Black Box: Korg Electribe EM-1 Groovebox

25. Juli 2020

Das kleine Schwarze: Korg Electribe EM-1

Als praktische Kombination von Electribe Korg EA-1 & Korg ER-1 wurde die Groovebox EM-1 im Jahr 2001, nur zwei Jahre nach dem Release der Vorgänger, auf den Markt gebracht. Sie kombiniert auf Electribe-typische Art acht Spuren Drums mit zwei monophonen Synthesizerspuren.

Ausgerichtet auf DJs und Live-Acts hat der Hersteller das Gerät mit Sounds und Presets auf moderne elektronische Genre ausgestattet. Der Grundidee des von Roland eingeführten Groovebox-Prinzips war es, dass man mit einem Gerät komplette Tracks produzieren und performen konnte. Dieses Ziel haben die Ingenieure von Korg definitiv erreicht.

Mit einem Gebrauchtwert von 250 – 300 Euro ist die Groovebox für heutige Verhältnisse sicher nur noch etwas für Sammler und Liebhaber. Wie alle anderen Geräte der Serie lässt sich das EM-1 extrem intuitiv bedienen und sehr schnell erlernen. Dies hat zum großen Erfolg der Serie beigetragen und mimte außerdem die Vorlage für die all-time-classics Korg EMX-1 und Korg ESX-1.

Mit nur 1,25 kg Gewicht und ca. 30 x 22 x 6 cm Außenmaßen verschwindet das Gerät einfach in jedem Gigbag. Das Gehäuse besteht, wie seine nahen Verwandten, aus stabilem Kunststoff und sitzt auf einer Metallplatte. Die wohl berühmtesten Benutzer des EM-1 waren die eingefleischten Electribe-Fans von The Prodigy. Das Gerät ist sogar auf einigen ihrer Releases zu hören.

Die Drum-Parts der Electribe EM-1

Die acht Drum-Parts bieten eine Auswahl von 144 PCM-Drumsounds. Da die Samples fest in die Firmware integriert sind, ist es nicht möglich, diese auszutauschen. Die Auswahl der Samples ist gut durchdacht. Es kann so ziemlich jedes Subgenre der elektronischen Musik damit abgedeckt werden. Durch die Verwendung eines 18 Bit DA-Wandlers klingt das EM-1 etwas blechern und hat eine Menge Charakter, was allerdings sicherlich nicht jedem gefällt.

Mittels der Part-Common-Sektion ist es möglich, die Drums rudimentär zu bearbeiten. Zu den editierbaren Parametern zählen die obligatorische Kontrolle von Lautstärke, Tonhöhe und Pan. Der Lautstärkeverlauf der Samples kann ebenfalls kontrolliert werden. Hierzu steht eine einfache AD-Hüllkurve mit kontrollierbarem Decay und einem Gate-Modus zur Verfügung. Bei diesem fällt die Lautstärke nach Ablauf der eingestellten Decay Zeit schlagartig auf Null ab.

Mittels der Roll-Taste können Drumrolls erzeugt werden. Die Samples werden dann auf einem Step mehrfach getriggert. Es werden dabei drei verschiedene Typen unterstützt. Die Kanäle 5 und 6 spielen ihre Samples als exklusive One-Shots ab. Sobald ein Sample erklingt, wird das Abspielen des Samples auf dem anderen Kanal unterbrochen. Das eignet sich super für HiHats, kann aber bei anderen Sounds unter Umständen zum Problem werden.
Durch Drücken der Kanaltaste wird das zugewiesene Sample abgespielt. Es kann also mit ein wenig Geschick sogar eine Fingerdrumming-Performance dargeboten werden. Natürlich nur, wenn man keine Wurstfinger hat.

Kommandozentrale – alle nicht direkt steuerbaren Parameter sind über die Menümatrix zugreifbar

Die zwei Synth-Parts der Groovebox

Das EM-1 leistete Pionierarbeit und führte die später im EMX-1 und Electribe 2 übernommenen Preset-Synth-Parts ein. In diesen wird eine relativ komplexe digitale Klangerzeugung auf wenige einfach verständliche Parameter heruntergebrochen. So ist es nicht notwendig, großes Verständnis von Synthese zu haben, um coole Sounds aus der kleinen schwarzen Kiste zu zaubern.

Geboten werden 50 verschiedene als „Wave“ bezeichnete Schwingungsformen, die größtenteils monophone Standardsounds der virtuell analogen Synthese widerspiegeln. Korg verwendete viele Sounds aus dem Repertoire der hauseigenen digitalen Synthesizer der Zeit wie beispielsweise M1, MS2000 oder DW8000. Es finden sich sogar einige Chord-Sounds im Repertoire, um der eigentlich monophonen Kiste etwas Poly-Feeling zu verleihen.

Die Klangkontrolle hat neben den auch für die Drums verfügbaren Standardparametern der Part-Common-Sektion ein spezielles Set von Kontrollen, abgestimmt auf die Synth-Parts. Lediglich der Pitch-Regler wird zum Glide-Regler.

Das 12 dB Filter verfügt über die klassischen Parameter Cutoff und Resonance und erlaubt es, den Obertongehalt der Schwingungsformen pro Part zu kontrollieren. Auch eine Filterhüllkurve ist vorhanden und kann stufenlos in ihrer Intensität verändert werden.

Wenn die Menge an Obertönen nicht ausreicht, kann mit dem Drive-Regler eine für einen digitalen Synthesizer durchaus angenehm klingende Verzerrung hinzugefügt werden.

In vollem Glanze – das EM-1 ist unverkennbar ein echtes Electribe

Der Sequencer der Korg Electribe

Alle Spuren können individuell stummgeschaltet und in Echtzeit bearbeitet werden. Das macht das EM-1 zu einem großartigen Werkzeug für Livesets. Der Sequencer ist mit maximal 4×16 Steps im TR-Style ausgestattet. Die Patterns unterstützen verschiedene Längen, auch in Triplets und Half-Time.

Das Tempo kann in 0,1-BPM-Schritten zwischen 20 und 300 BPM verändert werden. Praktisch ist die Lock-Funktion, mit der das Tempo bei einem Pattern-Wechsel gleich bleibt.

Die Step-Tasten werden mittels Tastendruck zum Keyboard für die Synth-Parts, leider ohne Erkennung der Anschlagstärke. Zum Einspielen von Melodien lässt sich das Keyboard dennoch überraschend gut verwenden.

Für Synth-Parts ist es möglich, Gate-Zeit und Tonhöhe der Noten manuell zu verändern. Um den fehlenden Velocity-Support zu kompensieren, wurde je ein Accent-Part für Drums und Synth-Parts integriert. In Kombination mit der Motion-Sequence für die Lautstärke ist akzentuiertes Spielen eingeschränkt möglich.

Das EM-1 bietet einen Song-Mode, mit dem Patterns zu kompletten Songs aneinandergereiht werden können. Auch Rest und Tie für Steps sowie ein Step-Record-Modus werden geboten.

Fancy Lights – die Position im Pattern wird über 2×4 LEDs angezeigt

Jeder Kanal kann gesondert stummgeschaltet werden, natürlich gibt es auch eine Solofunktion. Hierzu müssen die Tap- bzw. Transpose-Taste gehalten und der gewünschte Kanaltaster gedrückt werden – der Kern vieler Electribe Live-Performances.

Leider werden die Mute- und Solo-Zustände nicht gespeichert, was sich im Live-Betrieb als großer Nachteil herausstellt.

Mit Motion-Sequences ist es möglich, Reglerbewegungen aufzuzeichnen und wiederzugeben. Die Werte können auch nach der Aufnahme manuell verändert werden. Es besteht die Wahl zwischen Trigger-Hold, das die gespeicherten Werte direkt anspringt, und Smooth, wobei der Übergang sanft interpoliert wird.

Um einzelne Pattern zu editieren, stehen grundlegende Edit-Funktionen zur Verfügung. So ist es möglich, Sounds, Noten und Motion-Sequenzen zu kopieren und zu verschieben. Die praktische Original-Value-LED signalisiert, wenn der zuletzt bewegte Regler sich an der Position befindet, die gespeichert ist. So können nach dem Laden einfach und schnell alle Regler an den Punkt gebracht werden, an den sie gehören.

Es ist möglich, bis zu 265 verschiedene Patterns zu speichern, die zu maximal 16 Songs verbunden werden können. Insgesamt kommt man so auf maximal 35.700 mögliche Events. Im Werkszustand sind 192 der Pattern mit coolem Beispielmaterial belegt. Für Inspiration ist ausreichend gesorgt.

Und Effekte gibt es auch

Electribe-typisch wird ein Satz an Effekten geboten, der das Producer-Herz des Jahres 2000 höher schlagen ließ.

Zur Verfügung stehen Reverb, Flanger/Chorus, Phaser, Ringmodulation, Pitch-Shift, Compressor, Distortion, Decimator (Reduktion der Bittiefe), Resonator (Enhancer), Filter und Modulation-Delay.

Ein zusätzliches Cross-Feedback-Delay kann alternativ aktiviert werden. Es wird immer auf alle Kanäle angewendet und besitzt eine dedizierte Motion-Sequence-Funktion. Beide Delays sind zum Tempo synchronisiert.

Jeder Effekt kann mittels zweier passender Parameter kontrolliert werden. Hier ist in alter Electribe Manier kein großartiges Nachdenken nötig. Eigentlich passt immer alles ganz gut.

Mit dem Effekt-Button kann jeder Part gesondert an das Effektgerät gesendet werden. Leider ist nur ein Effekt verfügbar, den sich alle Spuren teilen müssen. Dies ist einer der größten Nachteile des Electribe Konzeptes und reduziert die Einsatzmöglichkeiten des Effektgerätes stark.

Die Anschlüsse der handlichen Groovebox

Heutzutage Standard, war die NRPN-Unterstützung zur Zeit des Releases ein Highlight. Jeder Parameter des Gerätes kann aus der Ferne über den integrierten MIDI-Port gesteuert werden.

Mittels integriertem MIDI-Trio an der Geräterückseite kann das Gerät in viele Setups eingebunden werden. Über den Ausgang können auch externe Synthesizer und Drummachines angesteuert werden. So ist es möglich, den genial einfachen Sequencer auch für andere Synths zu verwenden. Auch an eine Dump-Funktion wurde gedacht, um erstellte Patterns und Songs über den MIDI I/O als Sysex-Datei zu sichern oder zu laden.

Der Audioausgang ist natürlich in Stereo (6,3 mm Klinke) ausgeführt. Einzelausgänge, wie beim Nachfolger EMX-1, gibt es leider nicht. Der Kopfhörerausgang ist ebenfalls in Stereo ausgeführt, erlaubt aber leider keine separate Kontrolle der Lautstärke.

Die Korg Electribe ER-1 on YouTube

Fazit

Der Sound des EM-1 kann ohne zu zweifeln als der eines wahren Technosynths bezeichnet werden. Der Fokus liegt klar auf harschen und elektronischen Klängen und dem 4/4 Takt. Großartige Bedienbarkeit in einer kleinen und intuitiven Kiste stellt auch in der heutigen Zeit noch ein Novum dar. 

Das Testgerät, das der Redaktion zur Verfügung stand, befand sich im Neuzustand. Leider grenzt es an ein mittleres Wunder, ein Gerät in diesem Zustand gefunden zu haben. Die meisten auf dem Gebrauchtmarkt zu findenden EM-1 leiden an ausgeschlagenen Potis. Der größte Schwachpunkt ist der Effektregler mit seinen elf Stufen. Ersatzteile sind weltweit ausverkauft und so sterben regelmäßig und fortlaufend EM-1 an nicht ersetzbaren Reglern. 

Plus

  • ultimativ intuitiv
  • hochwertige PCM-Samples, vielfältige Synth-Patches und klasse Beispiel-Patterns
  • NRPN-Support

Minus

  • Effektzuweisung extrem eingeschränkt
  • Synth-Parts nur monophon
  • instabile Potentiometer
  • blecherne Audioqualität

Preis

  • ca. 250 bis 300,- Euro lt. Syntacheles Liste 7/2020
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Lo-Fi Streetbeat. Kann man durchaus noch verwenden für die Untermalung von Dokus über Urban Street Subculture oder so.

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      TobyB  RED

      Wenn man die Electribes richtig verarbeitet passt das schon nicht nur für LoFi und Co. Wobei ich alle Electribes mittlerweile durch die iPhone/iPad Versionen aus praktischen Gründen ersetzt habe. Die Automatisierungen und diverse andere Gimmicks waren bei den klassischen Electribes immer eine gute Abwechslung und Ergänzung zum Roland TR Sound. Man muss halt mit dem Decimator sparsam arbeiten und die Motion Sequences mit Verstand einsetzen. Dann haben die EM1 oder eine ESX1/EMX1 immer noch ihre Berechtigung.

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    Numitron  AHU

    Was sind die unterschiede zur emx1? Abgesehen von der röhre, einzelausgängen, Speicherkarte, dem Gehäuse und dem touchfeld.

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      Son of MooG  AHU

      Die EMX-1 bietet mehr Oscillator-Models, einen LFO, drei gleichzeitig nutzbare FX, Patterns mit max. 128 Steps, 9 Drum- und 5 Synth-Parts, Buttons für Part Mute und Solo etc. Ich habe die EMX-1 einige Jahre genutzt, obwohl sie mir etwas zu sehr auf Techno gedrillt ist. Ab und zu setze ich sie aber immer noch ein..

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    Maximilianm

    Hatte lange eine, fürs Studio fand ich die dann einfach nicht mehr zeitgemäß, für live sicherlich vom Sound her noch ein brauchbares Spielzeug, hab sie dann einem Freund verkauft, wie ich an der Syntacheles Liste sehe aber zu einem guten Freundschaftspreis :-D

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    Emmbot  AHU

    Die hatte ich leider nicht, da ich die er und es habe. Der Preis mit 250-300 ist schon Recht hoch. Aber die Alten sind Recht einfach in der Handhabung und kein Menüdiving.

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    Tobi.Bd

    „Das Tempo kann in 1-BPM-Schritten zwischen 20 und 300 BPM verändert werden.“

    Ich glaube, zehntel BPM sind auch möglich. Durch Drücken der Shift-Taste kann man eine Nachkommastelle ändern.

    Ich hatte damals ’ne Menge Spaß mit der kleinen Kiste. Vielen Dank für den schönen Artikel!

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    Saschimi

    Dieses Teil hat musikalisch für mich alles verändert. Ich hatte mir bei Amptown (Vorläufer von JustMusic, damals noch in Hamburg-Bramfeld) für 150 Flocken ein MIDI-Keyboard gekauft, um damit eine geschenkte Version von Mackie Tracktion zu steuern. Das hat so schlecht funktioniert, dass ich es zurückbrachte, woraufhin der Verkäufer mir eine gebrauchte EM-1 hinstellte, mit den Worten „Probier‘ das doch mal…“ – BÄMM! Die Presets gingen sofort in die Beine :) Das Glücksgefühl, als ich damit zu Hause war, werde ich nie vergessen! Nach etwa 3 Stunden hatte ich meinen ersten eigenen Loop kreiert, er ist heute noch gespeichert: A.01 :)

    Vielen Dank für die Erinnerung/den Artikel!

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