Blue Box: EMS VCS3 / Synthi AKS, Synthesizer

3. März 2012

EMS VCS3

Wer an analoge Synthesizer deutscher Herkunft denkt, dem kommt vor allem Doepfer oder Jomox in den Sinn. Meist vergisst man dabei, dass einer der legendärsten Synthesizer der späten 60er Jahre, der VCS 3 / Synthi AKS, immer noch im kleinen Ort Ditzingen vor den Toren Stuttgarts erhältlich ist. Mit einem Listenpreis von knapp 8000 Euro bestimmt kein Massenartikel. All denjenigen, die sich auch für Instrumente interessieren, die sie sich nicht leisten können, sei der folgende Testbericht gewidmet.

Und ab morgen, 7 Uhr, das Interview zu EMS mit Ludwig Rehberg.

 

Die Geschichte des VCS 3 / Synthi AKS

EMS, Electronic Music Studio, geht auf den britischen Komponisten und Tüftler Peter Zinovieff zurück, der seit Mitte der 60er Jahre mit elektronischer Musik experimentierte – zu Beginn nicht etwa analog, sondern digital. Zusammen mit dem Ingenieur David Cockerell und dem Programmierer Peter Grogno entwickelte er ein digitales Musikstudio, eine Art Ur-DAW, ein Computer mit digitaler Klangerzeugung und Sequencer, der über eine handelsübliche Computertastatur programmiert und gesteuert wurde. Zum Spielen diente eine anschlagsdynamische Klaviatur und dies wohlgemerkt zu Zeiten, als das Wort Synthesizer noch nicht einmal allen Musikern ein Begriff war.

Wohl v.a. aus finanziellen Gründen – das unter dem Namen MUSYS bekannte System wurde immer teurer und ließ sich aber kaum vermarkten – wandten sich Zinovieff und Cockerell einem neuen Projekt zu: Ein analoger Synthesizer sollte es diesmal sein. Sie gründeten die Firma EMS und bauten ihr erstes Modell: Der VCS 1, Voltage Controlled Electronic Music Studio Nr.1. Ein Synthesizer mit zwei Oszillatoren, einem Filter und einer Hüllkurve. Der Prototyp wurde weiter entwickelt und gipfelte im bis heute bekannten VCS3, der 1969 vorgestellt wurde. Damals hielt man übrigens eine Klaviatur nicht für zwingend notwendig bei einem Synthesizer. Der VCS 3 wurde mit einem Joystick gesteuert, für ein tonales Spiel konnte ein Keyboard angeschlossen werden.

Der Synthi AKS auf Ludwig Rehbergs Arbeitstisch

Der Synthi AKS auf Ludwig Rehbergs Arbeitstisch

Der VCS3 war dank seiner angewinkelten Form v.a. für Tonstudios gedacht und nicht gerade transportfreundlich. Es erstaunt deshalb nicht, dass 1971 in Form des Synthi A eine transportable Version erschienen ist. Kurze Zeit später gab’s den Synthi AKS, der nichts Weiteres ist als ein VCS3 im Aktenkoffer, dessen Deckel eine Sensortastatur mit integriertem Sequencer beherbergt. Da man zusätzlich an zwei integrierte Lautsprecher dachte, braucht es nur noch ein bisschen Strom, und der spontanen Elektronik Session unterwegs steht nichts mehr im Wege.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    nativeVS  

    Warum findet denn Jarre’s Deserted Palace keine erwähnung? Das wurde ja nur mit AKS, VCS, einer Farfisa und bodentretern erstellt.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU 1

    „Wer an analoge Synthesizer deutscher Herkunft denkt, dem kommt vor allem Doepfer oder Jomox in den Sinn. Meist vergisst man dabei, dass einer der legendärsten Synthesizer der späten 60er Jahre, der VCS 3 / Synthi AKS, immer noch im kleinen Ort Ditzingen vor den Toren Stuttgarts erhältlich ist.“
    EMS ist so britisch wie der High-Tea oder die Queen und ihre Meschpoche — daß der deutsche Vertrieb im Stuttgarter Raum zu finden ist, ist lediglich ein blöder Treppenwitz der Synthesizergeschichte.
    Zumal man heute noch EMS-Geräte direkt in England bestellen kann. Dauert nur eine Weile, bis sie dann auch mal kommen.

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Synthie A war Klaus Schulzes erster Synth überhaupt, desgleichen bei Tangerine Dream. Brian Eno spielte sein Solo in Roxy Music’s „Virginia Plain“ auf einem VCS3. Der Synthie A war maßgeblich für Tim Blake’s Signature Synth-Sound der „Radio Gnome Invisible“-Trilogie von Gong verantwortlich und trat im Doppel mit Basil Brooks und Miquette Giraudy am Arp 2600 in der „L“-Band von Steve Hillage auf. Auf der Bühne des Amsterdamer „Melkweg“ war während der Gong Unconvention 2006 mit zeitweise 4 Geräten die größte Ansammlung von Synthie As zu bewundern…
    Da er immer noch bei Rehberg auf Bestellung gebaut wird, würde ich nicht mit einem Clone von Behringer rechnen…

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