nicht bei drei auf dem Baum ist. :D ;)

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              costello  RED

              Da tun sich Sampler ja bekanntlich nunmal schwer mit – also mit dem auf Bäume klettern :-))

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    TobyB  RED

    Sehr schön Mr C,

    Was wäre die Musikwelt ohne die Arcostrings. In meiner Plattensammlung würden dann für mich ziemlich wichtige Scheiben fehlen. :)

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      costello  RED

      Danke Toby! Ja, die Arco Strings sind toll und auch heute noch kann man in diesem sattem Streicherklang förmlich schwelgen. Ich fange dann automatisch an, PSB-Harmonien zu spielen ;-)

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        TobyB  RED

        Ich hab da eher diverse Crossoverbands von Anfang der 90er im Kopf :-D Arcostrings waren damals sehr in ;-) Wobei die in der Regel am Anfang des Songs abgefeuert wurden, siehe Paradise Lost „Icon“ von 1993. Ist eines der 100 Alben die ich mit auf die Insel nehmen würde. A) weil ich Icon und Host für unterschätzte Alben halte. B) Korg M1 und eben Arcostrings. Das ganze gipfelte bei PL dann im Album One Second wo für eine Metalband, dermassen viele Synths und Flächen blubbern. Das es mit Host für das depeche modigste aller Metallalben noch gereicht hat. ;-)

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          costello  RED

          Ich kenne tatsächlich drei Alben von PL: Host ist dabei, Faith divides us… und Tragic Idol. Mal aus der gutsortierten Musikbücherei in Berlin-Steglitz ausgeliehen. Ich nehme an, die frühen Alben sind die besseren?

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            TobyB  RED

            So pauschal kann man das nicht sagen, PL haben ja im Laufe ihrer Karriere mehrere Stile angerissen und gestreift. Host würde ich als sehr Electropoppog bezeichnen. Andere Alben sind sehr doomed oder gothic. Ich finde halt solche Bands wie PL, Faith no More oder The Gathering schon wichtig, weil da der Samplereinsatz, die 303 oder das M1 im Bandkontext ganz natürlich funktionierten und die Tastenjungs nicht verschämt in der Ecke standen.

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              costello  RED

              Ich mach ja nicht mehr live. Aber verschämt in der Ecke rumstehen war nie mein Ding ;-)

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                TobyB  RED

                Hehe, ist doch aber so. Warum benutze ich im Studio einen Sampler oder Synthie, wenn ich dann live vorhab, den in die Ecke zu stellen. Macht keinen Sinn ;) Ich mach bald wieder live. Programmier grade alles. :)

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    AMAZONA Archiv

    Als Besitzer eines ESi-32 sollte ich mich nicht unter die Kommentatoren mischen die mit den „großen Geräten“ im Nacken ihre Erfahrungen austauschen. Trotzdem will ich hier als Dackel unter den Doggen kurz mal mein piepsiges Stimmchen erheben. EMU-Sampler klingen einfach „richtig“. Ich habe etwas Ähnliches bisher nur bei der W-30 erlebt, die halt, nun ja … Roland ist. Sehr gut. Aber der EMU macht es wirklich phantastisch.
    .
    Nur selber-samplen ist bei den Dingern was für Masochisten mit schwarzem Gürtel. Aber für Menschn wie mich hatte EMU ja später auch was im Petto …

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      costello  RED

      Hi Polyaural, ich bin ja noch ein absoluter E-Mu-Novize, aber Deine Einschätzung, dass die E-Mu-Sampler richtig klingen, würde ich teilen wollen. Ich hatte auch erst über einen Racksampler wie den ESi-32 nachgedacht. 32 Stimmen! Auch eine Riesen-Library und der Preis ist natürlich unschlagbar. Letztlich war ich dann durch Markos Emax-Videos infiziert. Für mich war halt der E 2 die Schallgrenze, die ich absolut nicht durchbrechen wollte. Und der Emax ist verdammt nah dran.

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        AMAZONA Archiv

        Auf jeden Fall die richtige Wahl. Ich habe leider keinen Platz für weitere Keyboards, und überhaupt — nur so als Hobby und zum Meditieren wäre ein Emax sicherlich over done. Eigentlich müsste ich reduzieren.
        .
        Ach ja, der Artikel fetzt. Aber richtig …

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          costello  RED

          Danke polyaural! Ich war diese Woche übrigens für einen Beitrag bei einem jungen italienischen Musiker, der seine (sehr) umfangreiche Sammlung auch reduzieren will. Nur der Matrix 12, der Prophet 5, der Jupiter 6, der Minimoog und der SH-101 dürfen bleiben. Dazu die 808, die 909 und ein bisschen Modularkram. Weniger ist mehr sagte er. Ich nickte stumm :-)

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            lightman  AHU

            Ich habe knapp zwei Jahre mit dem ESI-32 gearbeitet und fand ihn gut, im Vergleich zu den Akais läßt er sich flüssiger bedienen und klingt ziemlich edel. Die Tastenanordnung rund um das Display ist gelungen und läßt mit etwas Übung sämtliche Arbeitsgänge schnell vonstatten gehen, der Workflow ist sehr logisch. Macht Spaß, das Teil.

            Allerdings habe ich ihn danach für einen Akai S2000 drangegeben, nachdem ich beide Sampler im Direktvergleich im Studio antreten ließ. Eigentlich ist der S2000 dem ESI-32 funktionsmäßig und von der Bedienung unterlegen, aber sein harscher, direkter, harter Sound hat mir für meine Musik damals mehr zugesagt.

            Ich weiß nicht, ob ich mich heute nochmal so entscheiden würde, es gibt Gelegenheiten, wo ich den ESI-32 und seine Möglichkeiten vermisse, aber potentielle Käufer sollten auf alle Fälle auch die Akais in Betracht ziehen, die Unterschiede im Sound können’s am Ende ausmachen.

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              lightman  AHU

              Nachtrag – Stichwort Akai: Wenn du auf den klassischen Samplersound stehst, solltest du unbedingt mal den S950 ausprobieren, viele Musiker schwören heute noch auf seinen druckvollen Sound!

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                lightman  AHU

                Nicht wirklich, wenn man sich daran gewöhnt hat, solange es noch einen ordentlichen Kontrast hat, ist alles gut. Der Arbeitsfluß ist logisch und es gibt diverse Hilfsmittel zum schnellen Durchsteppen der Parameterseiten, geht ganz gut von der Hand.

                Das Display bzw. OS bietet allerdings keine Möglichkeit des visuellen Editierens der Wellenform eines Samples, für Loops und dergleichen ist man auf Zahlenwerte und eben das Gehör angewiesen. Es gibt allerdings eine FIND-Funktion, die geeignete Looppunkte mit gleicher Amplitude aufzufinden hilft.

                Einzig das Alphadial-ähnliche Eingaberad mit innerem Dial und äußerem Ring kann etwas nerven. Bei allen 2000ern, die ich bisher gesehen und benutzt habe, ist das Dial ziemlich ausgeleiert, was es manchmal schwierig macht, Werte exakt zu treffen. Demgegenüber hat der äußere Ring meist so viel Widerstand, daß man alle Finger zum Drehen braucht, mir wäre weniger davon lieber, zumal der Grip auch zu Wünschen übrig läßt, der Ring rutscht gerne mal durch die Finger, wenn man nicht richtig hinlangt, und springt wieder in die Ausgangsposition.

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            AMAZONA Archiv

            Ich bin ja den Elektron-Sachen (Analog Keys, Octatrack, Analyg Rytm) ein Stück weit verfallen. Zusammen mit meinem Voyager, COTK und dem Juno 60 ist eigentlich alles gesagt was man zur elektronischen Musik sagen muss.

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      Numitron  AHU

      Die w30 ist ja auch ein Klassiker. Gerne verwendet bei früh 90er Rave.
      Das erste prodigyalbum ist größtenteils mit einer w30 gemacht worden.
      Liam hatte teilweise 5 Geräte als Backup.
      Hier bei diesem Video, hat jemand eine originalmaschine von prodigy ergattert und demonstriert sie: shorturl.at/jkqs5

  20. Profilbild
    TobyB  RED

    Mich würde jetzt gerne mal interessieren, wie das Auditorium den EII und EIII gegeneinander einordnen würde? Der EIII war ja nun mit dem F Chip ausgestattet.

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      AMAZONA Archiv

      EII: Inkonisches Design, legendärer Klang, war nicht umsonst ein grosser Erfolg für Emu.
      EIII: Wunderschönes Gerät, steriler Klang, war nicht umsonst ein Flop für Emu.
      Kenne beide Sampler aus eigener Erfahrung. Würde den EIII aber trotz der Kritik allen späteren Emu Samplern ab EIIIxp-> klanglich vorziehen.

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        TobyB  RED

        Hallo PSV-DDV,

        danke da weiß ich jetzt wo ich das ungefähr hinpacken kann. Habe grade einen E-MU ESI4000 auf dem Tisch und weiß wie der G-Chip und H-Chip klingt. Kann aber nichts gescheites zum F-Chip finden.

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          AMAZONA Archiv

          Der F-Chip ist mysteriös. Meine Vermutung ist, das er im E III lediglich für die Transposition der Samples verantwortlich war. Vielleicht hat er auch zentral die Verteilung der Stimmen an die Voiceboards übernommen. Wobei ich eher annehmen, dass es einen F-Chip pro Stimme gab. Die Stimmenarchitektur war ja ansonsten noch diskret mit DA-Wandler und Curtis Filter pro Stimme. Ich nehme an, die Hüllkurven wurden durch von der CPU gesteuerte VCAs realisiert. Der stimmendiskrete Aufbau ist hörbar. Durch sie hat der E III eine hohe analoge Dynamik und die Curtis Filter beleben den ansonsten eher langweilig sauberen Klang etwas. Dadurch klingt er besser als die Nachfolger. Man müsste sich mal eine EIII Voice Platine ansehen, dann wüsste man mehr. Spannendes Thema!

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            AMAZONA Archiv

            Ok, hab was gefunden: http://www.....ulIII.html
            Hier sieht man auf dem 3. Foto ganz gut den Aufbau.
            Unten links die CPU Platine, links auf der Platine vermutlich der F-Chip. Unten rechts das A/D Wandler Board mit 4 vergossenen Tiefpass Filtern. Darüber, noch im Käfig, zwei Voiceboards mit Wandlern, Filtern, VCAs für je 8 Stimmen. Unten gibt es noch einen Link zum Servicemanual darin sollte man eigentlich fast alles an Wissenswertem über den F-Chip finden. :)

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              TobyB  RED

              Hallo PSV-DDV,

              Soweit wie ich das verstanden habe, war der F-Chip nur ein Zwischenschritt. Deine Informationen reichen mir, damit kann ich was anfangen. :-)

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                AMAZONA Archiv

                Ja, das war eigentlich nur recht primitiver Versuchsballon für die späteren Emu Chips. Das digitale Filter war noch statisch. Siehe meine Erläuterungen weiter unten… Weist Du ob die späteren Emu Chips auch noch für Oversampling verwendet wurden?

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          AMAZONA Archiv

          Das ist jetzt wirklich spannend. Hab kurz mal im Service Manual quergelesen: Der F- chip sorgt im EIII sowohl für das Oversampling als auch für ein digitales Tracking-Filter! Zusätzlich werden 3 Pole des analogen Curtis Filters als zweites Tracking-Filter eingesetzt, laufen also immer In festgelegtem Abstand zur Transposition mit, während die restlichen 4 Pole als steuerbares Tiefpass Filter verfügbar sind.
          Das heist, der EIII hat sowohl digitale als auch analoge Filter im Signalpfad!
          …und das erklärt für mich auch den etwas zu sterilen Klang. Die hatten damals anscheinend soviel Schiss vor Aliasing Artefakten, das sie den Signalweg komplett überfiltert haben. Aus damaliger Sicht verständlich, da man möglichst sauberen Klang wollte, aus heutiger Sicht macht es den EIII klanglich aber weniger interessant.

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            AMAZONA Archiv

            Nach weiterer Lektüre: Korrektur, das Digitale Filter im F-Chip ist anscheinend fix bei 20kHz. Das Curtis Filter übernimmt das Tracking. Es gibt im EIII einen F-Chip pro Stimme. Also 16 Stück. Die übernehmen Das 1-fache Oversampling (doppelte sample Rate) und das digitale 20kHz Brickwall Filter. EIII Besitzer sollten sich also ähnlich wie auch Emax II Besitzer über ein backup Gerät Gedanken machen. Für diese custom E-mu Chips dürfte nur sehr schwierig Ersatz zu finden sein. Ausserdem erübrigt sich durch den oben beschriebenen Filteraufbau die Wiedergabe von importierten 96kHz Samples komplett (siehe Amazona EIII Bluebox), da alle Frequenzen über 20kHz im F-Chip rigoros digital beschnitten werden und nach der Transposition das Tracking Filter greift. Da kommt nix durch was man nicht auch bei 44,1kHz hören würde. Wie ich schon vermutet hatte, für Lautstärke und Panning sitzen in den Stereausgängen 3 integrierte VCAs der Curtis3387 ICs die über gemultiplexte 12Bit Wandler angesteuert werden. Das dürfte dem Klang insgesamt auch nicht gerade zuträglich sein.

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    VEB Synthesewerk

    Vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel.
    Der EMAX steht auch schon lange auf der „haben-wollen-Liste“.
    Bis jetzt habe ich es nur bis zum E4X Turbo geschafft.
    Auch so ein geniales Teil :-)
    Das Einzige was mich an deinem Artikel stört, sind die vielen nicht übersetzten englischen Zitate.
    Diese bremsen den Redefluss doch etwas.

    Herzliche Grüße, Thomas.

    • Profilbild
      costello  RED

      Hallo Thomas, herzlichen Dank für Dein nettes Feedback. Dein E4X Turbo ist ja noch einmal eine ganz andere Hausnummer mit 128 MB RAM, 128 Stimmen, da schaut der EMAX ganz verschämt drein. Aber durch das schöne analoge Filter ist er halt auch noch nicht obsolet geworden. Mit den englischen Zitaten sprichst Du natürlich einen heiklen Punkt an. Gerade, weil ich ja versuche immer ein bisschen zum zeitgeschichtlichen Kontext der Instrumente zu erzählen, „wildere“ ich oft in älteren Artikeln. Und dann finde ich es redlicher, die Zitate unverfälscht wiederzugeben. Bei Übersetzungen schleichen sich halt oft Ungenauigkeiten ein, oder so ein Urviech wie den „Mullets“-Typen hätte ich gar nicht adäquat übersetzt bekommen. Aber dass das den Lesefluss behindert, sehe ich absolut ein. Da werde ich nochmal in mich gehen :-)

  22. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Nie werde ich den rechtwinklig in der Mitte durchgeknickten Emax auf Archie Lenzgens Werkbank im SSB vergessen, irgendwann im November 1990.

    „Eine schreckliche Verwirrtheit der Sinne: Man soll damals ARP Axxes aus dem Sperrmüll gezogen haben. Zugegeben, das sind Gerüchte, aber ich halte sie nicht für übertrieben.“

    Es sollten auch CS80 am Sperrmüll enden, PPG 360 aus Gitterkisten am Recyclinghof gezogen und EMS-Köfferchen zur Müllkippe gebracht worden sein.

    Und ja: Es stimmt.

    Stephen

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      costello  RED

      Man könnte heute noch weinen. Oder sich in den Allerwertesten beißen, dass man damals nicht immer gleich zur Stelle gewesen ist und die tollen Instrumente aus der Gitterkiste befreit hat.

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      Tyrell  RED 113

      Ich hatte mal einen CS-50 bei einer Versteigerung von einem jungen Studenten gekauft. Bei der Abholung erzählte er mir, er hatte den Musikraum der Kirche ausmisten sollen und der CS-50 wurde daraufhin beim Sperrmüll abgelehnt. Jemand gab ihm den Tipp, das Teil auf Ebay einzustellen, dann würde sich die Kirche die Entsorgungskosten sparen. Könnt Ihr Euch seine Augen vorstellen, als er dann von mir einen vierstelligen Betrag von dafür erhalten hat?

  23. Profilbild
    Dirk81

    Herzlichen Dank für diesen unglaublich umfassenden und detailreichen Artikel. Ich wusste wirklich viel zu wenig über dieses außergewöhnliche Gerät (tatsächlich habe ich ihn eher als Synthesizer denn als Sampler gesehen, aber zu wenig erforscht) Ich bin neu motiviert, meinen Emax 1 SE mit SCSI wieder aus dem Lagerraum zu holen und neue SE Klänge mit analogem Flair zu basteln.

    • Profilbild
      costello  RED

      Hallo Dirk81, danke für Dein Lob. Besonders freue ich mich aber, wenn der Artikel Dich dazu animiert, Deinen Emax I SE zu reaktiveren. Für den Lagerraum ist er wirklich viel zu schade :)

  24. Profilbild
    Elmbeatz

    Schöner Artikel. Erinnere mich: 1991, ich war 16 – zusammengespart, die 3000 Mark. Und dann kam er per Post. ein gigantisches Paket. Einer der besten Tage meines Lebens :)

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