Blue Box: Farfisa, Polychrome, Synthesizer

Rückseite

Auf der Rückseite befinden sich folgende Anschlüsse: GENERAL OUTPUT, VOCAL CHORUS OUTPUT, HEADPHONES und EXT INPUT mit Eingangspegel-Regler.

Im Lieferumfang enthalten war übrigens auch eine nette Tragetasche aus Kunstleder mit dem Farfisa-Logo und ein Pedal.

Polychrome interfacing

Polychrome bag

Fazit

Ich hatte schon einige „polyphone Multikeyboards“ in meinem Besitz, aber nur wenige hatten einen so ausgeprägten Charakter. Die Welt des Polychrome sind einzigartige Flächensounds – in Kombination mit Phaser und Rauschgenerator sind sehr eigene, typische Sounds möglich. Oft glaubt man glaubt es kaum, dass alles aus einem analogen Multikeyboard kommen soll. Der Aftertouch auf die Filter trägt auch seinen Teil dazu bei. Auch die Tatsache, dass jede Klangerzeugungs-Sektion ein eigenes Filter besitzt, macht aus dem Polychrome einen nuanciert einstellbaren Synthesizer. Den Sound sollte man nicht mit Instrumenten wie Prophet-5 oder Memorymoog vergleichen – der Sound geht hier in eine vollkommen andere Richtung. Den Charme des Polychrome machen die interessanten Soundkombinationen mit Detuning der einzelnen Blöcke und seinen Effekten aus – nicht hochwertige Einzelsounds mit unendlichen Möglichkeiten.

Leider ist der Polychrome weder rauschfrei noch besonders zuverlässig. Einzelne Noten der Sektionen können sich im Laufe der Zeit verabschieden und sind von der Tastatur nicht mehr spielbar. Dieses Phänomen kennt man z. B. auch von der Farfisa Syntorchestra. Diesen Defekt kann man aber in den Griff bekommen. Das Farfisa Polychrome ist einer der interessanteren Stücke aus dem Raritätenkabinett – sein charaktervoller Sound ist noch frisch unverbraucht. Platten, auf denen er zu hören ist, sind so selten und unbekannt wie der Synthesizer selbst. Also wenn der Polychrome weder ein Kassenschlager war, noch von irgendwelchen Promis gespielt wurde, dann kann er auch noch kein Kultstatus erreicht haben, richtig? Für ein total „unkultiges“ Instrument ist das Farfisa Polychrome aber ein sehr interessantes Teil, das irre Spaß macht und das leider auch sehr selten zu finden ist.

Zum Schluss noch ein Geheimtipp: Wer für relativ wenig Geld Polychrome-ähnliche Sounds haben möchte und viel Platz zuhause hat, der sollte sich mal die Farfisa Pergamon genauer anschauen. Dies ist eine (200 kg schwere) Luxus-Orgel, die mit der Polychrome interessante Parallelen aufweist. Dieses Gerät enthält die Vocal Chorus-Sektion, Strings und u. a. sogar einen monophonen Synthesizer.

Plus

  • einzigartige Sounds
  • vollpholyphone Klangerzeugung
  • Tastatur mit Aftertouch
  • viele Kombinationsmöglichkeiten
  • Fremdsignale können mit Ensemble und Phaser bearbeitet werden

Minus

  • relativ anfällig
  • Größe/Gewicht

Preis

  • aufgrund der Seltenheit kein Gebrauchtmarktpreis ermittelbar
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    exitLaub

    Moin. Hoffentlich trete ich jetzt keine Diskussion über Analog vs. Digital o.Ä. los, aber ich kann nur jedem mal einen Blick auf die Kontakt Instrumente von Synthmagic empfehlen. Da gibts neben dem Polychrome auch Samples von ARP Quadra, Korg Delta, Logan Vocalist (!) und BigBand und vom ehrwürdigen Polymoog 280.
    Für alle, die sich die Originale nicht leisten können/wollen. Eine 100%ige Kopie via Sampling ist natürlich unmöglich (Phaselock, Modulationen, Effekte, …). Allerdings wurde der Charakter der Instrumente recht gut eingefangen.

    Peace,
    Gerald

    • Profilbild
      c.hatvani  AHU

      Eine Sample-Collection als „Alternative“ zum Polychrome? :-)
      Nicht zuletzt die Kreativität und die Freude, eigene Sounds zu gestalten, bzw. nach Wunsch zu beeinflussen, macht doch so ein Instrument aus.

      • Profilbild
        exitLaub

        Nö nö, das sehe ich schon genauso. Ein 100% Ersatz kanns gar nicht sein, allein schon wegen der Haptik. Allerdings handelt es sich dabei nicht um starre Presetsamples. Die Bedienoberflächen wurden liebevoll den Originalen nachempfunden und man kann durchaus seine eigenen Sounds basteln: http://www.....chrome.htm
        Funktioniert bei „einfacheren“ Sounds erstaunlich gut, wenn man mehrere Sektionen layert klingts halt leider sehr schnell ein bisschen „mulmig“ oder „matschig“.
        Hatte in den frühen 1980ern selbst eine Zeit lang u.a. einen Korg Delta (DX7 und Jupiter konnte ich mir damals nicht leisten), weiß also durchaus wie es ist, mit „richtigen“ Instrumenten zu spielen.
        Heute besitze ich zwar keine Vollanalogen mehr, ziehe aber nach wie vor das Bedienfeld eines MicrowaveXT jeder Softwarelösung vor. Und wenn jetzt jemand wie ich keinen Platz für eine weitere Tastatur mehr hat, dann kann so ein Kontaktinstrument schon eine durchaus befriedigende Alternative sein.

        Sehr schöner und detaillierter Bericht übrigens.

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          c.hatvani  AHU

          Eine Alternative? :-) soll jeder nach seinem Fasson glücklich werden. Ich halte jedenfalls nichts von Samples analoger Synthesizer.

          Zumal es bei der genannten Software nach einer Entwicklung von jemandem aussieht, der das Original nur von YouTube Videos kennt. Es ist nicht nur die Haptik, die Sounds klingen auch „dünner“, glaube eher daß die Sounds nachempfunden sind, womit auch immer. Solche „Polychrome-ähnlichen“ Sounds kann man mit vielen Geräten erstellen.

          Zu Deiner Aussage, ob der Charakter der Instrumente „gut eingefangen“ wurde, wie Du oben erwähnst, dazu müsstest Du mit den Originalen gearbeitet haben. Erst dann könntest Du das beurteilen. Und guter Sound heißt nicht automatisch authentischer Sound. Alles andere klingt für mich nach Schleichwerbung.

  2. Profilbild
    falconi  RED

    Geiler Look. Klingt sehr spezifisch und wirklich toll, „groß und teuer“, auch in mono.
    Noch schöner wäre natürlich stereo, vielleicht tut’s auch ein Stereo-Chorus/Flanger. Oder Du kaufst Dir noch einen Zweiten…

    Vielleicht wird der Farfisa Polychrome die TB303 der Zweitausendwanziger Jahre?

  3. Profilbild
    studiodragon  

    Ja, diese Vintage Kisten, jede hat immer irgendwas besonderes zu bieten.
    Die Klangbeispiele finde ich sehr gelungen, ausser vielleicht die vom Piano, aufjedenfall mehr als Weihnachtslieder kann der, merci für den Bericht !

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