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Blue Box: Korg Polysix


Korgs Poly-Hype

Monophone Synthesizer waren schon recht nett, aber immer mehr Musiker wollten polyphon spielen, und vor knapp 30 Jahren ging es damit erst so richtig los.

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Okay, polyphone Synthesizer gab es auch schon in den Siebziger Jahren, aber die KORG PS-Serie war groß, kompliziert in der Bedienung und teuer. Der CS-60 und CS-80 von YAMAHA ebenso und der POLYMOOG erst recht. Der Oberheim OB-4 war zwar auch ein prima Synthesizer, aber Bedienung, Bespielbarkeit und Programmiermöglichkeiten: Naja, zumindest stark gewöhnungsbedürftig. Ein echter Hammer war dann erst der 1978 erschienene PROPHET-5 von der damals noch jungen und kleinen Firma Sequential Circuits. Hier gab es erstmals das, was für alle folgenden polyphonen Synthesizer als Leitbild dienen sollte: überschaubare Klangerzeugung nach MINIMOOG Struktur, Polyphonie (hier 5-stimmig) und volle Programmierbarkeit mit vielen Speicherplätzen! Die Musikwelt war begeistert, doch das Ganze hatte damals auch seinen Preis: 13500,- DM!

Somit blieb auch das für viele nur ein unerreichbarer Traum …

A further star is born

… bis zum Jahre 1982: Hier kam der KORG POLYSIX auf die Welt. Als Bruder des zeitgleich erschienenen MONOPOLY ist der POLYSIX ein recht einfacher 6-fach polyphoner Single-VCO-Synthesizer mit 32 Speicherplätzen und einem Superverkaufsargument: Er kostete nur 3400,- DM! Und nun als erschwinglicher PROPHET-5-Ersatz betrachtet (obwohl er das in Wirklichkeit natürlich nicht ganz war), erfolgte ein unglaublicher Sturm auf die Musikläden. Jeder wollte so ein Ding haben, und somit wurde der POLYSIX ein MEGA-Erfolg mit über 50.000 verkauften Einheiten!

Konzept

Es sollte ein neuer Haupt-Synthesizer für die nachwachsende Band-Keyboarder-Generation geschaffen werden, der folgende Features bieten sollte:

  • Standardsounds wie Orgel, Streicher, Bläser, E-Piano usw. überzeugend anbieten
  • polyphon spielbar (6-stimmig)
  • mehrere Speicherplätze für Sounds
  • einfach in der Bedienung,
  • günstig im Preis

Somit ist die Struktur mit einem VCO (+Suboszillator), VCA, VCF und einer Hüllkurve sowie einem einfachst-LFO simpel, aber wirksam gelungen. Für ausgefuchstere Bass-, Lead- oder Effektsounds gab es ja den MONOPOLY (was auch entsprechend als „ideales Paar“ beworben wurde). Des weiteren gilt hier vieles, was schon im MONOPOLY Bericht gesagt wird, auch für den polyphonen Bruder: Man bediente sich der besten zu dieser Zeit verfügbaren Bausteine, den VCO-, VCF- und VCA-ICs des US-Amerikanischen Herstellers SSM. Denn eben solche integrierten Schaltkreise fanden auch im legendären PROPHET-5 Verwendung. Sie hatten also eine hervorragende Reputation, wurden dort aber aufgrund hoher Ausfallraten später durch CURTIS-Chips ersetzt.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    DietmarB

    Ich muß da mal was korrigierend anmerken: Die im Polysix verwendeten SSM-Chips (2055) sind die verbesserten Nachfolger derer, die im ersten Prophet-5 Einsatz fanden (2050, Hüllkurvengenerator) und gerne ausfielen.

    Weiteres: Die damals noch verwendeten Speicherakkus laufen gerne aus und zerstören meist das komplette CPU-Board. Wer das Ding sowieso MIDIfizieren will kann die Restschaltung nachbauen, denn im Polysix kommen 2 maksenprogrammierte 8048-MCUs zum Einsatz, eine für Tastatur und Arpeggio, die andere für Bedienfeld und Klangerzeugung. Diese werden beim MIDI-Kit von Andreas Hausensteiner, der eine Platinenversion des DIY-Interfaces eines Schweden genmacht hat, komplett durch eine Z80-CPU ersetzt. Der Speicherchip im Polysix ist ein 2114, also ein 1kx4bit, der im Nibble-Mode bestückt wurde – alles aus Spargründen. Hier hatte ich mir damals ein 8Bit SRAM eingebaut und somit doppelte Kapazität, allerdings nur halb genutzt, mit einem umschaltbaren Datenbustreiber hätte man auch die Kapazität vervierfachen können, indem man die brachlienden 4 Bit per Umschaltung nutzt.

    Wer einen Polysix mit spinnenden LEDs auf dem Bedienfeld angeboten bekommt, der nimmer tönt: Klassisches Symptom des Akkusäureschadens und kommt einem Totalschaden gleich.

    Gruß, Dietmar

  2. Profilbild
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    Alex_KIDD

    Der Polysix ist ein unklomplizierter Synthesizer,er klingt gut, er kann eine Menge und er ist bezahlbar.Wenn ich die SynthesizerSixtrak, Juno-6 und Polysixmiteinander vergleiche, so bekommt der Polysix die bestenStrings hin, weich, voll undbreit. Die analoge (Mono)Effektsektion wertet den Synth auf und ist DER charakter im Sound.Die Effekte lassen sich nicht nur zuschalten, sondern auch in der Intensität regeln.Im Gegensatz zum Juno ist der Effekt zwar nur Mono, aber eben justierbar.Auch die Hüllkurven sind schön zackig.Ich mag den Polysix.Meiner Meinung ergänzen sichdie 3 genannten Synthies sehr gut.Was mir nicht gefällt ist die Tastatur.Als analoger Polysynth nur zu empfehlen.

  4. Profilbild
    dynamind

    Der Polysix hatte zwar keine Midibuchse aber man konnte ihn – soweit ich mich erinnere – mit anderen Korg Geräten über eine „sync“ Buchse die aussah wie eine Midi Buchse triggern. Jedenfalls hatte ich in den 90ern mal eine Kombination aus Drumcomputer KPR-77 die den Polysix antriggerte und einen MS-10 den ich irgendwie – ich weiss gar nicht mehr wie – auch noch eintriggerte (Syncbuchse hatte der nicht). Die KPR-77 klang aber meiner Meinung nach nicht besonders (wenn ich die Claps manchmal irgendwo erkenne stösst es mir immer noch auf) und weil das Display des KPR manche Teile nicht anzeigte war auch die Programmierung schwierig – insgesamt also keine Ideallösung aber das beste was ich aus diesen Zufallskäufen machen konnte.

    • Profilbild
      Pflosi

      Der P6 hat keine DIN Buchse, aber einen Triggereingang für den Arpeggiator. Der KPR 77 hat zwei Trigger Ausgänge (Low und High Tom). Ich nehm mal an dass du einen dieser Trigger für den P6 Arpeggiator benutzt hast, und den anderen für den MS10 Trigger Input (es wird dann immer die zuletzt per Keyboard gedrückte Note gespielt, sofern nichts am VCO cv in des MS10 (oder 20) anliegt). Man beachte, dass sämtliche dieser Trigger (P6, KPR 77, MS10 + 20) in bekannter Korg Manier als S-Trigger angelegt sind, für die Einbindung zB mit Roland Equipment muss man die Triggers also „umwandeln“ (der ESP des MS20 kann das zB).

      Gruss!

  5. Profilbild
    c.hatvani AHU

    Zu seinem Erfolg dürfte auch beigetragen haben, daß die Strings (durch die regelbare Ensemble-Schaltung) so gut waren, daß selbst die besten String Ensembles (Solina, Logan, Crumar) einfach überflüssig wurden.

  6. Profilbild
    Pflosi

    Netter Bericht!

    Eine kleine Korrektur allerdings: die VCOs sind keine SSM chips, sondern „diskret“ aufgebaut unter Zuhilfenahme von Opamps. Angeblich soll es sich lohnen, diese Opamps auszutauschen, was meinem an Batteriesäureschaden leidenden P6 aber noch aussteht…

    • Profilbild
      DietmarB

      Ich wüßte nicht, warum man diese Opamps austauschen sollte, handelt es sich dabei um selektierte Bauteile, kann man an den Farbcodes erkennen.

      Der MonoPoly verwendete Oszis von SSM, und zwar die mit Heizung, und den mußte man vorglühen wie einen alten Diesel.

      Die SSM Filter und Hüllkurven im Polysix sind 2044 und 2056, Nachfolger der im Prophet eingesetzten Chips, und im Gegensatz zu diesen wesentlich zuverlässiger. Wenn ich einen defekten Polysix in die Finger bekam, dann hatte er einen ausgelaufenen Varta-Akku mit Folgeschäden.

  7. Profilbild
    gaffer AHU

    Ja, er hat in der Geschichte der polyphonen Synths eine wichtige Position: die erste. Soweit ich weiss, war’s der erste wirklich erfolgreiche polySynthie, danach der DX 7, D 50 und vielleicht der letzte war die M1. Ihr seht, damit sind die 80er komplett abgedeckt, dass die Reihenfolge, vor allem in der Beliebtheit heute eine ganz andere ist, hängt mit dem Zeitgeist zusammen. Nicht zuletzt auch damit, dass man damals (fast) jedes Jahr einen Riesenschritt nach vorne kam und gar nicht die Zeit hatte alle „Seitenentwicklungen“ genauer mitzuverfolgen. Korg hatte durch diesen Erfolg auch etwas den MIDI Einstieg sowie den zu den digitalen Synths verschlafen, auch der Nachfolger Poly61 hatte (zuerst) kein MIDI, die DWs, heute geachtet, wollte fast niemand.

  8. Profilbild
    Marko Ettlich RED

    Einige sehen im Polysix nicht mehr als einen schnöden 1 Osc Poly-Synth mit einer Chorus-Sektion, der ausschließlich für String-Sounds zu gebrauchen ist. Nun der Polysix kann ohne Zweifel wundervolle String-Sounds und Pads erzeugen, aber damit ist das Lied längst nicht zu Ende. Im UniSono Modus klingt der P-6 äußerst brachial und breit. Bombast-Sounds ala Trident kann er mit Leichtigkeit. Die Bässe gehen nicht ganz so tief wie beim Juno-60 aber der Klangcharakter ist auch völlig anders. Einige meinen der P-6 klingt dünner und weniger warm als der Ju-60. Das kann ich so nicht unterschreiben. Der Polysix war für mich eine der wenigen, klanglichen Überraschungen überhaupt.

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Korg Polysix

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