Blue Box: Farfisa, Polychrome, Synthesizer

2. März 2013

Vintage Orgel oder Synthesizer?

Polychrome front

Ein bisschen Geschichte

Seien wir doch mal ehrlich: Wenn wir den Namen FARFISA hören, dann wird eine Reflexreaktion ausgelöst. Wir denken sofort an Orgeln. Und zwar entweder an die berühmte Compact-Serie, durch die der italienische Hersteller in den 60er Jahren zur Legende wurde – oder an jene musikalischen, sperrigen Möbelstücke mit eingebauter Tastatur, die die Wohnungseinrichtung der 70er Jahre stilvoll ergänzten und gleichzeitig noch einen Zeitungsständer oder sogar einen Sekretär überflüssig machten. Auch Blumenvasen und eingerahmte Hochzeitsfotos in stolzem Format fanden hier Platz. Ja, so eine elektronische Orgel war schon ein Statussymbol – und musste in der Regel einmal im Jahr für Weihnachtslieder herhalten.

Polychrome 1

Skurriles Objekt der Begierde

In den 70er Jahren hatte Farfisa bereits einen sehr guten Namen als Orgelhersteller und weitete seine Produktpalette mit „zeitgemäßen“ Instrumenten aus. So wurden neben Orgeln auch E-Pianos, String Machines und später auch synthesizerverwandte, polyphone Instrumente – sprich Multikeyboards – hergestellt. Die Klangerzeugung dieser Geräte war in verschiedenen Bereichen unterteilt, z. B. in Strings, Brass, Piano, Orgel oder Synthesizer – seltener auch mal Chor. Diese analogen Multikeyboards basierten zwar auf dem Orgelprinzip, verfügten jedoch schon z. B. über einstellbare Filter und Hüllkurven. In dieser Zeit entstanden einige recht interessante Instrumente (übrigens nicht nur von Farfisa). Eines der aufwendigeren und „weniger preiswerten“ Instrumente dieser Gattung ist das Farfisa Polychrome, das 1979 auf dem Markt kam. Leider blieb dem Instrument der kommerzielle Erfolg versagt. Es war relativ teuer, außerdem versäumte es der Hersteller, den Polychrome in der richtigen Weise zu bewerben, sodass das Instrument weitgehend unbekannt blieb.

Klangbeispiele
Forum
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    exitLaub

    Moin. Hoffentlich trete ich jetzt keine Diskussion über Analog vs. Digital o.Ä. los, aber ich kann nur jedem mal einen Blick auf die Kontakt Instrumente von Synthmagic empfehlen. Da gibts neben dem Polychrome auch Samples von ARP Quadra, Korg Delta, Logan Vocalist (!) und BigBand und vom ehrwürdigen Polymoog 280.
    Für alle, die sich die Originale nicht leisten können/wollen. Eine 100%ige Kopie via Sampling ist natürlich unmöglich (Phaselock, Modulationen, Effekte, …). Allerdings wurde der Charakter der Instrumente recht gut eingefangen.

    Peace,
    Gerald

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      c.hatvani  AHU

      Eine Sample-Collection als „Alternative“ zum Polychrome? :-)
      Nicht zuletzt die Kreativität und die Freude, eigene Sounds zu gestalten, bzw. nach Wunsch zu beeinflussen, macht doch so ein Instrument aus.

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        exitLaub

        Nö nö, das sehe ich schon genauso. Ein 100% Ersatz kanns gar nicht sein, allein schon wegen der Haptik. Allerdings handelt es sich dabei nicht um starre Presetsamples. Die Bedienoberflächen wurden liebevoll den Originalen nachempfunden und man kann durchaus seine eigenen Sounds basteln: http://www.....chrome.htm
        Funktioniert bei „einfacheren“ Sounds erstaunlich gut, wenn man mehrere Sektionen layert klingts halt leider sehr schnell ein bisschen „mulmig“ oder „matschig“.
        Hatte in den frühen 1980ern selbst eine Zeit lang u.a. einen Korg Delta (DX7 und Jupiter konnte ich mir damals nicht leisten), weiß also durchaus wie es ist, mit „richtigen“ Instrumenten zu spielen.
        Heute besitze ich zwar keine Vollanalogen mehr, ziehe aber nach wie vor das Bedienfeld eines MicrowaveXT jeder Softwarelösung vor. Und wenn jetzt jemand wie ich keinen Platz für eine weitere Tastatur mehr hat, dann kann so ein Kontaktinstrument schon eine durchaus befriedigende Alternative sein.

        Sehr schöner und detaillierter Bericht übrigens.

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          c.hatvani  AHU

          Eine Alternative? :-) soll jeder nach seinem Fasson glücklich werden. Ich halte jedenfalls nichts von Samples analoger Synthesizer.

          Zumal es bei der genannten Software nach einer Entwicklung von jemandem aussieht, der das Original nur von YouTube Videos kennt. Es ist nicht nur die Haptik, die Sounds klingen auch „dünner“, glaube eher daß die Sounds nachempfunden sind, womit auch immer. Solche „Polychrome-ähnlichen“ Sounds kann man mit vielen Geräten erstellen.

          Zu Deiner Aussage, ob der Charakter der Instrumente „gut eingefangen“ wurde, wie Du oben erwähnst, dazu müsstest Du mit den Originalen gearbeitet haben. Erst dann könntest Du das beurteilen. Und guter Sound heißt nicht automatisch authentischer Sound. Alles andere klingt für mich nach Schleichwerbung.

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    falconi  RED

    Geiler Look. Klingt sehr spezifisch und wirklich toll, „groß und teuer“, auch in mono.
    Noch schöner wäre natürlich stereo, vielleicht tut’s auch ein Stereo-Chorus/Flanger. Oder Du kaufst Dir noch einen Zweiten…

    Vielleicht wird der Farfisa Polychrome die TB303 der Zweitausendwanziger Jahre?

  3. Profilbild
    studiodragon  

    Ja, diese Vintage Kisten, jede hat immer irgendwas besonderes zu bieten.
    Die Klangbeispiele finde ich sehr gelungen, ausser vielleicht die vom Piano, aufjedenfall mehr als Weihnachtslieder kann der, merci für den Bericht !

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