SPECIAL: Elka Synthex, Analogsynthesizer

19. April 2015

THE TRUTH about Synthex!

Synthex Aufmacher

Der Elka Synthex darf jederzeit in einem Atemzug mit Klassikern wie dem Roland Jupiter-8 oder dem Oberheim OB-X genannt werden. Lange Zeit wurde ihm diese Ehre aber verwehrt. Im Zuge der Web-Revolution trat der einzigartige Sound des Synthex aber seinen Siegeszug an und fast über Nacht schossen die Gebrauchtmarktpreise von 600 Euro auf bis zu 4.500 Euro an (heutiger Stand / April 2015).

Ganz aktuell ist nun sogar ein Revival des 1981 erstmals erschienen Analog-Synthesizers geplant. Aus Original-Bauteilen sollen bis Ende dieses Jahres die ersten „neuen“ Elka-Synthex weltweit an gut betuchte Interessenten ausgeliefert werden. Dabei wird ein Verkaufspreis von deutlich über 6.000 Euro angepeilt. (Die vollständige Story mit allen Hintergründen zu diesem Revival finden Sie übrigens HIER.)

Doch stellt sich schon die Frage, ist ein Elka Synthex diesen hohen Preis wirklich wert? Sammler werden sagen „ja“, denn der Wertzuwachs eines gut erhaltenen Originals wird auch die nächsten Jahre stabil bleiben. Aber ist ein analoger Synthesizer mit 8 Stimmen aus dem Jahr 1981 unter rein musikalischen Gesichtspunkten diesen Preis wirklich wert?

Diese und andere Aspekte behandeln wir im folgenden Special und sind jetzt schon gespannt auf Ihre Meinung in den Kommentaren oder Erfahrungsberichten.

Das erwartet Sie:

  • Die Geschichte der Entstehung (die sich bei genauer Recherche doch etwas anders zugetragen hat als allgemein bekannt),
  • Eine detaillierte Betrachtung des Elka Synthex selbst, seinen Aufbau, seinen Klang und seine Vor- und Nachteile.
  • Ein Interview mit Alexander Guelfenburg, der heute als einer der Koryphäen gilt, die Elka Synthex Synthesizer reparieren bzw. restaurieren.
  • Eine Übersicht über mögliche Software-Alternativen.
  • Zwei kontroverse Autorenmeinungen zum Sound des Elka Synthex
Der Elka Synthex im Doppelpack

Der Elka Synthex im Doppelpack

Etwas Geschichte

1978 hatte Sequential mit großem Erfolg durch den Prophet-5 einen Meilenstein für polyphone Synthesizer gesetzt und den Weg bereitet für Klassiker wie den Oberheim OB-X (1979) oder den Roland Jupiter-8 (1980).

Elka hatte zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit der Planung und Konstruktion analoger – und noch dazu – polyphoner Synthesizer. Da traf es sich gut, dass der junge Entwickler MARIO MAGGI mit seinem SYNTHEX bereits von drei Firmen eine Abfuhr erhalten hatte. Die ELKA-Entscheider erkannten sofort das Potential als Mario Maggi ihnen 1979 den Prototypen präsentierte und beschlossen das Projekt in Auftrag zu geben.

Mario Maggi war nun maßgeblich für das Projekt ELKA Synthex verantwortlich. Hierzu gibt es  auf AMAZONA.de ein ausfürhliches INterview mit Mario Maggi, dass wir Ihnen als zusätzliche Lektüre unbedingt empfehlen möchten. HIER KLICKEN.

Elka Synthex

Elka Synthex

Im März 1982 erschien schließlich das Hoffnungskind aus Italien auf der Musikmesse in Frankfurt, allerdings zunächst nur als Prototyp. Was ursprünglich im Sturm die Musikerwelt begeistern sollte, wurde zum Fiasko.

Heute wird angenommen, dass viele Künstler starke Vorbehalte gegen einen Synthesizer aus Italien gehabt hatten, noch dazu von einem Hersteller, den man seit vielen Jahren höchstens durch seine Orgeln und/oder Stringmachines bzw. Multi-Keyboards kannte. Aber das halte ich für eine Legende.

Nach meiner Recherche wollte die Fachpresse dem Neuling eine reelle Chance geben, doch es dauerte knapp weitere eineinhalb Jahre, bis diese den Neuling erstmals unter die Lupe nehmen konnte. Von März 1982 bis Juni 1983 gab es für Interessenten des 7.800 Euro teuren Synthesizers nicht mehr als ein dünnes Flugblatt!

In der Zwischenzeit war das MIDI-Zeitalter über die Musikwelt hereingebrochen. Als im Juli 1983 das führende deutsche Musikermagazin FACHBLATT den Elka erstmals testete, war MIDI nicht mehr wegzudenken.

Bereits ein Jahr zuvor hatte Sequential mit dem Prophet-600 eine MIDIfizierte Low-Budget Variante seines Klassikers Prophet-5 vorgestellt. Gemeinsam mit ROLAND und deren Jupiter-6 führte man die neue Schnittstelle erstmals 1982 auf der NAMM-Show vor und begeisterte Fachwelt und Publikum.

Doch Elka verschlief es, seine eigene Verzögerung zu nutzen, um schließlich den Synthex mit diesem neuen Feature auszurüsten. Entsprechend heftig fiel dann auch die Kritik der Fachmagazine aus – wie der folgende Auszug aus dem FACHBLATT 7/83 belegt:

„Kompliment! Der Synthex klingt außerordentlich gut. Die typischen Synthesizersounds sind alle möglich. (…) Im Bass fehlt eine Spur Durchschlagskraft (…) Das Gerät ist gut durchdacht und macht einen professionellen Eindruck. Vielleicht ein Tip an ELKA: Man sollte sich auch der Midi-Bewegung anschließen, da dies eine wirklich brauchbare Einrichtung ist“

Gerald Dellmann 1983

Die Anschlüsse des Elka Synthex

Der Elka Synthex hier bereits mit dem internen MIDI-Trio

Klangbeispiele
Forum
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    TobyB  RED

    Hallo Peter und Theo,

    vorzüglicher Artikel !!! Und gleich wieder was gelernt, ich dachte immer die Laserharfen Sounds kommen aus einem VCS… Die Soundbeispiele sind Klasse! Dennoch der Elka ist für mich kein Must Have, weder das Original noch die Neuauflage. Er hat seinen Status zu recht aber ich sehe ihn konzeptionell nicht in meine derzeitige Musik passend.

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      Tyrell  RED 2

      Wie geschrieben, mir geht es auch so. Habe mir gerade einen Matrix Xpander gekauft – das ist eher meine Welt :-)

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        TobyB  RED

        Hallo Peter,

        das hätte ich mir denken können ;-) meine letzte Vintage Anschaffung war ne DX7 aus erster Hand von einem Kirchenorganisten in Rente. Ich lerne grade mit der DX Fibel in der Hand das Ding zu verstehen. Mein erster Yamaha Synth ;-)

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      Filterpad  AHU

      Toby, also ich persönlich hätte IMO damit kein Problem, alte Sounds in einen modernen Mix einzufügen. Mit Plugins gemischt geben die alten Geräte evtl. den letzten „Charm“ im Song. Alles nur eine Sache des Mixes. Notfalls kann man noch diverse Effekte einfügen oder mit dem EQ bearbeiten. Wenn ich allerdings einen Song NUR (und rohbelassen) mit alten Geräten mache, dann klingt der Song natürlich auch vintage. Mich hindert definitiv nur die horrenden Anschaffungskosten der analogen Vintage-Synths. 5-6 tsd. Euro sind halt mal nicht drinnen. :( Bsp: Andromeda A6 – was für eine tolle Kiste! Gebraucht ‚mit ordentlichen Kratzern‘ … immer noch bei ca. 3500 :-/

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        TobyB  RED

        Hallo Filterpad,

        die Frage die ich mir halt immer in der Kompositions und Vorproduktionsphase stelle ist, welches Gerät setze ich ein und welchen „Sound“ brauche ich. So sehr ich die älteren Vintage / Neo Vintage Geräte schätze, so wartungsintensiv sind sie. Zum anderen die Zahl derer die solche Geräte warten und ggf. reparieren können wird auch nicht mehr. Insofern begrüße ich die ein oder andere Neuauflage alter Geräte. Ich habe beim Elka nur das Problem, das mir das gesamte Projekt etwas „spontan“ erscheint und zum anderen finde ich die Basisausstattung für den avisierten Preis, sehr Vintage, laut Webseite kostet Midi extra. Und da siegt die Vernunft über den Reflex.

        Plugins sind eine feine Sache, ich persönlich mag einige und nutze Softsynths gerne und oft auf dem IPad. Wenn mir ein Klang zu kalt und digital ist, gibt es viele Wege dieses Manko zu beheben.

        Was die Preise angeht, da muss man abwägen, was das Budget hergibt und was man wirklich braucht. Ich denke im Jahr 2015 gibt es die Alternativen.

        Grüße

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    rw1957  

    Danke auch von der „Plug-in-Fraktion“ für diesen informativen Beitrag.
    Darf ich raten? Die Klangbeispiele sind allesamt von Theo Bloderer.

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      Tyrell  RED 2

      Musst du nicht raten – haben wir groß dazu geschrieben :-). Aber wahrscheinlich hast du dich gleich auf die Soundbeispiele gestürzt und den Text nur überflogen ;-). Theo macht wirklich immer Hammer-Audiobeispiele!!!

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    fmq75

    Danke für den guten und ausführlichen Artikel.Und auch wenn ich die Soundbeispiele toll finde muss ich sagen ich hätte mir mehr Beispiele gewünscht wo man NUR den Synthex hört,darum geht’s ja eigentlich.Dachte ich.Beim letzten Beispiel blicke ich dann garnicht mehr durch,etwas weniger anderes Gerödel wäre nach meiner Meinung wirklich wünschenswert gewesen.

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      paul-jes

      Ein gutes Klangbeispiel des puren Synthex findet man auf YouTube unter „analog lab synthex“. Die Qualität der Aufnahme ist zwar schlecht und leider nur mono, (die Stärken des Synthex liegen ja auch in seinem Panoramaklang) und doch geht nach etwa 3 min. klanglich und musikalisch die Sonne auf.
      Auch von JMPSynth gibt es gute Klangbeispiele auf YouTube.

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    Marko Ettlich  AHU

    Dem Synthex umgibt ein gewisser Legendenstatus allein schon wegen J.-M. Jarre und dem berühmtem Laserharp Sound von P. Wiffen. Imposant schaut die Kiste natürlich auch aus. Ich selbst konnte den Synthex vor ein paar Jahren mal selbst spielen und war vom sterilen und bratzigen Klang eher enttäuscht. Ich weiß, der Klangeindruck eines Synthesizers ist reine Geschmackssache aber ich fand ihn langweilig im Vergleich zu den großen Oberheimis und zum Prophet-5. Das ist was für Sammler aber sammeln diese dann nicht das Original? Man wird sehen was sich daraus entwickelt. Etwas Mut gehört schon dazu.

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      AMAZONA Archiv

      Auch ich schließe mich Marcos Statement zu 100% an!

      Ich bin sowieso skeptisch, was die „Wiederbelebung“ der alten analogen Synthesizern betrifft. Das muß in heutigen Tagen mehr sein, als nur die reine Nachbildung, ansonsten wirkt das wie ein Hilferuf der Firmen, wie: „SOS – uns fällt nichts Neues mehr ein!“

      Für mich war das absolute Highlight auf der Musikmesse der „Schmidt“. Leider bewegt sich dieser Synthesizer in einer Preisregion, die für mich nicht akzeptabel und auch nicht stemmbar ist – leider.

      Sonst konnte mich leider nichts so richtig auf der Musikmesse überzeugen.

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        Marko Ettlich  AHU

        Hast du den Modal 08 von Paul Maddox mal angespielt? Der war für das eigentliche Highlight der Messe. Sehr schöner Klang und keine Kopie. Der wird zwar auch nicht billig aber viell günstiger als der Schmidt.

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          AMAZONA Archiv

          du meinst den 008pro, oder?
          Hat klanglich auch einen sehr guten Eindruck bei mir hinterlassen. Optik und Design fand ich eher weniger ansprechend, aber das ist ja zweitrangig.
          Da geht es mir wie beim Alesis Andromeda, der meines Erachtens fürchterlich aussieht und ein viel besseres Design verdient hätte!

          Nee, mir hat es auf der Messe der Schmidt angetan, und dann kam erst mal lange nichts. Schon komisch irgendwie!

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    fno  

    Danke Peter und Theo für diese Perle! Falls jemand für sich entscheidet, dass ihr/ihm dieses Instrument den aufgerufenen Preis, ob neu oder gebraucht, wert ist, was neben der physischen Realität eben vor allem eine persönliche Frage ist, wird neben Gebrauchtgeräten ein neues zur Wahl stehen. Für mich wäre Alexanders Antwort auf folgende Frage interressant: Falls er einen gebrauchten Synthex auf den Stand des neuen bringt (Austausch aller mechanischen Komponenten, Recapping, eventuell USB-Implementierung und was sonst so anfällt), wäre der bei korrekter Entlohnung des Arbeitsaufwands dann noch merklich günstiger als das Neugerät? Die Antwort könnte den geforderten Mehrpreis relativieren.

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    gaffer  AHU

    Guter Bericht, Theo. Ich bin alt genug, dass ich die Einführung dieses Instruments selbst erlebt habe. Ich hatte auch den einseitigen (glaube ich) Prospekt bekommen. Die wussten überhaupt nicht wo und wer ist mein Kunde. Der Vorführer spielte irgendwelchen Operettenkram im braunen Anzug, spielte es gut, aber….
    Ganz anders dagegen die erste Vorführung des DX 7/9 von diesem englischen Psychologen, später bei EMU, den Namen habe ich vergessen. Vorbereitet mit Printkampagnen (Milestone) die auf ganz Grosses schliessen liessen. Und das haben sie auch geliefert. Ich habe sofort zugeschlagen. Den Elka hätte ich höchstens geschenkt genommen. Also lausiges Marketing und obendrein noch die falsche Technik zur falschen Zeit. Das konnte nichts werden. Jahrelange Verspätungen gab es übrigens nicht nur damals. Leute wie Jarre haben den überhaupt überleben lassen, genauso wie Vangelis den CS 80.

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    L-Fis

    Ein neuer „Mario Maggi“ wäre wirklich ein Hammer. Ich hoffe wirklich, dass daraus etwas wird. Und ein Interview mit dem Mann wäre unglaublich toll !!! Von und über Oberheim, Linn, Smith & Co kann man ja eigentlich recht viel lesen, neuerdings tauchen sogar einige der japanischen Etwickler auf, aber das Phantom Mario Maggi ?
    Bitte,bitte, bitte bleibt da dran…. :-)

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      Tyrell  RED 2

      Das Interview kommt! Den Kontakt zu Mario haben wir schon – und er hat auch schon unsere Fragen. Ihm war wichtig „ein paar Dinge richtig zu stellen“. Wunderbar, wir sind jedenfalls sehr gespannt auf seine Antworten :-)

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    DocNoize

    Hi,

    im Artikel heißt es, der Preis soll über 6000€ liegen. Auf indiegogo gibt es den pre-order aber schon für 3315 USD. Klar wird die Kiste im Laden später teurer sein, aber die beiden Zahlen scheinen mir irgendwie zu weit auseinander zu liegen. Woher stammt die Info mit den 6000€?

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      Tyrell  RED 2

      Über Crowdfun ding kostet der Elka Synthex JETZT 3.315$. Damit sicherst Du dir einen Vorteilspreis, da das Gerät ja noch nicht gebnaut ist. Wenn aber die Firma vorher pleite gehen sollte, sind ind er Regel die 3.300$ futsch, bis auf wenige Prozente die dan der INsolvenzverwalter auszahlt. Ab Dezember soll der Elka Synthex dann für 5.000 Euro (wird aus Finlland geliefert) auf den Markt kommen. Dazu kommen aber unsere Mwst. 19% und die Transportkosten. Macht also round about 6.000€.

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        satchy  

        Hallo zusammen,
        ja. das mit der „crowd­funding campaign“ ist so eine Sache…
        Unter der Rubrik „Flexibler Zielbetrag, Fragezeichen“, ist folgendes erklärt.:
        „Diese Kampagne wird alle gesammelten Finanzmittel erhalten, selbst wenn sie ihr Funding-Ziel nicht erreicht.“
        Also wie Peter schon geschrieben hat, kann der gesamte eingezahlte Betrag auch verloren gehen! Eine Garantie gibt es keine!!
        Darum ist doch etwas Vorsicht geboten.
        Ich hätte auch seeeeehr gerne einen Synthex, werde jedoch warten, bis so ein Ding irgendwo in einem Laden zum antesten bereit steht. Man weiss ja nie…;-)

    • Profilbild
      Tyrell  RED 2

      Übrigens, die Angabe von 5.000€ Ladenpreis haben wir nciht erfunden, sondern ist eine offizielle Aussage der Hersteller.

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